Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke
An die Neonatologenbubble: bei uns ist Multibionta nicht mehr lieferbar. Ist das bei euch auch so? Habt ihr da ne Lösung für?
Ja, ist bei uns auch so. Eine Lösung haben wir noch nicht. Limitieren jetzt auf <1500g und ITS. Im Nachsorgebereich gibt es dann nur noch Vitamin E (und D natürlich).
Nochmal aus Interesse die Nachfrage: kennt ihr die evidenz dahinter? Wie dosiert ihr es?
Bei uns war es damals ab Tag 8 oder 14 oder so? Weiß ich nicht mehr auswendig, bin ja nicht mehr auf Neo, könnte es aber nachschauen. Und auch mehr bei den nicht voll enteral ernährten, wo die Vitamine ja nunmal dann nicht (In ausreichender Dosis) über die Muttermilch/Formula kamen.
LG
Ally
Wir machen die J1 so: Gespräch und Untersuchung ohne Eltern, dann werden die Eltern hinzugerufen, kleine Zusammenfassung, die ich vorher mit den Jugendlichen abgesprochen habe, Frage nach Anliegen der Eltern.
Ich erlebe keine Familie ohne Konflikte, aber wenn sie nicht oft da sind, ist da auch keine Basis, dass sie mir groß was erzählen. Wir versuchen es, in dieser Untersuchung anzubieten, ihnen zu sagen, dass wir auch Jugendärzte sind.
Wir haben Omniflora N (ich glaube früher hatten wir mal Infloran, aber da war ich noch nicht da, kann sein dass das damals auch bei Lieferengpass umgestellt wurde), 2x 1 Kapl./Tag vom 3. Lebenstag an für minds. 10 Tage bei FG <32+0/1500g, ggf. auch bis 32+0, teilweise abhängig davon ob mit Muttermilch oder FG Nahrung ernährt wird. Auch nochmal nach Antibiose oder während Indometacin.
Hatte aber neulich auch nochmal mit einem Oberarzt darüber gesprochen dass wir mit Omniflora N ein eher untypisches Präparat haben, und dass die Evidenz für alle diese Präparate nicht so super toll aussieht, dass man aber zumindest Evidenz dafür hat dass es nicht schadet.
Man versuchts halt....
Vitamin E haben wir keins extra.
Wir geben weder probiotika noch vit E ausserhalb der parenteralen ernährung
Chaoskätzchen
28.05.2020, 18:00
An die Neonatologenbubble: bei uns ist Multibionta nicht mehr lieferbar. Ist das bei euch auch so? Habt ihr da ne Lösung für?
Wir in der Schweiz geben auch Multibionta.
Weil es auch hier nicht verfügbar ist, gibt es neu für die Kleinen Abidec Tropfen.
Hier gibt es für alle < 2500g Geburtsgewicht Nycoplus Multi und Tran.
Schorsche
29.05.2020, 08:58
Vielen Dank für die Antworten! THawk: Wir benutzen es aus zwei Argumenten: zum einen zusätzliches Vitamin D, damit landen wir bei 800IE/d (über die Dosis lässt sich trefflich streiten, mir ist sie tatsächlich ziemlich egal. Wenn man will, kann man auch einfach mehr Vitamin D geben). Der Bedarf an Vitamin E ist bei den üblichen Frühgeborenennahrungen (MM+FMS oder FM85, Prematil) nicht gedeckt. Ich schaue mir die genannten Präparate mal an und dann überlegen wir, ob es den Aufwand überhaupt wert ist...
Bei uns haben alle Frühgeborenen < 1500g Multibionta erhalten ab 100ml/kg/d enteral.
Wo wir grade bei FG sind: arbeitet ihr mit Spendermilchen? Wenn ja, bei welchen Kindern und mit welchen Effekten/Erfolgen?
Wir haben seit relativ kurzer Zeit Spendermilch (im Bereich von Monaten mit Unterbrechungen in der Etablierungsphase), daher kann ich nichts zu genauen Resultaten sagen, aber die gibts ja auch von anderswo, was uns halt überzeugt hat dass wir das haben wollen. Dabei haben wir uns relativ eng an der nächsten größeren Neo-Klinik mit etablierter Milchbank orientiert und machen daher <1500g (und auch bis 1500g erreicht sind), oder begründete Ausnahmen.
(besonders kranke Kinder o.ä., oder als wir Milch im Schrank hatten die bald hätte entsorgt werden müssen haben wir auch mal bis 1600g gegeben, oder als das neue kleine Kind Spendermilch bekam und von der aufgetauten Flasche viel übrig blieb hat halt das eine Kind das gerade die 1500g erreicht hatte ein paar Tage länger noch die "Reste" bekommen, etc.....)
Zum Vitamin D: Was habt ihr da als Gesamtdosen? Rechnet ihr da das Vitamin D aus FG-Nahrung oder FMS mit ein? (das schwankt dann ja ein bisschen je nach aktueller Nahrungszufuhr).
Spannende Themen.
Zu den Vitaminen: Mir ist keine Studie bewusst, die einen positiven Effekt von Vitamin E-Substitution gezeigt hat. Das wurde mal in Rahmen von RCTs zur Prävention von Anämie untersucht, aber viel Evidenz habe ich nicht gefunden. Insofern bin ich ganz happy, dass wir das nicht machen (mir sind diese Kombi-Präparate immer schon etwas suspekt).
Zur Frauenmilch: Ja, wir nutzen sie regelhaft und haben seit Ewigkeiten eine Muttermilch-Sammelstelle. Die meisten unserer Spenderinnen sind Mütter frühgeborener Kinder. Für alle Frühgeborenen geben wir die erste Nahrung als Frauenmilch (Mikrobiom) im Alter von 6 Lebensstunden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, welche Kinder es weiter erhalten, definitiv alle < 1500g, kann aber auch < 34 SSW sein. Wir haben sowohl pasteurisierte als auch rohe Frauenmilch (abhängig von der Bakterienkonzentration). Die rohe wird den extrem unreifen Frühgeborenen gegeben und ist tatsächlich sehr kostbar (weil selten). Durch pränatale Stillgespräche und seitdem die Mütter auf Station am Inkubator Milchpumpen nutzen können und ihre frische Milch auf Station abgeben (und nicht in der Milchküche), sehen wir deutlich früher ausreichende Mengen an eigener Muttermilch. Meist haben unsere Kinder an Lebenstag 8 nur noch eigene Muttermilch (i.d.R. 80-100%).
Man muss mit Frauenmilch aufpassen, dass das Abpump-Management der Kindesmutter nicht in den Hintergrund tritt. Positive Effekte in der Literatur betreffen v.a. NEC, aber auch andere Mikrobiom-Effekte. Man muss nur aufs Wachstum aufpassen wenn man langfristig Frauenmilch gibt, weil die Frauenmilch meist weniger kalorienreich ist.
Sagt mal, war was vor 10 Monaten oder hab ich gerade einen Lauf? Letzten Monat eine Epispadie und ne Lipomyelomeningozele, heute eine offene Spina bifida (alles vorher nicht bekannt). Gibts bei euch auch eine irgendwie geartete Häufung von Fehlbildungen?
Wird echt Zeit, dass meine Intensivrotation zu Ende geht, heute musste ich auch das erste Mal bei ner Erstversorgung drücken...
Mann, ich ärger mich so über mich. Ich hab ne Manifestation DM1 verkannt. Es ist nicht passiert, außer Verzug von Tagen zur Diagnose, allerdings ohne dass irgendwas schlimmeres passiert wäre. Aber es ärgert mich. 5 Jahre ist die letzte Diagnose her und ich finde mich einfach zu nachlässig, dass mir das durchgerutscht ist.
13 J, m, Wespengiftallergie, hat 3. stationäre Wespen-Hypo hinter sich, heute Wiederaufnahme zur 4. Am Montag Vorstellung, er sei so müde, habe ziemlich Gewicht verloren. 5 kg in 5 Wochen, 10 kg in 3 Monaten, jetzt untergewichtig, wirkt müde und traurig, und dünn. Normales Essverhalten, normales Trinkverhalten, keine Schmerzen. Körperliche Untersuchung ergab auf etwas geröteten Rachen keinen auffälligen Befund, insbesondere auch keine Hepatosplenomegalie. Ich habe eine Blutentnahme gemacht und habe deutlich erhöhte Transaminasen gefunden, aber keine aktive EBV, sondern Z.n. weiter zurückliegender EBV-Infektion. Inkl. Nachmeldungen war einfach alles ok. Hep-Serologien, LDH, CK, BNP, Eiweiß usw. usw. alles oB.
Mir war das alles suspekt (hab allerdings an Tumor oder sowas gedacht, aber auch ganz kurz mal an DM1, hatte aber kein passendes Röhrchen für Glukose abgenommen), sodass ich die Kollegen der Uni angerufen habe, die ihn heute aufnehmen sollten und habe erreicht, dass er heute schon um 8 statt nachmittags zur Spritze und dann Überwachung kommen konnte. Naja und dann kam der Anruf, BZ bei 26, Manifestation. Er trinke 5-6 l am Tag! Aber die sagten auch, dass Mutter und Sohn sagte, er trinke schon immer so viel, das sei nicht mehr geworden! Aber hätte ich nicht nur nach der Normalität der Trinkmenge gefragt, sondern die Menge erfragt, hätte ich die Glukose mitbestimmt, einen Urin in der Praxis gemacht. Dann wäre die Diagnose Montag und nicht Freitag gestellt worden.
Ich hoffe, es ist mir eine Lehre und ich behalte es besser im Kopf. Gewichtsabnahme + ausgeprägte Müdigkeit hätte klingeln müssen.
@Kandra: Wie lange hast du denn noch Intensiv? Die Duplizität der Fälle ist immer wieder ein komisches Phänomen.
aschenputtel1977
27.06.2020, 07:54
Mann, ich ärger mich so über mich. Ich hab ne Manifestation DM1 verkannt. Es ist nicht passiert, außer Verzug von Tagen zur Diagnose, allerdings ohne dass irgendwas schlimmeres passiert wäre. Aber es ärgert mich. 5 Jahre ist die letzte Diagnose her und ich finde mich einfach zu nachlässig, dass mir das durchgerutscht ist..
Liebe Annekii, ich hab ja eine Schwerpunktpraxis Diabetes übernommen ( ich hab die SubSpez aber noch nicht) und rate mal:in meiner 2. Woche bekam ich einen vorgestellt mit Ausschlag am Genitale. Na ja, Soor halt.... Die Mama fragte dann wo das herkommen kann, es war Hochsommer, er trug Windeln, da kann das mal passieren. Im Rausgehen fragt sie, ob das davon kommen kann dass er immer so nasse Windeln hätte. Er hätte nämlich einen neuen Trinkbecher und da hat er so viel Spaß am Trinken, dass er das immerzu tue... Na wird schon nichts sein, wir machen der Vollständigkeit halber aber mal n BZ. Die Schwester hat 2 x gemacht, weil sie dachte, der Wert ist falsch, 27,3 mmol/l. Wenn Mama die nasse Windel nicht erwähnt hätte, hätte ich auch nicht dran gedacht.
Aber ungewollte Gewichtsabnahme lässt mich tatsächlich immer dran denken, hab da auch so meine Erfahrung gemacht in der Klinik. Eingewiesen mit V.a. Tumor: Gangunsicherheit, Haarausfall, -20 kg... War dann doch n Typ 2...
Aber so bleibt man geistig rege, denk ich immer :D
Feuerblick
27.06.2020, 08:19
@Annekii: Aus solchen, ja glücklicherweise in den meisten Fällen folgenlosen, Fehlern lernt man nachhaltig und passt seine Anamnesefragen entsprechend an. Den nächsten Patienten hilft es und sowas passiert dir nicht nochmal. Aber ja, man ärgert sich... Kennt wohl jeder von uns.
@Kandra: Wie lange hast du denn noch Intensiv? Die Duplizität der Fälle ist immer wieder ein komisches Phänomen.
Der Juli ist mein letzter Monat, dann gehts in die Psychosomatik.
Gestern gabs den zweiten Pneumothorax. Sehr eindrucksvoll im Kaltlicht, Röntgen haben wir dann erst nach der Drainageanlage gemacht. Da es während der Übergabezeit war, hat diesmal aber mein Kollege die Drainage gelegt, ich hab da jetzt tatsächlich wenig Ambitionen mehr.
Ein bisschen ärgere ich mich, weil ich ein paar Stunden vorher schonmal kurz ans Röntgen gedacht habe. Da war aber die Mutter da, deswegen hab ichs erstmal noch sein lassen bei da noch stabilem Kind.
Wie du, werde ich draus lernen Annekii und es das nächste Mal anders machen :)
Wir hatten das mit der Diabetes Manifestation genauso aus der anderen Richtung. Am Donnerstag noch mit Windelsoor beim Kinderarzt gewesen (1,5 Jahre alt) und am Samstag morgen bei uns mit pH 7,0... Aber hinterher ist man immer schlauer, und Windelsoor ist ja nun auch nichts so super seltenes....
1,5 Jahre ist soooo schrecklich früh für die Manifestation :-heul Aber ja, wenn wir bei jedem Windelsoor an DM1 denken würden, würden wir fast täglich BZ messen müssen.
Mittlerweile gibt es bei meinem Jugendlichen vielleicht noch ne andere Ursache für die Transaminasenerhöhung. Ich hatte am Anfang ja noch alles mögliche nachgemeldet, als nur die Transaminasen erhöht waren und 8 Tage nach der Blutentnahme kam der Befund einer frischen HepE-Infektion. Die habe ich dann noch an die Klinik gemeldet. Mal sehen, ob das irgendeine Mitreaktion von irgendwas ist, dass die Titer da positiv sind oder ob das echt ist.
@Kandra: Ich wünsche eine schöne Zeit in der Psychosomatik! Mein halbes Jahr dort hat mir sehr viel gebracht, wenn ich auch weiß, dass ich das nicht auf Dauer kann. So viele Kinder wie da habe ich nie "mit nach Hause genommen". Da fehlt mir irgendwas zur Abgrenzung. Krebs und Behinderung und Tod und und und ist auch alles schrecklich, aber das kriege ich professionell meistens hin, aber diese kaputten Familien, bindungsgestörte Kinder, Gewalt, fehlende Liebe, das schaffe ich einfach nicht.
Aber auf Zeit war es toll, in einem interdisziplinären Team zu arbeiten, viel Austausch zu haben, Techniken zu lernen, usw. Und auch Hoffnung, dass nicht immer alles kaputt bleibt, was kaputt kommt.
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