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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke



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epeline
11.01.2016, 13:04
Krasse Geschichte, annekii!
Die Angst, was zu übersehen, hab ich auch immer, gerade alleine im Dienst.
Man bekommt ja von den Niedergelassenen so gut wie kein Feedback, ob das gut ist, was man da macht. Man schickt sie ja doch recht oft noch mal hin.
Finde es toll, dass der Thread hier jetzt so aktiv genutzt wird. Freue mich übrigens sehr auf meine neue Stelle.

murkel
13.01.2016, 13:34
Heut war ich ja mit meinem Kleinen impfen. Und da sprach mich die Kinderärztin wegen einer gemeinsamen Patientin an. Ich hab die Mutter in der Schwangerenberatung gehabt. Dabei ist in der 17. SSW eine Megazystis auffällig gewesen, weswegen ich sie umgehend zu den Feindiagnostikern geschickt habe. Die Kollegin hat sie dann gleich weiter in die Charité geschickt. Da lauteten dann die US-Befunde: Megazystis, Megaureteren, Klumpfüße beidseits. Nieren nur blande gestaut. Und ich hatte immer noch sowas wie eine Blase an der Penisspitze gesehen. AC wurde in der Charité gemacht, war unauffällig. Ich bin dann leider in Schwangerenurlaub gegangen und hatte dann nichts weiter gehört. Jedenfalls hat die Frau mittlerweile entbunden. Das Kind hat ein Prune-Belly-Syndrom mit aplasie der Bauchmuskulatur, Megaureteren, einem Riesenpenis (die Kinderärztin erzählte, die Mutter meinte es wäre alles in Ordnung und dann nimmt die Kinderärztin die Windel weg - darauf wäre sie nicht vorbereitet gewesen) und Kryptorchismus. Die Klumpfüße haben sich nicht bestätigt. Es ist jetzt mit einem Zystofix versorgt. Die Mutter selbst ist eher von einem etwas niedrigen sozioökonomischen Status, überblickt die Situation und die Ganzeit des Krankheitsbildes überhaupt nicht (schafft sie geistig nicht), der Kindsvater sei geistig behindert, die Mutter der Kindsmutter ist starke Alkoholikerin und die Kindsmutter hat schon einen 3jährigen Jungen, der zurückgeblieben ist. Tolle Voraussetzungen...

WalterSobchak
15.01.2016, 06:31
Och nöööööööööö.
Der Klassiker. Kind mit riesen Hilfebedarf und Eltern mit im Grunde eben solchem. Kümmern um eigentlich 3 Leute. Ein Fall, bei dem man als Niedergelassener wieder Ewigkeiten aufwendet, damit das Kind anständig versorgt wird. Familienhilfe, Jugendamt, Anträge über Anträge etc etc.
Meist noch immobile Eltern ohne Auto (in Berlin mag's gehen, hier im flächenland ein echtes problem).
Die arme Kinderärztin...

annekii
15.01.2016, 07:34
Ohjeee, das kommt mir gerade sehr bekannt vor. Ich habe wegen Rückführung aus einer Wohngruppe zur Mutter ein Kind übernommen mit OTC-Mangel, Z.n. LTX, Z.n. Ernährung über PEG, fokale Epilepsie mit täglichen Anfällen, Z.n. Media-Infarkt, usw. Das Milieu ist auch sehr sehr schwierig. Seit Tagen kümmere ich mich um die Kontakte der betreuenden Kliniken und Förderschule, um mir erstmal ein Bild zu machen und dann auch wirklich das Kind so versorgen zu können. Denn solche können von unserer Kleinstadt meist nicht mal in die Uniklinik der Nachbarstadt fahren, weil der Bus zu teuer ist. Da muss schon ich vor Ort alles regeln. Aber irgendwie mache ich das auch gerne. Bin mal gespannt .... ich werde jetzt ein zweites Antiepileptikum auf Plan des SPZs einsteigern und wöchentlich dazu den Tacrolimus-Spiegel bestimmen. Die Venen sind mir schon als grottig bezeichnet worden. Wenigstens habe ich endlich alle Ausnahmekennziffern und Praxisbesonderheiten, um diese teuren Patienten aus dem Budget zu nehmen. Allein das Tacrolimus kostet pro Packung 500 €, die 15 Tage reicht!

Ich habe gerade Schwestern durch Wechsel verloren, deren Eltern ich wohl auf den Sack gegangen bin. Nun muss ich das gut übergeben, damit die nächste Kollegin dran bleibt. Das ist die indische Familie, von deren anämischen Kind ich hier berichtet habe. Trotz aller Versuche steigt der Hb einfach nicht an und ich muss sie wieder in die Hämatologie (Uniklinik, Nachbarstadt) schicken, wo Ausschluss Eisenresorptionsstörungen und andere Spezialuntersuchungen laufen sollen.
Das Baby der Familie, ein hypotrophes NG mit gerade 2000g zur Geburt, hatte mit 8 Wochen eine fieberhafte Pyelonephritis, die ich leitliniengerecht eingewiesen habe zur i.v.-Therapie. 4 Wochen später hatte sie die nächste, wieder mit >40°C Fieber und schlechtem AZ, Berührungsempfindlichkeit und allem. Die haben sie gegen Unterschrift zuhause oral behandelt, weil sie nicht mehr in die Klinik wollten. Und ich sprach die Empfehlung einer Refluxprüfung aus (Uniklinik, Nachbarstadt), da 2 PNs in so kurzem Abstand und so jungem Alter. Von der neuen Kinderärztin habe ich nun gehört, dass sie wechseln, weil ich immer nur in die Klinik und in die Nachbarstadt schicken würde und nichts alleine könne. :-?
Unbefriedigend und ich grübel, was ich besser machen könnte.

Trojan
15.01.2016, 10:02
Nix. Ohne dich zu kennen- Du scheinst Deine Arbeit mit großem Engagement zu machen, wer von so einer KÄ wegwechselt, ist selbst schuld. Die Aussagen der Eltern sind ne Unverschämtheit. Das Problem heutzutage ist, daß jeder Hans und Franz meint, ärztliche Arbeit beurteilen zu können und -wenn nach eigener Beurteilung "inkompetent"- den Arzt zu wechseln. Nicht beirren lassen von solchen Idioten. Du wirst bald einen stabilen Pat.- Stamm haben, und das sind dann die Pat., mit denen Du gut kannst und die auch immer wiederkommen. Und hab keine Scheu, auch mal jemanden, der sich so verhält, rauszuschmeißen.

ehem-user-11022019-1151
15.01.2016, 10:28
Von der neuen Kinderärztin habe ich nun gehört, dass sie wechseln, weil ich immer nur in die Klinik und in die Nachbarstadt schicken würde und nichts alleine könne. :-?
Unbefriedigend und ich grübel, was ich besser machen könnte.

Und wenn du nicht eingewiesen hättest, würden die auch meckern. Das ist doch immer das gleiche :)
Schließe mich auch meinem Vorredner an: an deinen Berichten merkt man, dass du deine Arbeit gut und mit Engagement machst.
Aber dass man grübelt, warum jetzt jemand wechselt und was man vielleicht noch hätte machen sollen, kann man nicht ganz unterdrücken..

Trojan
15.01.2016, 10:41
Ging mir zuerst auch so...Der Grund, warum die Leute den Arzt wechseln, ist aber meistens komplett idiotisch.Von mir wurde mal die Heilung einer diabetischen PNP verlangt, als ich mitgeteilt habe, daß man das nur symptomatisch behandeln kann, ist die Pat. auch woanders hingegangen. Viel Glück. Einer hat mal den Arzt gewechselt, weil er in meinem Wartezimmer 7 (!) Minuten auf ne Blutentnahme warten musste...

epeline
15.01.2016, 11:42
Denke auch, du darfst dir das nicht zu Herzen nehmen. Ist doch alles richtig gelaufen.
Ich finde es auch immer spannend, wenn jeder Stempel in U-Heft und Impfpass von ner anderen Praxis stammt....

annekii
15.01.2016, 16:08
Oh, danke schön! Ja, man sollte sich dann nicht verunsichern lassen, aber irgendwie ist es gerade bei solchen immer blöde, wenn man sich dahinterklemmt und sich kümmert. Naja, andere mögen unsere Arbeit und sind zufrieden.
@Epeline: Ja, Wechsler ohne Umzug, die man im U-Heft und Impfausweis erkennt, sind meiner Meinung nach fast immer schwierige Patienten. Die sind nirgends zufrieden. Und dann erzählen sie einem schlimmste Geschichten von den Kollegen, wobei man sich ja untereinander oft kennt.

murkel
15.01.2016, 16:25
Und das sind auch die, die auch schnell weiter wechseln, weil sie wieder nicht zufrieden sind. Ih hab mir am Anfang auch immer einen Kopf gemacht, wenn jemand wechseln wollte. Mittlerweile bin ich auch entspannter. Man kann eben nicht mit jedem. Und wenn dann so Spannungen herrschen, dann leidet meiner Meinung auch die Arzt-Patienten-Beziehung. Dann hab ich keinen Spaß und der Patient ist unzufrieden. Vielleicht können sie mit der Kollegin/dem Kollegen besser, vielleicht merken sie aber auch, wie schön es bei dir war und wie engagiert du warst. Dafür kommen neue Patienten, die zu dir wechseln. Und irgendwann stimmt der Patientenstamm schon.

Jule-Aline
15.01.2016, 16:30
Annekii,du machst eine gute Arbeit.Allein deine ausführlichen Berichte lese auch ich sehr gern.Ich oute mich auch als 1x KiA Wechsler.Im Notdienst war ich bei einem Arzt,der sehr nett zu meinem Sohn war,sich Zeit nahm und mit mir redete.Da habe ich spontan gefragt,ob er uns noch nimmt,er würde gut mit meinem Kind umgehen.Über den alten Arzt habe ich kein Wort verloren,der ist aber auch bekannt,dass von ihm die Leute öfter wegwechseln.

annekii
15.01.2016, 16:53
@Jule: Ich meine auch nicht die, die einmal wechseln von bestimmten Kollegen ;) Es gibt bei uns 4 Praxen und wenn jemand von allen Impfungen und U-Untersuchungen gemacht bekommen hat, ist das schon auffällig.
Im Übrigen habe ich mit der Kleinen auch gewechselt, die Große ist aber weiterhin beim Kollegen. Aber die Kleine mag ihn irgendwie nicht und meine ehemalige Chefin aus der Praxis mag sie gerne.

WhiteMountains
15.01.2016, 17:19
binden die euch das auf die nase? wenn mir ein arzt nicht passt, verabschiede ich mich höflich und komm halt nicht wieder mit dem kind...
der einzige bei dem ich mal deutliche worte gefunden habe, war ein zahnarzt im notdienst der ihm mit damals 2 nach einem unfall einen zahn ausgebrochen bzw mittendurchgebrochen hat, der das erstens gar nicht gebraucht hatte wie sich später beim gewohnten kinderzahnarzt rausstellte und zweitens ohne jegliche analgesie.
es hat _jahre_ gedauert bis zahnarztbesuche nicht mehr in kreischender panik stattfanden.
aber der wusste sehr deutlich was ich von ihm hielt bis wir aus der praxis waren...

Muriel
15.01.2016, 20:47
Mein schönstes Erlebnis zum Arztwechsel war eine Patientin, die mehrfach bei mir war und mir sagte, sie sei ja so zufrieden und fühle sich gut aufgehoben und die dann auf einmal nur noch zu meinem Kollegen wollte. Grund: Sie bekam irgendwann heraus, dass ich zum damaligen Zeitpunkt noch keine zwei Buchstaben vor meinem Namen hatte, was sie dann doch sehr an meiner Kompetenz zweifeln ließ ;-)

ehem-user-11022019-1151
15.01.2016, 22:00
Mein schönstes Erlebnis zum Arztwechsel war eine Patientin, die mehrfach bei mir war und mir sagte, sie sei ja so zufrieden und fühle sich gut aufgehoben und die dann auf einmal nur noch zu meinem Kollegen wollte. Grund: Sie bekam irgendwann heraus, dass ich zum damaligen Zeitpunkt noch keine zwei Buchstaben vor meinem Namen hatte, was sie dann doch sehr an meiner Kompetenz zweifeln ließ ;-)

Zwei nicht, dafür aber sechs Buchstaben :)

tragezwerg
16.01.2016, 06:15
Mein schönstes Erlebnis zum Arztwechsel war eine Patientin, die mehrfach bei mir war und mir sagte, sie sei ja so zufrieden und fühle sich gut aufgehoben und die dann auf einmal nur noch zu meinem Kollegen wollte. Grund: Sie bekam irgendwann heraus, dass ich zum damaligen Zeitpunkt noch keine zwei Buchstaben vor meinem Namen hatte, was sie dann doch sehr an meiner Kompetenz zweifeln ließ ;-)

"Nur" Arzt wäre ja auch zu wenig. Da gerät das sorgsam erlogene Weltbild ins Wanken...

WalterSobchak
16.01.2016, 11:44
Ich hatte zuletzt eine P-Patientin, die den KA wechselt, weil ich auf ihre Rechnung die bestehende Sichelzellanämie ihrer Enkelin vermerkte. (Das Mädchen lebt in Afrika, kommt 1x im Jahr her zu Oma und wird dann p-versichert)
Sie möchte diese Diagnose nämlich der Versicherung nicht angeben (gibt keine Gesundheitsprüfung) aus Angst vor hohen Beiträgen, bzw gar nicht mehr genommen zu werden. Das Kind kam mit Fieber und Ganzkörperschmerz - DD sichelzellkrise spielte ne Rolle in meinem Kopf und beeinflusste mein Handeln, insofern hielt und halte ich es auch für gerechtfertigt, die Diagnose zu erwähnen.

epeline
17.01.2016, 14:59
Ich musste neulich einen Entlassungsbrief umadressieren.
Schließlich sind schon zwei weitere Kinder mit Noroviren aus der PRaxis stationär aufgenommen und "die macht einfach nichts".
Weiß zwar nicht, was man da machen sollte, wenn sich 3 Kinder aus der gleichen KiTa-Gruppe das gleiche Virus einfangen, aber naja ;-)
@Jule-Aline, ich meine keine einmaligen Wechsel. Da stecken manchmal doch recht verständliche Gründe hinter. Aber wenn jede U und jede impfung ein anderer gemacht hat, wird man schon stutzig.

rvq64
20.01.2016, 10:10
Hallo zusammen!
Ich bin gerade auf der Job-Suche im Raum Hamburg-Norddeutschland in der Pädiatrie - nicht ganz einfach trotz PJ-Wahltertial.
Wo welches Krankenhaus eine Päd hat, ist ja nicht so schwer rauszufinden, nur die interessanten Dinge wie: Betreuung? Klima? Kollegen? verstecken sich etwas besser :-oopss
Da die Klinik-Wahrheiten/Amboss-Steigbügel/Suche hier im Forum leider nicht so viel (aktuelle) Infos hergegeben haben und mein PJ-Haus (wo ich sehr gern angefangen hätte) leider keine Stelle frei hat, jetzt die Frage:

Wer kennt nette Abteilungen? Welche Abteilung ist eventuell besonders gut von der Weiterbildung?
Ich bin nicht wahnsinnig festgelegt, was die Größe des Hauses angeht, kann auch die ein oder andere Überstunde verknusen und mein Herzenswunsch wäre es, "einfach" eine gute Kinderärztin zu werden, obwohl ich an den Großraum HH gebunden bin.
Über Tips würde ich mich riesig freuen!

Gallilei
21.01.2016, 21:36
Samstag ist mein Stichtag zum Lernbeginn für die FA-Prüfung. Einerseits hochmotiviert, andererseits graust es mir.

Zum Thema Wechseln: Irgendwie weiß man bei den meisten doch schon während des Besuches, ob sie wiederkommen oder nicht. Denn die Chemie stimmt ja nicht nur einseitig nicht. Aber gerade in der Kinderheilkunde hat man ja häufig nicht primär dem direkten Gesprächspartner und Entscheidungs-/Complianceträger gegenüber eine Verantwortung, so dass ich da möglichst versuche, eine vernünftige Basis zu finden. Aber das geht nun mal nicht immer. Dann sollen die Eltern eben zu dem in der Stadt bekannten Nichtimpfkollegen gehen, wenn sie meinen, dort besser aufgehoben zu sein, ich werde sie nicht "bekehren" können.