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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke



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WalterSobchak
13.02.2016, 07:53
Da wurde kürzlich noch die Aktivität dieses Threads gelobt und ZACK - liegt er 3 Wochen brach... :-D

Influenza und RSV treiben hier ihr ihr zunehmendes Unwesen... Bei euch auch?

Moonchen
13.02.2016, 08:08
Bei uns sind die RSV-Schnelltests aus und die Firma hat Lieferschwierigkeiten :-peng
Aber rein klinisch gesehen - ja!

annekii
13.02.2016, 08:11
Ja, bei uns auch. Und Bordetella parapertussis, den ich klinisch nicht von RSV unterscheiden kann. Es bleibt viel liegen und ich arbeite das sonst gerne im Notdienst auf, aber im Notdienst klotzt man auch arg ran gerade.

WalterSobchak
13.02.2016, 08:41
Annekii, habt ihr nen (vernünftigen) RSV-Test für die Praxis?
Ich sah im Notdienst letztens ein Kind - klinisch eindeutig RSV - das allgemeinärztlich bei V.a. (!) Bronchitis mit cefaclor anbehandelt wurde. Nur cefaclor. Keine Nasentropfen, keine Inhalation, nichts. 7 Wochen altes Kind.
Ich will nicht anmaßend sein, aber:
Fehlt (insbesondere älteren Kollegen) das Bewusstsein für diesen Erreger?

vanilleeis
13.02.2016, 10:04
Macht ihr in der ambulanten Versorgung regelhaft Erregernachweise oder waren das Zufallsbefunde, Annekii?

pry87
13.02.2016, 12:24
Hallo liebe Mitstreiter!
Ich möchte mich bald für die FA-Prüfung Pädiatrie (Sachsen) anmelden. Momentan bin ich noch auf der Suche nach einem passenden (Kurz)Lehrbuch. Könnt Ihr da eines empfehlen? Ich "liebäugele" etwas mit dem Intensivkurs von Frau Muntau (Elsevier-Verlag), aber da ist die neueste Auflage von 2011... Besten Dank schonmal!

annekii
13.02.2016, 15:15
Nein, wir haben keinen Test in der Praxis, machen ab und an Rachenabstriche mit trockenen Tupfern und schicken die auf Influenza, RSV oder so einen Multiplex-Test ins Labor und haben z.T. sogar am selben Tag noch Ergebnisse für Influenza und RSV, das andere am nächsten Tag. Aber beileibe kriegen das nicht alle Patienten, sondern eher die ersten, um nen Namen zu haben für das, was man dann 100x sieht oder wenn die Eltern einem nicht glauben können, dass es nur ein viraler Infekt ist.
Aber Bordetella parapertussis kam da öfter raus oder bei Kindern, die wegen Sauerstoffbedarf in die Klinik mussten. Da habe ich auch mal ein Makrolid angesetzt, wenn auch der Rest passte. Kann aber auch sein, dass ich eh nur den abflauenden Zeitpunkt erwischt habe.

@pry87: Ich habe zwar für die Prüfung 2014 damit gelernt, fand aber da schon manches veraltet und die Bereiche, die ich gut konnte, auch etwas kurz. Ich habe dann immer wieder woanders tiefer gelesen, mich aber an diesen Texten orientiert. Aber meine Prüfung habe ich eh aus dem bisher im Arbeitsleben gelernten beantworten können. Es gab wirklich nur einen winzigen Teil, den ich beim Lernen gelernt habe, und der war nicht mal explizit gefragt, sondern gab eher nen Bonus für mich. Daher bin ich vielleicht kein guter Ratgeber. Aber jetzt profitiere ich immer noch sehr davon, nochmal das ganze Fachgebiet wiederholt zu haben.

annekii
13.02.2016, 16:34
Annekii, habt ihr nen (vernünftigen) RSV-Test für die Praxis?
Ich sah im Notdienst letztens ein Kind - klinisch eindeutig RSV - das allgemeinärztlich bei V.a. (!) Bronchitis mit cefaclor anbehandelt wurde. Nur cefaclor. Keine Nasentropfen, keine Inhalation, nichts. 7 Wochen altes Kind.
Ich will nicht anmaßend sein, aber:
Fehlt (insbesondere älteren Kollegen) das Bewusstsein für diesen Erreger?
Leider kenne ich das auch. Jetzt bei der Influenza mehrfach erlebt "ich war dann bei unserer Hausärztin, weil das Fieber über 40 war. Da hat sie deshalb ein AB angesetzt, denn ein Virus könne nicht solch hohes Fieber machen". Ähm... Und natürlich immer dann, wenn die 5 Tage Fieber eh rum waren, die hier gerade üblich sind.

Ich hatte letzte Woche eine alternativmedizinische Woche. Meine Tischkante müsste eigentlich Bissspuren haben.

1. Kind: hat schwere atopische Dermatitis, in einer Alternativmedizinklinik sind 100e von Allergenen getestet und das Kind danach ohne sicheren Zusammenhang von z.T. Cap1-Sensibilisierungen zum Hautbild mit sehr strenger Diät ernährt (u.a. kein Weizen, Roggen, Ei). Es ist auch die Muttermilch auf seltsamste Schadstoffe untersucht worden und die Mutter mit behandelt worden, damit sie diese nicht mehr in der Muttermilch ausscheidet. Oder so ähnlich.
Ich habe das Kind im Alter von gut 2 Jahren wegen Umzugs übernommen, jetzt 2,5 Jahre alt. Aktuelle Symptomatik komplett dichte Nase, reine Mundatmung, auch ohne Infekt, massive Schlafstörung, kann eigentlich nur im Sitzen einschlafen und wacht dauernd auf wegen verlegter Nasenatmung. Von HNO mit Sinupret, abschwellenden und dann Silbernitratnasentropfen ohne Erfolg therapiert. Neuste Allergiediagnostik erbrachte bei mir Cap5 für Hausstaubmilben. Das fand ich jetzt auch gut erklärend, wobei Adenoide Vegetationen sicher auch noch sein könnten. Ein off label-Versuch mit Nasonex scheitert nicht am off label sondern an dem bösen Wort Cortison.
Nun war die Mutter bei einem Heilpraktiker, der mittels Bioresonanz das ganze testen und behandeln sollte. Aber sie kamen an ein anderes Gerät, das den ganzen Körper analysiert, in dem man dem Patienten Kopfhörer aufsetzt. Und da haben sie doch tatsächlich rausgefunden, dass die Nase nicht das Problem ist, sondern die Prostata. :-heul Wie soll ich denn jetzt bitte weitermachen?!?!

2. Kind: sich selbst vegan ernährende Mutter, noch viel gestilltes Kind von 14 Monaten, Kind dürfte alles essen, aber isst eben noch nicht richtig viel, Gedeihstörung. Blutentnahme ergibt VitB12-Mangel ohne Anämie. Jetzt sollen Globuli helfen. Wozu habe ich dann Blut abgenommen?

Und ne Freundin oder soll ich doch so langsam nur noch Bekannte sagen? Ist irgendwie in anthroposophische Kreise abgedriftet und will mir weismachen, wie sehr ich meiner Tochter schade, wenn ich ihr Omeprazol gebe. Aber zu der Erkrankung gehört einfach eine ausgeprägte GERD und Neigung zu Gastritiden mit Blutungen, was ohne Omeprazol Leid von 24h/7d bedeuten würde. Auf der Seite Zentrum der Gesundheit könnte man das alles nachlesen. Da stehe alles, was die bösen Pharmakonzerne unterdrücken wollen. Das sei alles seriös.

WalterSobchak
13.02.2016, 18:07
Oh weia... Krieg ich Stehhaare von :-kotz:-kotz
Kryptorchismus bei nem 4 Jährigen. Erstmalig von mir gesehen bei der U8, vorher Vorsorgen bei nem Allgemeinmediziner.
"Da brauchte er sich zu den Vorsorgen nicht ausziehen, wenn er das nicht wollte.. :-notify
Der Doktä hat mir immer geglaubt und viel Wert auf meine Einschätzung als Mutter gelegt, dass es ihm gut geht"
WOFÜR macht man dann Vorsorgen?
Jedenfalls jetzt Kryptorchismus gesehen - Mama möchte das UNBEDINGT nur vom Osteopathen behandeln lassen, weil "Hormonnasenspray furchtbar" wäre. Und an ihm "rumschnippeln lassen" möchte sie jetzt auch nicht lassen - "das kann er sonst ja später noch machen, wenn er sich selbst dafür oder dagegen entscheiden kann."

Habs dokumentiert, bei drei aufeinanderfolgenden Versuchen angesprochen, sie bleibt bei ihrer Meinung. :-/
Das arme Kind

annekii
13.02.2016, 18:24
Puh, heftig. Also sowohl die vorangegangenen Vorsorgen als auch die Mutter. Ich glaube, ich würde mir an deiner Stelle schriftlich geben lassen, dass du sie über drohende Infertilität und Entartungsrisiko aufgeklärt hast und sie wissentlich dieses Risiko eingeht und ihr Kind nicht behandeln lassen möchte.

annekii
13.02.2016, 21:11
Bekommt jemand die bvkj Kinder- und Jugendarzt? Ich habe sie gerade durch und da ist ein netter Artikel zum "Antibiotic Stewardship in der kinderärztlichen Praxis" drin, der mein Vorgehen zum großen Teil bestätigt. In einer der nächsten Ausgaben kommt das selbe für das stationäre Vorgehen.

bipolarbär
14.02.2016, 14:06
Hallo liebe Mitstreiter!
Ich möchte mich bald für die FA-Prüfung Pädiatrie (Sachsen) anmelden. Momentan bin ich noch auf der Suche nach einem passenden (Kurz)Lehrbuch. Könnt Ihr da eines empfehlen? Ich "liebäugele" etwas mit dem Intensivkurs von Frau Muntau (Elsevier-Verlag), aber da ist die neueste Auflage von 2011... Besten Dank schonmal!

Hey pry87, ich weiß nicht ob das hilft, aber laut Elsevier ist auch keine Neuauflage geplant, von daher würde sich warten auch nicht lohnen.

Die alternatvmedizinischen Geschichten wären, falls sie den Kindern nicht so schaden würden, fast schon lustig :-( Habt ihr es in der Praxis schon einmal geschafft, Zweiflern/Impf- oder "Schulmedizin"-Gegnern ein wenig Sinn einzureden?

WalterSobchak
14.02.2016, 16:22
Ich nicht.
Immerhin:
Einige lassen ihre Kinder zumindest MMR impfen, da dies meine "rote Linie" ist.
Ohne MMR-Impfung möchte ich kein Kind in der Praxis haben.
Sag ich denen zur U3, wenn ich die Impfungen bespreche auch genau so.
Erstes Jahr ohne Impfungen: Individualrisiko fürs Kind. Ich kläre auf, dokumentiere den Elternwillen und gut.
Ab U6 heißt es dann "Farbe bekennen". MMR oder ich bin der Falsche.

WalterSobchak
14.02.2016, 16:24
@annekii: in der aktuellen bvkj-Zeitschrift?
Ich krieg die, hab aber die aktuelle noch nicht gelesen... *schäm*

annekii
14.02.2016, 16:28
Ja, die aktuelle. Aber schäm dich nicht! Das ist eher Zufall, dass ich die so frisch gelesen habe. Der Stapel an nicht gelesenen ist hoch.

Schorsche
14.02.2016, 20:46
Annekii, den Artikel habe ich vorhin auch gelesen - er deckt sich zu großen Teilen mit dem, wie ich infektige Kinder im Notdienst behandle. Schade fand ich nur, dass das Thema Labordiagnostik nur sehr kurz angerissen wurde, mit dem Argument, dass DiffBlutbild/CrP und - als höchstes aller Gefühle - Multiplex-PCR im ambulanten Sektor nur sehr begrenzt verfügbar seien. Deshalb wird dort die Strategie empfohlen, nach 48 Stunden dem fiebernden Kind gegebenfalls ein Antibiotikum zu verordnen. Ich sehe das etwas anders: gerade in dieser (häufigen) Situation (das Kind fiebert seit einigen Tagen, lässt sich schlecht senken, stabiler AZ, jedoch nur mäßiges Trinkverhalten, hochroter Rachen, StrepA negativ und eigentlich bin ich weiterhin vom selbstlimitierenden Verlauf überzeugt) nehme ich gern ein Tröpfchen Blut ab, um etwas mehr diagnostische Sicherheit zu gewinnen. Jedoch habe ich im dritten WBJ auch noch die Klinikstruktur zur Verfügung. Kostet euch das so viel Aufwand, ein CrP in der Praxis zu bestimmen?

annekii
14.02.2016, 20:57
Naja, es kostet halt Zeit. Wenn ich 10 Kinder in der Liste stehen habe, wovon 4 einen Termin von 7 min haben und 6 zusätzlich gekommen sind, ist dafür eigentlich keine Zeit. Du weißt ja selbst, wie lange so eine BE dauert. Ein Gerät für kapilläre BE durch die Schwestern wäre sicher ganz gut dafür, aber haben wir bisher nicht in Erwägung gezogen. Ich mach aber venöse BEs auch regelmäßig. Mit Cito habe ich das Ergebnis am selben Tag. Heißt halt manchmal, dass ich von zuhause dann noch die Eltern anrufe, aber das kommt ja nicht so oft vor.

Aber ich mache momentan ganz viel "Wait and see", d.h. ich bestelle mir die arg kranken Kindern kurzfristig wieder ein und schaue einfach engmaschig. Bei entspannten und fitten Eltern kläre ich auf, auf was sie zu achten haben und sage, sie sollen bei fehlender Besserung oder Verschlechterung wieder kommen.

So habe ich jetzt wirklich viele Kinder durch die Influenza oder was ähnliches gebracht. Die Kinder haben in diesen 5 Tagen Fieber meist keine Verschlechterung und auch keine von mir äußerlich sichtbaren Zeichen einer bakteriellen Infektion gehabt. Also der Rachen blieb ohne wesentliche Entzündung, die Trommelfelle wurden nicht rot, der Husten und der Auskultationsbefund blieben gleich, der AZ ohne Verschlechterung. Da habe ich mich noch einen Tag weiter getraut und dann wieder geschaut. Ich bin mir nicht super sicher in diesem Vorgehen, daher auch häufige Kontrollen, aber es sind mehr als 3/4 ohne AB geworden. Mal sehen, wie es morgen aussieht, denn am Wochenende hatte jemand Dienst, der nichts ohne AB behandelt. Da fühlt es sich immer an wie umsonst, was man die ganze Zeit getan hat.

Muriel
14.02.2016, 21:04
Unsere KiÄ macht CRP kapillär. Das geht ja wirklich flott, insbesondere weil sie es delegieren kann.

WalterSobchak
15.02.2016, 05:52
CrP kapillär mach ich auch. Gibt einem häufig etwas diagnostische Sicherheit und für den Kopf der Eltern ist es häufig auch bei offensichtlich viral-selbstlimitirendem Verlauf ganz gut, dass "mal Blut abgenommen wird" ;-)
Annekii, ich kann dir gern mal genaueres über unser Gerät sagen. Ergebnisse binnen 2', Laborqualität (kein streifentest), keine Ringversuche - beste Sache :-)

Schorsche
15.02.2016, 10:33
Ja, am Ende ist es leider wieder die fehlende Zeit - wenn der Laden brummt, dann ist es bei mir auch kaum noch drin, weil der ganze logistische Kram (Überweisung KV-Ambulanz -> Klinik, Karte einlesen, Laboranforderung, Etiketten kleben) dann auch an mir hängen bleibt, weil die Pflege das in dem Setting viel zu selten macht und sich dann nicht zutraut. Aber ich hörte letztens auch was von den kap.-CrP-Geräten klingeln und manchmal könnte man damit eine sinnvolle Zusatzinformation gewinnen.



Da fühlt es sich immer an wie umsonst, was man die ganze Zeit getan hat.
Deshalb versuche ich in den Diensten, mich so wenig wie möglich in das Regime der Niedergelassenen einzumischen und ändere nur etwas, wenn ich ganz erheblich anderer Meinung bin und diese auch gut argumentieren kann. Das muss nur nervig sein, wenn man sich Patienten Tag für Tag wieder einbestellt und diese dann nach dem nächtlichen Ambulanzbesuch mit einem komplett anderen Schema zurück kommen.