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BetterCallSaul
05.08.2016, 16:27
Ich sage ja, es geht bei euch doch wenig um die Sache an sich als um einen Grund, emotional zu werden bei diesem Diskussionsthema.

Und Säuglinge und Neugeborene trennen von der Begriffsbezeichnung wenigstens 1 Tag. Das müsste dir als Streithahn ja geläufig sein Solara. Was an diesem Tag nicht alles passieren kann..

Solara
05.08.2016, 16:28
Wer es liest, versteht, wer hier emotional reagiert und wer nicht. Von Erfahrung ganz zu schweigen.

BetterCallSaul
05.08.2016, 16:31
Wenn sich einige hier darüber pikieren, wenn ich erwarte, dass man Dinge üben und besprechen soll, bevor man sie in lebensgefährlichen Situationen das erste mal macht, dann kristallisiert sich eigentlich nur heraus, wen man als Arzt meiden sollte. Danke Solara, du bist doch ap(probiert), oder?

Ärzte, und ihre Überheblichkeit. Man muss nicht alles können, aber man muss wissen, was man kann.

Und es soll auch Fälle geben, in denen OAs jemandem aufgetragen sollen haben, etwas zu machen, mit dem Verständnis, dass die andere Person (der etwas aufgetragen wurde) das auch kann. Wenn dann aber die Person, die es nicht kann, es einfach macht, ohne Rückmeldung zu geben, dass man das noch nie gemacht hat (Eitelkeit, der OA meint ja ich sollte das zu meinem Ausbildungsstand schon können), dann ist das einfach fahrlässig. Finito. Egal worum es geht. So sind auch genug Patienten verletzt worden, egal, ob etwas Lehrbetrieb ist oder nicht. Ihr sollt etwas lernen, aber nicht, indem die Patienten als Versuchskaninchen für euch herhalten. Unter Aufsicht neue Dinge lernen.

Wenn ihr das anders seht, ist euch einfach nicht zu helfen.

Edit: Und wenn sich hier jemand die "Legitimation" für den Fall der Fälle für die Blitzsectio und Notfallintubation des Neugeborenen holt, anstatt solche Dinge mit dem zuständigen Vorgesetzten zu besprechen und zu fragen (was wäre wenn etc.), dann zeigt das, dass der Draht zu den Vorgesetzten ja nicht so geil zu sein scheint. Meine stehen mir Rede und Antwort für alle Situationen und sind an meinem Ausbildungsstand und Werdegang interessiert.

UND : richtige Antwort bei respiratorisch insufficientem NG: Beuteln, Hintergrund verständigen, weiteres Vorgehen abklären.

Brutus
05.08.2016, 22:58
Ich bezweifle einfach, dass der Atemweg von Neugeborenen viel schwieriger als der von Säuglingen ist, aber du kannst gerne weiter aufmüpfig werden.
Je kleiner der Patient, desto hmmmm. Das hat nix mit aufmüpfig zu tun, das ist so. Wenn man aber die Anatomie kennt, dann ist das kein Hexenwerk.


Der Pädiater könnte erstmal lernen, Erwachsene, dann Kinder, dann Säuglinge zu intubieren. Wäre ja nur ein Vorschlag. Dann sollte es auch für die Neugeborenen reichen. Das Zugang-Stechen wird doch auch so vermittelt von alt nach jung, aber die Pädiatrie scheint etwas hormonell und speziell zu sein, gell.
Warum sollte ein Pädiater das machen? Die Anatomie unterscheidet sich eben doch je kleiner der Patient wird! Und wenn Du so willst, dann sind kleine Kinder grundsätzlich für Hormone beim Gegenüber gut. Hat nix mit der Fachrichtung zu tun.
Kinder sind einfach keine kleinen Erwachsenen. Deswegen macht das wenig Sinn. Ich freue mich natürlich trotzdem, wenn Pädiater auch große Kinder intubieren können / lernen wollen. ;-)


Und ja, ich bin auch zu meiner Pädiatrie-Zeit mal in den OP gegangen, hab die Anästhesisten gefragt ob Sie mir mal intubieren zeigen können. Sollte gehen.
Spricht ja nix gegen. Nur, wie bringt uns das jetzt weiter?


Ich sage ja, es geht bei euch doch wenig um die Sache an sich als um einen Grund, emotional zu werden bei diesem Diskussionsthema.
Hier muss man nicht emotional werden. Ich kenne viele Anästhesisten, denen geht der Allerwerteste auf Grundeis, wenn sie Kontakt mit Neugeborenen oder ganz frischen Säuglingen haben. Und die sind heilfroh, wenn der Pädiater ums Eck kommt. Und genauso gibt es eben frische Pädiater, die eben auch noch ein bißchen nervös sind, wenn sie denn alleine in der Verantwortung stehen. Und wenn dann auch noch da jemand steht, der dann wie Blücher alles an sich reißt, dann kann ich so ein paar Selbstzweifel schon verstehen. Von daher ist es doch gut, wenn derjenige es selbst versuchen möchte.


Wenn sich einige hier darüber pikieren, wenn ich erwarte, dass man Dinge üben und besprechen soll, bevor man sie in lebensgefährlichen Situationen das erste mal macht, dann kristallisiert sich eigentlich nur heraus, wen man als Arzt meiden sollte. Danke Solara, du bist doch ap(probiert), oder?
Nicht Solara, aber approbiert und lange durchprobiert. Meine Meinung: Du kannst Dinge so oft üben wie Du willst, wenn Du dann ist der entsprechenden Notfallsituation stehst, ist eh alles anders. Warum Du jetzt deswegen jemanden meiden willst....


Ärzte, und ihre Überheblichkeit. Man muss nicht alles können, aber man muss wissen, was man kann.
Was hat das mit Überheblichkeit zu tun? Ich finde eigentlich Deine Aussagen hier deutlich überheblicher als den Wunsch eine Maßnahme selbst durchführen zu wollen. Und dabei eben noch eine gewisse Unsicherheit zu haben. Vielleicht solltest Du Dir die Phasen des WBA noch mal in aller Ruhe ansehen. ;-)


Und es soll auch Fälle geben, in denen OAs jemandem aufgetragen sollen haben, etwas zu machen, mit dem Verständnis, dass die andere Person (der etwas aufgetragen wurde) das auch kann. Wenn dann aber die Person, die es nicht kann, es einfach macht, ohne Rückmeldung zu geben, dass man das noch nie gemacht hat (Eitelkeit, der OA meint ja ich sollte das zu meinem Ausbildungsstand schon können), dann ist das einfach fahrlässig.
Ich mache mir als OA aber auch ein Bild von dem WBA, was der kann und was nicht. Und da bin dann auch derjenige, der denjenigen einbremsen muss, wenn er etwas will, was er nicht kann. Z.B. das BAA im 1./2. WBJ.
Außerdem gibt es dann ja immer noch die Pflegenden, die ziemlich genau mitbekommen, ob da gerade was schiefläuft. Sollte in der Schweiz ja nicht anders sein. ;-)


So sind auch genug Patienten verletzt worden, egal, ob etwas Lehrbetrieb ist oder nicht. Ihr sollt etwas lernen, aber nicht, indem die Patienten als Versuchskaninchen für euch herhalten. Unter Aufsicht neue Dinge lernen.
Eben. Aber dazu gehört eben auch LEHREN! Und dazu gehört eben auch das Risiko, dass der Lernende eben mal Fehler macht. Das ist so. Und dann ist es meine / deine Aufgabe, eben drauf aufzupassen, dass die Fehler nicht zu einem Schaden reichen und nicht wiederholt werden.


Edit: Und wenn sich hier jemand die "Legitimation" für den Fall der Fälle für die Blitzsectio und Notfallintubation des Neugeborenen holt, anstatt solche Dinge mit dem zuständigen Vorgesetzten zu besprechen und zu fragen (was wäre wenn etc.), dann zeigt das, dass der Draht zu den Vorgesetzten ja nicht so geil zu sein scheint. Meine stehen mir Rede und Antwort für alle Situationen und sind an meinem Ausbildungsstand und Werdegang interessiert.
Also ich kann viel mit den Vorgesetzten besprechen und viele Szenarien durchspielen. Und letztlich bin ich dann doch wieder alleine und muss eine Entscheidung treffen. Und warum soll ich nicht einfach mal in einem Forum, wo andere vielleicht genau die gleichen Fragen haben, nicht einfach mal gucken, wie es woanders gemacht wird?


UND : richtige Antwort bei respiratorisch insufficientem NG: Beuteln, Hintergrund verständigen, weiteres Vorgehen abklären.
Sehe ich genauso. Wobei das Telefonat erstmal hinten ansteht. Beuteln und gucken, was geht und weitere Maßnahmen nach Befund. Und wenn dann eine stabile Situation da ist, Hintergrund informieren und weiteres Procedere abklären. Bzw. jemand anderes mit dem Telefonat beauftragen...


Intubieren müssen: Ich rede immer davon, wenn beuteln nicht geht bzw. der Patient aus welchen Gründen auch immer intubiert werden muss. Deshalb fragte der Kollege da oben "AB WANN INTUBIERT IHR?" und "ICH WÜRDE DAS SCHON MAL GANZ GERNE VERSUCHEN" bei nem Neo Kind, die noch viel weniger O2-Reserven haben als Erwachsene. Dachte das sei verständlich. Luft muss rein, wie ist egal erstmal oder. Was du halt immer machen kannst ist beim VERSUCHEN: Aspiration, Atemwegsverletzung durch ZU VIEL VERSUCHEN, Schwellung der Atemwege und dicht.

Und deswegen ist BEUTELN das A und O beim Säugling / Neonaten. Und das sollte IMMER gehen. Wenn es nicht gerade einen Laryngospasmus hat. Und dann geht die Intubation auch nicht. DAS war, wie schon weiter oben gesagt, der Grund, warum man gerade bei den ganz kleinen Kindern Zeit hat mit der Intubation. Lies Dir mal die Leitlinien der Fachgesellschaft durch. Da wird explizit beschrieben, wie wichtig die Beutelbeatmung vor Intubation ist. Und da willst Du mir ernsthaft erklären, dass Du sofort und ohne Zeit die Intubation machen musst? Selbst bei aspirationsgefährdeten Kindern wird die Beutelbeatmung empfohlen, da die Aspirationsgefahr bei weitem nicht an die Hypoxiegefahr heranreicht. Insofern habe ich doch alle Zeit der Welt in Ruhe zu gucken, muss ich intubieren? Und wenn ich der Meinung bin, ja, wäre besser, warum soll es dann nach erfolgreicher Maskenbeatmung bei guter Ventilation und besserer Oxygenierung nicht derjenige probieren, in dessen Fachgebiet der Patient fällt und der sich sicherer fühlt, wenn jemand dabeisteht, der das schon mal gemacht hat?

ehem-user-11022019-1151
06.08.2016, 00:47
Wow, Brutus.
Mehr kann man dazu nicht sagen. Ich finde deine Posts immer sehr aufschlussreich.
Ich kann verstehen, dass es, gerade bei Kindern, etwas schwieriger. Aber ganz klar ist, dass ich heute nicht das könnte oder in dem Umfang, wenn ich nicht selbst gemacht hätte (ob mit oder ohne einen besser qualifizierten im Hintergrund).
Das hat nichts mit eingebildet sein oder überschätzen zu tun.
Und das mache ich bei meinen Schülern und Azubis auch so. Das ist die beste Art um zu lernen.

Ps: ich gehe davon aus, dass jeder, der in der Päd arbeitet, gesehen hat, wie intubiert wird ("See one"). Wo genau ist da die Grenze zum "Do one" und "Teach one"!?

WalterSobchak
06.08.2016, 21:01
Hmm. Noch nie irgendwen intubiert, womöglich erst im 2. WBJ - und dann das erste mal morgens um 3 Uhr ne 480g schwere 25.SSW?
Sorry, für mich ein NoGo.
Egal wie geschickt sich der Assistent bis dato bei vielen anderen Sachen angestellt hat.
Und genau auf so eine Situation bezog sich die Eingangsfrage, glaube ich.
Für diesen Fall sehe ich es wie BetterCallSaul - jmd anderen machen lassen.

Ansonsten schließe ich mich Brutus an - es lernt nur der, der Dinge darf ;-)

Brutus
06.08.2016, 23:47
nochmal ganz kurz zurück zur Ventilation: ich weiß, vielleicht eine schwer zubeantwortende Frage, aber was is eure Erfahrung? Ab welchem Zeitraum (postpartal) würdet ihr intubieren, wenn Maskenbeatmung/Rachentubus nicht erfolgreich sind?

Naja viel erfahrung hab ich nicht wenns um itn geht. Bisher nur einmal eingestellt nachdem der OA intubiert hat. Hab mir letztens gedanken gemacht, was ich machen würde bei ner notsectio nachts um 2 uhr: OA generell in ca. 15 min da. Im kreissaal warten so lange er/sie da ist und erst dann entscheiden?
Naja, von einer 25. SSW mit 480g stand da aber nix. ;-)
Und ganz ehrlich? Da würde ICH ins Schwitzen kommen, nicht so sehr wegen des Intubationsvorgangs an sich. Aber da machst Du ja schon was kaputt, wenn Du mit der Lafette an der Tür hängen bleibst...
Die Notsectio nachts um 3 ist ja meist eben nicht die Frühgeburt, sondern i.d.R. ja GSD der Geburtsstillstand bei Erschöpfung oder sowas in der Art. Und i.d.R. geht das ja auch alles glatt, gerade weil da ja immer noch erfahrene Hebammen vor Ort sind. In meinem 1. Haus hatten wir eine Gyn ohne Pädiatrie. Da haben sich immer die Hebammen um die Kinder gekümmert, und nur wenn da wirklich was brannte, dann kamen wir ins Spiel. Da wir aber die Kinderchirurgie anästhesiologisch betreut haben, war da meistens ein Pfleger und / oder der Anästhesist, der das schon mal gemacht hatte. :-)
Aber wenn ihr so kleine Frühchen betreut, ist dann nicht auch Nachts irgendwo ein Pädiatrie-FA im Haus, der bei solch frühen Frühchen mit dabei ist? Weil DAS fände ICH fahrlässig, da einen unerfahrenen alleine Dienst machen zu lassen.
Aus eben diesem Grund waren wir auch immer ein FA und ein Assistent anwesend im Haus.

WalterSobchak
07.08.2016, 06:58
Die 25. SSW war ein fiktives Extrembeispiel 😉
Wollte nur sagen, dass du insgesamt recht hast (nur wer darf, lernt) - es aber Situationen gibt, in denen man tatsächlich dem Erfahreneren den Vortritt lassen sollte.

Ich selber hatte das allerdings tatsächlich mal (allerdings als FA): notsectio morgens halb 2, 24+3 SSW, bummelig 500g und vorher nicht bekannte faziale fehlbildung (vom gucken her: Mischung aus Pierre-Robin und LKGS).
Nix mit Beuteln, nix mit Tubus, leidliche Ventilation über pharyngeal liegenden 3er mallinckrodt. Ich keinen Erfolg mit Tubus, dazugerufener OA ohne Erfolg, Anästhesie-OA mit Fiberoptik ohne Erfolg - letztlich hat's der Anästhesie-Chef via starrer bronchoskopie geschafft, nen Tubus zu versenken. Abgefahren, aber zum Glück super selten 🙈

febee
07.08.2016, 10:23
Leute Leute!!! jetzt mal halblang!! wir sind "nur" level 2. Bisher mein kleinstes war 1400g 30+4. Im Verlauf (wo ich natürlich mal wieder nicht da war, nach Dienstschluss) intubiert. (ich glaub langsam nervt dass mit dem intubieren ich weiß, es gibt wichtigere sachen)
und ja mir kommt meine verantwortung als jemand im !!tatsächlich!! 2. WBJ auch groß vor. Aber der OA/OÄ sind echt schnell vor ort, wenn man sie ruft, egal wann (auch wenn der eine etwas grimmig daher kommt).
Ich hab mir echt überlegt, in eine größere KLinik zu wechseln, v.a. am Anfang weil ich den Druck nicht mehr aushalten konnte, v.a. nach einem ertrinkungsunfall, Reanimation und einem Kind mit einer kompl. ihereditären Lungenerkranung (weiß den Name nicht mehr), der immer wieder mit pCO2 auf über 100 ging und tracheotomiert war (starb dann vor seiner Lungen-Tx (lunge war wohl schon für ihn "reserviert" gewesen) in einer größeren Klinik kurz nach Verlegung)
Ich male mir halt, v.a. in kurz vor meinen Nachtdiensten aus, was kommen kann und versuche mir das Vorgehen zu planen. aber in meiner Einarbeitung hatte ich nur SGA und Hyperbili kinder, und jetzt soll ich auf level 2 arbeiten können?
dann denke ich mir, in einer größeren Klinik darf man wohl nicht viel machen, da alles von OÄ überneommen wird, das schrickt mich dann auch wieder ab. V.a. als ich in meinem PJ gesehen hab, wie ein frischer Gyn FA (an einer UniKlinik) gleich OA wurde, obwohl er noch nicht mal selbstständig laparoskopiert hatte....
Sorry jetzt hab ich mich hier rausgelassen, obwohl nicht sehr pädiatrischen Inhalts..

febee
07.08.2016, 10:35
und wenn ich hier die älteren posts lese: überheblich will ich mich nicht stellen, aber ich sehe ja was meine Kolleginnen mit mehr oder weniger selben WBJ machen. Und dann wie gesagt, hat man halt nachts die bescheuerte Verantwortung und möchte darauf vorbereitet sein, aber anneki deine Antwort hat mir ehrlich gesagt sehr geholfen, zu wissen, dass es auch ohne ITN geht und dass es im prinzip sehr selten ist. und level 2 beinhaltet halt nicht solche 500g kinder (außer halt extrem SGA für 29+0 :-notify)
ich wollte auch keine diskussionen, wo sich leute an die haare bekommen, starten!! es spricht halt eine Assistenzärztin, die ihre ersten babyschritte im Dasein als Arzt beschreitet. So! Hoffe Klarheit geschafft zu haben!.

annekii
07.08.2016, 12:12
Hallo febee,

es war zuviel Zeit zum Diskutieren. :) Dann läuft es manchmal in die Richtung, die nicht gemeint war. Ich kann deine Fragen sehr gut nachvollziehen. Und genau dafür ist dieser Thread ja auch da.

Wie in jedem Fach kommt man zu früh in den Dienst. Und ein 25. SSW-Kind kann dir auch in Level-2 unterkommen, weil es da "einfach rausfällt". Mein Beispiel oben hätte ich auch gerne mit fachärztlicher oder anästhesiologischer Unterstützung gemacht, aber es kam halt alles doofe auf einmal. In meiner ersten Klinik kam eine Mutter in der 28.SSW mit Kopf fast geboren in der Klinik an und es war nur Level 3! Da war nichts mehr mit intrauteriner Verlegung. Und für sowas wäre man gerne gerüstet. Aber das geht anhand fehlender Erfahrung ja nie, wenn man nicht schon ewig auf ner Neo arbeitet. Damals mussten wir zu jeder Sectio einen Facharzt mitnehmen und auch nachts rufen. Das war angenehm, weil man nie alleine war. Da durften wir auch immer schön selbst arbeiten und der Facharzt wäre da. Allerdings ist da zu meiner Zeit außer ein bisschen Bebeuteln oder auch mal Absaugen nichts gewesen.

In der zweiten Klinik musste ich nach 10 begleiteten Geburten (Sectio, vaginale BEL oder ähnliches) alleine gehen. Ich hatte mächtig Schiss, immer vorher kontrolliert, ob das Telefon am Platz ist, die gerade vorhandenen Fachärzte nochmal informiert und geschaut, dass sie ihren Piepser dabei haben. Das Haus hat sehr viele Sectiones gemacht und ich war dafür zuständig, sodass ich ganz schnell Routine bekam. Zum Glück waren die Kinder freundlich und haben mir langsam beigebracht, wie es geht. Was habe ich anfangs Tachykardien gehabt, wenn die Kinder einen ITN-Nachhang der Mutter hatten. Ich habe mir immer die Uhr angestellt, damit ich überhaupt eine Idee hatte, welche Zeiten vergehen und wann ich den Apgar 1 bestimme. Und ich war sehr oft überrascht, wie gut anfangs deprimierte Kinder nach 1 Minute waren, wenn ich ihnen geholfen habe. Oder wie auch viele gut werden, wenn man sie abtrocknet. 1 Minute ist für den aufgeregten Assistenzarzt irgendwie null einschätzbar und ich bin mir sicher, es würde mir jetzt nach 2 Jahren ohne Geburten wieder genauso gehen.
Auf jeden Fall habe ich in dieser Zeit, mitten am Tag mit Facharzt im Haus und schnell rufbar, ganz viel Maskenbeatmung gelernt. Ich habe übrigens immer mit Maschine beatmet oder auch gebläht, weil ich mit 2 Händen mit der Maske sicherer bin. Mit einer Hand habe ich es nicht immer so dicht bekommen, sodass ich lieber das gemacht habe, was ich dann konnte.

Außerdem hat unser Chef mit dem Anästhesiechef vereinbart, dass wir zu den Einleitungen der Kinder-OPs (HNO, Chirurgie) gehen durften, um Intubationen und Larynxmasken zu üben. Das war auch super und die Anästhesisten sehr nett und haben auch richtig gut angelernt.

Intubieren durften wir reihum bei geplanten Intubationen auf Neo, was aber einfach sehr selten vorkommt. So war es mit allen besonderen Sachen, z.B. auch LP oder von peripher vorgeschobene ZVKs (hab den Namen vergessen).

Lange Rede, kurzer Sinn: übe erstmal die Maskenbeatmung so gut, dass du dich total sicher fühlst, auch schnell wieder drauf umzusteigen und tritt den Fachärzten in den Hintern, dass du jede Übung nutzen darfst.
Wo du zum Lernen kommst, ist nicht von der Größe des Hauses abhängig, sondern von den Leuten. Oder auch von dir, wie du es einforderst, üben zu dürfen.

Brutus
07.08.2016, 19:37
Ich habe mir immer die Uhr angestellt, damit ich überhaupt eine Idee hatte, welche Zeiten vergehen und wann ich den Apgar 1 bestimme. Und ich war sehr oft überrascht, wie gut anfangs deprimierte Kinder nach 1 Minute waren, wenn ich ihnen geholfen habe. Oder wie auch viele gut werden, wenn man sie abtrocknet. 1 Minute ist für den aufgeregten Assistenzarzt irgendwie null einschätzbar...
Was auch immer gut geht, wenn man die Zeit nicht einschätzen kann: entweder man zählt bis 30 / 60 oder was auch immer. Ist aber trügerisch, weil man automatisch viel schnell zählt, als die Sekunden verrinnen. Besser geht es mit bekannten Liedern: ich weiß zum Beispiel, wie lange diese Ratemusik vom Familienduell(?) dauert und das ist genau die Zeit, die das Succi bei der RSI braucht, um anzukommen. Gut, da könnte man auch einfach gucken, wann die Faszikulationen aufhören, aber ich summe meist mein Liedchen und werde meistens mit einem Kopfschütteln angeguckt. Aber mitsummen tun sie alle, weil schön bekannt und Ohrwurmtauglich! :D ;-)


Wo du zum Lernen kommst, ist nicht von der Größe des Hauses abhängig, sondern von den Leuten. Oder auch von dir, wie du es einforderst, üben zu dürfen.
Genau das ist der Punkt! :-top

THawk
07.08.2016, 21:36
Ich glaube, am Ende haben wir doch alle die gleiche Meinung: Es ist wichtig, die jüngeren Kollegen üben zu lassen. Das sollte aber mit adäquater Supervision und Plan B geschehen.

Das sollte imho optimalerweise bei der Intubation im Kreißsaal der neonatologische Hintergrund sein, kann aber auch durchaus der Anästhesist sein wenn er sich denn selbst ausreichend sicher fühlt. Dabei aber nicht vergessen wie selten ein neugeborenes Kind wirklich(!) direkt im Kreißsaal intubiert werden muss bevor der OA aus dem Hintergrund hereingekommen ist. Wenn ich als Neo-OA dazukäme und der Assistent versucht sich gemeinsam mit dem Anästhesisten an diesem Atemweg ohne dass wirklich die Notwendigkeit besteht, fände ich das nicht gut.

Ansonsten kann ich den anderen nur beipflichten - deine Weiterbildung steht und fällt mit dir und deinen Kollegen / Vorgesetzten. Ich habe an einem Level 1 Zentrum gelernt und habe (trotzdem es klar war, dass ich langfristig in der Neo/Päd-ITS arbeiten will) nach ca. 5 Monaten zum ersten Mal intubiert. Teils, weil einige Kinder vorher wirklich extrem klein/jung waren um daran zu üben, großteils ist es aber am Willen meiner Oberärzte gescheitert und an der Tatsache, dass durch unseren Bereitschaftsdienst (FA, der im Haus geschlafen hat) immer jemand da war der das Kind schon intubiert kriegt - da musste man für die Nachtdienste nicht so rasch manuell fit gemacht werden.
Dass es zunehmend schwieriger wird, das intubieren von Neugeborenen zu lernen ist wohl bekannt und liegt großteils daran, dass die Indikation strenger gestellt wird und es mehr non-invasive Unterstützung gibt. Die Kreißsaal-Intubationen sind da m.E. auch nicht die beste Übungsmöglichkeit - die Kinder sind nicht sediert, haben viel Sekret und es ist wuselig. Leider hat man nur gerade im Level 2 (hängt ein bisschen davon ab wie rasch die verlegen) auf Station wenig Gelegenheit. Irgendwann an ein Level 1 zu wechseln, wenn du Neo langfristig machen willst, macht da schon Sinn. Und lass dich von meiner Erfahrung nicht abschrecken, es geht auch anders und auch ich intubiere heute gut und sicher ;-)

@Brutus: Meinst du Jeopardy? :-) https://www.youtube.com/watch?v=BtEkzZoUCpw

Brutus
07.08.2016, 22:11
@Brutus: Meinst du Jeopardy? :-) https://www.youtube.com/watch?v=BtEkzZoUCpw

JAAAAAAHHHHHHH! Ich wusste, es war eine Rateshow! Das Lied hat genau die richtige Länge. ~ 30 sec. :-))

Zum Üben bietet sich übrigens eine nette Kinderchirurgie an. Wir haben da immer Kollegen aus anderen Häusern gehabt, die für den FA Kindernarkosen brauchten, aber auch Pädiater, die bei vielen Kollegen und wenigen Kindern, die wirklich intubiert werden mussten, auch mal ein paar Intubationen sammeln wollten. Und da wir mit der Kinderchirurgie ein ganz nettes Spektrum hatten, fielen da auch jeden Tag genug Intubationsnarkosen an, auch bei schon sehr kleinen Kindern.
Gut, die richtig fiesen Kleinen waren auch selten, aber halt im Dienst ab und an mal zu betreuen (aber da kam der LOA unserer Abteilung auch bereitwillig mit rein). Das waren dann so blöde Entwicklungsstörungen wie Ösophagus- oder Duodenalatresien oder irgendwelche fiesen Tumoren. Damals fühlte ich mich durchaus bis ~900g einigermaßen sicher. Mittlerweile mache ich so kleine Würmchen aufgrund Stellenwechsel nicht mehr, da reichen mir die Kinder > 1 Jahr völlig aus. ;-)

Lolan
15.08.2016, 22:09
Hey ihr Lieben,

bin nun ca. drei Monate als Assi in der Pädiatrie. Jetzt wo man sich an die groben Abläufe gewöhnt hat, kommt man auch mal dazu über das Inhaltliche wieder mehr nach zudenekn :-))
Demenstprechend versuche ich jetzt regelmäßig Sachen vor bzw. nach der Arbeit nachzulesen. Neben den krankenhausinternen Leitlinien habe ich jetzt mal immer wieder in die Chekliste Päd geschaut oder dem Klinikleitfaden Päd, weil für ein richtiges Buch (Speer oder auch die duale Reihe) kaum Zeit ist. Außerdem versuche ich mir mal zwischendurch einen Moki-Artikel einzuverleiben.
Meine Frage: was habt ihr als "feste Lektüre", was ist euer Standardwerk zum wiederholten Nachlesen,damit mal was hängen bleibt? Könnt ihr den Klinikleitfaden oder lieber die Chekliste empfehlen?
Denn nur mit den paar klinikinternen Leitlinien komme ich nicht weit...und Sachen wüst irgendwo im Dienst nachschauen, scheint mir nicht besonders effektiv- zumindest was die Nachhaltigkeit angeht, so dass ich mich auf ein Buch festlegen sollte glaub ich?!

Wie macht ihr das denn so?
Danke euch und Gute Nacht

annekii
16.08.2016, 21:36
Ich habe versucht, immer die aktuelle MoKi zu lesen. Zum Nachlesen finde ich die AWMF-Leitlinien oft sehr gut. Die gibt es für erstaunlich viele Sachen. Zum richtigen Nachlesen finde ich Klinikleitfaden und Checkliste eher zu kurz, wobei manche Sachen dann auch wieder sehr schön kompakt drin stehen. Ich habe eins von beiden immer genommen, um die DDs von Arthritis en bloc zu haben. Da beide auf Station standen, weiß ich nicht mehr, welches. Anfangs habe ich mir da auch immer die Anleitung der LP wieder durchgelesen. Und die Tannerstadien habe ich sicher auch mehr als 10x aufgeschlagen.

Ich mag meinen Mayatepek ganz gerne, aber der ist nun auch schon älter und kommt wohl nicht mehr neu raus.

Also hier leider keinen Tipp für das Superbuch.

Wir ziehen nun gerade die Praxis um. Nach 1,5 Jahren sind wir raus aus den ersten Räumen, weil es klein ist und die Wände nass. Der Vermieter wollte uns da auch nicht helfen, sodass wir auf die mehrfachen Angebote eingegangen sind und nun seit Montag zu haben und diese Woche in neue große Räume umziehen. Morgen kommt Medistar und baut die PCs um und neue dazu, weil wir dann 4 Sprechzimmer haben statt 2. Und hoffentlich kommt endlich morgen auch mal die Telekom, die schon seit Montag kommen sollte. Alles sehr aufregend, aber es wird sicher sehr schön, wenn alles fertig ist.

erdbeertoertchen
17.08.2016, 20:22
Wie lange kann so ein Schnupfen bei Kindern eigentlich gehen?

Schorsche
18.08.2016, 01:55
Infektassoziiert? Nach ein oder zwei Wochen sollte es mal gut sein. Ansonsten ist gefühlt Jahr des Heuschnupfens, so viele wie heuer habe ich noch nicht erlebt. Und dann bleiben noch die Murmel oder der Legostein bei chronischer eitriger Rhinitis 😉

Eilika
18.08.2016, 05:44
Oder der Neuinfekt bei gerade gebesserter Situation. Hier der Klassiker ;-) Kind hat am WE Schnupfen, geht knapp 2 Wochen, dann holt er sich in der übernächsten Woche gerade den nächsten aus der Krippe und es geht von vorne los, bevor es ganz weg war.

annekii
18.08.2016, 06:58
Welches Alter? Was für ein Schnupfen (Fließ-, Stock-, eitrig, usw)? Weitere Symptome? Da gibt es ja zuviele Möglichkeiten ohne genauere Angaben.