Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread
Ich sehe keinen Grund, warum ich eine 42h Woche als 100% Stelle haben muss und meine Kollegen 2km weiter am kirchlichen Haus haben mit 38,5h eine 100% Stelle. Auf die Weiterbildungszeit gerechnet, arbeite ich so nämlich 805 h, oder fast 5 Monate länger für meinen Facharzt...
Wenn man dann noch mit einberechnet, dass man nochmal ~20 Wochenstunden in Bereitschaft in der Klinik ist, die überhaupt nicht für den Facharzt angerechnet werden, obwohl man unter Umständen voll arbeitet und weitergebildet wird, hat man eigentlich eine 150%-Stelle. Reduziert man aber auf Teilzeit, um "nur" 40 Stunden zu arbeiten, schafft man den Facharzt nicht mehr in Regelzeit.
Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2022, 10:23
Das habe ich ehrlich gesagt auch noch nie verstanden, warum jede einzelne fehlende Stunde sofort zu einer Verlängerung der Ausbildung führt, Wochen, Monate und Jahre drüber aber konsequent ersatzlos verfallen ...
Da gibt es doch eine ganz einfache Erklärung für. Ich zitiere:
Neo: "Welche Wahrheit?"
Morpheus: "Das du ein Sklave bist, Neo."
Um mal einen Überblick über die Zeit zu bekommen, wo struktureller Änderungsbedarf für bessere Arbeitsbedingungen besteht, werd ich die Diskussionspunkte hier immer wieder mal erneuern:
1. Tariflohnerhöhung: Inflation (ca. 6%) + 2% Reallohnerhöhung + 2% Verhandlungspuffer
2. Laufzeit: nicht über 1 Jahr, falls Tariflohnerhöhung kleiner als Inflation ausfällt
3. Keine Verschlechterung bezüglich der Anzahl der Dienste pro Monat! Schriftliche Einwilligung des AN bei Überschreitung der vier Dienste und (für den AG schmerzhafte höhere) Entschädigung beim 5,6,7 Dienst. Grundsätzlich: der gesicherte Anspruch auf mindestens 2 freie Wochenenden, ohne Ausgleichszeiträume, ohne Diskussionen
4. Klare Regelung für Teilzeitkräfte (nur anteilige Anzahl der Dienste)
5. Flächendeckende Umsetzung und zwingende Kontrolle der elektronischen Zeiterfassung. Sanktionierung der Nichteinhaltung per Tarifvertrag
6. Begrenzung der Rufdienste auf 12 Stück/Monat
7. Deutliche Mehrbewertung für Rufdienste
8. Anhebung des Nachtdienstzuschlages
Und neu dazu:
9. Anrechnung aller tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden als Weiterbildungszeit
Hm, also meint ihr dass es eigentlich fairer wäre wenn man es wie bei den Sanitätern (RS, RA, NFS etc.) macht. Also wo man z.B. 160 oder 1960h praktische Ausbildung braucht und dafür halt Lehrlingsgehalt bekommt. Und dass man das in der Medizin auch einführen sollte? Also z.B. 11760h Chirurgie für den Facharzt?
Schlagt es dem Marburger Bund vor. Wenn ihr glaubt, dass dies ein Thema ist das in die VKA-Verhandlungen rein soll. Ach, das hat nichts mit vka zu tun sondern mit den Landesärztekammern? Dann versteh ich nicht warum das hier diskutiert wird...
9. Anrechnung aller tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden als Weiterbildungszeit
Das hat mit MB-VKA nichts zu tun!
Die Forderung müsste lauten: alle Stunden aus Nachtdiensten, Bereitschaftsdiensten und Überstunden dürfen nicht mehr ausgezahlt und müssen abgefeiert werden. Dann wäre es korrekt. Mit entsprechenden Konsequenzen. Also teils Gehaltseinbußen von 20-30% auf einen Schlag, dafür halt mehr Freizeit.
Alle sonstigen Forderungen wie "Anrechnung als Weiterbildungszeit" sind an die Landesärztekammern zu richten mit dem Ziel die Weiterbildungsordnungen zu ändern. Die sind in solchen Verhandlungen einfach falsch adressiert. Und ob man die Forderung "grundsätzlich alles Abfeiern" so stehen lassen will wage ich zu bezweifeln! Da gibt es genug Leute die das Geld gerne mitnehmen. Oder Leute die sagen "wenn ich einen 24h-Dienst mach und dafür 2 Tage dann in der regulären Zeit daheim bleiben muss lern ich ja gar nichts mehr".
Das gehört freilich nicht auf den Diskussionstisch der VKA - auf den Handlungsplan des Marburger Bunds als gewerkschaftliche Vertretung für angestellte Ärzte aber allemal. Gewerkschaftsarbeit endet schließlich nicht bei der Ausarbeitung von grundlegenden Tarifabkommen.
Mehr Geld, konkret Entschädigungen ab dem 5. Dienst, wird einfach nichts bringen. Die Arbeitsbedingungen werden dadurch eher schlechter. Es ist für die AG günstiger Entschädigungen zu zahlen als mehr Ärzte einzustellen.
Schlagt es dem Marburger Bund vor. Wenn ihr glaubt, dass dies ein Thema ist das in die VKA-Verhandlungen rein soll. Ach, das hat nichts mit vka zu tun sondern mit den Landesärztekammern? Dann versteh ich nicht warum das hier diskutiert wird...
Eine Reduktion der Wochenarbeitszeit (was der Ausgangspunkt meiner Aussage war) ist auf jeden Fall ein Thema, das in Verhandlungen des Marburger Bundes gehört. Und auch ein Punkt, der schon erfolgreich für die BG-Kliniken verhandelt worden ist.
Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2022, 17:48
Mehr Geld, konkret Entschädigungen ab dem 5. Dienst, wird einfach nichts bringen. Die Arbeitsbedingungen werden dadurch eher schlechter.
Steile These. Und völliger Unsinn.
Ist deine Vorstellung, dass die Arbeitgeber zur Gegenfinanzierung Stellen streichen? Nach der Logik verbietest du dem MB das Eintreten für jede Verbesserung, völlig egal um welches Thema es geht. Am Ende schlägt sich alles monetär in der Bilanz nieder, und darauf stürzen sich die Aasgeier im BWL-Bunker.
Choranaptyxis
24.04.2022, 17:52
Eine Reduktion der Wochenarbeitszeit (was der Ausgangspunkt meiner Aussage war) ist auf jeden Fall ein Thema, das in Verhandlungen des Marburger Bundes gehört. Und auch ein Punkt, der schon erfolgreich für die BG-Kliniken verhandelt worden ist.
Das fände ich auch gut (wenn es mich auch noch nicht trifft), aber bei der momentanen Handhabe vieler Kliniken würde das einfach auf noch mehr Überstunden hinauslaufen, mal mehr oder weniger erfasst. Elektronische Zeiterfassung hatte bei mir, soweit ich weiß, 1 von 4 PJ-Häusern (die beiden Kommunalen nicht).
Steile These. Und völliger Unsinn.
Ist deine Vorstellung, dass die Arbeitgeber zur Gegenfinanzierung Stellen streichen? Nach der Logik verbietest du dem MB das Eintreten für jede Verbesserung, völlig egal um welches Thema es geht. Am Ende schlägt sich alles monetär in der Bilanz nieder, und darauf stürzen sich die Aasgeier im BWL-Bunker.
Forscher Ton, nix verstanden.
Ein Arbeitgeber wird lieber (bis zu einem gewissen Punkt) mehr Geld an fünf Assistentenköpfe verteilen, anstelle einen sechsten einzustellen.
Der MB kann gerne versuchen die Arbeitsbedingungen mit Bonuszahlungen für übernommene Dienste zu verbessern. Trotzdem wird die Arbeit wie in meinem Beispiel auf fünf Schultern verteilt bleiben. Erst wenn sechs oder sieben Schultern für die gleiche Arbeit zur Verfügung stehen, sehe ich Verbesserungspotential. Ist natürlich Geschmackssache. Mir haben 6-8 Dienste gereicht; das Geld für einen 9 oder 10 Dienst habe ich nicht gebraucht.
Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2022, 19:59
Forscher Ton, nix verstanden.
Hups, hast Recht. Fällt mir auch gerade beim nochmal Lesen auf.
Sorry! War eigentlich nicht pampig gemeint! :)
Der MB kann gerne versuchen die Arbeitsbedingungen mit Bonuszahlungen für übernommene Dienste zu verbessern. Trotzdem wird die Arbeit wie in meinem Beispiel auf fünf Schultern verteilt bleiben. Erst wenn sechs oder sieben Schultern für die gleiche Arbeit zur Verfügung stehen, sehe ich Verbesserungspotential.
Nach deiner eigenen Logik ist das ein Trugschluss. Fliegt eben die Füsischn Ässistänt wieder raus, die Blutabnahmepflegekraft wird wegrationalisiert, die Tresen-MFA springt fortan zwischen drei Stationen und fässt keine Akten mehr an, das spöttische PJ-Gehalt von 200 € entfällt erneut und Patienten in die Funktion schieben + Labor wegbringen ist dann auch wieder ganz offiziell Arztaufgabe. Alles denkbar, alles ein Graus. Aber wenn wir anfangen, unsere eigenen Forderungen von vornherein auszusetzen aus Angst vor Negativkonsequenzen anderswo, dann sind wir handlungsunfähig.
Wenn Regelarbeit günstiger ist als Zeitarbeit, aber Zeitarbeit immer noch günstiger als exzessive Dienste der Stammbesetzung, dann sehe ich da durchaus einen Gewinn mit Perspektive. Stellen streichen kann der Arbeitgeber auch nicht einfach so. Wenn die Arbeitsbelastung eh am Anschlag ist und dann eine Kündigungswelle durchs Ärzteteam rauscht, bis die Hälfte der OPs vom Plan fliegen müssen, erzeugt das durchaus Zugzwang.
Und an dem Tag, an dem irgendein Arbeitgeberverband verbindliche und(!) suffiziente Stellenschlüssel in irgendeiner Form von Tarifvertrag unterzeichnet, lernen Schweine fliegen. Klar wäre das genial. Aber es ist völlig unrealistisch, leider. Daher zu sagen, mehr Entgelt und richtig teure Dienste schaden uns, weil das die Chance auf andere Verbesserungen mindert, die eh nie kommen werden, finde ich nicht konstruktiv. Dann nehme ich lieber wenigstens die Änderungen mit, die erreichbar scheinen. Auch wenn mehr und/oder anderes in einer Traumwelt besser wäre.
Nach deiner eigenen Logik ist das ein Trugschluss. Fliegt eben die Füsischn Ässistänt wieder raus, die Blutabnahmepflegekraft wird wegrationalisiert, die Tresen-MFA springt fortan zwischen drei Stationen und fässt keine Akten mehr an, das spöttische PJ-Gehalt von 200 € entfällt erneut und Patienten in die Funktion schieben + Labor wegbringen ist dann auch wieder ganz offiziell Arztaufgabe.
Kann man machen, aber wenn der Arzt pünktlich um 16:30 nach Hause geht, ist die eigentlich ärztliche Tätigkeit halt nicht erledigt.
Und unter'm Strich ist es die ärztliche Tätigkeit die vergüttet wird, egal wie viele tolle Verwaltungsangestellte, DRG-Optimierer, MFA und Pflegekräfte man im Krankenhaus hat...
Endoplasmatisches Reticulum
24.04.2022, 20:50
Ah! Ja, natürlich. Wie konnte ich Dummerle das schon wieder vergessen. Die zeitlose Legende vom Chefarztbändiger. Der mystische Assistenzarzt mit güldener Kittelschärpe, der alle Probleme in der Medizin auf einen Schlag in wohliger Glückseligkeit auflöste, indem er einfach mal pünktlich ging.
Als die Welt ihn am meisten brauchte, verschwand er.
100 Jahre vergingen, und ...
:)
Nichts für ungut. Du hast schon recht, dass von Arbeitgeberseite die verschiedenen Berufsgruppen gegeneinander ausgespielt werden. Und es wird auch so sein, das bspw Ärzte wieder Betten schieben etc.
Im Prinzip muss jede Minute Anwesenheit dokumentiert und die Überschreitung sowie Manipulation der Arbeitszeit scharf sanktioniert werden.
Ich bin auch für eine reale Lohnsteigerung und Boni für Mehrarbeit. Aber aus meinen Erfahrungen kaufen und manipulieren sich die Verwaltungen aus der Affäre.
Im Prinzip muss jede Minute Anwesenheit dokumentiert und die Überschreitung sowie Manipulation der Arbeitszeit scharf sanktioniert werden.
Da wär ich dafür... hab es aber immer anders erlebt bisher.
Nur in der ersten Klinik hat man Überstunden per Hand aufgeschrieben, das ist weit über 10 Jahre her. In allen weiteren Kliniken gabs elektronische Zeiterfassung mit minutengenauer Abrechnung und nie Problemen.
Was man auch bei "dann sollen sie halt mehr Ärzte einstellen" nicht vergessen darf: der Markt gibt teils nicht so viel her. Und das was dann noch übrig bleibt, will man das tatsächlich als Kollegen haben? Einfach nur damit jemand da ist?
Mühselig das zu diskutieren. Wir sind in einem Teufelskreis. Schlechte Arbeitsbedingungen - schlechte Ausbildung - weniger Bewerber usw.
Ich bin absolut für eine ambulante Weiterbildung und Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Aber wir sehen immer mehr eine Absenkung des Standards um Lücken zu stopfen. Ich verstehe die jüngeren Kollegen und den gefrusteten Ton. Trotzdem muss man sich einfach 5-6 Jahre in der Klinik durchbeißen. Das ist aber ein anderes Thema.
Ich habe schon einige Kliniken erlebt und ich muss immer wieder über die Kreativität der Verwaltungen und das fehlende Wissen und die Gleichgültigkeit der Kollegen schmunzeln.
Ich finde im Studium sollte betont werden, dass es ein freier Beruf ist und das langfristige Ziel die Selbstständigkeit ist. Es schadet nicht jeweils ein Semester Arbeitsrecht und BWL mit 2-4SWS anzubieten. In manchen Studiengängen muss man in der Vorklinik eh einen Fremdschein belegen.
Denkbar wäre auch eine Art Beweislastumkehr, in der Kliniken die Ausbildungsqualität und faire Arbeitsbedingungen nachweisen müssen.
Die Kliniken brauchen viel Druck, nicht nur von finanzieller Seite. Dieses blöde Totschlagargument, dass durch Einhaltung des Arbeitszeitgesetz, faire Bedingungen und Entlohnung die Patientenversorgung gefährdet ist, ist lächerlich. Die alten verkrusteten Strukturen müssen aufgebrochen werden und endlich mal etwas grundsätzlich geändert werden.
Endoplasmatisches Reticulum
25.04.2022, 11:29
Was man auch bei "dann sollen sie halt mehr Ärzte einstellen" nicht vergessen darf: der Markt gibt teils nicht so viel her. Und das was dann noch übrig bleibt, will man das tatsächlich als Kollegen haben? Einfach nur damit jemand da ist?
Ist das so? Gibt der Markt das nicht her? Ich finde solche Schilderungen spannend, weil sie einfach so gar nicht meine Welt sind. Ich kenne es eher so, das Chefs von Bewerbern mehr oder weniger geflutet werden. Selbst als ich bis zu 200 km aus der Großstadt rausgefahren war, hatten die Kliniken bei offenen Stellen noch immer mindestens 3-5 Konkurrenzbewerber, die wohl nicht gänzlich miserabel wären. Natürlich spielen da Fach, Klinik, Zeitpunkt und vor allem der Standort eine wichtige Rolle.
Ich stelle trotzdem mal eine These auf: Der Markt gibt das sehr wohl her! Bloß sind die Kliniken nicht bereit, die Extraschritte, die sie tagein tagaus von ihren angestellten Ärzten als selbstverständlich voraussetzen, selbst zu tätigen, um Standorddefizite zu kompensieren und Potential anzulocken. Und solange Ärzte flächendeckend die Mentalität verfolgen, jede noch so defizitäre Personalsituation irgendwie kompensieren zu müssen, oder sich sogar aktiv gegen schonendere Dienstmodelle oder Stellenaufstockung wehren, weil sie dann etwa "noch weniger in den OP kommen", wird sich das auch nicht ändern. Das Problem ist nicht der Markt, sondern die Mentalität: Wir sind eine 08/15-Klitsche in der Tundra, warum bewerben sich bei uns keine Rockstars?
Habt ihr mal die "Was wir bieten"-Ausschreibungen für Pflegekräfte gelesen? Bei einer hiesigen Klinik lese ich exemplarisch:
Leichter Einstieg auch für Berufsneulinge mit umfassendem Anlernen, zuverlässiger Dienstplan, interessenbasierte Einarbeitung und Weiterbildung, Fachbereichswechsel nach Lust und Laune, maximale Entlastung bei der Dokumentation durch IT, Medikamentenentlastung durch Zentralapotheke und Blister, keine Transporte, keine Essensverteilung, keine Materialversorgung (alles erledigt durch spezielles Personal), dreistellige Zahl an Fortbildungsangeboten, kostenlose Online-Lernplattformen, Fachweiterbildung sofort möglich, finanzielle Umzugsbeihilfe im vierstelligen Bereich, Wohnen im Schwesternwohnheim, Kinderbetreuung, jederzeit Sabbattical oder Sonderurlaub möglich.
Klar ist das vermutlich z.T. Schall und Rauch, aber so sieht eine Stellenausschreibung aus, mit der man Leute anlocken will. Zum Vergleich dieselbe Klinik in "Was wir bieten" bei den Stellenangeboten für Ärzte:
Tariflohn und betriebliche Altersvorsorge, Weiterbildungsbefugnis, 30 Tage Urlaub, zentrale Lage, krisensicherer Arbeitsplatz, Mitgestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz, Familienfreundlichkeit, Wir haben eine Kantine und zwei Bäcker um die Ecke mit Mitarbeiterrabatt.
Wenn ihr solche Probleme habt, eure Stellen zu besetzen, hier einige Vorschläge für eure Stellenausschreibungen: Elektronische automatisierte Anwesenheitserfassung ohne Wenn und Aber, übertariflicher Grundlohn, Poolbeteiligung, 13. Gehalt, Sondervereinbarungen zu Gunsten des Personals (z.B. höhere Nacht- und WE-Zuschläge, mehr Urlaubstage, zusätzliche Urlaubstage je x absolvierte Dienste), vertraglich garantierte ITS/Sono/Whatever-Rotation innerhalb von x Monaten, garantierte und fixe Pause, x Hundert Euro festes Weiterbildungsbudget pro Assistent pro Jahr zur freien Verfügung, gestellte Wohnung für die Anfangszeit, mehrere tausend € Umzugsbeihilfe, Blutentnahmen und Braunülen durch Phlebotomiedienst, Briefe und Reha-Anträge vorgeschrieben durch Physician Assistant, Rohrpost fürs Labor und hausinterne Post ...?
Ich würde denken, dann kommen schon vernünftige Bewerber. Und klar, das sind alles Kostenfaktoren und spätestens beim Hilfspersonal frisst dann die Fachkraftmangelschlange ihren eigenen Schwanz. Aber bei den Ärzten von vornherein so gut wie gar nichts zu bieten, was eine Hervorhebung wert wäre, dann Stellen nicht besetzen zu können und lapidar sagen "Ist halt so, geht nicht anders"Ⓡ ist der einfache Weg. Und in meiner Erfahrung der, der von den Krankenhäusern fast ausschließlich gegangen wird.
Kackbratze
25.04.2022, 11:50
Okay, und das finanziert sich wie genau? Gab es in letzter Zeit irgendwo eine Anhebung im DRG-System, die ich übersehen habe?
Zur Zeit werden die Kliniken, die ich um Umfeld beobachte, von der Politik an die Wand gefahren, indem man Corona laufen lässt und die Krankenhäuser mit Patienten gefüllt sind, aber nicht die ITS, und das Personal in Quarantäne ist.
Es werden Wochen an OP-Programm vor sich hergeschoben, weil kein Personal oder kein Bett da ist, und dann soll, nachdem ja schon mehr Geld für ffp2-Masken und andere Coronamaterialien auch bezahlt werden muss, noch mehr Geld für Personalzusatzleistungen ausgegeben werden. Diese Semester BWL, die für manche Berufe gefordert werden, kann ich da auch ein bisschen nachvollziehen.
Ich kann da wieder die Verwaltungen verstehen, dass sie parallel die Defizite nicht noch weiter eskalieren lassen wollen.
Die Krankenhäuser sind ja nicht wie die EU, die dann einfach mehr Geld druckt, wenn der Kontostand nicht stimmt.
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