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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread



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Endoplasmatisches Reticulum
19.06.2022, 06:14
Braucht du schon! Führungspersonal streikt nicht für die Belange des Fußvolks. Die Herren und Damen Oberärzte sind viel zu oft damit beschäftigt, als Erfüllungsgehilfen der Krankenhäuser gerade die Zustände durchzusetzen, die das Streikbedürfnis maßgeblich schüren. Innerhalb der Assistentenschaft kannst du praktisch nicht selektiv nach Funktion streiken - und selbst wenn du es könntest, wären die essentiellen Funktionen diejenigen, die im Rahmen der Notdienstvereinbarung trotz Streik vepflichtet würden.

Nefazodon
19.06.2022, 16:43
Darauf gekommen bin ich wegen des ab Beginn diesen Jahres greifenden Betriebsrentenstärkungsgesetzes. Dieses sieht vor, dass betriebliche Altersvorsorgeprodukte mit Entgeltumwandlung (Stichwort: Klinikrente) ab 01.01.2022 durch den AG mit 15% bezuschusst werden müssen.

Warum auch immer verdrängt aber unser TV-EUmw VKA diese Vorgaben aus §1a BetrAVG. Da der AG so durch das umgewandelte Entgelt ja auch noch von den verminderten Lohnnebenkosten profitiert, hätte es mich interessiert, ob der MB da in irgendeiner Form dran ist, die Altersvorsorge / Entgeltumwandlung für uns rentabel zu verhandeln. Wisst ihr da was?


@ Swiffer: Auch auf die Gefahr hin, dich zu enttäuschen, aber ich glaube, dass Betriebsrentenstärkungsgesetz greift für die meisten nicht....

Ich kann mich irren, aber das letzte Mal, als ich mich damit beschäftigt habe, hatte ich es so verstanden, dass der Arbeitgeber nur dann verpflichtet ist, eine Zuzahlung zur Entgeltumwandlung zu machen, wenn er durch diese Sozialbeiträge spart, weil das Brutto sinkt.
Da die meisten Ärzte, auch im Krankenhaus, mit ihrem Bruttogehalt aber über der Beitragsbemessungsgrenze für die Sozialbeiträge liegen, sinken diese trotz Entgeltumwandlung nicht, und dann muss der AG auch nichts zuzahlen...

Anti-MG
19.06.2022, 20:18
Weiß jemand konkret,wann der Tarifabschluss stattfinden wird und ab die Kliniken dann verpflichtet sind,diesen ( rückwirkend) unzusetzen?

vanilleeis
20.06.2022, 05:25
Rückwirkend, ja. Zeitpunkt ist unklar, ich gehe aber von eine Auszahlung mit dem Juli oder August-Lohn aus

Swiffer
20.06.2022, 10:42
@Nefazodon:

Ja, das ist absolut richtig so. So habe ich es auch verstanden. Nur bei dem letzten Punkt würde ich widersprechen. Die Beitragsbemessungsgrenze für KV und PV liegen bei rund 4800€, also in etwa auf dem Niveau eines Assistenzarztes im ersten Jahr. Insofern ergibt sich hier kein Einsparpotential des AG. Bei der gRV hingegen sehr wohl. Hier sind wir momentan bei einem Brutto von 7050€/Monat, was bei weitem nicht jeder angestellt Arzt überschreiten dürfte (Assistenzärzte, TeilzeitFachärzte...)

Bedeutet im Klartext: Im Falle einer Entgeltumwandlung legst du von deinem erwirtschaftetem Bruttogehalt einige Euro für die Altersvorsorge zur Seite. Durch das verringerte Bruttoeinkommen vermindert sich aber auch dein Anteil an Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung/Versorgungskammer pro Monat. Genauso verhält es sich auch für den Arbeitgeber: Auch er muss weniger für dich in die gRV/Versorgungskammer einzahlen, und spart dadurch Geld.
Fein und fair wäre es nun, wenn der AG den eingesparten Geldbetrag in Form einer Zuzahlung zur betrieblichen Altersvorsorge reinvestieren würde, um deine verminderte gesetzliche Rente zu kompensieren. Und das passiert aktuell leider nicht. Somit ist die Möglichkeit zur Entgeltumwandlung, so wie sie momentan laut Tarifvertrag dem AN angeboten werden muss, nicht nur ein Nullsummenspiel, sondern de facto eine Mehreinnahmenquelle für den AG.

Deswegen nochmal die Frage in die Runde: Hat irgendjemand mal was gehört, ob bei den Tarifverhandlungen auch mal die anderen Tarifvertragsbestandteile

TV Ärzte VKA ..... Entgeltumwandlung/Rationalisierungsschutz/betrieblicheAltersvorsorge/sozialeAbsicherung/Sonderzahlung...

angeschnitten wurden??


LG Benni

Autolyse
20.06.2022, 12:52
Brauchst du gar nicht.

Überleg dir doch einfach mal welche Ärzte genau streiken müssten damit wirklich das gesamte Krankenhaus flach liegt. Ich behaupte das sind nicht mal 20%. Aber es müssten halt ganz bestimmte sein...
Selektiver Streik in der Anästhesie. Es kommt nur die Dienstmannschaft. Nur von der Sprechstunde dürfte keine operative Abteilung leben können. Dazu keine invasive Kardiologie und keine Endoskopie. Dann bleibt nur mehr das Verlustgeschäft aktiv, oder?

h3nni
20.06.2022, 13:26
Invasive Kardio und Endoskopie braucht man aber auch im Notfall, oder? Und wenn die dann eh schon mal da sind...

Autolyse
20.06.2022, 14:03
Da sind es aber nur Rufdienste, oder? ;-)

anignu
20.06.2022, 22:30
Selektiver Streik in der Anästhesie. Es kommt nur die Dienstmannschaft. Nur von der Sprechstunde dürfte keine operative Abteilung leben können. Dazu keine invasive Kardiologie und keine Endoskopie. Dann bleibt nur mehr das Verlustgeschäft aktiv, oder?
Korrekt.
Und die operativen Abteilungen sind viel mehr als man denkt: HNO, Gyn, Uro, Viszeral, Thorax, Gefäß, Unfall, Ortho, Kinderchir., die Belegärzte wie Auge usw... Mit ein paar streikenden Anästhesisten + bei Kardio/Gastro die Katheter-Schieber bzw. Black-Mamba-Bezwinger gehen die abrechenbaren Leistungen auf niedrigstes Niveau.

Für mich ist das so wie bei den Fluggesellschaften: ein paar streikende Piloten oder Fluglotsen und alles steht. Oder bei der Eisenbahn: Lokführer streiken -> alles steht.
In unserer Klinik war es aber eher so dass beim Warnstreik in Frankfurt vor allem Assistenzärzte und vor allem aus der Chirurgie und Inneren beteiligt waren. Sind jetzt abrechnungstechnisch nicht die Schlüsselstellen für maximale wirtschaftliche Verluste. Und seien wir mal ehrlich: wenn man an einem Tag nur rudimentäre Visite macht und keine Briefe schreibt, dann lässt man das halt am nächsten Tag durch die Assistenten nachholen...

Bluej
24.06.2022, 11:37
Bisschen off topic:
Grad gelesen in Nrw bekommen jetzt auch Grundschullehrer A 13: "Das ist ein wichtiges Signal, weil die Beschäftigten und alle, die im Schulbetrieb unterwegs waren, über sich hinausgewachsen sind zu Zeiten der Corona-Pandemie"

https://www.zeit.de/news/2022-06/23/cdu-und-gruene-wollen-lehrergehaelter-in-nrw-angleichen

Warum lese ich solche Zitat eigentlich nicht über Ärzte? Schließlich haben wir nicht mal eine Corona Prämie bekommen.

Endoplasmatisches Reticulum
24.06.2022, 12:21
Ärzte wachsen nicht über sich hinaus. Sie erfüllen ihre Bringschuld gegenüber der Gesellschaft für das teure Studium. Und trotzdem jammern sie rum, obwohl sie schon unverschämt viel Geld verdienen.

anignu
24.06.2022, 23:38
Inzwischen gibt es eine erste "halbwegs" Forderung der IG Metall. Also eine der absoluten Vorzeigegewerkschaften...
Sie verlangen irgendwo so ungefähr "7 bis 8 Prozent mehr Geld, für 12 Monate" und das bei einer Inflationsrate im Mai von 7,9%.
So eine Gewerkschaft will ich auch. Noch nicht mal einen Inflationsausgleich fordern sich dafür aber hier im Forum feiern lassen.

Ich sag nur: https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?106823-Aktuelle-VKA-Tarifverhandlung-1-22-Der-Diskussionsthread&p=2234946&viewfull=1#post2234946

Und es gibt inzwischen ein Ergebnis für die Stahlkocher:
Die Forderung war "IG Metall für Stahlkocher: 76t Beschäftigte, Forderung im April 22 8,2%, Inflationsrate im März 7,3%" und Das Ergebnis lautet 6,5% für 18 Monate also 4,4% pro Jahr. Super. Immerhin mehr als die Hälfte der Forderung und nicht mal 3% unter der Inflationsrate zu dem Zeitpunkt als die Forderung aufgestellt wurde.

SineNomine
27.06.2022, 09:33
Und es gibt inzwischen ein Ergebnis für die Stahlkocher:
Die Forderung war "IG Metall für Stahlkocher: 76t Beschäftigte, Forderung im April 22 8,2%, Inflationsrate im März 7,3%" und Das Ergebnis lautet 6,5% für 18 Monate also 4,4% pro Jahr. Super. Immerhin mehr als die Hälfte der Forderung und nicht mal 3% unter der Inflationsrate zu dem Zeitpunkt als die Forderung aufgestellt wurde.

Kurzum, doppelt so hohe Steigerung wie der Marburger Bund ausgehandelt hat. Finde ich immer noch nicht hinreichend, aber besser 4,4 als 2,2% pro Jahr.

Wir könnten mal ne andere Challenge machen und Tarifabschlüsse ab Frühjahr 2022 suchen, die UNTER dem Ergebnis des Marburger Bundes hinsichtlich des jährlichen Lohnzuwachses liegen.

anignu
27.06.2022, 22:38
Kurzum, doppelt so hohe Steigerung wie der Marburger Bund ausgehandelt hat. Finde ich immer noch nicht hinreichend, aber besser 4,4 als 2,2% pro Jahr.
Oder eben 3,8% unter der Forderung oder 2,9% unter der Inflationsrate zu dem Zeitpunkt an dem die Forderung aufgestellt wurde.
Die IG Metall ist später in die Verhandlungen eingestiegen bei höherer Inflation und hat einen höheren Abschluss erreicht. Wie unerwartet. Die relative Bewertung sieht meiner Meinung nach nicht so gut aus...

Wir könnten mal ne andere Challenge machen und Tarifabschlüsse ab Frühjahr 2022 suchen, die UNTER dem Ergebnis des Marburger Bundes hinsichtlich des jährlichen Lohnzuwachses liegen.
Du kannst es drehen und wenden. Der Zeitpunkt zwischen Aufstellung der Forderungen und der Steigerung der Inflationsrate war für den Marburger Bund denkbar schlecht. Daher finde ich auch den Abschluss mit "und in wenigen Monaten verhandeln wir wieder und dann nur übers Geld" sinnvoll.

SineNomine
28.06.2022, 06:20
Ersteres spricht dafür, dass man schneller einen Abschluss erreicht, ist kein Fehler, kein dreiviertel Jahr wie der MB zu brauchen. Unter der Forderung... Jeder Abschluss endet unter der Forderung, sonst gäbe es keine Verhandlung. Wenn man ein halbes Jahr verhandelt, muss man sich ggf am den geänderten Bedingungen messen lassen. Zumal eine hohe Inflation, wenn auch nicht so hoch, schon zu Forderungsstellung zu befürchten war.

Und von wegen ungünstiger Zeitpunkt.. soll das nun sagen, dass versucht wird, dies in der nächsten Tarifrunde zu korrigieren?? Da glaub ich dran, wenn ichs sehe...

Kackbratze
28.06.2022, 08:41
Der Marburger Bund macht alles richtig. Du verstehst es nur nicht.

Endoplasmatisches Reticulum
28.06.2022, 09:36
Ich verstehe weiterhin nicht, warum das Timing der Verhandlung das schlechte Ergebnis entschuldigen soll.

Wenn sich nach Verhandlungsstart in der realen Welt relevante und/oder die Verhandlung rekontextualisierenede Dinge ereignen, können die Eingangsforderungen nicht angepasst werden, weil ... ?

Die VKA hat ja sogar den Ukraine-Krieg instrumentalisiert. Noch tiefer kann man in die Kiste der moralischen Verwerflichkeit kaum greifen.

freak1
28.06.2022, 21:31
Du kannst es drehen und wenden. Der Zeitpunkt zwischen Aufstellung der Forderungen und der Steigerung der Inflationsrate war für den Marburger Bund denkbar schlecht. Daher finde ich auch den Abschluss mit "und in wenigen Monaten verhandeln wir wieder und dann nur übers Geld" sinnvoll.

Wir sind gespannt. Sie haben für TV-Ärzte alle Karten in der Hand. Zumindest in NRW sind die Unis schon seit 10 Wochen im Verdi-Streik; die werden zu allem bereit sein, um einen sich anschließenden Ärztestreik zu verhindern.

Miss_H
29.06.2022, 19:34
Denen ist doch auch 10 Wochen Streik egal. Mit der Notbesetzung kann man doch auch arbeiten. Ich denke das wird kein Argument sein auf Forderungen einzugehen.

abcd
29.06.2022, 19:35
Bei uns kamen jetzt die ab Oktober korrigierten Gehaltsabrechnungen.