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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread



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crossie
08.04.2023, 18:54
Ich bin aktuell (noch) MB Mitglied und an einem Haus, an dem der MB gerade den Haustarifvertrag verhandelt. Meine weitere Mitgliedschaft mache ich tatsächlich vom neuen TV abhängig. Bzw. ist mir die "wie selbstverständliche" Erhöhung des MB-Beitrages um satte 33,3% sehr sauer aufgestoßen und nun warte ich gespannt, wie groß das Delta sein wird zur Erhöhung, die für mich ausgehandelt wurde.

Qwert1133
09.04.2023, 19:13
Gut gebrüllt Löwe! Es ist immer wieder erstaunlich, wie kämpferisch sich hier manche geben...
Kommt es dann aber zum Streik, fehlte es in der Vergangenheit oft an Beteiligung.



Die “wahrscheinlich eher eingeschränkte Streikbereitschaft” ist ja ein beliebtes Narrativ vom MB, ich frage mich aber woher diese Einschätzung denn kommt, wo der MB seit fast 20 Jahren nicht mehr zu mehr als einem Warnstreik aufgerufen hat? Insbesondere nachdem wir während der Covidpandemie zwar an forderster Front arbeiten durften, dann aber sogar per Gesetz von einer staatlichen Covid-Prämie ausgeschlossen wurden, erlebe ich eine enorme Wut und Bereitschaft für bessere Arbeitsbedingungen und eine leistungsgerechte Bezahlung einzustehen. Entfesseln kann sich so etwas aber natürlich nur wenn der MB auch mal bereit ist für die mehr als notwendigen Verbesserungen im Tarifvertrag auch einzustehen.

Ich schaue mit großem Neid auf die wirklich großartige Kommunikationsstrategie der BMA bei den Kollegen im UK. Die dortige Gewerkschaft fordert satte 26% und streikt jetzt im Anschluss a die Osterfeiertage für 4d, wodurch effektiv für 10d nur eine Notfallbesetzung in den Krankenhäusern anwesend ist. Über den aktuellen Stand und die Kommunikation von der Regierung wird regelmäßig auf allen Kanälen informiert, wie z.B hier:

https://twitter.com/BMA_JuniorDocs/status/1643945985771487233



Zum Streiken: Auch das ist nicht ganz so trivial, denn die Dauer und die Auswirkungen eines Streiks müssen laut Rechtssprechung verhältnismäßig sein.
Klar, kann man sich jetzt drüber streiten, was das heißt, ich möchte nur sagen, dass man nicht einfach kritische Infrastruktur bestreiken kann, wie man lustig ist.
Davon ab bedeutet Streik auch immer: Kein Lohn/kein Gehalt UND zusätzliche Belastung durch die Notdienste.


Das ist schon ein guter Punkt, aber halt auch Aufgabe der Gewerkschaft sich hier rechtssicher zu positionieren. Wenn man die Gewerkschaft für eine Berufsgruppe der kritischen Infrastruktur sein möchte gehört das einfach zu seinem Aufgabengebiet hier Wege zu finden und nicht einfach den Kopf einzuziehen. Aber es gäbe ja auch da Möglichkeiten, die Kliniken unter Druck zu setzen. Ich sehe zum Beispiel nicht, warum ein heftiger Zuschlag für die Ärzte, die aufgrund der Notdienstvereinbarung nicht streiken dürfen, Teil eben dieser Notdienstvereinbarung ist. Alternative für die Kliniken wäre ja die Notfallversorgung über Zeitarbeiter sicherzustellen, da sind ganz andere Stundenlöhne an der Tagesordnung.



Bezüglich der Antworten, die jetzt von Mehreren kamen, dass uns die öffentliche Meinung egal sein kann, möchte ich Zweifel anmelden.
Der Arztberuf ist ein freier Beruf und wir haben tatsächlich noch einige Privilegien. Unter anderem können wir Ärzt:innen unsere berufsbezogenen Angelegenheiten selbst regeln (in Grenzen).
Aber dass es bisher so war, heißt nicht, dass es so bleiben muss. Solche Privilegien können auch abgeschafft werden.


Wo profitiert man denn als Assistenzarzt von diesen Privilegien? Ich finde es überhaupt(!!!) nicht sinnvoll, dass jedes Bundesland eine eigene Ärztekammer inkl eines mit absurd hohen Gehältern ausgestatteten Vorstand besitzen muss.. Ich sehe in der Möglichkeit, dass mir bei einem Vergehen auch oben drauf noch berufsrechtliche Strafen drohen, weil ich mich nicht meinem Stande entsprechend verhalten habe, veraltet und überhaupt nicht in meinem Sinne. Die ärztliche Weiterbildungsordnung kann eigentlich niemand unsinniger gestalten als das die Kammern aktuell schon machen.

Für mich ist eigentlich folgendes ganz klar: Damit sich etwas ändern kann, muss der MB seine große Tarifkommission, bei welcher der Großteil der Teilnehmer von dem zu verabschiedenden Tarifvertrag überhaupt nicht betroffen sind, durch eine Mitgliederabstimmung ersetzt werden. Wenn sich dann >50% der betroffenen Ärzte auf eine Einmalzahlung einigen, dann wäre ich zwar enttäuscht aber würde das akzeptieren. Wenn der MB das wieder an allen vorbei verabschiedet entsteht die blanke Wut.

DrArzt
10.04.2023, 19:20
Das mit der Beitragserhöhung ist tatsächlich eine Frechheit gewesen, bei der aktuellen Konstellation umso mehr.

Und dass die Mitgliederzahlen steigen hat mit Sicherheit nichts damit zu tun, dass aktiv vernünftige Menschen in diesen Nachbarschaftsverein eintreten, sondern vielmehr mit der aggressiven Werbung unter Studenten, die zugegebenermaßen einige Vorteile damit erhalten. Diese vergessen aber schlicht und einfach sich wieder abzumelden nach dem Studium und mit Erhalt der Approbation und dadurch werden es jedes Jahr natürlich ein paar Tausend mehr..

Zumindest sind 130000 aktive Mitglieder bei ca. 400000 Ärzten insgesamt maximal unrealistisch.

Philip_MHH
10.04.2023, 19:41
Engagierst du dich denn berufspolitisch oder pöbelst du nur anonym im Internet?

DrArzt
10.04.2023, 20:37
Fallen Dir nur ad hominem-Argumente dazu ein?

Wüsste nicht, wo ich pöbeln würde. Ich analysiere und entkräfte das Geschwafel unserer angeblichen Interessenvertreter. Dies sind leider nunmal Menschen, deren Berufspolitik sie selbst ja kaum betrifft, da man selbst alles über Kontakte regelt.

Falls die Vorsitzende mir ihren Posten, den sie ja nun anscheinend für einen lukrativeren austauschen möchte :-slap, abtreten möchte, bin ich natürlich sofort dabei.

h3nni
10.04.2023, 21:08
Eigentlich ist der Beitrag zu gering. Wenn man vernünftig 1% vom Brutto oder wenigstens 0,7% oder so eintreiben würde, wäre wenigstens mal Pepp dahinter, volle Streikkassen und evtl mehr Unabhängigkeit. Aber wenn ein Polizist mit A9 mehr in die GdP zahlt als ich mit dem 1.5fachen Brutto läuft doch eigentlich was falsch mMn.

@DrArzt mich würde das tatsächlich interessieren, ob du deine Ideen auch einbringst bzw das versuchst. Oder wurdest du da mal "verbrannt"?

Meinem Gefühl nach ist der MB hier im Forum nicht wirklich aktiv oder dabei, auch wenn es glaube ich für ihn eine interessante Quelle wäre. Natürlich sind auch (eher jüngere) Leute aus Verhandlungsgruppen hier, aber wirklich Gewicht scheint die Meinung hier nicht zu haben.

Kackbratze
11.04.2023, 00:53
Die Verhandlungsgruppen insgesamt sind IMHO Augenwischerei, solange das Budget nicht erhöht wird. Es wird der bekannte Kuchen nur Anders aufgeteilt. Eine Änderung der Finanzierung des Gesundheitssystems und des Abrechnungssystems sind erforderlich.

Endoplasmatisches Reticulum
11.04.2023, 08:49
Du kannst doch vom Karl nicht erwarten, sein eigenes Kind zu begraben!

Mehr Geld ist dringend notwendig. Bei den DRGs bin ich mir aber nicht ganz sicher, wie eine besser funktionierende Alternative aussehen könnte. Gerade vor dem gesellschaftlichen Wandel in Richtung eines immer größeren Kollektivs alter, multimorbider, kostenintensiver Patienten, im Kontrast zu einem immer kleineren Anteil junger, gesunder, einzahlender Menschen. Wobei die durch den Lebenswandel auch immer kränker werden: Zu wenig Bewegung, Inflation macht gesunde Ernährung zunehmend unerschwinklich, kulturelle Depression, vermehrter Stress durch die Notwendigkeit von Zweitjobs in einem sich immer mehr beschleunigenden und verdichtenden Berufsleben ...

Kackbratze
11.04.2023, 09:10
Das Eine ist was man will, das Andere, was man dann muss.

Entweder wir akzeptieren, dass Medizin für Alle und Alles für Immer ein bodenloses Groschengrab ist, oder wir müssen Leistungen kürzen und aus dem Katalog rausnehmen.
Sparen und alles wollen....wer glaubt, dass sowas problemlos geht, muss schon sehr früh vom Wickeltisch gefallen sein.

Endoplasmatisches Reticulum
11.04.2023, 09:19
Absolut richtig! Trotzdem bleibt ja die Frage, wie man die DRGs besser machen könnte. Sind DRGs überhaupt selbst das Problem? Oder die Art, wie wir sie umsetzen? Falls Ersteres, was für ein System könnte besser funktionieren? Falls Letzteres, wo genau sind die Probleme und wie könnte man sie angehen? Falls beides ... dumm gelaufen?

Kackbratze
11.04.2023, 16:18
DRG bildet eine Standardtherapie ab, die bei den wenigsten Patienten korrekt greift und gruppiert werden kann. Ziel ist neben einem "Pseudo-Gewinn" die gleichzeitige Ausschöpfung von Sparpotentialen.
Was für ein bullsh1t

Oder schreibt ein Mechaniker auch eine von Aussen vorgegebene Rechnung mit reinen Pauschalen unter Inkaufnahme eines Verlustgeschäftes?

Die grundsätzliche Frage ist, weiterhin Alles für Alle oder Kürzung von allgemeinen Leistungen und Umplanung in die private Bezahlung (Skiunfall, Nikotinfolgen)?

Thomas24
11.04.2023, 16:21
Nachdem die Politik seit -JAHRZEHNTEN- jedem ungefragt suggeriert, dass in Deutschland natürlich "alles, für jeden und zwar sofort!" der Versorgungsstandard zu sein hat, ganz egal, wie die demographische Realität aussieht und egal, ob Rationierung durch die Hintertür schon seit langem Realität ist (...), kennen wir doch die Antwort.

Endoplasmatisches Reticulum
11.04.2023, 16:45
DRG bildet eine Standardtherapie ab, die bei den wenigsten Patienten korrekt greift und gruppiert werden kann. Ziel ist neben einem "Pseudo-Gewinn" die gleichzeitige Ausschöpfung von Sparpotentialen.
Was für ein bullsh1t
Da stimme ich dir zu. Allerdings bieten DRGs ja durchaus die Möglichkeit, Komorbiditäten und Besonderheiten in der Kodierung abzudecken. Deshalb bleibt die Frage, ob DRGs das Problem sind, oder unsere Implementierung des Konzepts - und welche Alternative besser funktionieren würde? Denn:


Oder schreibt ein Mechaniker auch eine von Aussen vorgegebene Rechnung mit reinen Pauschalen unter Inkaufnahme eines Verlustgeschäftes?
Die Umkehrung der DRGs funktioniert ja nicht, wie man an den Tagespauschalen gesehen hat. Wenn die Krankenkassen die Preise bestimmen, die sie für die Leistungen Dritter bezahlen, drücken sie die natürlich nach unten. Wenn die Krankenhäuser die Preise bestimmen, die sie den Kassen in Rechnung stellen, hieven sie diese nach oben. Und das würde heute, im Glanz der Privatisierungswelle, vermutlich noch stärker ins Gewicht fallen als damals.


Die grundsätzliche Frage ist, weiterhin Alles für Alle oder Kürzung von allgemeinen Leistungen und Umplanung in die private Bezahlung (Skiunfall, Nikotinfolgen)?
Alltagsrisiken von Risiken einer Langzeitexposition zu trennen, wäre eine Überlegung. Da stimme ich zu. Ich zahle 500 € im Monat in die KK und bekomme (als junger relativ gesunder Mensch) einen Scherz an Leistung, wenn ich mal eine in Anspruch nehmen will - aber ich zahle 20 € im Monat in meine Zahnzusatzversicherung und bekomme hervorragende Leistungen ohne Murren. Also meinetwegen Sportverletzungen raus aus der KK und dafür auch ne Zusatzversicherung abschließen, wenn ich meine, so etwas machen zu müssen. Zahle ich nochmal 20 € privat wenn ich Kampfsport mache, ist okay. Nikotinfolgen sind schon schwieriger, weil du keine Kausalität beweisen kannst. Und ich denke, das ist gesamtgesellschaftlich eher der Kostenfaktor als jemand, der vom Skier fliegt und sich den Arm bricht. Lösen wir so Probleme, oder verschieben wir das Finanzierungsproblem für 5 Jahre und stehen dann wieder am selben Punkt?

Kackbratze
11.04.2023, 20:29
"Wir" wollen für unsere geleistete Arbeit adäquat bezahlt werden. So wie Hausärzte eine aktuelle GOÄ haben wollen.

Es ist nicht meine Aufgabe ein Konzept zu erstellen, dafür gehe ich wählen.

Endoplasmatisches Reticulum
11.04.2023, 20:52
Der Ansatz bringt uns Geschenke wie Jensi und Kalle. :)

Autolyse
11.04.2023, 21:35
Der Ansatz bringt uns Geschenke wie Jensi und Kalle. :)
Wenn der IBUK den jetzigen Tanker erfolgreich auf Linie gebracht hat, dann wäre die nächste Aufgabe also nicht weit?

Kackbratze
11.04.2023, 21:40
Der Ansatz bringt uns Geschenke wie Jensi und Kalle. :)

Das ist der Preis der Demokratie. Aber selbst wenn Du hier die Traumlösung hättest, müsstest Du auch an solchen Irrlichtern vorbeikommen.

Endoplasmatisches Reticulum
11.04.2023, 22:25
Wenn der IBUK den jetzigen Tanker erfolgreich auf Linie gebracht hat, dann wäre die nächste Aufgabe also nicht weit?

Ich wäre ja für die Fester als nächste Gesundheitsministerin. Meine absolute Lieblingspolitikerin. Dann wird endlich mal der STD-Fonds adäquat erhöht. Ansonsten fürchte ich, ist für derartige Posten auch eine Schleimspur von Jahrzehnten irgendwie eine Art Leistung ... wie ich auf YouTube heute mit Freuden sehen durfte, setzen sie aktuell sogar den Amthor wieder in Talkshows. Für den finden wir doch bestimmt auch noch was!


Das ist der Preis der Demokratie.
Du meinst des Parlamentarismus'?

Autolyse
11.04.2023, 22:36
Ich wäre ja für die Fester als nächste Gesundheitsministerin. Meine absolute Lieblingspolitikerin. [...]
Ich musste erst einmal Onkel Google befragen, wen du überhaupt meinen könntest.
Jeder braucht eben seine Projekte. Was dem Jensi seine PrEP war...

Endoplasmatisches Reticulum
11.04.2023, 22:43
Da hast du aber was verpasst! Ihre "Ich will endlich wieder fremde Männer knutschen"-Rede im Bundestag war ein Highlight in trostlosen Lockdown-Zeiten. Die Elegie auf ihre verpasste Jugend, weil sie mit Anfang 20 ohne Ausbildung oder Studium für > 10.000 € im Monat im Bundestag malochen und da Tanz-TikToks auf dem Flur drehen muss, war auch ganz nett; aber schon etwas uninspirierter.