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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread



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Miss_H
26.04.2023, 12:57
Ich war jetzt vor Kurzem auf dem VKA-Netzwerktreffen. Selbst da gab es dann wieder einzelne Stimmen, die quergeschossen sind, und meinten, wir Ärzte verdienen doch eigentlich genug....

Und diese Ansicht darf man nicht haben? Ich finde eine Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze völlig ausreichend. Heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass es nichts zu verbessern gibt. Ich möchte trotzdem eine Anpassung an die Inflation. Was ich mir noch mehr wünschen würde wären Verbesserungen der Bedingungen. Fälschungssichere Arbeitszeiterfassung, Arbeitszeitgesetz-konforme Dienstpläne sowie Zeit für Patienten und Weiterbildung.

Teevee
26.04.2023, 13:13
Man kann diese Ansicht durchaus haben. Allerdings verkauft man sich mMn unter Wert, wenn man als (Fach)Arzt ein Gehalt lediglich „oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze“ als angemessen erachtet. Klar wären die anderen Punkte, die du ansprichst ebenso wichtig. Allerdings sind diese nicht so einfach zu erreichen und die Umsetzung steht und fällt mit der Hartnäckigen der Ärzte, die Regelungen auch einzufordern. So wie es (zwar weniger als früher, aber immernoch zu viele) Ärzte gibt, die in Sachen Gehalt mMn nicht genug Biss an den Tag legen, so gibt es auch in Bezug auf das Einfordern von zB Arbeitszeit- und Zeiterfassungsregeln zu viele, die nicht auf dem Einhalten von Regeln beharren.

Und was man nicht vergessen darf: ein höheres Gehalt kann auch mehr Freizeit bedeuten! Wenn ich mehr verdiene, kann ich reduzieren und verdiene so viel wie davor mit weniger Arbeitszeit..

Aber was die Frage angeht, wie „angemessen“ Forderungen nach mehr Gehalt sind:
Wenn man so vergleicht, was ähnlich hochausgebildete akademische Berufe verdienen (zB Honorare im Gutachterbereich, Stundenhonorare für Anwälte etc) hat unser Lohn viel Luft nach oben. Und von den Zuschlägen, die man zahlen muss, wenn zB Handwerker, Sachverständige u.a. Am Wochenende oder in der Nacht tätig werden müssen ganz zu schweigen. Wir gehören mit zu den wichtigsten und bestausgebildetsten Fachkräften der Gesellschaft, tragen die größte (auch rechtliche) Verantwortung in der Gesundheitsbranche und leisten Arbeit, die oft auch unaufschiebbar dringlich ist. Dessen sollten wir uns alle bewusst sein und das dürfen wir auch so sagen und dementsprechendes Honorar einfordern.

Nefazodon
26.04.2023, 14:14
Und diese Ansicht darf man nicht haben? Ich finde eine Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze völlig ausreichend. Heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass es nichts zu verbessern gibt. Ich möchte trotzdem eine Anpassung an die Inflation. Was ich mir noch mehr wünschen würde wären Verbesserungen der Bedingungen. Fälschungssichere Arbeitszeiterfassung, Arbeitszeitgesetz-konforme Dienstpläne sowie Zeit für Patienten und Weiterbildung.

Deine Ansicht bleibt dir (und anderen) natürlich unbenommen.
Aber abgesehen davon, dass ich diese Ansicht nicht teile, ist es maximal schädlich, mit dieser Einstellung in Gehaltsverhandlungen einzusteigen.
Man würde sich doch auch nicht vor seinen Chef hinsetzen und sagen "Ja, also eigentlich verdiene ich genug, aber ich wollte mal fragen, ob sie mir noch etwas mehr geben könnten. Aber eigentlich bin ich zufrieden." und sich dann wundern, dass es maximal ein Lächeln und 1-2% gibt.

Auch das mit den Arbeitsbedingungen: Natürlich sind die dringend verbesserungswürdig, keine Frage. Aber in dieser Tarifrunde geht es nur und ausschließlich um das Gehalt.
Arbeitsbedingungen und Bezahlung sind außerdem zwei verschiedene Paar Schuhe.
Nur weil die Arbeitsbedingungen schlecht sind, und wir dringend für eine Verbesserung kämpfen müssen, heißt das doch nicht, dass wir zusätzlich auch noch schlecht bezahlt werden müssen.
Warum nicht für bessere Bedingungen und mehr Gehalt kämpfen? Der Verweis auf die Arbeitsbedingungen, wenn es um mehr Gehalt geht, ist ein Irrweg und lenkt nur ab.


Wenn man so vergleicht, was ähnlich hochausgebildete akademische Berufe verdienen (zB Honorare im Gutachterbereich, Stundenhonorare für Anwälte etc) hat unser Lohn viel Luft nach oben. Und von den Zuschlägen, die man zahlen muss, wenn zB Handwerker, Sachverständige u.a. Am Wochenende oder in der Nacht tätig werden müssen ganz zu schweigen. Wir gehören mit zu den wichtigsten und bestausgebildetsten Fachkräften der Gesellschaft, tragen die größte (auch rechtliche) Verantwortung in der Gesundheitsbranche und leisten Arbeit, die oft auch unaufschiebbar dringlich ist. Dessen sollten wir uns alle bewusst sein und das dürfen wir auch so sagen und dementsprechendes Honorar einfordern.

:-meinung

This!

Was die Angemessenheit der Gehaltsforderungen angeht, muss man immer auch die Arbeitszeit betrachten sowie die Verantwortung.
Außerdem hat die Inflation die letzten Tariferhöhungen mittlerweile aufgefressen. Das heißt, wir stehen schlechter da, als noch vor ein paar Jahren. Trotz Arbeitsverdichtung, trotz Fachkräftemangel, trotz Pandemie.
Wer kann damit wirklich zufrieden sein???

Endoplasmatisches Reticulum
26.04.2023, 14:27
Ich verstehe dieses "Ich verdiene gut genug und deshalb finde ich es okay, wenn man mir 20 % wegnimmt" nicht. Wirklich, ich verstehe es nicht. Egal ob man jetzt gut oder schlecht bezahlt wird, wie kann man denn bitte zufrieden damit sein, enteignet zu werden? Faktische Gehaltskürzungen im zweistelligen Bereich serviert zu kriegen?

Selbst wenn ich das Geld nicht brauche, hätte ich es doch lieber und stecke es in Anlagen oder in welche auch immer mir persönlich wichtigen immateriellen Glücksbringer? Meine Güte, zur Not fürs Karma-Konto spenden. Aber einfach puff, weg - und damit einverstanden?

PaulaBoston
26.04.2023, 16:31
Also wenn ich sehe was mein Mann als Ingenieur in der Wirtschaft verdient mit korrekter Zeiterfassung und Wochenende immer frei, da wird mir schlecht mit wie wenig Geld wir abgespeist werden und was wir dafür leisten müssen. Die Firma meines Mannes hat zum Beispiel jedem Mitarbeiter diese 3000€ Inflationsausgleich ohne mit der Wimper zu zucken bezahlt und zumindest beim öffentlichen Dienst ist das Teil des Tarifabschlusses! Freunde von mir bei der MAN haben die 3000€ auch einfach so bekommen! Wir sollten uns nicht unter Wert verkaufen!

Qwert1133
26.04.2023, 17:13
Der MB hat sich mit den BG Kliniken auf 200€ Sockelbetrag + 5,5% + 3000€ Einmalzahlung bei 24 Monaten Laufzeit geeinigt. Verrückt, einfach wirklich den Verdi Abschluss abgewartet und dann kopiert. Jede Wette, in 2d wird das gleiche dann für die VKA verkündet. Wofür wurden hier überhaupt mehrere Tarifrunden geführt? Da kann man ja fast besser bei Verdi beitreten, da kann man wenigstens noch indirekt über seinen Tarifvertrag abstimmen… Der MB schickt das Ganze wie gewohnt durch seine Tarifkomission.

Banane123
26.04.2023, 17:30
Mit Wirkung zum 1. Juli 2023 werden die Entgelte der Ärztinnen und Ärzte in den BG-Kliniken zunächst pauschal um 200 Euro angehoben und die sich daraus ergebenden Beträge um weitere 5,5 Prozent erhöht und auf die nächsten vollen Fünf-Euro-Beträge aufgerundet. Ergibt sich daraus nicht mindestens eine Gesamterhöhung von 8,25 Prozent, wird der Erhöhungsbetrag auf diesen Wert angehoben und entsprechend aufgerundet.

Wenn ich richtig gerechnet habe ergibt sich dadurch z.B. zwischen Ä1/2 und Ä1/3 kein höheres Entgelt (jew. 6000€), bei 1/5 zu 1/6 ebenso (jew. 7000€). Für die höhren Gruppen mal noch nicht durchgerechnet...

Miss_H
26.04.2023, 17:40
Ich möchte trotzdem eine Anpassung an die Inflation.
Weil es wohl nicht so klappt bei euch mit dem Lesen, zitiere ich mich einfach selbst.

Und ich kann es nicht mehr hören mit allen Akademikern die besser als wir verdienen. Ich habe auch Ingenieur und Juristen im Freundeskreis. Wenn man aber nicht bei einem großen Industriekonzern oder in einer guten Kanzlei arbeitet, dann ist das Gehalt häufig schlechter als unseres. Und ansonsten hat man in der Industrie ab einem bestimmten Level auch einen AT Vertrag. Ohne die geliebte 40 Stunden Woche. Auch Industriebetriebe laufen am Wochenende. Und dann bitte vergleicht euch doch auch Mal mit anderen Akademikern, die auch Verantwortung für Menschen haben (soziale Berufe). Die habe meist genau so lange studiert und verdienen deutlich weniger.

Mein primäres Ziel ist nicht mehr Gehalt (also mehr als der Inflationsausgleich). (Ja, ich weiß, dass es nur darum in der aktuellen Tarifrunde geht.) Daher sitze ich auch nicht am Tisch, sondern überlasse dies anderen Menschen.

Mein Ziel wäre, dass man ordentliche Arbeit machen kann und da nicht an oberster Stelle ein BWLer sitzt, der einen knechtet und selber mehr verdient, pünktlich Feierabend macht und keinerlei Verantwortung hat. Für mich gibt es einfach sehr viel mehr Dinge zu verbessern als das Gehalt.

Feuerblick
26.04.2023, 17:52
@Miss_H: Wir sind ja oft unterschiedlicher Meinung, aber das kann ich gut nachvollziehen. Würde ich noch in der Klinik arbeiten, würde ich das, was du schreibst, sofort unterschreiben! :-)

Swiffer
26.04.2023, 17:54
@ MissH: Danke, passt soweit beim Lesen bei uns.

Weiß nicht, was deine Freunde falsch machen, aber meine bessere Hälfte verdient nach 5 Jahren im öffentlichen Dienst nach Geographiestudium genau gleich viel wie ich im 4. WBJ Medizin nach VKA.
Sie ist stellvertretende Leiterin im Bauamt einer Stadt mit ca 15.000 Einwohnern, und hat 3 Leute unter sich. Wochenenden immer frei, versteht sich, Home office eh klar, zusätzliche Leistungsboni (LOB) nicht mit eingerechnet, Weihnachtsgeld schon.

Das musst du mir erklären, wie deine Ingenieursfreunde in der freien Wirtschaft weniger als wir verdienen...

Nefazodon
26.04.2023, 18:14
Und ich kann es nicht mehr hören mit allen Akademikern die besser als wir verdienen. Ich habe auch Ingenieur und Juristen im Freundeskreis. Wenn man aber nicht bei einem großen Industriekonzern oder in einer guten Kanzlei arbeitet, dann ist das Gehalt häufig schlechter als unseres. Und ansonsten hat man in der Industrie ab einem bestimmten Level auch einen AT Vertrag. Ohne die geliebte 40 Stunden Woche. Auch Industriebetriebe laufen am Wochenende. Und dann bitte vergleicht euch doch auch Mal mit anderen Akademikern, die auch Verantwortung für Menschen haben (soziale Berufe). Die habe meist genau so lange studiert und verdienen deutlich weniger.

Und ich kann es nicht mehr hören mit allen Akademikern die schlechter als wir verdienen.

Ich glaube weiterhin, dass bei dem, was Ärzte tariflich verdienen, deutlich Luft nach oben ist, wenn man es auf die geleisteten Stunden herunterbricht, und die Arbeit zu ungünstigen Zeiten mit einbezieht, sowie die Verantwortung für akut auftretende Notfälle.
Klar tragen Menschen in sozialen Berufen auch Verantwortung, aber wie oft kommt es dort vor, dass Menschen direkt aufgrund von Entscheidungen der dort Arbeitenden vor deren Augen sterben?
Ich finde, wir sollten da unser Licht nicht unter den Scheffel stellen.

Möglicherweise werden wir uns in diesem Punkt aber nicht einig.
Diese Vergleiche bringen letztlich auch wenig.
Darum möchte ich einen anderen Aspekt hervorheben: Die Welt wird nicht besser, wenn wir auf Gehaltserhöhungen verzichten.
Deshalb verdienen die Menschen in den sozialen Berufen, die vielleicht auch ein besseres Gehalt verdient hätten, keinen Cent mehr.
Das Geld bleibt oben in den Teppichetagen.

Deshalb sollten wir mit gutem Recht, soviel Gehalt fordern, wie nur geht.


Mein Ziel wäre, dass man ordentliche Arbeit machen kann und da nicht an oberster Stelle ein BWLer sitzt, der einen knechtet und selber mehr verdient, pünktlich Feierabend macht und keinerlei Verantwortung hat. Für mich gibt es einfach sehr viel mehr Dinge zu verbessern als das Gehalt.

Weil es wohl nicht so klappt bei dir mit dem Lesen, zitiere ich mich einfach selbst:


Warum nicht für bessere Bedingungen und mehr Gehalt kämpfen? Der Verweis auf die Arbeitsbedingungen, wenn es um mehr Gehalt geht, ist ein Irrweg und lenkt nur ab.

In dieser Tarifrunde, in der es nur um das Gehalt geht, immer wieder von den Arbeitsbedingungen anzufangen, schwächt nur die Verhandlungsposition von uns Ärzten!
Und in der nächsten Runde, wenn es dann wieder um Arbeitsbedingungen gehen soll, mosern wieder andere, sie hätten aber gern mehr in der Tasche, wenn sie nach hause gehen!
So blockieren wir uns gegenseitig.
Das ist nicht produktiv.

Ich weiß nicht, ob Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen wirklich zu erreichen sind. Ist halt ein Bereich mit hoher Arbeitsverdichtung und -belastung.
Und wenn sie zu erreichen sind, weiß ich nicht, ob der einzelne Assistent sie bei sich auch wirklich durchsetzen kann.
WAS ich aber weiß ist, dass ein Gehaltsplus einfach und transparent zu regeln ist. Und das bekommt dann wirklich jeder, bzw. kann es einfach auf seiner Abrechnung kontrollieren, während das Versprechen geregelter Arbeitszeiten oft ein leeres ist.

Bussard
26.04.2023, 18:16
Das musst du mir erklären, wie deine Ingenieursfreunde in der freien Wirtschaft weniger als wir verdienen...

Wurde ja an anderer Stelle schon angesprochen: Hat man erstmal seine Approbation, ist ein gewisses Einkommensniveau garantiert. In der freien Wirtschaft hat man es da als Lowperformer in seiner Peergroup schwieriger.

Das ist zumindest mein Erklärungsansatz.

Dooly
26.04.2023, 18:34
Der MB hat sich mit den BG Kliniken auf 200€ Sockelbetrag + 5,5% + 3000€ Einmalzahlung bei 24 Monaten Laufzeit geeinigt. Verrückt, einfach wirklich den Verdi Abschluss abgewartet und dann kopiert. Jede Wette, in 2d wird das gleiche dann für die VKA verkündet. Wofür wurden hier überhaupt mehrere Tarifrunden geführt? Da kann man ja fast besser bei Verdi beitreten, da kann man wenigstens noch indirekt über seinen Tarifvertrag abstimmen… Der MB schickt das Ganze wie gewohnt durch seine Tarifkomission.Ich find 5,5 % für zwei Jahre besser als 1 Jahr Nullrunde und 1 Jahr 11%, weil es auch die berücksichtigt, die unter den neuen TV fallen aber weniger als 2 Jahre bei der Arbeitgeberin bleiben. Ich wäre mit so einem Abschluss mit der VKA durch den MB zufrieden. (Erwarte daher schlechteres :D) Na, wir werden es sehen.

Autolyse
26.04.2023, 18:51
[...]
In dieser Tarifrunde, in der es nur um das Gehalt geht, immer wieder von den Arbeitsbedingungen anzufangen, schwächt nur die Verhandlungsposition von uns Ärzten!
Und in der nächsten Runde, wenn es dann wieder um Arbeitsbedingungen gehen soll, mosern wieder andere, sie hätten aber gern mehr in der Tasche, wenn sie nach hause gehen!
So blockieren wir uns gegenseitig.
Das ist nicht produktiv.[...]
Zumal das auch denen "hilft", deren Arbeitsbedingungen bei der nächsten Runde des gekündigten Mantels nicht berücksichtigt werden. Nachdem es die letzten Jahre immer um Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft ging, wird es nunmehr, so heißt es allenthalben, endlich um den Schichtdienst gehen. Wird auch dringend Zeit.

Qwert1133
26.04.2023, 20:35
Ich find 5,5 % für zwei Jahre besser als 1 Jahr Nullrunde und 1 Jahr 11%, weil es auch die berücksichtigt, die unter den neuen TV fallen aber weniger als 2 Jahre bei der Arbeitgeberin bleiben. Ich wäre mit so einem Abschluss mit der VKA durch den MB zufrieden. (Erwarte daher schlechteres :D) Na, wir werden es sehen.

Es sind ja aber nur einmal 200€ + 5,5%… Im günstigsten Fall macht das für den Assistenzarzt im ersten Jahr 9,1% Steigerung über 24 Jahre, also 4,55% pro Jahr und das nach der Nullrunde 2022. Unterm Strich hast du dann nach den Lohnverhandlungen einen Reallohnverlust. Wo das hinführt sieht man gut am Beispiel von England. Dort wurden seit 2008 Tarifabschlüsse unterhalb der Inflation vereinbart, so dass das Lohnniveau im Vergleich zu 2008 ganze 26% niedriger ist. Jetzt sitzt der Schock tief und die Gewerkschaft fordert 35% Lohnerhöhung, nur um wieder auf das allgemeine Lohnniveau von 2008 zurückzukommen. Die Erfolgsaussichten sind natürlich schwierig, einen solchen Sprung hat wahrscheinlich noch keine Berufsgruppe hingelegt. Das besonders fiese für die Junior doctors: So richtig verbockt haben es die Generationen vor ihnen. Und wir sind gerade mitten drin unseren zukünftigen Kollegen ähnliches anzutun, für ein paar tausend € Einmalzahlung :-/

Qwert1133
26.04.2023, 22:06
Ich möchte trotzdem eine Anpassung a die Inflation. Was ich mir noch mehr wünschen würde wären Verbesserungen der Bedingungen. Fälschungssichere Arbeitszeiterfassung, Arbeitszeitgesetz-konforme Dienstpläne sowie Zeit für Patienten und Weiterbildung.

1) Fälschungssichere Arbeitszeiterfassung ist bereits im Tarifvertrag abschließend enthalten, da gibts laut MB nichts mehr zu verbessern. Wenn dein AG sich nicht daran hält kannst du jederzeit mit Unterstützung des MB klagen und wirst jede Überstunde gewinnen. Wir wissen beide, warum du das nicht machst.
2) Dienstpläne, die nicht Arbeitszeitgesetzkonform sind, sind gesetzeswidrig (haha) und damit ungültig. Kannst du einfach ignorieren und bei Kündigung klagst du dich wieder rein. Auch da wirst du jede Klage gewinnen. Wir wissen aber wie gesagt beide, warum du das nicht machst.
3) Mehr Zeit für Patienten und Weiterbildung sind halt Allgemeinforderungen, die schwer sinnvoll in einem Tarifvertrag festgeschrieben werden können. Der MB hat es wie so oft windelweich im TVL mit einer Protokollerklärung zu §6 versucht:

“ Die Tarifvertragsparteien erwarten, dass den Ärzten bei der Festlegung der Arbeitszeit ein angemessener zeitlicher Anteil der Arbeitszeit für ihre wissenschaftliche Tätigkeit in Forschung und Lehre zugestanden wird. 2Die in den Hochschulge- setzen der Länder geregelten Mindestzeiten für die Ausübung wissenschaftlicher Tätigkeit bleiben unberührt.”

Und weiter:

“Die Tarifvertragsparteien erwarten, dass die Kliniken zusammen mit den Ärzten nach Wegen suchen, die Ärzte von bürokratischen, patientenfernen Aufgaben zu entlasten und deren Arbeitsabläufe besser zu organisieren.”

Davon merkt man im Arbeitsalltag natürlich nichts, weil Protokollerklärungen einfach genauso ignoriert werden.

Also ist alles, was du dir wünschst, bereits enthalten. Ich glaube, insgesamt wollen wir beide Ähnliches - du willst weniger Arbeit für das gleiche Geld, ich möchte mehr Geld für die gleiche Arbeit. Weil ich mir sicher bin, dass solange Assistenzärzte über die Weiterbildungsordnung in einem kranken Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Arbeitgeber stehen, sich nichts wirklich ändern wird. Außer die wirklich handfesten Eckpunkte wie Urlaubstage und die Entgelttabelle.

Eine sinnvolle Forderung könnte daher sein: 10 Fortbildungstage statt 3 und ein verfügbares Kongress/Fortbildungsbudget von 2000€/Jahr für jeden Assistenten. Fortbildungsbudget bedeutet halt trotzdem am Ende mehr Geld (haben wir ja schon genug) und 10d Fortbildungsurlaub ist selbes Geld für weniger Arbeit.

Choranaptyxis
26.04.2023, 23:03
Auch in der 4. Runde der Tarifverhandlungen gab es keine Fortschritte und auch kein Angebot. Wir wollen dies zum Anlass nehmen, mit Ihnen in einem digitalen Netzwerktreffen die aktuelle Tarifsituation zu besprechen und mögliche weitere Maßnahmen zu diskutieren.

Also nicht die Verdi-Einigung.

Carolin2803
27.04.2023, 05:04
Also nicht die Verdi-Einigung.

Das hat mich überrascht, vor allem vor dem Hintergrund, dass man für die BG-Ärzte quasi das Verdi-Ergebnis kopiert hat. Scheinbar nimmt die VKA den MB so gar nicht ernst? Immer noch kein Angebot vorlegen ist wirklich eine bodenlose Frechheit. Unter dem Verdi-Ergebnis sollten wir uns wirklich nicht zufrieden geben meiner Meinung nach.

Endoplasmatisches Reticulum
27.04.2023, 08:10
Ich find 5,5 % für zwei Jahre besser als 1 Jahr Nullrunde und 1 Jahr 11%, weil es auch die berücksichtigt, die unter den neuen TV fallen aber weniger als 2 Jahre bei der Arbeitgeberin bleiben.
Davon abgesehen ist Variante 1 auch objektiv zu bevorzugen, weil du früher mehr Geld zur Verfügung hast, das du anlegen bzw. in Nutzen umwandeln kannst. 1 Jahr Nullrunde + 1 Jahr 11 % erzeugt Opportunitätskosten auf deiner Seite.

Anne1970
27.04.2023, 11:14
Heute Abend ist ein Zoom -Netzwerk-Treffen zu dem alle Ärztinnen und Ärzte, die in einer Klinik, die zum VKA- Bereich gehört, arbeiten, eingeladen sind. Den Link kann man über [email protected] erhalten. Auch Nichtmitglieder sind willkommen. Anmeldung ist mit Klarnamen erforderlich.