Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread
Endoplasmatisches Reticulum
05.05.2022, 08:12
Urlaubstage als Gehaltserhöhung zu rechnen ist m.E. Unsinn. Es landet kein Cent extra auf dem Arztkonto und die Finanzierung dieser freien Tage wird vom Krankenhaus einfach achselzuckend auf die übrigen Angestellten abgewälzt werden. Das heißt ich finanziere durch zusätzliche Arbeit alle Nase lang den Urlaubstag eines anderen. Das ist aus Arbeitgebersicht kein Kompromiss oder Eingeständnis, sondern einfach cleveres Blendwerk.
Letztendlich bleibt es dabei, die Wertschätzung für medizinisches Personal endet am Balkongeländer.
Sehe ich auch so. Die Schmähung der ärztlichen Arbeit verleidet mir den Job deutlich mehr als 80 € mehr oder weniger auf dem Konto. Aber es hat Signalwirkung. Die Frage ist weniger, wieviel Geld man bekommt, als die Zeichen, die durch solche Verhandlungen und Arbeitgeberattitüden gesendet werden.
Blaulicht86
05.05.2022, 08:22
… dass die alte Tarifvereinbarung nicht erst zum 31.12. endet und sich die 3,35% somit auf mehr als ein Jahr beziehen.
…Die KLARE Aufgabe ist jetzt, 2023 ein Ergebnis ÜBER dem Inflationsniveau zu erreichen…
Auf diese Reallohnverluste sollte man sich auch in folgenden Tarifverhandlungen ÖFFENTLICH berufen und in der Zeit gerne mal mit umfassenden Streik drohen, um auch mediale Aufmerksamkeit zu erlangen….
Ja, ja und nochmals ja.
Der MB erweckt den Eindruck, dass in dieser Tarifverhandlung ein umfassender Streik keinesfalls anvisiert werden sollte. Nur der 1 Tage Warnschuss. Anders kann ich mir die Öffentlichkeitkeitsarbeit und die nicht Mobilisierung nicht erklären.
Nach und in harten Jahren der Pandemie finde ich es einfach absurd und skurril, wenn Dinge wie die Kostenübernahme des eHBA ernsthaft als nennenswerte erstrittene Leistung aufgeführt werden.
Ich wünsche mir im Januar den vollen Fokus auf Gehalt und Zuschläge. Das tut der Klinik weh und wenn sich das nicht mehr richtig rechnet werden vielleicht auch mal die Ressourcen aufgestockt. Also bitte in solchen Zeiten wo jeder hier seine Gesundheit, sein Leben, seine mentale Gesundheit über lange Strecken riskiert nicht mit eHBA, einem Zoobesuch für den halben Preis, oder bei jedem 3. Schwimmbadbesuch ne Pommes gratis kommen.
Endoplasmatisches Reticulum
05.05.2022, 08:30
Achja, und bei der Begrenzung der Bereitschaftsdienste hätte ich wie gesagt lieber die Strafzahlungen ordentlich hochgeschraubt als den Bezugszeitraum vom 6-Monats-Mittel auf 1 Monat abzusenken. Dazu sehe ich in den Erklärungen nichts? Ich habe noch nie weniger als 8 Dienste im Monat gemacht und wüsste nicht, dass sich das durch diesen Tarifabschluss irgendwie verändern sollte. Abteilungen, in denen solche Dienstzahlen regelhaft nötig sind, werden nicht plötzlich 2 Ärzte mehr einstellen. Und wenn der Arbeitgeber die Wahl hat zwischen Zeitarbeit für einen vierstelligen Betrag + Personalaufwand zu bestellen oder mich einfach für 5, 6, 8, 10 Dienste antanzen zu lassen und einen mickerigen prozentualen Aufschlag zu zahlen ... well, u know the drill.
Das wird ja auch schön dadurch illustriert, dass der MB sogar explizit ausgehandelt hat, dass man Extraurlaub bekommt, wenn man wegen Personalengpässen besonders viele Dienste im Kalenderhalbjahr machen musste. Was lese ich da? Eine 6-Monats-Spanne für tarifliche Ausgleichsleistungen. Kommt mir irgendwie bekannt vor, haben wir nicht genau so eine gerade in derselben Vehandlungsrunde abgeschafft? Also die eine Floskel durch die andere ersetzt. Definitiv nicht mehr als 4 Dienste im Monat, jetzt endlich ohne die Schummelformulierung, ganz ernst und wirklich! (Aber falls doch und das regelmäßig über 6 Monate, daaaaannn extra Urlaub ... echt jetzt?)
Blaulicht86
05.05.2022, 08:38
Abteilungen, in denen solche Dienstzahlen regelhaft nötig sind, werden nicht plötzlich 2 Ärzte mehr einstellen. Und wenn der Arbeitgeber die Wahl hat zwischen Zeitarbeit für einen vierstelligen Betrag + Personalaufwand zu bestellen oder mich einfach für 5, 6, 8, 10 Dienste antanzen zu lassen und einen mickerigen prozentualen Aufschlag zu zahlen ... well, u know the drill.
Das wird ja auch schön dadurch illustriert, dass der MB sogar explizit ausgehandelt hat, dass man Extraurlaub bekommt, wenn man wegen Personalengpässen besonders viele Dienste im Kalenderhalbjahr machen musste. Was lese ich da? … Kommt mir irgendwie bekannt vor, haben wir nicht genau so eine gerade in derselben Vehandlungsrunde abgeschafft?
Danke! Du bringst es wirklich auf den Punkt.
Den Urlaubstag kann ich dann zu den übrigen 46 Urlaubtagen packen, die ich dieses Jahr aus diesen und jenen Gründen hier und da und dann und dort nicht nehmen kann :-nix
Heerestorte
05.05.2022, 09:23
Unsere Stellenanzeigen für dringend gesuchte FÄ (mehrere Stellen offen, gesperrte OP-Säle) Anästhesie in unserem kommunalen Verbund ist derart peinlich:
- Rechtschreibfehler
- Sätze wie "Wir unterstützen Sie dabei, Ihren Platz im Team zu finden" (hä?)
- "Reizvolle Gegend"
Ich habe gestern eine Anzeige im Ärzteblatt gesehen, da wurde tatsächlich mit mehreren Impfungen und Terminen beim Betriebsarzt pro Jahr "geworben"...
Endoplasmatisches Reticulum
05.05.2022, 09:34
Ich wünsche mir im Januar den vollen Fokus auf Gehalt und Zuschläge.
Wurde wohl auch explizit so vereinbart:
Mit dem Marburger Bund besteht darüber hinaus Konsens, dass die nun vereinbarten Regelungen zu Ruf- und Bereitschaftsdiensten sowie freie Wochenenden in den kommenden Jahren nicht mehr angefasst werden. ... Sollte der Marburger Bund die Regelungen zu den Entgelten zum Ende des Jahres 2022 kündigen, stehen bereits Anfang 2023 erneut Tarifverhandlungen an, dann jedoch lediglich im Hinblick auf die Entgelte der Ärztinnen und Ärzte.
Spannend wäre hier, ob die VKA Dienstzuschläge zu den Dienstregelungen oder den Entgelten zählt.
Das Problem sehe ich darin, dass schlechte Entgeltabschlüsse akkumulieren. Nur weil diesmal ein satter Reallohnverlust hingenommen wurde, wird ja in der nächsten Verhandlung kein Zugewinn zur Kompensation möglich sein. Nehmen wir mal an, die Inflationsrate bleibt konstant auf 8 %. Wir haben dieses Jahr beim Reallohn ein Minus von fast 5 % eingefahren. Dann müssten wir nächstes Jahr (grob vereinfacht) zum bloßen Ausgleich auf 13 % kommen, für ein spürbares Plus auf etwa 16 %. Der MB müsste also mit fast 30 % Gehaltsplus in die Verhandlungen einsteigen, um sich auf die Hälfte herunterhandeln zu lassen. Dazu hat er voraussichtlich nichtmal mehr das selbst in dieser Runde m.E. ungenutzt gebliebene Corona-Momentum zur Untermauerung.
Nein, das ist Märchenstunde. Die jetzige Tarifrunde hat unsere Arbeit deutlich und dauerhaft entwertet. Die nächste Runde wird den erlittenen Schaden maximal "nicht verschlimmern", realistischerweise eher "weniger weiter verschlimmern".
Ich habe gestern eine Anzeige im Ärzteblatt gesehen, da wurde tatsächlich mit mehreren Impfungen und Terminen beim Betriebsarzt pro Jahr "geworben"...
Das ist klasse! :D Sehr gut finde ich auch als ersten Punkt bei "Das bieten wir": Ein anspruchsvolles Arbeitsumfeld in einem jungen, dynamischen und leistungsmotivierten Team.
Und steinigt mich: Aber seid ihr mit eurem Gehalt wirklich so unzufrieden? In meinem Umfeld gibt es kaum jemanden, der mehr verdient... Meine Ziele sind eindeutig mehr Freizeit/ Planungssicherheit bei gleichbleibendem Gehalt.
In meinem Umfeld bin ich auch ein "topverdiener". Aber wenn man es auf die gearbeitete Stunden rechnet, ist mein Gehalt durchaus mit dem eines Krankenpflegers vergleichbar (netto ca 19,5€).
Geld ist für mich nicht die Hauptmotivation.
Die Stunden die gearbeitet werden sind Stunden die man nicht mit Familie/Hobbies/was auch immer verbringen kann. Und wenn man so viele Stunden arbeiten muss, soll die Vergütung angemessen sein.
Matzexc1
05.05.2022, 10:15
Wurde wohl auch explizit so vereinbart:
Spannend wäre hier, ob die VKA Dienstzuschläge zu den Dienstregelungen oder den Entgelten zählt.
Das Problem sehe ich darin, dass schlechte Entgeltabschlüsse akkumulieren. Nur weil diesmal ein satter Reallohnverlust hingenommen wurde, wird ja in der nächsten Verhandlung kein Zugewinn zur Kompensation möglich sein. Nehmen wir mal an, die Inflationsrate bleibt konstant auf 8 %. Wir haben dieses Jahr beim Reallohn ein Minus von fast 5 % eingefahren. Dann müssten wir nächstes Jahr (grob vereinfacht) zum bloßen Ausgleich auf 13 % kommen, für ein spürbares Plus auf etwa 16 %. Der MB müsste also mit fast 30 % Gehaltsplus in die Verhandlungen einsteigen, um sich auf die Hälfte herunterhandeln zu lassen. Dazu hat er voraussichtlich nichtmal mehr das selbst in dieser Runde m.E. ungenutzt gebliebene Corona-Momentum zur Untermauerung.
Nein, das ist Märchenstunde. Die jetzige Tarifrunde hat unsere Arbeit deutlich und dauerhaft entwertet. Die nächste Runde wird den erlittenen Schaden maximal "nicht verschlimmern", realistischerweise eher "weniger weiter verschlimmern".
Das ist klasse! :D Sehr gut finde ich auch als ersten Punkt bei "Das bieten wir": Ein anspruchsvolles Arbeitsumfeld in einem jungen, dynamischen und leistungsmotivierten Team.
Zustimmung, egal was nächstes Jahr beschlossen wird am Ende haben wir weniger im Geldbeutel und Corona wird nächsten Winter, dank Omicron, nicht mehr die bedeutung haben wie in diesem Jahr. Man hat die Chance mal ganz deutlich zu werden verspielt, Verdi ist da weitaus aggressiver.
Das leistungsmotivierte Team---was für ein Witz, aber das was Heerestorte schreibt ist einfach nur peinlich
In meinem Umfeld bin ich auch ein "topverdiener". Aber wenn man es auf die gearbeitete Stunden rechnet, ist mein Gehalt durchaus mit dem eines Krankenpflegers vergleichbar (netto ca 19,5€).
Und hast dafür die verantwortung das alles korrekt abläuft, heisst du stehst vor dem Richter wenn was danebengeht.
SineNomine
05.05.2022, 10:17
Aber zum Thema Inflation und Reallohnverlust: Hat das von euch jemand sehen kommen?
Ganz ehrlich: Klipp und klar ja. Nicht in der Höhe, wie sie sich derzeit gestaltet (richtung 8%), aber Richtung 5% und mehr war eine Teuerung schon damals absehbar. Die einzige, die dies nicht getan hat, war Frau Lagarde.
Bereits im Oktober 2021!! war die Inflation bei 4,5% mit Tendenz nach oben, damals war der Ukraine-Krieg nur in Putins Kopf. Hier den MB aus der Schusslinie zu nehmen ist daher teilweise falsch, 5,5% war als Einstieg selbst vor damaligem Hintergrund zu gering gewählt.
Die nächsten Gehaltsrunden dürfen keinesfalls nochmals unter Inflationsniveau landen, das heißt auch, dass man deutlich über Inflationsniveau fordern muss und ggf. auf den Vorabschluss mit reallohnverlust verweisen kann.
Nochmal an alle Finanzweisen: Wir sind keine Topverdiener. Jeglicher Monats-/ oder Jahresbruttovergleich, der einschlägig angeführt wird, hinkt und berücksichtigt nicht die geleistete Arbeitsstundenzahl.
Würde der kommunale Bauamtsleiter, der Ingenieur oder gar BMW IT Spezialist statt 5 normalen Arbeitstagen 5x 16h Nachtdienst ableisten und zusätzlich zweimal am Wochenende antanzen, stünden wir im branchenweiten Vergleich maximalst im akademischen Durchschnitt. Ohne dass der Dienstwagen vor der Haustür steht!
Heerestorte
05.05.2022, 11:04
Und steinigt mich: Aber seid ihr mit eurem Gehalt wirklich so unzufrieden? In meinem Umfeld gibt es kaum jemanden, der mehr verdient... Meine Ziele sind eindeutig mehr Freizeit/ Planungssicherheit bei gleichbleibendem Gehalt.
Ich bin der, der am meisten verdient. Aber ich arbeite auch mit Abstand am meisten und bin der Einzige, der zu jeder Tages und Nachtzeit auch Dienste hat. Und wenn man dann den Stundenlohn vergleicht, wird es wieder mau. Ich bekomme für eine Überstunde 24€...brutto. Vor dem Studium habe ich als Sani in einer Uniklinik 20€/h Nachts bekommen... Netto ;-)
Autolyse
05.05.2022, 12:01
Ich bin der, der am meisten verdient. Aber ich arbeite auch mit Abstand am meisten und bin der Einzige, der zu jeder Tages und Nachtzeit auch Dienste hat. Und wenn man dann den Stundenlohn vergleicht, wird es wieder mau. Ich bekomme für eine Überstunde 24€...brutto. Vor dem Studium habe ich als Sani in einer Uniklinik 20€/h Nachts bekommen... Netto ;-)
Aber immerhin Soldatenbrutto. ;-)
dissection
05.05.2022, 12:04
Nochmal an alle Finanzweisen: Wir sind keine Topverdiener. Jeglicher Monats-/ oder Jahresbruttovergleich, der einschlägig angeführt wird, hinkt und berücksichtigt nicht die geleistete Arbeitsstundenzahl.
Würde der kommunale Bauamtsleiter, der Ingenieur oder gar BMW IT Spezialist statt 5 normalen Arbeitstagen 5x 16h Nachtdienst ableisten und zusätzlich zweimal am Wochenende antanzen, stünden wir im branchenweiten Vergleich maximalst im akademischen Durchschnitt. Ohne dass der Dienstwagen vor der Haustür steht!
Praktisch ist eben für die Arbeitgeber in Deutschland dass die Assistenzärzte wenig Verhandlungsspielraum haben. Politisch ist die Position der Ärzte bewusst so stark geschwächt worden, dass es für die in der Klinik angestellten Ärzte wenig Handlungsspielraum gibt. Durch die extrem niedrigen Anforderungen an die Äquivalenzanerkennung ausländischer Studien- und Berufsqualifikationen haben wir quasi eine unbegrenzte Zahl an finanziell schwächeren und leistungsbereiten Konkurrent*innen durch die man das Lohndumping wie in diesem Tarifabschluss befeuern kann. Ausserdem hat der Assistenzarzt der gerne einmal in den Genuss der Vorzüge der Freiberuflichkeit im ambulanten Sektor kommen will keine Wahl als zu buckeln und sich als klinische Arbeitsdrohne schinden zu lassen. Es besteht zu allen Zeitpunkten eine maximale Abhängigkeit vom Wohlwollen der Arbeitgeber hinsichtlich der Facharztanerkennung (Unterschriften für spezielle Interventionen etc), was sämtliches Einstehen für bessere Arbeitsbedingungen, höhere Wertschätzung und bessere Bezahlung extrem erschwert. So lassen sich clever die Personalkosten im Gesundheitssystem drücken. Meine Ansichten sind durch meine Tätigkeit in der Inneren Medizin an einer großen Uniklinik sicher etwas gefärbt aber durchaus übertragbar.
Zu der Gutverdienerdiskussion: Juristen, Ingenieure bei IGM-Betrieben, Gewerkschaftssekretäre, Vertriebler mit Ausbildung im Großkonzern, Unternehmensberater ab T4 UB in meinem Umfeld verdienen ähnlich oder besser als ein Assistenzarzt (gerade wenn letzterer im Schichtdienst der Notaufnahme oder Intensivstation arbeitet und man also näher am Grundgehalt bleibt) und haben keine: Nacht- und Schichtarbeit, Pflicht zur Präsenzarbeit, körperliche Belasung im OP oder beim Sprint zur Reanimation, hohe psychische Belastung durch schwierige Diagnosen und incompliante Chroniker, hohe Ansprüche der Patienten und Angehörigen bei chronischer personeller Unterbesetzung in der Klinik, erhöhte Gefahr für Infektionen etc. pp.
Colourful
05.05.2022, 12:04
Na ja, wenn man bedenkt, wie viel ich als Fachkraft nach 12 Jahren Ausbildung für einen Nachtdienst bekomme, wo ich anwesend sein muss und was ein ITler mit vergleichbarer Berufsausbildung und Erfahrung für Bereitschaftsdienste zu Hause bekommt - ja, da bin ich nicht ausreichend gut bezahlt.
Das Grundgehalt ist in Ordnung, ich bin sicherlich nicht die Topverdienerin, aber für so eine Mutti mit geregelten Arbeitszeiten schon ganz gut bezahlt.
Zu der Gutverdienerdiskussion: Juristen, Ingenieure bei IGM-Betrieben, Gewerkschaftssekretäre, Vertriebler mit Ausbildung im Großkonzern, Unternehmensberater ab T4 UB in meinem Umfeld verdienen ähnlich oder besser als ein Assistenzarzt (gerade wenn letzterer im Schichtdienst der Notaufnahme oder Intensivstation arbeitet und man also näher am Grundgehalt bleibt) und haben keine: Nacht- und Schichtarbeit, Pflicht zur Präsenzarbeit, körperliche Belastung im OP oder beim Sprint zur Reanimation, hohe psychische Belastung durch schwierige Diagnosen und incompliante Chroniker, hohe Ansprüche der Patienten und Angehörigen bei chronischer personeller Unterbesetzung in der Klinik, erhöhte Gefahr für Infektionen etc. pp.
Exakt das. Eine Freundin von mir verdient etwa gleich - die sitzt aber die gleiche Zeit im HO, die ich in der Klinik herumturne und denke da schon, dass meine Arbeit meistens etwas anstrengender ist.
dissection
05.05.2022, 12:36
Na ja, wenn man bedenkt, wie viel ich als Fachkraft nach 12 Jahren Ausbildung für einen Nachtdienst bekomme, wo ich anwesend sein muss und was ein ITler mit vergleichbarer Berufsausbildung und Erfahrung für Bereitschaftsdienste zu Hause bekommt - ja, da bin ich nicht ausreichend gut bezahlt.
Das Grundgehalt ist in Ordnung, ich bin sicherlich nicht die Topverdienerin, aber für so eine Mutti mit geregelten Arbeitszeiten schon ganz gut bezahlt.
Exakt das. Eine Freundin von mir verdient etwa gleich - die sitzt aber die gleiche Zeit im HO, die ich in der Klinik herumturne und denke da schon, dass meine Arbeit meistens etwas anstrengender ist.
Zur Referenz hier: 4. WBJ, Uniklinik Süddeutschland, Wechselschichtbetrieb auf ITS: ~75k brutto.
Jurist bei Großkanzlei, Einstiegsgehalt nach Promotion: 125k brutto
Ingenieur bei IGM-Betrieb, 5 Jahre Berufserfahrung, 35 oder 38 h Woche: 90k brutto
Gewerkschaftssekretär ohne beruflichen Abschluss bei IGM (lel): 80k brutto plus Dienstwagen
Vertriebler Infineon mit Berufsausbildung: 90k brutto
UB Capgemini Invent Senior Consultant (Studium: Politikwissenschaften): 80k brutto
Ich lebe natürlich in einer Akademikerblase und bin mir dessen sehr bewusst. Meine Leistung war aber immer mindestens genauso gut wie die der o.g. Bekannten. Well.
][truba][
05.05.2022, 13:31
Jurist in ner Großkanzlei mit Promotion (die dauert ja auch etwas) wird aber auch nicht jeder Hinz und Kunz.
Da muss man vermutlich schon ein Prädikatsexamen hinlegen und das sind sehr wenige. Autolyse weiß es sicherlich, ich weiß nur, es sind sehr wenige. Unser Gehalt erhält jeder, der es irgendwie durchs Studium schafft. Und auch hier ist der Wurm drin, es gibt keine Möglichkeit als engagierte/r Kollege/in mehr zu verdienen. Kann man versuchen aber oft das so klappt, weiß ich nicht.
Die anderen Vergleiche sind auf jeden Fall.... ernüchternd.
Kenne aus dem eignen Umfeld auch Leute. Juristin in Großkanzlei mit gutem Examen. Tägliche Arbeitszeit 8:30-23 Uhr. Zusätzlich am Wochenende. Natürlich gute Bezahlung, aber Einkäufe machen die Angestellten der Kanzlei, weil man leider nicht dazu kommt. Urlaub von mehr als 2 Wochen nicht möglich. Und im Urlaub wird erwartet, dass man auch erreichbar ist. Ingenieure in der Automobilindustrie, nur als Leiharbeiter angestellt. Daher keine Boni der Stammbelegschaft und Gehalt ähnlich wie unser Grundgehalt. Ingenieure in kleinen Unternehmen ca. 20% weniger als mein Grundgehalt im ersten WBJ. Von Geisteswissenschaftlern die mit 40 noch in befristeten schlecht bezahlten Jobs hängen fange ich nicht an.
Wenn muss man bitte auch richtige Vergleiche ziehen.
Nichts desto trotz kann ich gut verstehen, dassan grundsätzlich keine Lust hat mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten oder sogar lieber noch weniger.
Wenn man den Stundenlohn vergleicht, sind die Gehälter deiner Beispiele mit Wahrscheinlichkeit höher.
Bonnerin
05.05.2022, 14:12
Man wird halt in der Klinik wirklich komplett verarscht. Es lässt sich nicht schönreden oder bessern oder sonst was. Es müssen nur ein Haufen mehr Ärzt:innen den Mut haben, das laut auszusprechen.
Ich bin nach 1 Jahr Klinik raus, arbeite patientenfern bei einem privaten Laborunternehmen (ambulanter Sektor).
Verdienen tue ich als Grundgehalt etwas mehr als das äquivalente VKA-Grundgehalt für 40h/Woche. Validation zu ungünstigen Zeiten (Covid, Rufbereitschaft etc.) wird deutlich besser bezahlt als jeder "Bereitschaftsdienst" den ich in der Klinik hatte und läuft mit Firmenlaptop und Diensthandy regelhaft im Homeoffice.
Ohnehin ist in Absprache Homeoffice durchaus möglich (natürlich nicht immer, aber wenn man wichtige Termine o.ä. hat ist es eigentlich nie ein Problem). Boni für Projektabschlüsse etc. sind zumindest nicht unüblich. Es gab mehrere Corona-Bonuszahlungen und Corona-Sonderurlaube für alle, inkl. Ärzt:innen.
Fachärztlich sind dann durchaus realistische Grundgehälter (ohne Zusatzzahlungen on top) von 120k+€ drin. (Das ist aber ja in der Niederlassung auch eher Regel als Ausnahme).
Ich geh bestimmt nicht noch mal zurück ins Leben als Galeerensklavin einer Klinik, wie es einem gedankt wird sieht man ja gerade wieder bei VKA und MB. Dann bin ich lieber Söldnerin in der "halb"-freien medizinischen Planwirtschaft mit besseren Bedingungen und mehr Geld...
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.