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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread



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Autolyse
15.05.2022, 12:39
Habe ich deine Interpretation richtig verstanden? "Die Oberen in der Elektivversorgung gebunden".

Also ist deiner Meinung nach nicht "mehr Personal" sondern "Alle auf den Vordergrund-Dienstplan" die Lösung?
Nein, hast Du nicht. Es ist weder meine Aufgabe noch mein Interesse eine Lösung anzubieten. Es ging nur darum was man vortragen müsste um prozessual zu obsiegen. Da in der höchstrichterlichen Rechtsprechung ein Oberarzt keinen Anspruch auf einen Vordergrundknecht hat (https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/10-azr-9-13/), sollte man das zwangsläufig vortragen. Der einzige Stellhebel ist zwangsläufig monetär und "Führungskräfte", die in dem alltäglichen Schwachsinn ohne Erlösrelevanz verschwinden, die generieren keine abrechenbaren Leistungen mehr. Ohne relevanten monetären Druck wird man die Teppichetage zu gar nichts bewegen und da der wirtschaftliche Wert meiner Arbeit bestenfalls Null ist, geht das nur über diesen Zwischenschritt.
Mir ist bewusst, dass die zugrundeliegenden Probleme woanders sind, aber auf die habe ich sowieso keinen Einfluss, aber mein Arsch ist mir dann doch der Nächste, also tue ich vor allen Dingen das, was mir kurzfristig was bringt.

dissection
15.05.2022, 14:08
IG Metall fordert 8,2 % mehr Lohn.

Großartig, die armen Daimler-, Audi- und BMW-Mitarbeiter brauchen das dringend. Spitzen beiseite, so sollte sich eine Gewerkschaft präsentieren.

Unsere "Errungenschaften" in der Dienstregelung bleiben leider wenig handfeste Empfehlungen solange sie mit dem Argument der Gefährdung der Patientensicherheit ausgehebelt werden können.

milz
15.05.2022, 15:12
Ich habe mich vor 15 Jahren gegen die Knochenmühle im KH entschieden und würde es wieder so machen. Das Schmerzensgeld für die 24/7 FA-Flatrate mit Nacht, Wochenende, Feiertagen, Einspringen, Überstunden usw. ist viel zu niedrig. Wenn ich das richtig sehe gibt es 15% Nachtzuschlag und für Einspringen ?.

Dooly
15.05.2022, 18:56
IG Metall fordert 8,2 % mehr Lohn.

Großartig, die armen Daimler-, Audi- und BMW-Mitarbeiter brauchen das dringend. Spitzen beiseite, so sollte sich eine Gewerkschaft präsentieren.

Verdi lässt neben den UKs in Nrw für den TV-E auch Helios in Nds streiken und fordert dort u. a. 15 %.


Wärt ihr denn auch alle bereit, mehrere Wochen für mehr Geld bzw. andere hier genannte Forderungen zu streiken? Auch auf die Gefahr hin, dass dafür eure Weiterbildung vom Arbeitgeber sabotiert wird? Ist eine ernstgemeinte Frage.Die Frage hab ich mir auch gestellt, bevor der Streik in Frankfurt war. Es ist gar nicht so leicht zu beantworten.
Der Aspekt, dass es deutlich einfacher ist, wenn alle mitziehen, ist total wichtig und ich glaube, dass man da viel mehr betreutes Streiken anbieten müsste. Die Leistung des MBs bleibt da weit unterhalb meiner Erwartung. An dieser Stelle an Selbsttätigkeit zu appellieren wird immer scheitern. Eigenverantwortlichkeit klappt immer nur fürs Individuum aber nicht für eine Gesellschaft. Da muss es eine strukturelle Organisation geben und das wäre der MB. Es gibt ja sogar VKA Häuser, die nicht mal was vom Streik mitbekommen haben. Wenn ich dazu im Vergleich anschaue, wie Verdi ihre Leute schon ab der Ausbildung abholt. Das UKA verweigert eine Notfallvereinbarung und droht den Azubis mit Fehlzeiten und Nicht-Zulassen zum Examen und sie streiken trotzdem.

freak1
15.05.2022, 20:25
Es kommt ja nicht mal zum richtigen Streik. Der MB macht einen Warnstreik, akzeptiert dann ein viel zu niedriges Angebot und dann beklatschen sie sich selbst für ihre tolle Leistung.

h3nni
15.05.2022, 20:46
Meinst du ein "richtiger" Streik wäre besser besucht gewesen?
Lieber Warnstreik, der kein großes Aufkommen hat als Vollstreik und die Kliniken merken keine Einschränkungen. Ich glaube, der Organisationsgrad ist nicht so groß...

anignu
16.05.2022, 00:17
Großartig, die armen Daimler-, Audi- und BMW-Mitarbeiter brauchen das dringend. Spitzen beiseite, so sollte sich eine Gewerkschaft präsentieren.
Die IG Metall fordert das für die Stahlkocher. Also für ein paar Hanseln... Und die Höhe muss man auch in Relation sehen...
https://www.medi-learn.de/foren/showthread.php?106823-Aktuelle-VKA-Tarifverhandlung-1-22-Der-Diskussionsthread&p=2233605&viewfull=1#post2233605

Endoplasmatisches Reticulum
16.05.2022, 08:05
Meinst du ein "richtiger" Streik wäre besser besucht gewesen?
Lieber Warnstreik, der kein großes Aufkommen hat als Vollstreik und die Kliniken merken keine Einschränkungen. Ich glaube, der Organisationsgrad ist nicht so groß...
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dir da zustimme. Aber falls das so sein sollte, wäre unsere Zunft echt am Ende ...

Bonnerin
16.05.2022, 08:45
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich dir da zustimme. Aber falls das so sein sollte, wäre unsere Zunft echt am Ende ...

Nö. Erstmal ware im Zweifelsfall der MB am Ende. Wenn nämlich von dem Verein nichts mehr übrig ist außer eine handvoll OÄ, die nebenbei noch in der Gesundheitspolitik hängen und ordentlich kassieren.
Trotz vielen Duckmäuser:innen wird auch für die deutsche Ärzteschaft irgendwann ein Bruchpunkt erreicht sein, der das alles mal zum Explodieren bringen wird.

Endoplasmatisches Reticulum
16.05.2022, 09:20
Trotz vielen Duckmäuser:innen wird auch für die deutsche Ärzteschaft irgendwann ein Bruchpunkt erreicht sein, der das alles mal zum Explodieren bringen wird.
Ich hoffe ja, dass du Recht hast. Aber was für kataklysmische Ausmaße muss es denn noch annehmen, wenn selbst zweieinhalb Jahre Corona nicht gereicht haben?

Kackbratze
16.05.2022, 09:44
Corona an sich war ja ein externer Ausnahmezustand. Die Gehaltsverhandlungen jetzt bringen wieder Druck auf den Kessel, zusammen mit der tiefen Dankbarkeit für unsere gesamte Arbeit in den Krankenhäusern ist das, wie schon gesagt, nicht mal mehr ein schlechter Witz. Das ist Verachtung seitens der Politik. Aber solange Lauterbach vom Fach ist und sich hinter Empfehlungen von Kommissionen verstecken will (s. Interview Ärzteblatt) wird da höchstens der Weg in die Hölle weiter gepflastert.

Christoph_A
16.05.2022, 10:05
Der Covid Kalle war nie einer von uns und hat immer schon massiv gegen ärztliche Interessen agitiert, siehe Bürgerversicherung, DRG-System oder Privatisierung/Abbau von Klinikstandorten. Ein Lobbyist und Populist übelster Sorte.

Endoplasmatisches Reticulum
16.05.2022, 10:10
Hachja, der Karl. Normale Ärzte kommen ohne mehrjährige klinische Tätigkeit nichtmal an schnöde Controlling-Stellen im Dorfkrankenhaus ran. Aber mit den richtigen Connections reicht es immerhin zum Institutsdirektor und Gesundheitsminister, auch ohne jemals hands-on gearbeitet zu haben.

h3nni
16.05.2022, 10:23
Er hat in einem Ted Talk geschrieben, er hat das Institut quasi selbst gegründet (bzw der Uni gesagt, man müsste daran forschen, er wäre darin zufällig Experte). Und seit 17 Jahren Vollzeitpolitiker, in diese Zeit fällt auch die Beantragung seiner Approbation. Da hat sich natürlich im Gesundheitswesen nichts geändert seitdem, er ist noch voll im Stoff.

Endoplasmatisches Reticulum
16.05.2022, 10:33
Immerhin ist er Autor eines der einzigen Gesundheitsökonomie-Lehrbücher (https://www.amazon.de/dp/345686079X/), das sich gezielt an Ärzte richtet. Bei dem er an keinem einzigen Kapitel mitgeschrieben hat. :P

So könnte ich mir auch meine Publikationsliste füllen ...

Pflaume
16.05.2022, 11:05
Es laufen eben Leute (Ärzte) aus dem Krankenhaus und aus der Gesundheitsversorgung davon. Meiner Erfahrung nach tun das zur Zeit wirklich mal viele. Früher wurde nur geredet. Heute ziehen tatsächlich gar nicht so wenige Studenten und Jung-Assistenten Konsequenzen und gehen. Direkt nach dem Examen oder nach 1 oder 2 Jahren im Krankenhaus. Das Ausmaß an Frustration und vor allem tatsächlichen Konsequenzen, das ich seit etwa 2 Jahren bei den Jung-Assistenten erlebe, gab es zu meiner Zeit als Assistenzarzt nicht.

Die streiken nicht, die organisieren sich nicht, die streiten sich nicht ernsthaft mit der Geschäftsführung oder der Personalabteilung. Aber sie gehen. In Arztpraxen, in die Arbeitsmedizin, in andere patientenferne Bereiche oder ganz woanders hin. Einen organisierten Protest gibt es nicht. Vielleicht taugen Ärzte zu so etwas auch nicht. Sind zu angepaßt oder was weiß ich. Aber individuelle Konsequenzen werden gezogen.

Eine befreundete Ärztin hat sich mit ihrem Mann einen Hof gekauft und macht jetzt seit 3 Jahren Landwirtschaft. Ich selbst bin auf halbe Stelle gegangen. Auch eine Form von Arbeitsverweigerung.

Bonnerin
16.05.2022, 12:02
Corona selbst war ja auch wirklich gerade in der Zeit vor den Impfungen etwas, wo es verständlicherweise eine Ausnahmesituation war. Das Problem ist, dass die Ausnahme jetzt verwaltungsseitig eher als Regel angesehen wird - aber das in Kombi mit Reallohnverlust und generell fehlender Gratifikation? Noch gewinnen die Kliniken, aber nicht mehr lange.

@Pflaume schildert das ja ganz schön. Man kann über meine Generation sagen, was man will, aber im Zweifelsfall stimmen wir eben mit den Füßen ab. Man sieht an den "Altassistent:innen" ja, das gut Zureden, Nachfragen und oft auch Hilferufe ignoriert werden. Das spart man sich dann direkt und sucht sich eher nen anderen Job oder ne andere Fachrichtung. Noch kann man sich das ja selbst aussuchen, was man machen mag und oft auch, ob Klinik oder ambulant.

Christoph_A
16.05.2022, 12:41
Die großen Player juckt das aber halt 0. Und solange das so ist, wird sich nix ändern. Bestes Beispiel war die AIP Abschaffung, die kam erst, als wirklich massenhaft Leute abwanderten. Das hat man aber halt in den KH gemerkt, das jetzige mit den Füßen abstimmen bisher eher nicht so.

Bonnerin
16.05.2022, 12:55
Eventuell noch nicht. Wenn nur lange genug ausreichend Stellen nicht nachbesetzt werden (können), werden auch andere Mitarbeitende am Ende das Weite suchen. Das kann dann in wie mit einem Schneeball auch sehr schnell gehen, sobald genug weg sind.
Noch werden ja viele Dienste etc. von den Kolleg:innen aufgefangen, die damit dieses perverse System überhaupt künstlich am Leben halten. Aber ich bin zuversichtlich, dass auch diese Personen irgendwann die Schnauze voll haben - hoffentlich aber auch ohne burn-out...

Dass man sich auf die Gewerkschaft nicht verlassen kann, zeigte sich ja leider wieder recht eindrucksvoll.

Endoplasmatisches Reticulum
16.05.2022, 13:05
Natürlich nicht, solange Asklepios und Company weiter munter Häuser und ganze Ketten übernehmen. Pacman frisst, bis kein Obst mehr da ist.

Wir sehen das doch hier im Forum regelmäßig. Da gibt es Leute in Dorfkrankenhäusern, die von Ärztemangel und fehlenden Bewerbern reden und von Abteilungen, die eh mit 2-3 offenen Stellen über Jahre laufen. Und es gibt Leute in den Großstädten, wo man froh sein kann, überhaupt eine Stelle in einem Nichtmassenfach zu finden. Was soll sich groß verändern? Die Häuser mit Mangel haben weiterhin welchen, und die Mühlen mit 10 Kündigungen im Jahr bei 100 Bewerbungen haben jetzt halt 12 Kündigungen und 80 Bewerben. Ich denke, der Markt wird nicht leerlaufen, sondern sich eher weiter polarisieren.

Ich spreche jetzt nur aus meiner Erfahrung. Ich war nie vor Corona Arzt. Ich habe aber auch in mehr als einer Abteilung noch nie mit weniger als 2 offenen Stellen, einer Assistentenkündigung alle 2-3 Monate, weniger als 7 oder 8 Diensten im Monat und einem einzigen OP-Tag alle 4-8 Wochen gearbeitet, der mit Glück stattfand oder nicht. Jeden Tag eine neue "Ausnahme", eine neue Sonderaufgabe und ein neuer Pep-Talk vom Chef. Wer in solchen Zeiten den Job anfängt, steht im Wesentlichen vor der Wahl, alles gleich abzubrechen ohne es je probiert zu haben, oder die Scheiße eben zu schlucken, die man gar nicht anders kennengelernt hat und die man in der einen oder anderen Geschmacksrichtung überall gleich serviert bekommt.

Und sofort nach dem Studium schmeißen, umschulen, zurück zur Uni und zweistellige Semesterzahlen knacken oder was nicht noch ist nach 7 Jahren Studium und ggf. Promotion nicht gerade einfacher als nach einer dreijährigen Ausbildung. Als Arzt einfach in Ruhe gelassen zu werden in einem Job, der einen nicht wie die Zitrone in der Klemme pressuriert, ist gar nicht so einfach. Und solange auch fast jedes patientenferne Fach x Jahre stationär fordert, wird der Zustrom neuer Ärzte auch nicht zum Erliegen kommen. Ist doch egal, ob die 2 oder 5 Jahre bleiben, solange immer neue kommen, weil sie müssen ...