Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread



Seiten : 1 2 3 4 [5] 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78

vanilleeis
17.02.2022, 06:25
Wie kommst du auf diesen Gedanken? Was genau hältst du für „Arbeitgeber-Politik“?

Die genannte Prozent-Zahl ist in der im August 2021 (wie war die Inflations-Prognose damals?) formulierten Forderung nur eine der Forderungen, es geht auch um die Arbeitsbedingungen, etwas, was den meisten dringend auf den Nägeln brennt.
Fordern kann man viel- etwas Realismus schadet nicht. Am Ende müssen zwei Unterschriften unter dem Vertrag stehen. Und gibt es den die Bereitschaft der Betroffenen, das auch notfalls mit Arbeitskampf durchzusetzen?

Zum Thema Arbeitsbedingungen gab es im vorherigen Tarif/Abschluss einige Punkte.
Aus der bisherigen Diskussion hier im Thread geht hervor, dass viele Kolleginnen und Kollegen offenbar damit leben, dass selbst die jetzt gültigen Regelungen ( z.B. Elektronische Arbeitszeiterfassung, rechtzeitige, zuverlässige Dienstplanung, Anzahl der Freien Wochenenden) von AG nicht erfüllt werden. Arbeitnehmer könnten ihr Recht einfordern. Dazu kann man sich Hilfe holen. Aber auf dem Silbertablett gibt’s das nicht. Klar sollte es selbstverständlich sein, dass alle AG den gemeinsam mit der Arbeitnehmer-Vertretung unterschrieben Vertrag erfüllen. Das ist leider häufig (noch) nicht so: daher ist die einzige Lösung selbst aktiv zu werden. Zumindest mal beim BR fragen, wie es mit der Umsetzung des Tarifvertrags aussieht. Für sein Recht zu kämpfen, ist nicht bequem u d auch nicht immer angenehm. Leichter ist es natürlich, sich zu beklagen und nichts weiter zu tun.

Das ist doch ein Witz. Wir machen einen Tarifvertrag, aber die Durchsetzung liegt bei Euch? Beispiel Dienste bei Teilzeit: Der Tarifvertrag ist dermaßen besch*** für Teilzeitkräfte formuliert, dass auch die 4 Dienste machen müssen. Außer man kämpft es vor dem Arbeitsgericht durch, aber mit der Argumentation der Wochenarbeitszeit. :-keks Was dann bedeutet, dass ich noch genau einen Dienst pro Monat machen dürfte. Weisst Du, was dann bei mir in der Abteilung passiert?
Wo gibts da die Interessenvertretung meiner Gewerkschaft? Es ist eure verdammte Aufgabe, klare und nachprüfbare Bedingungen zu formulieren. Und Sanktionen bei Nichteinhaltung. Wenn ihr das nicht könnt, macht den Weg frei für Verdi. Schlimmer als jetzt kanns eigentlich nicht werden.
Du weisst doch selber genau, wie ausgeliefert man als Assistenzarzt ist.

dissection
17.02.2022, 13:55
Was sind eigentlich die formalen Voraussetzungen bzw die notwendigen Prozesse damit wir als Kliniklohnsklaven von verdi oder einer anderen Gewerkschaft vertreten werden können und den Marburger Bund damit ersetzen? Ich habe dazu leider online nichts gefunden. Danke!

Bluej
17.02.2022, 16:14
Würde mich auch interessieren. Die Lohn Steigerungen die Verdi im öffentlichen Dienst in den letzten Jahren herausgehandelt hat, lagen alle über denen vom Marburger Bund. Bei den Krankenpflegern lagen die Erhöhungen inklusive der Zuschläge bei teilweise über 10%.

Anne1970
17.02.2022, 16:16
:grins:, :grins: - etwas Recherche der Geschichte der Verdi -Ärzte-Vertretung könnte hilfreich sein. :D

Bluej
17.02.2022, 16:39
Auf jeden Fall hat der Marburger Bund im Vergleich zu den anderen großen Gewerkschaften (verdi, IG Metall, IGBCE) in den letzten Jahren häufig die schwächsten Tariferhöhungen herausgehandelt. Dabei habe ich noch außer Acht gelassen, dass sich die anderen Vertretungen zusätzlich für eine merkliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt haben (z.B. Tarifgehalt plus bei der Ig-Metall oder zusätzlich Urlaubstage, etc.). Es wäre mal sinnvoll sich einfach auf eine ordentlich Tariferhöhung zu fokussieren gerade in den süddeutschen Ballungszentren ist das Gehalt ohne Dienst nicht wirklich üppig.

Dooly
17.02.2022, 16:45
Habe ich mal gemacht. Wurde dafür gefeuert und habe keine Anschlussstelle im selben Fach finden können.Oh man, das ist echt kacke. Fühl ich, wär für mich auch ne halbe Katastrophe aus meinem Fach gefeuert zu werden.
Find die letzten Beiträge ganz interessant, denn ich hab mich bisher noch nicht damit auseinandergesetzt, was ich eigentlich von einer Gewerkschaft erwarten kann. Ich bin ganz froh, dass ich die VKA Tarifverhandlungen erst mal etwas aus der Ferne beobachten kann, da ich nicht an einem kommunalen Haus arbeite.

ThomAl
17.02.2022, 16:58
Und bzgl. "Selbstverständlichkeiten": wenn das für euch alles Selbstverständlichkeiten sind, dann setzt sie doch selbst durch. Dann können wir uns diesen Thread sparen, den Thread im dem die Leute bzgl. Hierarchie in der Klinik abkotzen usw. Aber nein, es sind eben (leider) keine Selbstverständlichkeiten und daher braucht es jemanden der das durchsetzt.

Was ich sagen will: auch der Marburger Bund kann die Dinge nur langsam verändern umso langsamer umso weniger Leute ihn unterstützen. Und da ist die Mitgliedschaft die niedrigste Form der Unterstützung und nicht mal das machen teils die Leute. Und dann muss ich auch sagen, dass ich aktuell keinerlei Aufbruchsstimmung spüre. Vor 15 Jahren waren wir irgendwie beseelt von der Idee jetzt endlich mal so richtig was bewegen zu können und meiner Meinung nach wurde damals was erreicht. Jetzt geht es um "gibt es die elektronische Zeiterfassung", ja bei vielen schon, bei anderen nicht, eigentlich ist es den meisten auch egal, läuft schon irgendwie. Das ist völlig anders als es vor vielen Jahren war. Daher auch immer die Frage was die Leute so erwarten und dann dafür tun werden.

Ich geh davon aus dass es Streiks braucht. Und da werden wir sehen wie stark sich die Leute engagieren. Wenns nur ein paar Hanseln sind braucht man sich danach nicht über einen schlechten Abschluss beschweren...

So führt sich jede Arbeitnehmervertretung ad absurdum. Wenn eine Gewerkschaft die unzureichenden Verhandlungsergebnisse mit der mangelnden individuellen Durchsetzungsfähigkeit der Mitglieder rechtfertigt, dann hat sie offensichtlich ihren Sinn und ihre Existenzberechtigung nicht verstanden. Genau dafür haben wir doch die Vertretung! Also ich kann das echt nicht glauben. Wenn diese Mentalität in den Köpfen unserer Vertretung vorherrscht, muss man wirklich nichts mehr erwarten.

Eins ist sicher. Wenn der MB die Gelegenheit genutzt hätte angesichts der Entbehrungen und des unermüdlichen Einsatzes des ärztlichen Personals während der Pandemie auf die lange bestehenden Missstände aufmerksam zu machen, dann hätte er die breite Unterstützung der Ärzteschaft sicher gehabt! Wenn er aber einfach NICHTS unternimmt und statt Streiks Unterschriftenaktionen (echt jetzt?) durchführt, dann KANN man nichts erwarten. Und ganz sicher muss man nicht auf die mangelnde Bereitschaft der Ärzte verweisen, etwas ändern zu wollen. Die Liste der Unzumutbarkeiten ist lang und es ist mir wirklich ein Rätsel, wieso man diese schwierige Situation nicht zumindest genutzt hat, um zu erträglichen und mit der allgemeinen Arbeitnehmerschaft vergleichbaren Regelungen zu kommen (Entfristung, keine 24h Dienste, etc.). Und wenn die Arbeitgeber nicht mitgegangen wären? Sie hätten mitgehen müssen, weil ihnen keine andere Wahl geblieben wäre und wenn es anders nicht durchzusetzen ist, dann halt wie bei den Lokführern über wochenlange Streiks. Wir haben genau wie jeder andere Arbeitnehmer das gute Recht unsere Interessen vertreten zu sehen.

freak1
17.02.2022, 17:20
Was sind eigentlich die formalen Voraussetzungen bzw die notwendigen Prozesse damit wir als Kliniklohnsklaven von verdi oder einer anderen Gewerkschaft vertreten werden können und den Marburger Bund damit ersetzen? Ich habe dazu leider online nichts gefunden. Danke!

Gar nichts. Das erste, was der MB sich in den letzten Verhandlungen hat versichern lassen, ist das Alleinvertretungsrecht für Ärzte.

Wenn man andere Gewerkschaften mit vergleichbar kleinem Clientel (Cockpit oder die Gewerkschaft der Lokführer) anschaut, sieht man sehr gut, was der MB durchsetzen KÖNNTE, wenn er wollte. Wenn die Ärzte streiken sind die Kliniken sofort arbeitsunfähig, genau wie bei den Piloten oder den Lokführern. Da kann man noch so tolle Geschäftsführer, Verwaltungsangestellte und Krankenschwestern haben. Aber das wird natürlich nie kommen, der MB hat ja jetzt keine Konkurrenz mehr zu befürchten.

Feuerblick
17.02.2022, 17:37
Man hat halt beim MB immer den Eindruck, dass er sich als zahnloser Tiger verkauft. Statt mal auf den Tisch zu hauen, werden Angebote unterbreitet, die den Arbeitgebern nicht wehtun würden, die man dann aber noch unterbieten lässt. Es ist zugegebenermaßen verständlich, dass Ärzte sich bei einer solchen „Gewerkschaft“ nicht wirklich ans Streiken trauen. Vielleicht wäre die Bereitschaft größer, wenn die „Gewerkschaft“ mal A**** in der Hose zeigen würde. :-nix

SineNomine
17.02.2022, 17:37
Eins ist sicher. Wenn der MB die Gelegenheit genutzt hätte angesichts der Entbehrungen und des unermüdlichen Einsatzes des ärztlichen Personals während der Pandemie auf die lange bestehenden Missstände aufmerksam zu machen, dann hätte er die breite Unterstützung der Ärzteschaft sicher gehabt! Wenn er aber einfach NICHTS unternimmt und statt Streiks Unterschriftenaktionen (echt jetzt?) durchführt, dann KANN man nichts erwarten.

Stattdessen gabs ne Unmenge an Warnungen, die Corona-Maßnahmen nicht voreilig zu lockern. Das mag aus Sich der Arbeitgeber und gesamtgesellschaftlich ein Thema sein, der Vertretung beruflicher Interessen der Krankenhausärzte dient es nicht. Pflegeuntergrenzen, Pflegebezahlung, ausgelaugte Pflege, war alles ein Thema.

Überarbeitete Ärzte kamen quasi nicht vor. Wir sind ja glücklich, wenn die Leute eifrig Kontaktreduktion betreiben, sonst sind unsere Arbeitsbedingungen tiptop. Und da wir ja eh keine Freizeit haben (ups, jetzt wirds haarig mit der Logik) stören uns die ganzen Corona-Regeln ja auch nicht. Corona hätte man auch mit einer Streikandrohung verknüpfen können, beim ersten "Nicht-Angebot" der Arbeitgeber im Oktober. Stattdessen vertagt man sich monatelang, bis die Pandemie aus den Köpfen draußen ist ...

Corona wäre ein wunderbarer Aufhänger für ärztliche Arbeitsbedingungen gewesen und auch diese zu verbessern. Die Pflege hat das auch geschafft. Der Marburger Bund interessiert sich scheinbar eher dafür, ob ich beim Restaurantbesuch 2G oder 2G+ erfüllen muss...

Große Chance vertan. Dachte mal, es wäre ein Vorteil, wie Lokführer oder Piloten eine eigene Gewerkschaft zu haben. Je nach Gewerkschaft kann es aber eben auch ein Nachteil sein...


Was sind eigentlich die formalen Voraussetzungen bzw die notwendigen Prozesse damit wir als Kliniklohnsklaven von verdi oder einer anderen Gewerkschaft vertreten werden können und den Marburger Bund damit ersetzen? Ich habe dazu leider online nichts gefunden. Danke!

Bleibt nur der Austritt und der Entzug der Finanzierungsgrundlage. MB ist aktuell einziger Verhandlungspartner. Bei den Forderungen versteh ich schon, weshalb sich die Arbeitgeberseite trotz Tarifeinheitsgesetz darauf eingelassen hat...

SineNomine
17.02.2022, 17:42
- doppel -

h3nni
17.02.2022, 17:46
Man hat halt beim MB immer den Eindruck, dass er sich als zahnloser Tiger verkauft. Statt mal auf den Tisch zu hauen, werden Angebote unterbreitet, die den Arbeitgebern nicht wehtun würden, die man dann aber noch unterbieten lässt. Es ist zugegebenermaßen verständlich, dass Ärzte sich bei einer solchen „Gewerkschaft“ nicht wirklich ans Streiken trauen. Vielleicht wäre die Bereitschaft größer, wenn die „Gewerkschaft“ mal A**** in der Hose zeigen würde. :-nix

Naja, laut Anne sollten wir uns einfach trauen und der MB kann auch nicht alles machen. Wenn ein Anfänger keinen Hintern in der Hose hat, wieso sollte es ein großer Verband mit viel Gewicht, Juristen und langer Erfahrung in Tarifen und erfolgreichen Streiks?
Oh, könnte er doch haben? Schade Aber auch.

Lizard
17.02.2022, 17:57
Man hat halt beim MB immer den Eindruck, dass er sich als zahnloser Tiger verkauft. Statt mal auf den Tisch zu hauen, werden Angebote unterbreitet, die den Arbeitgebern nicht wehtun würden, die man dann aber noch unterbieten lässt. Es ist zugegebenermaßen verständlich, dass Ärzte sich bei einer solchen „Gewerkschaft“ nicht wirklich ans Streiken trauen. Vielleicht wäre die Bereitschaft größer, wenn die „Gewerkschaft“ mal A**** in der Hose zeigen würde. :-nix

Seh ich absolut genauso. Die "Forderungen" vom MB sind doch ein Witz. Am Ende kommt dienstemäßig ein Status quo raus und 2,3% Lohnerhöhung über 2 Jahre gestaffelt (oder so). Das wird dann wieder als ein Megaerfolg gefeiert, verpackt in viel inhaltleeres sprachliches Getöse.
Und ich sehe es nicht als die Pflicht des Einzelnen, seine Rechte aus dem Tarifvertrag selbst erstreiten zu müssen.
Die Formulierungen im Tarifvertrag müssen so klar formuliert sein, dass kein oder zumindest nur sehr geringer Interpretationsspielraum bleibt. Wenn die AN-Vertretung es nicht schafft, die Modalitäten am Ende auch mit Nachdruck durchzusetzen, dann ist und bleibt sie ein zahnloser Tiger.

Feuerblick
17.02.2022, 18:00
Das Problem ist: Die meisten Ärzte WOLLEN nicht streiken aufgrund irgendwelcher gefühlter Sanktionen (und wehren sich nich tmal im Kleinen) und der Marburger Bund versteht es nicht, die Ärzte zu mobilisieren, dass sie sich wehren.
Würde der MB auftreten wie Cockpit oder die GDL, würden die Ärzte vielleicht auch glauben, dass ihre Gewerkschaft sie vertritt und den Hintern hochbekommen.
:-nix
Es gibt so viele Dinge, die längst verbindlich durchgesetzt sein müssten… Zuschläge für Nacht-/Feiertags-/Wochenenddienste statt Abschläge, verbindliche fälschungssichere elektronische Zeiterfassung und Sanktionen für Chefs, die meinen ihre Leute erpressen zu müssen, verbindliche Rotationspläne und Umsetzung derselben (damit die Erpressbarkeit „sei brav sonst bekommst du .. nicht“ aufhört), verbindliche Maximal-Dienstanzahl (ist die Personaldecke zu dünn, muss der AG sehen, wo er bleibt) ohne „im Notfall darf“, Kostenübernahme und Freistellung für Fortbildungen, die für die WB notwendig sind, Freistellung für „förderliche“ Fortbildungen… um nur mal einen ersten Aufschlag zu machen.

vanilleeis
17.02.2022, 18:02
Seh ich absolut genauso. Die "Forderungen" vom MB sind doch ein Witz. Am Ende kommt dienstemäßig ein Status quo raus und 2,3% Lohnerhöhung über 2 Jahre gestaffelt (oder so). Das wird dann wieder als ein Megaerfolg gefeiert, verpackt in viel inhaltleeres sprachliches Getöse.
Und ich sehe es nicht als die Pflicht des Einzelnen, seine Rechte aus dem Tarifvertrag selbst erstreiten zu müssen.
Die Formulierungen im Tarifvertrag müssen so klar formuliert sein, dass kein oder zumindest nur sehr geringer Interpretationsspielraum bleibt. Wenn die AN-Vertretung es nicht schafft, die Modalitäten am Ende auch mit Nachdruck durchzusetzen, dann ist und bleibt sie ein zahnloser Tiger.

Ich rechne diensttechnisch sogar mit einer Verschlechterung á la "7 Dienste pro Monate möglich bei kleinen Abteilungen", wie der MB es in anderen Tarifverträgen "erkämpft" hat (TdL glaube ich)

ThomAl
17.02.2022, 18:48
Stattdessen gabs ne Unmenge an Warnungen, die Corona-Maßnahmen nicht voreilig zu lockern. Das mag aus Sich der Arbeitgeber und gesamtgesellschaftlich ein Thema sein, der Vertretung beruflicher Interessen der Krankenhausärzte dient es nicht. Pflegeuntergrenzen, Pflegebezahlung, ausgelaugte Pflege, war alles ein Thema.

Überarbeitete Ärzte kamen quasi nicht vor. Wir sind ja glücklich, wenn die Leute eifrig Kontaktreduktion betreiben, sonst sind unsere Arbeitsbedingungen tiptop. Und da wir ja eh keine Freizeit haben (ups, jetzt wirds haarig mit der Logik) stören uns die ganzen Corona-Regeln ja auch nicht. Corona hätte man auch mit einer Streikandrohung verknüpfen können, beim ersten "Nicht-Angebot" der Arbeitgeber im Oktober. Stattdessen vertagt man sich monatelang, bis die Pandemie aus den Köpfen draußen ist ...

Corona wäre ein wunderbarer Aufhänger für ärztliche Arbeitsbedingungen gewesen und auch diese zu verbessern. Die Pflege hat das auch geschafft. Der Marburger Bund interessiert sich scheinbar eher dafür, ob ich beim Restaurantbesuch 2G oder 2G+ erfüllen muss...

Absolut richtig! Das ist zwar aus meiner Sicht überhaupt nicht seine Aufgabe, aber wenn ich etwas vom MB mitbekommen habe (und das meist durch Eigenrecherche), dann musste man sich natürlich wieder politisch zu den Corona-Maßnahmen äußern. Es ist wirklich einfach nur traurig. Hätte mir jemand vor ein paar Jahren gesagt, es wird eine Pandemie geben, bei der Ärzte mitunter ihr Leben riskieren, und genau jene Berufsgruppe gefühlt als einzige, von allen Unterstützungen ausgenommen wird, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Jetzt wurde ich trotz meiner ohnehin minimalen Erwartungen an unsere Vertretung doch eines Besseren belehrt.

Endoplasmatisches Reticulum
17.02.2022, 19:11
Das Problem ist: Die meisten Ärzte WOLLEN nicht streiken aufgrund irgendwelcher gefühlter Sanktionen (und wehren sich nich tmal im Kleinen) und der Marburger Bund versteht es nicht, die Ärzte zu mobilisieren, dass sie sich wehren.
Das halte ich für einen Trugschluss, bzw. zäumt es das Pferd von hinten auf. Die Hemmschwelle, im Rahmen eines nationalen Großstreiks getragen von der Gewerkschaft und medialem Getöse aktiv zu werden, dürfte für den 08/15-Assistenzarzt um einiges niedriger ausfallen, als in der eigenen Abteilung im Alleingang - also "im Kleinen" - irgendeinen Widerstand zu zeigen und dabei eine große Zielscheibe über dem eigenen Kopf zu schwenken.


Es gibt so viele Dinge, die längst verbindlich durchgesetzt sein müssten… Zuschläge für Nacht-/Feiertags-/Wochenenddienste statt Abschläge, verbindliche fälschungssichere elektronische Zeiterfassung und Sanktionen für Chefs, die meinen ihre Leute erpressen zu müssen, verbindliche Rotationspläne und Umsetzung derselben (damit die Erpressbarkeit „sei brav sonst bekommst du .. nicht“ aufhört), verbindliche Maximal-Dienstanzahl (ist die Personaldecke zu dünn, muss der AG sehen, wo er bleibt) ohne „im Notfall darf“, Kostenübernahme und Freistellung für Fortbildungen, die für die WB notwendig sind, Freistellung für „förderliche“ Fortbildungen… um nur mal einen ersten Aufschlag zu machen.
So ist das. Absolute Zustimmung!

Feuerblick
17.02.2022, 19:16
Naja, „im Kleinen“ meint nicht, einer alleine sondern die ganze Abteilung zusammen. Muss halt nur einer anfangen, die anderen zu motivieren.

Endoplasmatisches Reticulum
17.02.2022, 19:34
Ich bin aus mehrfacher eigener Erfahrung der festen Überzeugung, dass das in den Abteilungen, in denen es nötig wäre, meistens schlicht unmöglich ist. Daraus sollte man aber nicht ableiten, dass keine Streikbereitschaft existiere.

Brutus
17.02.2022, 20:52
Was sind eigentlich die formalen Voraussetzungen bzw die notwendigen Prozesse damit wir als Kliniklohnsklaven von verdi oder einer anderen Gewerkschaft vertreten werden können und den Marburger Bund damit ersetzen? Ich habe dazu leider online nichts gefunden. Danke!
Die Gewerkschaft, die im Betrieb die meisten Mitglieder hat, stellt auch die Vertretung. Und da die meisten Ärzte (mit gutem Grund) im MB sind und NICHT bei Verdi... :-nix

Vielleicht sollten sich die jungen Padawane mal mit den älteren Semestern unterhalten, warum der MB Verdi abgelöst hat!
Es ist ja nicht so, dass nicht Verdi schon mal für uns zuständig (HAHAHAHA!) war. Aus Erfahrung weiß ich aus erster Hand, dass sie Verdi (genauso wie die zu damaliger Zeit hauptsächlich mit Nichtärzten besetzten BR/MAV) mitnichten für die Belange der Ärzte einsetzen wollten / sich eingesetzt haben. Ich habe die Zeiten noch erlebt, in denen AiP mit 1500€/Monat und Assistenzärzte mit 2300€/Monat (BRUTTO) nach Hause gegangen sind. Da hat der MB schon einiges bewirkt. Und in der Folge waren große Lohnsprünge nicht mehr so wirklich drin, weil damals da wirkliche Lohnsteigerungen erzielt wurden. In der Folge wurde dann vermehrt auf die Arbeitsbedingungen eingewirkt.
Auch wenn ich jedesmal denke, dass der MB uns unter Wert verkauft hat, weiß ich eben auch, dass da immer zwei Unterschriften auf dem Papier stehen müssen. Und halt doch immer ein Kompromiss gefunden werden muss.
Insofern bleibe ich dem MB treu, auch wenn ich das ein oder andere Mal Bauschmerzen habe. Nur die Alternative Verdi ist KEINE!