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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Aktuelle VKA-Tarifverhandlung 22/23 und 2024- Der Diskussionsthread



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Brutus
18.02.2022, 09:26
D'accord! Wie oben schon gesagt: bei vielen Kompromissen hat man schon "Bauchschmerzen". Die Frage ist halt, hätte man mehr erreichen können? Wenn die Lokführer sich nicht mehr auf die Lok setzen und 3 Wochen in den Ferien streiken, dann ist zwar das Geschrei groß, aber trotzdem ist irgendwie Verständnis da. Jetzt setz mal die Kommunalen Kliniken 3 Wochen auf Notbetrieb, was wird da wohl passieren? Zuerstmal wird irgendein Gericht das per einstweiliger Verfügung kippen, weil kritische Infrastruktur. Dann werden halt alles wieder Notfälle. Und zu guter Letzt müssen auch noch alle mitziehen. Und was damals sicher einfacher war, wird heute ein mit ziemlich vielen Risiken behaftetes Unterfangen...
Wie gesagt, der MB hat ziemlich viel erreicht. Ob man danach sich auf den Lorbeeren der alten Zeiten ausgeruht hat, oder schlichtweg einfach nicht mehr drin war, darüber kann man sicher streiten. Mit Sicherheit NICHT streiten kann man über die Frage, ob VERDI die bessere Vertretung ist. Denn hier kann nur NEIN !!! die Antwort sein.

Bluej
18.02.2022, 09:26
Ich hab es gerade mal grob überschlagen nur um die gleiche Kaufkraft wie im Jahr 2004 zu besitzen müsste man heute ca. 6100€ brutto verdienen (bei moderater Inflation von 2%).

SineNomine
18.02.2022, 09:33
D'accord! Wie oben schon gesagt: bei vielen Kompromissen hat man schon "Bauchschmerzen". Die Frage ist halt, hätte man mehr erreichen können? Wenn die Lokführer sich nicht mehr auf die Lok setzen und 3 Wochen in den Ferien streiken, dann ist zwar das Geschrei groß, aber trotzdem ist irgendwie Verständnis da. Jetzt setz mal die Kommunalen Kliniken 3 Wochen auf Notbetrieb, was wird da wohl passieren? Zuerstmal wird irgendein Gericht das per einstweiliger Verfügung kippen, weil kritische Infrastruktur. Dann werden halt alles wieder Notfälle.

Wobei das eine spannende Frage aufwirft: Wenn man uns das Streikrecht de facto untersagt, dann müssten sie uns quasi zu Beamten erklären (ist okay, die Rentenansprüche nehm ich gerne mit und gewerkschaftlich würde man dann halt bei Verdi/Beamtenbund mitlaufen)) oder uns ansonsten aufzeigen, wie wir ein Streikrecht wahrnehmen können, was uns grundgesetzlich zusteht.

Brutus
18.02.2022, 09:38
^^ Alles richtig! Aber ihr vergesst, dass die Ärzte keinen eigenen TV hatten. Wir wurden nach einem Bundesangestelltentarif bezahlt, den es schon seit Jahren nicht mehr gab. Der wurde damals vom TVÖD abgelöst, aber nie auf die Ärzte in den Kliniken angewendet. Das Pflegepersonal wurde in den TVÖD übernommen (VERDI (!)), die Ärzte vergessen. Sprich, wäre nicht der MB gewesen, wer weiß, nach welchem Tarif wir heute bezahlt werden würden.
Und nochmal die Frage: damals wurden deutlich mehr als 30% Gehaltsplus erreicht. Wer hätte in den Folgejahren denn erneut höhere Gehaltssteigerungen erstreiten können? Mit welchem Rückhalt? Keine Frage, dass das schon länger zurückliegt und mittlerweile deutlich mehr verhandelt werden könnte.
Nur den MB zu verteufeln und stattdessen mit VERDI zu liebäugeln, das geht mir dann doch zu weit.
Der Spruch schlechthin eines VERDI-Mitglieds auf unsere Bitte nach Unterstützung damals war: "Wir sind nicht dafür da, die Pfründe der Ärzteschaft zu sichern oder zu mehren!"
Nein Danke!

Feuerblick
18.02.2022, 09:45
ver.di ist sicher keine Alternative und würde es vermutlich nicht besser machen. Aber der MB ist als Gewerkschaft leider auch zu zahm und zu zahnlos. (Ich habe den direkten Vergleich, weil für unseren Tarifvertrag beide miteinander (!) mit den Arbeitgebern verhandeln und das Auftreten von ver.di schon deutlich anders ist als das vom MB, der sich fast für Forderungen entschuldigt).

Brutus
18.02.2022, 09:49
Naja, dann darf man aber auch nicht vergessen:

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver. di bildet die zweitgrößte Gewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund. Im Jahr 2020 hatte ver. di rund 1,94 Millionen Mitglieder.
Der Marburger Bund wurde 1947 in Marburg gegründet und hatte Ende 2020 nach eigenen Angaben rund 127.000 Mitglieder (von insgesamt rund 207.000 deutschen Krankenhausärzten). Damit ist der Marburger Bund die größte Ärztevereinigung in Europa.
Ist halt immer eine Frage, wie viele stehen hinter Dir?

sparta144
18.02.2022, 09:55
Aus dem MB auszutreten, weil man unzufrieden ist ist wie: nicht wählen gehen, weil man unzufrieden ist.
Schließlich ist es ein Eigentor und ist sicherlich nicht zielführend. Man kann nicht immer 100% Zufriedenheit herstellen und sollte seine eigenen Erwartungen an die Gewerkschaft runterschrauben. Und sonst gibt es ja auch die Möglichkeit *selbständig beim MB* aktiv zu werden, statt sich *nur* zu beschweren (jetzt mal auf die Spitze getrieben)

SineNomine
18.02.2022, 09:55
gelöscht - doof, dass man erstellte Beiträge nicht wieder löschen kann.

SineNomine
18.02.2022, 09:57
Das sind aktuell, während der laufenden Tarifrunde, die ersten Treffer bei Google für Marburger Bund:

VIER mal: bitte nicht so schnell lockern
einmal: Produktion von Medizingütern
einmal: Tarifrunde
einmal: Arbeitsbedingungen (vor kurzem vom MB lanciert)

Endoplasmatisches Reticulum
18.02.2022, 10:03
Man kann nicht immer 100% Zufriedenheit herstellen und sollte seine eigenen Erwartungen an die Gewerkschaft runterschrauben.
Gewerkschaft heißt Kampf, das ist und war immer ihr erklärter Sinn.
Also gerade ein Fall, wo man Erwartungen auf gar keinen Fall runterschrauben sollte!

Brutus
18.02.2022, 10:58
Ich empfehle JEDEM, der hier von Kampf und Erwartungen und in dieser Richtung schreibt, mal an solchen Verhandlungen teilzunehmen! (wenn möglich. Geht auch im Kleinen z.B. MAV/BR mit der GF.)
Der Tenor bei uns war: "Entweder sie nehmen meinen Vorschlag an und verzichten auf Lohnnachzahlungen für das letzte halbe Jahr, oder wir ziehen unser Angebot zurück und sie bleiben im BAT. Dann lassen wir alles beim Alten!"
Und das war zu einem Zeitpunkt, wo der AG schon seit Jahren die Differenzbeträge vom BAT zum TVÄ auf die hohe Kante gelegt hatte, weil man nicht wusste, ob und ab wann die Caritas den TV übernehmen würde. Als "Trostpflaster" hatte man uns 200 (?) € monatliche Zulage zugestanden, damit die "Differenz" zum TVÄ nicht so groß wäre und deswegen jemand wechseln würde. Als wir dann verhandeln wollten, dass wir die tatsächliche Differenz wohl gerne rückwirkend ausbezahlt hätten, kam o.g. Aussage.
Und nun? Wie hättet Ihr Euch verhalten? Kämpfen? Die große Lohnerhöhung ausschlagen und hoffen, dass sie trotzdem kommt?
Wir haben uns damals mit ALLEN Ärzten zusammengesetzt und entschieden, dass es zwar Scheiße ist, auf die Nachzahlung zu verzichten, aber der potentielle Verlust noch viel größer ausfallen würde, sodass wir letztendlich zugestimmt haben.

Also: Auf geht's! Mitmachen, engagieren! Der Großteil derjenigen, auf die nun geschimpft wird, macht das auch nebenher. Neben Vollzeitarbeit.

Brutus
18.02.2022, 11:03
Das sind aktuell, während der laufenden Tarifrunde, die ersten Treffer bei Google für Marburger Bund:

VIER mal: bitte nicht so schnell lockern
einmal: Produktion von Medizingütern
einmal: Tarifrunde
einmal: Arbeitsbedingungen (vor kurzem vom MB lanciert)
Was erwartest DU denn vom MB? Das die Google bezahlen, um bestimmte Themen oben angepinnt zu bekommen?
MB ist doch nicht nur Tarifpartner. Die äußern sich auch zu alltäglichen (allpandämischen?) Themen.
Und ich denke, dass nicht alle Verhandlungsinhalte mit der VKA in die Öffentlichkeit dringen (sollen?).
Ich lese da lieber die MB-Zeitung oder App / Webseite, wenn ich neue Informationen haben will.
Als wenn den Bürger, der nachts um zwei mit besagtem Pickel am ArXXX ins KH kommt und zu o.g. Problemen direkt beiträgt, interessiert, was für Forderungen der MB stellt. :-nix

Endoplasmatisches Reticulum
18.02.2022, 11:57
Was erwartest DU denn vom MB? Das die Google bezahlen, um bestimmte Themen oben angepinnt zu bekommen?
Das geht jetzt ein wenig am Thema vorbei. Aber meinst du nicht, dass eine Gewerkschaft, deren Kerntätigkeit von Natur aus unter anderem Öffentlichkeitsarbeit umfasst, sich geschickt in puncto Öffentlichkeitsarbeit anstellen sollte? ;)

PR ist nicht gerade unsere große Stärke als Ärzte.

SineNomine
18.02.2022, 12:09
Was erwartest DU denn vom MB? Das die Google bezahlen, um bestimmte Themen oben angepinnt zu bekommen?

Allein, dass man auf so eine Polemik zurückgreifen muss, weil man zum Thema wenig ergänzen kann, illustriert das Problem.

Es wäre einfach hilfreich, wenn man eine gewisse Art von Kommunikationsstrategie verfolgt und sich bei Themen, die den Fokus vom Gewerkschaftszweck wegnehmen eher zurückhält. Geht auch tatsächlich nicht um Verhandlungsinhalte, aber bei der Pflege kamen die Tarifpartner auch wegen öffentlichem Druck kaum drum herum, Verbesserungen zu versprechen.

Weil man immer wieder auf die Mißstände hingewiesen hat, weil man auch gesagt hat, dass im Zweifel die Versorgung leiden wird. Streiks sind ja auch nicht nur Mittel der Tarif-, sondern auch der Öffentlichkeitsarbeit.

vanilleeis
18.02.2022, 13:16
Ohne jetzt weitere Scans einzustellen: mein erstes FA-Gehalt nach BATBL (der zu diesem Zeitpunkt (03/2008) schon gar nicht mehr existierte) waren Grundgehalt 3077,75€. Dabei blieb es übrigens, bis nach Verhandlungen durch den MB und dann endlich auch die Übernahme des TV durch die Kirchen der TV auch bei uns Einzug gehalten hat. Und das war 4/2009 mit 5075,82€.
Also wenig erreicht nenne ich das nicht.

Und das danach erstmal wenig Spielraum für weitere Lohnerhöhungen nach diesem Riesensprung war, dürfte wohl einleuchten. Wer hätte das damals in der Bevölkerung wohl verstehen können? Daher waren danach die Arbeitsbedingungen Ziel der Tarifverhandlungen. Und auch da hat sich doch einiges getan. Wer macht heute noch 36 Stunden Dienste? Die meisten Kliniken haben die Arbeitsbelastungen durch externe Gutachter prüfen lassen und daraufhin die BD angepasst. Oder Schichtdienste eingeführt. Wer macht heute noch 8-10 Dienste im Monat? Zu 65%? Oder 80%. Für 18€/h?

Hier: Aktuell 5-6 Dienste pro Monat zu 70%. Für 22 €, aber erstmal werden noch die Stunden des Plichtfreis abgezogen. Also noch weniger effektiv und natürlich brutto.

Nefazodon
18.02.2022, 13:20
Was erwartest DU denn vom MB? Das die Google bezahlen, um bestimmte Themen oben angepinnt zu bekommen?
MB ist doch nicht nur Tarifpartner. Die äußern sich auch zu alltäglichen (allpandämischen?) Themen.
Und ich denke, dass nicht alle Verhandlungsinhalte mit der VKA in die Öffentlichkeit dringen (sollen?).
Ich lese da lieber die MB-Zeitung oder App / Webseite, wenn ich neue Informationen haben will.
Als wenn den Bürger, der nachts um zwei mit besagtem Pickel am ArXXX ins KH kommt und zu o.g. Problemen direkt beiträgt, interessiert, was für Forderungen der MB stellt. :-nix

@Brutus: Um ehrlich zu sein, denke ich schon, dass der MB etwas bessere Öffentlichkeitsarbeit machen könnte.
Warum sollten die Forderungen zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen denn nicht an die Öffentlichkeit gelangen?
Ich denke, es ist Zeit, die Arbeitsbedingungen von Assistenzärzten, insbesondere in den Diensten, mal publik zu machen.
Wie schon gesagt, geht es darum, ein Narrativ zu entwickeln.
Ob das den Bürger mit dem Pickel interessiert, weiß ich nicht, aber man sollte es versuchen! Bisher denkt besagter Bürger nämlich, er stört den Arzt nur beim Techtelmechtel mit den Nachtschwestern....


PR ist nicht gerade unsere große Stärke als Ärzte.

Dem mussich leider zustimmen.

Endoplasmatisches Reticulum
18.02.2022, 13:28
Ich verstehe immer noch nicht ganz, was ein einmaliges ordentliches Gehaltsplus vor bald 20 Jahren an Relevanz für heutige Gewerkschaftsarbeit hat. Seitdem hatten wir über mehr als eine soziologische Generationsdauer hinweg unterinflationäre Gehaltsanpassungen bei gleichzeitig ständig zunehmender Arbeitsverdichtung, was jetzt durch Corona in einen lichterlohen Scheiterhaufen gipfelte. Das sollte doch wohl eher maßgeblich sein als dass es vor fast zwei Jahrzehnten mal ein saftiges Steak gab.

Pflaume
18.02.2022, 14:10
Ich verstehe immer noch nicht ganz, was ein einmaliges ordentliches Gehaltsplus vor bald 20 Jahren an Relevanz für heutige Gewerkschaftsarbeit hat.
Die Schilderung der Historie dient als Kontrapunkt für die hier teils geäußerte Erwartung, dass eine Großgewerkschaft wie verdi besser wäre für Ärzte. Wenn du was Aktuelleres von verdi haben möchtest, schau dir die letzten Tarifabschlüsse an - da haben die höheren Gehaltsgruppen regelmäßig geringere Steigerungen bekommen als die unteren Gehaltsgruppen. verdi ist keine Lobby für gut ausgebildete Arbeitnehmer, sondern für die breite Masse. So wie insgesamt im ÖD die am besten Ausgebildeten und die Leitungspositionen relativ schlecht bezahlt werden.

Abgesehen davon habe ich oben dargestellt, dass die (relativ) Steigerungen der Gehalts-Tabelle bei den letzten MB-Abschlüssen nur ein Teil der Wahrheit waren, weil es obendrauf dehr deutliche Verbesserungen bei den Bereitschaftsdienst-Entgelten gegeben hat. Gerade in den letzten 3 Jahren.

Ich halte die Bezahlung der Arbeit zu ungünstigen Zeiten, sei es nun Bereitschaftsdienst oder Vollarbeit, immer noch für viel zu niedrig. Das betrifft allerdings leider fast alle Arbeitnehmer, die im Schichtdienst arbeiten. Der Lohn für die Nachtarbeit der Pflege oder bei Burger King ist ja ebenso ein schlechter Witz.

Evil
18.02.2022, 15:41
So schlecht finde ich die Vorschläge der Jungassistenten hier gar nicht.
Anne, vermittel doch am besten dem Reticulum, Pflaume, SineNomine und den anderen die nötigen Kontakte, damit sie den MB-Ortsgruppen zügig beitreten können.
Wenn sie sich dann mit derselben Leidenschaft dort einbringen wie hier in der Foren-Diskussion, könnte das tatsächlich die Verhandlungen voranbringen, und das meine ich durchaus ernst.

Brutus
18.02.2022, 15:42
^^ So ist das!
Dass der MB mittlerweile deutlich mehr verlangen könnte, bestreitet doch auch niemand. Ich versuche lediglich zu verdeutlichen, dass es nach dem ordentlich Plus wohl nicht so einfach gewesen sein dürfte, wieder mit ordentlichen Steigerungen aufzuwerten. Das wird nämlich in unserer Neidgesellschaft schnell zum Boomerang.

Was mittlerweile übrigens völlig untergeht, und von den AG auch nicht gesehen wird: warum ist es mittlerweile völlig okay, wenn man betriebsfremde Leiharbeiter zu horrenden Summen einkauft, gleichzeitig aber den eigenen Mitarbeiter diese Summen vorenthält, so man denn einen solchen Dienst übernehmen könnte...
Da überlegt doch jeder, ob man nicht lieber mit dem Hintwrn auf dem Sofa liegen bleibt...