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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Erkenntnis des Tages"-Thread



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davo
06.10.2017, 09:24
Sicher. Es wäre dann halt so wie in jedem anderen Land der Welt.

Lava
06.10.2017, 09:32
Das kann es aber nicht sein, dass die Kläger wollen. Mit meinem Abi von 1,1 hätte ich wahrscheinlich bei egal welchem Test und welchem Verfahren sehr gute Chancen, wohingegen jemand mit 3,0 dann quasi fast gar keine mehr hätte. Ausbildung und Sozialkompetenz hin oder her.

davo
06.10.2017, 09:47
Mein Eindruck ist, dass viele, die sehr stark auf Änderungen drängen, nicht sehr weit denken. Die haben IMHO eher naive Vorstellungen in Richtung "jeder, der will, soll können", und verstehen gar nicht, dass sie sich in einer im internationalen Vergleich sehr glücklichen Situation befinden und eine Änderung ihnen große Nachteile bringen könnte.

Feuerblick
06.10.2017, 10:00
*grins* Ich hab einen Beitrag auf einem öffentlich-rechtlichen Sender gesehen, wo ein Bewerber sagte, dass er sich jetzt einklagen will, weil er es sooooooo ungerecht findet, dass er mit einem Schnitt von 3,2 nach Ausbildung zu MTA oder sowas immer noch keinen Platz bekommt und auf keinen Fall noch länger warten will. Nee, is klar... Dass man einen DEUTLICH besseren Schnitt braucht, ist ja nun weder neu noch ein Geheimnis und 3,2 ist schon SEHR weit weg vom nötigen Schnitt und lässt sich ganz sicher nicht nur mit ungerechter Notenvergabe rechtfertigen...

Miss_H
06.10.2017, 10:10
Ich finde es gibt kein sinnvolles Argument das Auswahlverfahrem der Hochschulen auch diesen zu überlassen. 20% Wartezeitquote sollte man nicht abschaffen.

WackenDoc
06.10.2017, 12:55
Ich versteh nicht, warum eine pflegerische Ausbildung so stark boniert wird. Das verbrät nur Ausbildungskapazitäten für die, die den Job auch langfristig machen wollen und das Ausbildungsniveau ist jetzt auch nicht so hoch, dass die Ausbildung das Abi toppen würden, was die Lernerei angeht.

Und ich kapier nicht, was alle immer mit der Empathie haben. Ja, ein Arzt soll empathisch sein- aber zu viel führt eh nur zu Burnout und schlechten Entscheidungen und im Auswahlgespräch erzählt man eh was der Gegenüber hören will. Ein mehr an Empathie gleicht doch kein schlechtes Abi aus. Dadurch steigt ja auhc nicht die Wahrscheinlichkeit, dass man das Studium schafft- und genau darum geht es primär.

davo
06.10.2017, 13:13
@Wacken:

Full ack bei beiden Punkten!

Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, dass es überhaupt Unis gibt, die Ausbildungen bonieren. (Die Ausbildungsbonierung ist übrigens ebenfalls ein deutsches Unikum, genau wie die Wartezeitquote.) Aus Unisicht müsste doch DN + TMS, mit verpflichtender TMS-Teilnahme, viel attraktiver sein. So bekommt man ohne großen Aufwand die fleißigsten und intellektuell leistungsfähigsten Studenten.

Und besonders absurd am zweiten Punkt finde ich, dass dieses Argument ja nur dann Sinn macht, wenn man davon ausgeht, dass Bewerber mit schlechterem Abi im Durchschnitt mehr Empathie hätten... :-))

Laelya
06.10.2017, 13:32
Aber genau davon gehen die doch aus. 1er Kandidaten im Abi sind halt Stock-im-arsch-Kinder ohne Hobby und Freunde weil sie nur gelernt haben oder Mami und Papi haben die ihnen das Abi bezahlt haben ;-)

Ich geh mal meinen Stock suchen....

Feuerblick
06.10.2017, 14:00
Ich verstehe nur eins nicht: Da wird ja mit freier Berufswahl und dem Grundgesetzt argumentiert. Faktisch kann aber JEDER Medizin studieren, wenn er schlimmstenfalls halt lange genug wartet. Selbst wenn er in der Schule eine Rübe oder zu faul war und ein Abi jenseits von 3,x hingegelegt hat, obwohl er/sie schon immer Medizin studieren wollte.

Aber nicht jeder kann Polizist werden (zu klein, zu schlechte Augen etc.), nicht jeder kann Pilot werden (zu schlechte Augen, andere gesundheitliche Probleme, nicht genug Geld etc.). Andere Beispiele gibts sicher auch. Warum klagt da eigentlich keiner auf freie Berufswahl??? Nur, weil medizinische Probleme oder Körpergröße „härtere“ Fakten sind als ein nicht ausreichendes Abi (was ja kein Hinderungsgrund ist)?

Hrmpf.. weder dauernd gelernt, noch ohne Freunde/Hobbys oder mit reichen Eltern und doch den NC geknackt damals. WAS hab ich falsch gemacht??? :-))

davo
06.10.2017, 14:06
Wenn ich eine Uni wäre (:-))), würde ich für das Abi Punkte zwischen 0 und 1 vergeben, wobei man 0,0 Punkte bekommt, wenn man den Abi-Durchschnitt des damaligen Jahres im entsprechenden Bundesland erreicht hat, und 1,0 Punkte, wenn man volle Punktezahl hat. Wenn man der Einfachheit halber annimmt, dass der Abidurchschnitt bei 2,5 lag, und man mit Noten statt mit Punkten rechnet, bekäme man also 1,0 Abi-Punkte bei DN=1,0, 0,8 Abi-Punkte bei DN=1,3, 0,6 Abi-Punkte bei DN=1,6, 0,4 Abi-Punkte bei DN=1,9, 0,2 Abi-Punkte bei DN=2,2 und 0,0 Abi-Punkte bei DN=2,5.

Dasselbe beim TMS mit dem Prozentrang: 1,0 TMS-Punkte bei Prozentrang 100, 0,8 TMS-Punkte bei Prozentrang 90, 0,6 TMS-Punkte bei Prozentrang 80, 0,4 TMS-Punkte bei Prozentrang 70, 0,2 TMS-Punkte bei Prozentrang 60 und 0,0 TMS-Punkte bei Prozentrang 50.

Und jetzt kommt der Clou: Man verrechnet Abi-Punkte und TMS-Punkte nicht additiv, sondern multiplikativ, und zwar mit doppelter Gewichtung der Abi-Punkte (da diese ja einen viel längeren Zeitraum abdecken, während der TMS nur ein einmaliger Test ist), nach dem Muster einer Cobb-Douglas-Produktionsfunktion in der VWL: Gesamtpunkte = Abi-Punkte ^ (2/3) x TMS-Punkte ^ (1/3).

So belohnt man nämlich die, die in beiden Aspekten (stark) überdurchschnittlich waren, und die möglichst "keine Schwäche" hatten. Mit DN=1,0 und TMS-Prozentrang=100 hätte man so 1,0 Gesamtpunkte, mit DN=1,0 und TMS-Prozentrang=90 hätte man 0,93 Gesamtpunkte, mit DN=1,6 und TMS-Prozentrang=100 hätte man 0,71 Gesamtpunkte, mit DN=1,6 und TMS-Prozentrang=90 hätte man 0,66 Gesamtpunkte.

Ich hätte dann zwar keinen Platz bekommen, aber für die Auswahl wärs wahrscheinlich am besten :-))

Erkenntnis des Tages: Man kommt auf allerhand Gedanken, wenn man versucht, sich vor der Arbeit an der Doktorarbeit zu drücken :-)) :-p

P.S. @Feuerblick: Genau das hab auch ich mir auch schon oft gedacht. Leider wurden meine Bewerbungen als Konzertmeister bei den Wiener Philharmonikern immer abgelehnt, obwohl ich jetzt schon 36 Wartesemester habe und super empathisch bin. Total unfair *schmoll*

Heerestorte
06.10.2017, 14:07
Ich verstehe nur eins nicht: Da wird ja mit freier Berufswahl und dem Grundgesetzt argumentiert. Faktisch kann aber JEDER Medizin studieren, wenn er schlimmstenfalls halt lange genug wartet. Selbst wenn er in der Schule eine Rübe oder zu faul war und ein Abi jenseits von 3,x hingegelegt hat, obwohl er/sie schon immer Medizin studieren wollte.

Aber nicht jeder kann Polizist werden (zu klein, zu schlechte Augen etc.), nicht jeder kann Pilot werden (zu schlechte Augen, andere gesundheitliche Probleme, nicht genug Geld etc.). Andere Beispiele gibts sicher auch. Warum klagt da eigentlich keiner auf freie Berufswahl??? Nur, weil medizinische Probleme oder Körpergröße „härtere“ Fakten sind als ein nicht ausreichendes Abi (was ja kein Hinderungsgrund ist)?



DAS ist das, was ich auch nicht verstehe.
Man kann es einfach aussitzen und irgendwann hat man den Studienplatz.
Bei vielen Berufen wird es nie was, wenn man die Voraussetzungen nicht hat, genau wie du es gesagt hast.
Ich denke dass das BVerfG das auch so sehen wird.

Feuerblick
06.10.2017, 14:09
Schaun mer mal, welche Lobby das BVerfG überzeugen kann. Manchmal sind die Entscheidungen ja schon etwas... seltsam... :-))

mennisco
06.10.2017, 15:00
Wobei grade beim Thema körperliche Voraussetzungen bei Polizei etc. ja oft Prozesse laufen. Vor Kurzem hat doch erst das Oberverwaltungsgericht Münster zugunsten eines Mannes < 1,68 m entschieden, der zuvor abgelehnt worden war. Nicht, dass es das jetzt besser macht. Aber auch hier scheint eine rege Diskussion im Gange zu sein.

Lava
06.10.2017, 15:29
Ich finde es gibt kein sinnvolles Argument das Auswahlverfahrem der Hochschulen auch diesen zu überlassen. 20% Wartezeitquote sollte man nicht abschaffen.

Zu meiner Zeit war die Quote für das Auswahlverfahren geringer. 20% oder so. 20% wurden nach Note vergeben und 60% nach Wartezeit (meine ich... oder war's umgekehrt?). Aber das war ja auch sooooo gemein und alle haben hurra geschrien, als die Quote fürs Auswahlverfahren so stark erhöht wurde. Das zeigt doch alles nur, dass es kein perfektes Verfahren gibt, weil der Anteil derer, die keinen Studienplatz sofort bekommen, immer gleich bleibt :-nix

Feuerblick
06.10.2017, 15:50
Wobei grade beim Thema körperliche Voraussetzungen bei Polizei etc. ja oft Prozesse laufen. Vor Kurzem hat doch erst das Oberverwaltungsgericht Münster zugunsten eines Mannes < 1,68 m entschieden, der zuvor abgelehnt worden war. Nicht, dass es das jetzt besser macht. Aber auch hier scheint eine rege Diskussion im Gange zu sein.
Was aber nichts daran ändert, dass es auch gesundheitliche Voraussetzungen gibt. Und die haben gute Gründe und können nicht weggeklagt werden :-nix

WackenDoc
06.10.2017, 16:17
@Mennisco: Da ging es um unterschiedliche Mindesgrößen für Männer und Frauen. Und ja- die körperlichen Voraussetzungen sind Sachgründe. Grade bei Berufen wie Polizisten, Soldaten etc. Aber komischerweise klagt da keiner, dass es zu wenig Ausbildungsplätze gibt und man deswegen nicht genommen wurde.

Das alte System mit der Kombination aus Abinote/TMS-Note und Wartezeit fand ich ganz gut. Da mussten die mit besserem Abi halt nicht so lange warten, wie die mit schlechterem. Ein Teil ist über Abibestenquote rein gekommen, ein Teil über TMS, ein Teil eher über seine Wartezeit und ein geringer Teil wurde über die jeweilige Uni ausgewählt. Und ehrlich gesagt- was soll die Uni da groß auswählen? Es geht da nicht um einen Arbeitgeber und das Auswahlgespräch ist extrem subjektiv. Das sollte in einem Studienfach wie Medizin nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Evil
06.10.2017, 16:19
Wobei grade beim Thema körperliche Voraussetzungen bei Polizei etc. ja oft Prozesse laufen. Vor Kurzem hat doch erst das Oberverwaltungsgericht Münster zugunsten eines Mannes < 1,68 m entschieden, der zuvor abgelehnt worden war. Nicht, dass es das jetzt besser macht. Aber auch hier scheint eine rege Diskussion im Gange zu sein.
Der eignet sich dann doch gut für die Aufklärung von Kleinkriminalität :-))

Lava
06.10.2017, 17:20
Der eignet sich dann doch gut für die Aufklärung von Kleinkriminalität :-))

Den hast du bei Ruthe geklaut :-))

nie
06.10.2017, 17:42
Ich kann den Frust einerseits verstehen, mich hat das nach dem (2er) Abi auch genervt, dass ich jetzt (damals noch) 4 Jahre Wartezeit vor mir habe und auch die 12 WS, die es für mich ohne Teilplatz geworden wären, hätte mich vermutlich gefrustet. Aber in den letzten Jahren hab ich mehr als ausführlich mit dem Auswahlverfahren beschäftigt und so wie es ist, ist es eben einfach im sinnvollsten. Egal wie man es dreht und wendet, es werden immer Leute abgelehnt werden.
Was machen denn die ganzen empathischen 3,2 Abiturienten wenn der Medizinertest auch Grütze ist und sie dann nicht genommen werden? Oder man ihnen im individuellen Sozialkompetenz-Auswahlgespräch eine Absage erteilt?

Gerade im Bezug auf den Test hinkt halt auch die Argumentation: warum sollte jemand, der es geschafft hat, die komplette Oberstufe konstant gute Noten zu schreiben und ein Einser-Abi hinzulegen, ausgerechnet in diesem Test versagen? Und jemand, der schon in der Oberstufe eher mittelmäßige Leistungen gebracht hat, plötzlich im Test die Traumnoten schreiben? Sieht man ja jetzt schon, dass im Endeffekt die mit dem guten Abitur auch im TMS diejenigen mit den guten Ergebnissen sind. Klar gibt es immer mal wieder Ausnahmen, gerade bei den Leuten, die in der Schule einfach den Schuss nicht gehört haben und ganz grundsätzlich schon Leistung bringen können. Aber die dürften doch eher die Minderheit sein.

Ich schätze mal, bei anderen Fächern wird da weniger Drama gemacht weil es immer noch andere Wege zum Ziel gibt. Meine Schwester hat sich damals auch auf Studiengänge mit NC im niedrigen Einser-Bereich und zweistelligen Wartesemestern beworben. Aber als sie dort abgelehnt wurde, hat sie eben was Ähnliches aus dieser Fachrichtung studiert und ist letzten Endes doch im gewünschten Beruf angekommen. Aber Arzt werden geht eben nur über Medizin.

MsLifeunderRock
06.10.2017, 23:21
Zur Bonierung der Pflege oder anderer medizinischer Assistenzberufe hat unser Dekan erzählt, dass das ziemlicher Schwachsinn sei, weil die meisten Wartezeitler aus diesem Bereich kommen.

Ich habe gestern auf Facebook eine Diskussion verfolgt, in der sich eine Pflegekraft aufgeregt hat, weil sie ja mit ihrem Fachabi und der Pflegeausbildung nen "NC von 4.0" habe, damit ja nie reinkomme, aber an sich wegen ihrer jahrelangen Berufserfahrung besser geeignet sei Medizin zu studieren als jemand mit 18. Die Leute scheinen zu vergessen, dass das zwei unterschiedliche Bereiche sind und der Vorsprung, den man den 18jährigen gegenüber hat, gleich null ist. Gefühlt werden solche Meinungen durch die Berichterstattung von den armen schlechten Abiturienten noch verstärkt.

Ich muss schon sagen, dass ich meine 15 Wartesemester schon sehr lang fand und ich so manche Träne vergossen hab als ich mit 14 Wartesemestern, dem richtigen Schnitt und SK rausgelost wurde.
Aber im Endeffekt habe ich nun doch meinen Studienplatz bekommen, den ich vielleicht woanders nie bekommen hätte. von daher bin ich für dieses System auch ganz dankbar.

Zum Test: hier wird man wohl nur die unempathischen 1,0er Abiturienten rausfischen können, die, dem Klischee entsprechend, nicht wussten ob sie jetzt Jura oder Medizin studieren möchten. Könnte sein, dass sie sich die zusätzliche Mühe gar nicht machen :rolleyes::grins::D