Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Schamanenecke
Feuerblick
31.08.2011, 09:03
Und mal wieder einen besch****** Dienst hinter mich gebracht. Zwei Stunden geschlafen, viel Kleinkram. Zwei Jungs mit ca. 10 Fremdkörpern pro Auge mitten in der Nacht (ich hoffe, ich hab die alle gefunden...).
Und wann bitte wird es sich in der Ärzteschaft rumsprechen, dass es KEINE gute Idee (aka Kunstfehler) ist, einem Patienten nach geringer Verätzung mit etwas unschöner Hornhautoberfläche Conjucain in die Hand zu drücken mit der Maßgabe, er möchte das den Rest des Abends STÜNDLICH tropfen. Hat mich jetzt nicht gewundert, dass der gute Mann nach vier Stunden dann bei mir anrief und erzählte, er würde so schlecht sehen - ob das jetzt schlimm wäre. Nun... die Hornhaut HÄTTE schon wieder hübsch sein können mit adäquater Therapie... :-wand :-wand
Als Highlight kam dann noch ein etwas indolenter Mensch mit gequollener Linse, Druck von über 50 und nulla lux auf dem einen und gequollener Linse, 0,2 und Druck von initial auch über 50 am anderen Auge. Angeblich keine Schmerzen. Verlauf kaum zu eruieren, vermutlich aber schon über Monate. :-wand Auge Nr. 1 wird er wohl irgendwann loswerden, Auge Nummer 2 wird hoffentlich nach Aufklaren der Hornhaut noch irgendwie zu retten sein. Wie kann man nur... :-wand
Pherenike
15.09.2011, 18:07
Mal wieder eine Frage von mir:
Ich hatte heute ein Rezept in der Hand mit Plavix - ausgestellt von einer augenärztlichen Praxis (anscheinend Dauermed und kein Gefälligkeitsrezept)
Wofür wird es da eingesetzt/welche Indikation steht dahinter?
Feuerblick
15.09.2011, 18:12
Offen gestanden habe ich bisher noch nie Plavix rezeptiert. Wenn man als Augenarzt Antikoagulation (Dauermedikation) verordnet, dann maximal ASS... Zumindest bei uns ist das so... :-nix
Bei uns auch. Wenn ich Plavix verschriebe, würde mir wahrscheinlich sofort die KV aufs Dach steigen wegen Überschreitung des Budgets oder so ;-) Ich habe ein einziges Mal ein Rezept damit ausgestellt. Das war für eine ältere Dame, deren Hausarzt in Urlaub war und der auch öfters so nett ist, ihre Antiglaukomatosa zu rezeptieren.
Pherenike
15.09.2011, 21:38
Aber gibt es denn Ekrankungen bei denen eine Antikoagulation vom Augenarzt nötig ist und nicht Sache des HA oder Internisten?
Naja, letztendlich muss man ja sagen, wenn ein Patient Durchblutungsprobleme im Auge hat, dann sieht der restliche Gefäßstatus auch nicht anders aus. Daher ist es relativ zu sagen, dass aus ophthalmologischen Gründen alleine, eine Antikoagulation nötig sei.
So, ich möchte mal Eure mitschamanische Meinung hören:
Patientin 31 Jahre alt, Oma am Glaukom erblindet, Mutter therapierefraktäres Glaukom mit Lokaltherapie, OP laut Patientin in Planung (keine genauen Angaben: welches Glaukom? Welche Therapie? LTP erfolgt? Welche OP geplant?). Patientin selber keine augenärztliche Untersuchung bisher. Aktuell: VA ae reizfrei, Pap bds CDR 0,6-0,7 ISNT intakt, große Papille ca 3,2 mm2, HRT/Gdx unauffällig, GF unauffällig, Tensio einmalig bds 16mmHg, kein TTP bisher, 24h-RR komplette Nacht durch diastolische Werte zwischen 32 und 40mmHg, Raynaud-Syndrom bekannt, teilweise Migräne.
Procedere? Doofer Fall, erst Recht bei Bekannten :-(
Feuerblick
27.10.2011, 20:03
TTP machen und regelmässige Verlaufskontrollen. Bei einer so großen Papille kannst du die Excavation ja nie wirklich beurteilen und solange HRT/GF und Co. (Blau-Gelb-GF gemacht?) in Ordnung sind, würde ich die Pferde nicht scheu machen. Das Risiko, dass das irgendwann zum Glaukom wird, ist sehr hoch, aber wenn du jetzt schon mit Lokaltherapie anfängst, verträgt sie in fünf Jahren nix mehr und du hast nix gewonnen...
Blau/gelb haben wir leider nicht. TTP ist in Planung, klar. Das Problem, das ich immer mit solchen Zweifelfällen habe, ist, dass ich irgendwie auch nicht auf den ersten GF-Schaden warten will. Die Mutter war halt auch sehr jung, als die ersten GF-Schäden auftraten (noch keine 40), bei der Oma weiß ich es nicht. Sie ist halt auch mit der Raynaud-Geschichte, dem RR und allem Anderen so der Lehrbuchklassiker und wäre nur eine winzige Auffälligkeit im GF oder so, wäre die Sache klar. Auf der einen Seite will ich sie nicht in den Schaden rennen lassen, aber auf der anderen Seite tue ich mich immer schwer damit, Leuten ein Glaukom "anzudichten".
Feuerblick
27.10.2011, 20:27
Genau so geht es mir auch. Aber da wir ganz häufig früh therapierte Leutchen mit multiplen Unverträglichkeiten in unserer Sprechstunde hocken haben, bin ich mit Tropfen sparsamer geworden. Und eine TE mit 40 wegen Unverträglichkeit der Lokaltherapie ist nicht gerade das, was ich einem Patienten wünsche. Lieber engmaschig ein Auge drauf halten und bei der kleinsten Veränderung handeln.
Rennschildkröte
27.10.2011, 20:32
TTP mit NM, den nächtlichen diastolischen RR anheben (Sport, Flüssigkeitszufuhr, mehr Salz), Magnesium, ggf. Zink (siehe Endothelin-Theorie, Prof. Flammer)
Sie ist Berufssportlerin, noch mehr geht kaum :-D Trinkt ausreichend. Alles doof, ich glaube, ich lasse die Uni noch mal zur zweiten Meinung draufschauen. Auch wenn Krieglstein weg ist, verstehen die Kölner ja durchaus was von Glaukomen.
Dormicum
27.10.2011, 21:00
Offen gestanden habe ich bisher noch nie Plavix rezeptiert. Wenn man als Augenarzt Antikoagulation (Dauermedikation) verordnet, dann maximal ASS... Zumindest bei uns ist das so... :-nix
Ich habe von Auge nicht wirklich viel Ahnung, aber mein Vater (vorher kardiovaskulär völlig unauffällig) hatte einen AAV und hat vom AUA Plavix - ich glaube für 4 Wochen - und ASS bekommen.
Thomas24
30.10.2011, 18:40
Doofe Konstellation.
Bei 3,2 mm2 Papillenfläche und normotensiver Tensiolage (Pachy?) würd ich auch erstmal keine Tropfen draufschütten- angesichts der vaskulären Problematik und der Familienanamnese jedoch engmaschig kontrollieren. Abends vielleicht ein salziges Süppchen für den RR, ggf. Magnesiumtabl.
Was meint Dietlein? Abwarten+ Kontrolle/ SLT in der Hinterhand?
LG
Dietlein hat sie noch nicht gesehen. Ich habe es ihr vorgeschlagen, dass sie sich dort mal vorstellen solle, sie schaut mal und bespricht sich auch noch mal mit einer gemeinsamen Freundin (meine ehemaligen Kollegin). In drei Monaten Kontrolle auf jeden Fall bei uns ist aber klar. Naja, bis ich das 24h-RR in den Händen hielt, fand ich das alles auch nicht so beunruhigend, aber wenn man über sechs Stunden bei der Gesamtkonstellation diastolische Drücke von 32-37, einmal 40 sieht, dann kommt man doch ins Grübeln.
Thomas24
30.10.2011, 18:49
Claudia?
Dabei heisst es ein niedriger RR sei doch so gesund... naja für die Papillenperfusion ist das aber eher abträglich, dummerweise (noch) nicht therapeutisch beeinflussbar.
Falls Du Klaudia meinst, nee. Ich meinte eine gemeinsame Freundin der Patientin und mir ;-)
Thomas24
30.10.2011, 18:53
Ach so, weil du ehemalige Kollegin meintest- und du weisst ja, die
Schamanenwelt ist ja klein;-)
Feuerblick
30.10.2011, 18:53
Der niedrige RR nachts ist sicher nicht wirklich gut, aber wie gesagt: Bis sie die Tropfen dann wirklich braucht, verträgt sie nichts mehr und braucht gleich eine OP, die bei jungen Leuten ja auch nicht so der Traum ist... Hattest du die Pachy erwähnt?
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