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Feuerblick
21.05.2024, 20:35
Was meinst du mit „Lokalanästhesie“? Tropfen? Parabulbär?

Relaxometrie
21.05.2024, 20:57
Kannst gerne die Vorgehensweise bzgl. Marcumar bzgl. beider Anästhesieverfahren nennen.

Hintergrund: ich hatte heute einen Patienten zur prä-OP-Untersuchung (Katarakt-OP geplant in 3 Wochen), der mir zwar das vorgesehene Anästhesieverfahren nicht nennen konnte, aber gesagt hat, dass der Anästhesist ihm gesagt habe, dass er das Marcumar (welches er bei Vorhofflimmern nimmt) 10 Tage vor OP absetzen solle.
Das hat mich sehr gewundert und ich habe dem Patienten geraten, das Vorgehen beim Operateur selbst nochmal zu erfragen. Mir kommt das so frühe Absetzen und das meiner Meinung nach zu lange Zeitfenster ohne effektive Antikoagulation zu gefährlich vor und ich habe mich gefragt, ob man (zumindest bei Tropfanästhesie) das Marcumar überhaupt absetzen muss.

Feuerblick
21.05.2024, 21:00
Genau das sollte er tun. Parabulbär/Retrobulbär sowieso absetzen, bei Tropfanästhesie ist es auch ein bisschen Geschmackssache des Operateurs. Müssen muss man bei letzterem nicht. Aber wieso Anästhesie-Vorgespräch?

Relaxometrie
21.05.2024, 21:05
Parabulbär/Retrobulbär sowieso absetzen
Ok, das ist verständlich.



bei Tropfanästhesie ist es auch ein bisschen Geschmackssache des Operateurs. Müssen muss man bei letzterem nicht.
Genau das habe ich vermutet, bzw. auf die Schnelle im Sprechzimmer auch gegoogelt.



Aber wieso Anästhesie-Vorgespräch?
Ggfs. Analgosedierung + Tropfanästhesie? Der Patient ist zwar nicht dement, konnte aber null Auskunft geben. Ich habe dann später mit seiner Ehefrau telefoniert und habe ihr erklärt, dass sie die Sache mit dem Marcumar bitte nochmal beim Operateur abklären lassen sollen, was sie direkt verstanden hat und auch machen wird.


Insgesamt habe ich anhand des Falls aber gemerkt, dass ich mich noch zu wenig auskenne. Daher die Fragen hier im Schamanenthread.

Thomas24
21.05.2024, 21:27
Muss Marcumar vor einer in Lokalanästhesie operierten Katarakt abgesetzt werden?

Bei Peri oder retrobulbärer Anästhesie ja, bei Op in Tropfbetäubung (die bei den meisten Patienten ausreicht), nicht zwingend.

Funkel war mal wieder schneller 😄

Thomas24
21.05.2024, 21:36
Ggfs. Analgosedierung + Tropfanästhesie? Der Patient ist zwar nicht dement, konnte aber null Auskunft geben. Ich habe dann später mit seiner Ehefrau telefoniert und habe ihr erklärt, dass sie die Sache mit dem Marcumar bitte nochmal beim Operateur abklären lassen sollen, was sie direkt verstanden hat und auch machen wird.

So, jetzt vom Laptop aus...

Sofern der Patient halbwegs kooperativ und kein Angstpatient ist, genügt im Regelfall eine Tropfanästhesie.
Mach ich selbst gerne, wenn der Patient "vergessen" hat Lixiana, Eliquis etc. zu pausieren.
Die Motilität ist zwar nicht lahmgelegt, aber die Analgesie (ggf. erneut intrakameral Lidocain oder ähnliches) reicht im Regelfall aus, dass die Op für den Patienten nicht zu unangenehm ist.

Ausnahme: bei Befunden, die Komplikationen erwarten lassen, hätte man gerne eine "richtige" muskuläre Blockade, um ein stillstehendes Op Feld zu haben, das nicht hin- und herguckt. Vor allem bei Demenz/ verminderter Kooperationsfähigkeit, oder beispielsweise wenn die Gefahr besteht, dass an der Iris manipuliert werden muss (enge Pupille, Synechien, Floppy Iris etc.). Dann reicht die reine Tropfanästhesie oft nicht aus, um den Schmerzreiz voll zu unterdrücken und etwas Analgosedierung zusätzlich wäre nett, um den Patienten nicht intraoperativ unruhig werden zu lassen mit allen Konsequenzen (Pressen mit Glaskörperdruck, Kopfbewegungen etc.).

Hoffe, das hilft weiter.

h3nni
22.05.2024, 06:29
Aber 10 Tage Pause? Wieso?
Bridgen würde man trotzdem nicht empfehlen.

Und wieso hat der Pat überhaupt noch Marcumar und kein NOAK? Für reines VHF sind die doch eher geschickt?

@Thomas: bis zu welcher INR würdest du denn operieren?

Feuerblick
22.05.2024, 06:55
Funkel war mal wieder schneller 
*feix*
Hört sich jetzt auch eher nach Analgosedierung plus Retro/Para, wenn der Patient nicht so richtig mitarbeiten möchte.

@H3nni: Vermutlich schon lange auf Marcumar eingestellt und warum sollte man ein funktionierendes Konzept verlassen bei einem alten Menschen, der es gewohnt ist und damit umgehen kann (oder die Ehefrau in diesem Fall)?

h3nni
22.05.2024, 13:48
Weniger Blutungen, weniger Kontrollen, einfacheres Einnahmeschema.

Aber klar, starke Nierenfunktionseinschränkung, Mitralstenose mit VHF usw sind Punkte.

Relaxometrie
22.05.2024, 19:41
So, jetzt vom Laptop aus...
Vielen Dank für Deine, und auch Feuerblicks schamanischen Auskünfte :-top



Aber 10 Tage Pause? Wieso?
Das finde ich eben auch unlogisch. Wenn der Augenarzt gesagt hätte "Bitte INR am OP-Tag bei ca. 1,5-2,0 einstellen", wäre es ja ok. Aber einfach blind zu sagen, dass Marcumar 10d vor OP abgesetzt werden soll, finde ich schon auch merkwüdig. Habe dem Patienten, bzw. in dem Fall seiner Ehefrau, ja auch dazu geraten, das nochmal zu hinterfragen.



@H3nni: Vermutlich schon lange auf Marcumar eingestellt und warum sollte man ein funktionierendes Konzept verlassen bei einem alten Menschen, der es gewohnt ist und damit umgehen kann (oder die Ehefrau in diesem Fall)?
Genau so!

ghostvessel
04.09.2024, 15:58
Hallo, ich habe eine Frage bezüglich peribulbären Anästhesisten und IVOMs.

Ist es schlimm, wenn man als Assistenzarzt diese Tätigkeiten nicht lernt?

Ich möchte mich nur mit konservativer Augenheilkunde beschäftigen und das praktische Teaching in meiner Weiterbildung (ich bin WBA im 4. Jahr) ist nicht wirklich vorhanden. Niemand hat Bock mir das parabulbäre und das intravitreale Spitzen beibringen. Ich, um ganz ehrlich zu sein, habe auch ziemlich große Angst, dass etwas bei diesen Eingriffen schief geht.

Meine Sorge ist ob ich dann als Facharzt adäquat und gut sein kann, wenn ich diese Tätigkeiten nicht machen kann.
Sie sind im Logbuch als wichtige Punkte aufgelistet, aber bei uns gibt es schon eine Einteilung und die Anästhesisten machen die PBAs und die Fachärzte: die IVOMs. Früher hatte ich nachgefragt wann ich versuchen kann, leider ist der Patient nie geeignet: komplexe Vorgeschichte, komplexe Persönlichkeit oder Oculus ultimus. Und so bin ich fast im 5. Jahr und kann mich nicht mehr überwinden, um einen Versuch zu bitten.

Habt ihr Tipps? Oder zumindest das jemand mich beruhigt, dass ich keinen katastrophalen Facharzt werde?

Feuerblick
04.09.2024, 16:04
Meines Wissens sind intravitreale Eingriffe Teil des Weiterbildungskataloges - insofern wirst du eine gewisse Anzahl durchführen müssen. Tipp: Lass dich drauf ein! Ich hatte auch Angst vor den IVOMs, aber wenn wir ehrlich sind, ist das etwas, was man einem dressierten Schimpansen problemlos beibringen kann. Es ist nicht schwer und spätestens, wenn man mal ein paar an „normalen“ Augen gemacht hat, gibt es keinen „ungeeigneten“ Patienten mehr. Ich musste im 3. WB-Jahr damit anfangen.
An PBA im Weiterbildungskatalog kann ich mich nicht erinnern - kann sich aber geändert haben. Zu meiner Zeit waren die nur in Ausnahmefällen nötig.
Als rein konservativer Augenarzt brauchst du weder das eine noch das andere. :-nix

mhu60
13.09.2024, 15:42
Hallo zusammen,
von mir wird erwartet, künftig ggf. die ärztliche Leitung einer Zweigpraxis eines MVZ zu übernehmen.
Ist jemand von euch in dieser Position und kann berichten was dies tatsächlich an Mehraufwand im Alltag bedeutet? Was erwartet einen? Welche Fragen gilt es unbedingt vorab zu klären? Wie groß sollte der Gehaltssprung sein?
LG

Thomas24
15.09.2024, 18:55
Hallo zusammen,
von mir wird erwartet, künftig ggf. die ärztliche Leitung einer Zweigpraxis eines MVZ zu übernehmen.
Ist jemand von euch in dieser Position und kann berichten was dies tatsächlich an Mehraufwand im Alltag bedeutet? Was erwartet einen? Welche Fragen gilt es unbedingt vorab zu klären? Wie groß sollte der Gehaltssprung sein?
LG

Was soll die neue Position denn konkret für dich bedeuten? Falls nur Grüßaugust, der mit seiner Unterschrift die Vollständigkeit und Richtigkeit der GKV Abrechnung unterschreiben soll, aber inhaltlich keine Änderung zum bisherigenTätigkeitsfeld? Oder bekommst du ein mehr an Aufgaben und Verantwortung? Hygienebeauftragter Arzt? QM? Laser- oder Datenschutzbeauftragter?

dings
17.10.2024, 08:39
Moin,

ich hab als Quereinsteiger aus einer anderen Fachrichtung ein Jobangebot mit folgenden Bedingungen bekommen

Stellenschlüssel 1-2-7 (davon 3 Fachärzte)
Spezialisierung auf Hornhaut / Vorderabschnitt
Rufdienste
Notaufnahme nur an zwei Tagen die Woche besetzt
Papierakten
keine operative Ausbildung
nahezu keine Sehschule
Überstunden 10-20 pro Monat, werden erfasst mit FZA
volle WBE

Auf der einen Seite bin ich froh, überhaupt in meiner Stadt ein Angebot bekommen zu haben und nicht umziehen zu müssen, auf der anderen Seite gibt mir die schlechte Oberärztliche Betreuung zu denken, vor allem als Berufsanfänger in dem Fach kaum die Möglichkeit zur Rücksprache/Vorstellung zu haben. Das mit der fehlenden operativen Ausbildung wäre mir erstmal egal, da ich eh nach max. 2 Jahren die Klinik wechseln wollen würde. Das mit den Papierakten ist mir der größte Dorn im Auge, es ist 2024 :-wand
Was haltet ihr von der Stelle für den Anfang?

Feuerblick
17.10.2024, 10:15
1. Klinik oder nicht?
2. Wie bekommen die eine volle WB, wenn sie keine Sehschule haben?
3. Spezialisierung ist meist nicht so dramatisch.
4. Großartige operative Ausbildung kannst du sowieso nicht erwarten.
5. 10-20 Überstunden, die sie jetzt schon zugeben? Mach 30 draus. Also täglich 1-2 Stunden. DAS wäre mein Knackpunkt, nicht die Papierakten.

dings
17.10.2024, 10:23
1. Klinik oder nicht?
2. Wie bekommen die eine volle WB, wenn sie keine Sehschule haben?
3. Spezialisierung ist meist nicht so dramatisch.
4. Großartige operative Ausbildung kannst du sowieso nicht erwarten.
5. 10-20 Überstunden, die sie jetzt schon zugeben? Mach 30 draus. Also täglich 1-2 Stunden. DAS wäre mein Knackpunkt, nicht die Papierakten.

Ist eine Klinik. Sehschule ist wohl stark zurückgefahren worden in letzter Zeit (?). Das mit den Überstunden kam jetzt nur von einer Ärztin, die neu auf Station war.

Feuerblick
17.10.2024, 10:27
Hast du denn gefragt, wie die oberärztliche Betreuung wirklich ist? Ich meine, auf Station brauchst du einmal am Tag nen Oberarzt, der mit dir die Visite durchgeht, in der Ambulanz kann’s nerven, weil die Patienten warten müssen. Wenn die Oberärzte halt den ganzen Tag geplant im OP sind, wird es eng. Aber welche Klinik hat nur so wenig Oberärzte? Wie klein ist die Klitsche denn?

dings
17.10.2024, 10:47
Hast du denn gefragt, wie die oberärztliche Betreuung wirklich ist? Ich meine, auf Station brauchst du einmal am Tag nen Oberarzt, der mit dir die Visite durchgeht, in der Ambulanz kann’s nerven, weil die Patienten warten müssen. Wenn die Oberärzte halt den ganzen Tag geplant im OP sind, wird es eng. Aber welche Klinik hat nur so wenig Oberärzte? Wie klein ist die Klitsche denn?

Ca 800 Behandlungsfälle pro Jahr. Man kann schon Patienten vorstellen, zur Not dem Chef. Also ich habe bis auf die Frühbesprechung die eine Oberärztin, die an dem Tag da war, nicht gesehen und ich bin bei allen mal mitgelaufen

Feuerblick
17.10.2024, 12:12
Naja, als Anfänger sollte man JEDEN Patienten einem OA oder dem Chef vorstellen. Wenn das schon nicht gegeben ist - ich würde da nicht arbeiten wollen. Als Anfänger übersieht man sooo viel.