Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Schamanenecke
Feuerblick
14.12.2021, 17:51
Verständlich und wie ich finde, auch vernünftig.
Thomas24
15.12.2021, 18:45
Vor allem wird aus dieser Scheisse viel Geld gemacht. :-))
Und Pecunia non olet, gell, Allergan? :-D
Farhad001
15.12.2021, 21:52
Hey Leute. Ich bin relativ neu hier und frage mich, worum es in diesem Thread geht 😅 Ist Schamane als Synonym für ein bestimmtes FA-Titel gedacht?
Bonnerin
15.12.2021, 21:55
Hey Leute. Ich bin relativ neu hier und frage mich, worum es in diesem Thread geht 😅 Ist Schamane als Synonym für ein bestimmtes FA-Titel gedacht?
Einfach mal die letzten 4-5 Seiten lesen, dann wirst du dir die Frage glaube ich selbst beantworten können. :-)
Mukopolysaccharid
15.12.2021, 22:10
Hey Leute. Ich bin relativ neu hier und frage mich, worum es in diesem Thread geht Ist Schamane als Synonym für ein bestimmtes FA-Titel gedacht?
Auge.
Welcher große Unterschied besteht denn? Ich finde, vom Prinzip ist es ja schon "altes Target in neuem mab - jetzt neu und um einiges teurer"
Heute im Arznei-Telegramm: Ranibizumab Platz 10 der umsatzstärksten Medikamente 2021, Aflibercept Platz 12. Eine AMD muss man sich wohl leisten können...
Feuerblick
17.12.2021, 22:35
Warum? Ist Kassenleistung. :-nix
Aber das lässt sich leicht erklären, wenn man sieht, wie viele Menschen eine feuchte AMD haben und dass die Injektionstherapie in sehr vielen Fällen die Therapie einer chronischen Erkrankung ist. Irgendwie verstehe ich deinen giftigen Unterton nicht so ganz, muss ich sagen.
Thomas24
18.12.2021, 11:15
Du musst ja nur bedenken, dass altersabhängig bis zu 35% der Bevölkerung (jenseits des 70 LJ) eine AMD entwickeln und dass in ca 15% dieser Fälle ein Übergang von trockener AMD in exsudative AMD erfolgt. Das sind hunderttausende Menschen jedes Jahr. Wenn diese dann einer Dauertherapie bedarf - was im Regelfall so ist- erklärt das ganz zwanglos, warum Ranibizumab auf der Liste der umsatzstärksten Medikamente auftaucht. Es betrifft halt viele Menschen, die viele Folge Injektionen (oft auch beideits) benötigen.
Und ja, Ranibizumab ist schon seit 7 Jahren im GKV Katalog, der Patient muss sich insofern seine Erkrankung "nicht leisten können".
Naja, nicht unbedingt der Patient individuell, sondern natürlich auch die Gesellschaft. Aber natürlich trotzdem auch (Privat-) Patienten selbst, wenn sie regelmäßig hochpreisige Medikamente vorstrecken müssen.
Der (nicht euch gegenüber so gemeinte) giftige Unterton kommt daher, dass es ein gutes und günstiges Wirkprinzip gibt und dieses dann mit geringen Modifikationen (oder keinen) zum Wohl der Industrie und entgegen der Gesellschaft verwendet wird. Ist jetzt nicht auf die Augenheilkunde beschränkt, auch viele Antivirale Mittel wurden ja entweder aufgekauft und verteuert oder es gibt eben andere Indikationen, die eine Behandlung allgemein verteuern. Aber gut, so ist wohl die Wirtschaft...
Feuerblick
18.12.2021, 13:49
Wie Muriel schon schrieb: Das ist tatsächlich nicht immer so zutreffend. Die Medikamente haben zwar ein ähnliches Prinzip, sind aber nicht gleich. Was auch erklärt, warum bei manchen Bevacizumab prima wirkt, bei anderen aber nicht. So pauschal kann man das in diesem Fall tatsächlich nicht sagen.
Dazu gibt es aber auch ausreichend IV-Verträge, die ausdrücklich Bevacizumab vorsehen.
Btw. Blinde Menschen muss sich eine Gesellschaft auch erst mal leisten können. Da kommt einiges an Folgekosten (Blindengeld, teure Blindenhilfsmittel, Blindenhund, häufigere Unfälle etc.) auf die Allgemeinheit zu.
Ich bin sehr froh, die Möglichkeit zum Medikamentenswitch zu haben. Das meine ich in jede Richtung. Als Mitglieder spezieller Verträge sind wir sowieso verpflichtet, mehr als die Hälfte der Injektionen mit Avastin zu machen, würden wir die Quote nicht erfüllen würden uns die Verträge mit den Kassen gekündigt werden. Dass wir mit dem ganzen Rattenschwanz an Haftungsgedöns quasi gezwungen werden, off-lable Use zu machen, ist dabei allerdings schon dreist. Bei Avastin im Speziellen wird es da zwar eher keine Probleme geben, weil die Studienlage da eindeutig ist. Mich stört nur das prinzipielle Verhalten dahinter.
Feuerblick
18.12.2021, 14:28
Ich hab zu meinen Praxiszeiten angesichts dieser Verträge auch sehr sparsam geschaut…
Hi! Ich beschäftige mich gerade mit Augenheilkunde als mögliche Facharztrichtung und wollte mal fragen wie diese abstrusen hohen Gehälter in der Niederlassung entstehen? Da wird ja Augenheilkunde nach Radio oft auf Platz 2 genannt. Mir ist klar, dass wahrscheinlich die operative Praxen da den Schnitt nach oben schieben, aber wenn ich 370k Euro Reinertrag höre und man davon vielleicht (grob) 30% Netto als Gehalt herausbekommt wären das immer noch abstrus hohe Gehälter. Warum sollte sich dann jemand, außer für sowas wie Forschung, eine OA Stelle antuen, welche viel schlechter bezahlt wird?
Feuerblick
17.01.2022, 15:27
Weil sehr viele Leute nicht operieren können/wollen (und nicht lernen) und man nicht mal eben eine ophthalmochirurgische Praxis aufmachen kann und die dann auch gleich noch viel Kohle abwirft?
Außerdem hat nicht jeder Bock auf augenchirurgisches Fließband. Manche wollen doch auch Diagnostik machen, forschen…
Geld ist nicht alles.
Man muss in der Niederlassung auch wirtschaftlich denken können, strategisch usw.
An einer Klinik habe ich von einem OA gehört, der ein sehr sehr guter Operateur sein soll, der aber wohl etwas verplant ist, dem täte eine Niederlassung nicht gut. Ein anderer ist in einem Nischenfach, in dem es tendenziell wenig Ertrag zu generieren gibt, der könnte sich eine Niederlassung allein mit seinem Fach nicht leisten. In einer großen Klinik ist das aber machbar bzw. nötig, dass diese Spezialität vorgehalten wird, da ist es für ihn natürlich komfortabler, nicht selbst querfinanzieren zu müssen.
Feuerblick
17.01.2022, 15:48
Kommt auch sehr darauf an, WAS man so gut operieren kann. Es gibt viele Netzhaut-, Glaukom- und Hornhautchirurgen ohne Bock auf Katarakt-Chirurgie und sonstigen ambulanten Kram. Die können schlichtweg nicht ambulant operieren, weil es nicht vergütet wird. :-nix
habichnicht
24.01.2022, 10:23
Darf ich den Schamanen mal eine allgemeine Frage zur Katarakt stellen?
Es geht um Folgendes:
Ich trage schon sehr lang Gleitsichtgläser aus hochbrechendem Kunststoff als Individualgläser eines Markenherstellers, die selbst bei günstigen Optikern extrem teuer sind. (Ich brauche sie aus verschiedenen Gründen, die hier aber keine Rolle spielen sollen.)
Nun zum geplanten Experiment:
Ich habe den Eindruck, dass ich beim Lesen den untersten Nahbereich (also die eigentliche Nahzone) meistens gar nicht nutze, sondern eher den Übergangsbereich. Wenn ich die eigentliche Nahzone richtig nutzen will, muss ich die Brille ein bisschen hochschieben.
An der Höhenzentrierung liegt es ganz sicher nicht! Die Gläser sind ganz sicher nicht zu tief eingesetzt. Im Gegenteil. Für die Ferne dürften sie – gefühlt - sogar einen halben Millimeter tiefer sitzen.
Ich denke deshalb schon länger daran, mir Individualgläser des selben Typs, aber mit einem anderen Framefit, d. h. einer minimal kürzeren Progressionszone machen zulassen, damit die Lesezone etwas weiter nach oben kommt, und es wäre schon verdammt ärgerlich, wenn sich solche teuren neuen Gläser nicht mehr lohnen würden.
Deshalb nun die Frage:
Ich habe im Dunkeln ganz leichte Halos um Straßenlaternen. Andere Symptome, bei denen man an eine Katarakt denken könnte, habe ich nicht. Keine Probleme mit dem Visus und keine Probleme mit Farbintensitäten.
Wie schnell kann sich eigentlich eine Katarakt entwickeln bzw. so verschlechtern, dass ein Linsenaustauch nötig wird?
Das kann man tatsächlich überhaupt nicht sagen. Ich habe Patient*innen, bei denen ich seit fünf Jahren denke "Puh, in einem halben Jahr reden wir aber jetzt sicher über die OP" und es gibt welche, da entwickelt sich das ratzfatz.
Wann warst du zum letzten Mal zur Kontrolle (also Augenärzt*in nicht Optiker)? Gibt es da Vergleiche, wie die letzten Jahre sich entwickelt haben? Das wäre ganz gut für eine Abschätzung.
habichnicht
24.01.2022, 14:57
Danke für Deine Antwort, @Muriel.
Ich hab schon befürchtet, dass man für die Entwicklung einer Katarakt schlecht eine Prognose stellen kann und werde jetzt einfach hoffen, dass es sich nicht ganz plötzlich stark verschlechtern wird.
An Brillengläser mit kleinerem Framefit hatte ich zwar schon vor Corona gedacht, die Sache aber bisher ruhen lassen, weil ich sowohl Arztpraxen, als auch Optikerläden meiden wollte.
Nachdem ich nun seit letzter Woche geboostert bin, will ich die Sache demnächst in Angriff nehmen. Wenns nicht klappt, hab' ich eben einen Tausender in den Sand gesetzt
Mein letzter Besuch bei einem Augenarzt war vor eingen Jahren. Damals hat er links eine ganz minimale Trübung und rechts gar keine gesehen. Das passte zu meinen Beobachtungen: links ganz leichte Halos und rechts keine. Links ist das seither so geblieben und rechts ist es jetzt etwa so wie links (also ein ganz leicher Halo dazugekommen).
Der Augenarzt, bei dem ich damals war, ist inzwischen in Rente gegangen. Es gibt zwar einen Nachfolger, aber die Praxis ist 25 km entfernt und es gibt auch direkt an meinem Wohnort einige Augenarztpraxen mit gutem Ruf. In einer von denen werde ich mir für Frühjahr/Sommer mal einen Termin geben lassen.
Wie groß schätzt Du die Anteile deiner ü70-, ü80- und ü90-Patienten ein, die keine behandlungsbedürftige Katarakt haben? Oder kennst Du Statistiken dazu?
Ich habe im Bekanntenkreis einige Leute meines Alters, die schon den Linsenaustauch hatten. Ist bei allen gutgegangen. Andererseits hat keiner meiner Vorfahren eine Katarakt-OP gebraucht. Gibt’s da eine genetische Komponente?
Was weiß man eigentlich über die Auslöser der Katarakt?
Puh, letztendlich muss man ja sagen, dass einem die beste Statistik nix nützt, wenn man selber über die Glocke rechts oder links hinausschießt ;) Ich hatte alleine heute einen 36j mit kurz vor OP-Würdigkeit stehender Cat und eine 93j, deren Linse klar wie sonst was war. Beides absolute Ausreißer und dennoch öfter als man so denkt. Die meisten Patient*innen, die wir operieren, sind in ihren 70ern. Wenn Dir 1000€ im Zweifelsfall verschmerzbar erscheinen bzw Du mit den Halos und ansonsten gutem Zurechtkommen derzeit eh nicht zu einer OP tendieren würdest, dann mach Dir zeitnah eine Brille. Wenn Du unsicher bist und Dich unwohl fühlst, dann schau, dass Du erst eine*n Kolleg*in findest.
Das Schöne an einer Cat ist ja, dass sie keine Erkrankung als solche ist. Absolut zwingende Gründe, dringend operieren zu müssen, gibt es eher selten. Dennoch gibt es Situationen, in denen es ratsam ist zu operieren. Das können enge Kammerwinkelsituationen sein mit Druckproblematik, berufliche Indikationen (LKW-Fahrer etc zB), Diagnostik- und Therapieerschwernis an der Netzhaut durch mangelnden Einblick... Ansonsten ist GsD diese 0,6 Grenze aufgeweicht worden. Es gibt nun mal Menschen, die mit einem Visus von 0,7 kreuzunglücklich sind und nicht zurechtkommen, die operieren zu können ohne Tricksereien ist schon gut. Andere hingegen sind mit 0,4 glücklich und lieben ihren Bernstein im Auge. Solange sie nicht Auto fahren, ist mir das dann auch egal. Wenn man grundsätzlich einer OP gegenüber nicht abgeneigt gegenüber steht, sollte man sie nicht auf die ewig lange Bank schieben, damit der Linsenkern nicht steinhart wird.
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