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Papierakten sind nicht so schlecht wie ihr Ruf!
Kämpf erstmal gegen die Medikamenteneingabe-Tools, dann lernst du Papierakten wieder zu lieben. Kurvenvisite wenn der Computer hängt? Ein Graus. So schlecht waren/sind Papierakten nicht. Zumindest nicht auf dem Niveau auf dem viele Kliniken die elektronischen Fallakten umgesetzt haben. Und dann auch meist so inkonsequent! EFA? Klar. Für Normalstationen schon. Die Notaufnahme läuft extra, die Ambulanzen laufen extra, das MVZ muss ja allein rechtlich schon getrennt werden, die Intensivstationen haben eh ihr eigenes Programm und im OP läuft es wieder anders. Schnittstellen? Gibt es. Kann dann halt passieren dass PACS-Bilder eines Patienten unter dem gleichen Namen+Geburtsdatum aber einfach unter anderer ID im PACS sind...
Und nein, ich sehne mich nicht zurück in die Zeit in der man analoge Röntgenbilder suchen musste. Aber nicht alles ist besser nur weil ein analoger Prozess nun aufwändig digitalisiert und dabei gleich noch maximal ausgebaut wurde. Denn die Prozesse werden meist nicht geändert. Es wird einfach nur mehr und mehr was man eh mal schnell nebenbei dokumentieren kann. Wenn man eh grad Visite macht kann man ja einfach schnell gezwungen werden jede einzelne Visite anzukreuzen ob eine Viggo indiziert ist oder nicht und ob ein DK indiziert ist oder nicht usw. Ansonsten lässt sich die Visite einfach nicht speichern. Sind ja nur ein paar Klicks hier, ein paar Eingaben dort usw. Oh, jetzt lässt sich der Patient nicht aufrufen weil das WLAN so schlecht ist. Mei, muss man mit dem Computer halt wieder raus auf den Gang dann wird es schon gehen...
Versteh mich nicht falsch: eine gut umgesetzte EFA in guter EDV-Umgebung kann eine echte Erleichterung sein. Rein die Idee irgendwas digital zu haben ist kein heiliger Gral an sich, das kann man auch richtig richtig schlecht machen.
Ansonsten kommt es meiner Meinung nach auch auf die Fachärzte an. Nicht jeder Patient muss einem OA vorgestellt werden wenn dauernd Fachärzte um einen rum schwirren. Die Frage ist halt wie die Betreuung und das Teaching tatsächlich ist.
Wenn die Überstunden tatsächlich erfasst werden und es tatsächlich FZA gibt wären mir die Überstunden egal. Arbeite ich mein Monatspensum halt in weniger Tagen ab.
Rufdienste finde ich bissl ungewöhnlich: wer macht die? Gibt es den auch fachärztlich oder wird man als Neuling gerufen, soll sich Notfälle anschauen und es gibt dann keinen fachärztlichen Hintergrund?
Und inhaltlich bzgl. Sehschule, OPs, Abschnitte usw. kann ich nichts beitragen, da kenn ich mich nicht aus.
Feuerblick
17.10.2024, 17:02
Die Frage wäre auch, wie die Rufdienste wirklich aussehen und wie sehr man frequentiert wird. Gibt ja diese Pseudo-Rufdienste, die eigentlich Bereitschaftsdienste sind.
Ja, natürlich wird man auch als mehr oder weniger Anfänger Rufdienste machen. Ist nun auch nicht anders als mit Bereitschaftsdiensten. Hintergrund sollte es geben. Aber wenn wir ehrlich sind: Zeitkritische Dinge gibt es in der Augenheilkunde dann doch eher selten. Das meiste kann man nach einiger Zeit selbst, nimmt unklare Sachen einfach auf oder klärt es mit dem Hintergrund telefonisch.
Was Oberärzte/Fachärzte angeht: Kommt halt drauf an, wie frisch die Fachärzte sind und wo sie ausgebildet wurden. Manche sind fachlich super, andere machen als FA noch genauso viel Mist wie als WBA. Ja, okay, einer meiner Oberärzte brauchte auch immer einen selbstbewusst vorgetragenen Behandlungsvorschlag von uns Altassistenten, damit er was entscheiden konnte, weil er einfach selbst komplett unsicher war. Aber für Anfänger steht und fällt alles mit einer guten Betreuung. Eben weil man die Diagnostik erst einmal lernen muss. Auch rein technisch (Spaltlampe, Lupe, Ophthalmoskop, Dreispiegelkontaktglas, Gonioskop uvm) lernen muss.
Fragt sich halt, was für eine Klinik das wirklich ist. Hab mal in so einem Konstrukt gearbeitet, das aber eigentlich eine Praxis mit angeschlossenem Bettenhaus war. Gruselig! Weiterbildung fast null, trotz Fachärzten und Oberarzt. Rufdienste waren lässig, Hintergrund hätte es gegeben, brauchte man aber selten. Schade halt, dass man quasi ab Tag 1 alles alleine machen sollte, weil keiner Zeit hatte, einem was beizubringen. Schon mein Wunsch, man möge mir doch bitte einmal zeigen, wie man Metallfremdkörper nebst Rosthof aus der Hornhaut entfernt, war ein echter Affront gegenüber Chef und Oberarzt. Erst meine Andeutung, dass ich dann für sowas halt im Rufdienst den Hintergrund reinrufen müsste, hat gefruchtet. Bin (ich wiederhole mich) nach kürzester Zeit geflohen.
So, hatte jetzt auch mal in einer operativen Praxis ein Vorstellungsgespräch mit Hospitation und muss sagen ich fand zumindest die Sprechstunde maximal eintönig. Man macht ja quasi nur OP-Nachkontrollen. Bis auf das Handling mit den Untersuchungs-Geräten würde ich hier vermutlich nur sehr wenig lernen.
Langfristig würde ich schon gerne in die Praxis, aber wenn das meine Perspektive ist, hauptsächlich Kontrollen und zweimal in der Woche operieren (falls ich überhaupt eine Ausbildung dahingehend bekomme) fänd ich schon nicht so toll. Kann man auch spannende Augenheilkunde in der Praxis betreiben oder ist das der Klinik vorbehalten?
Außerdem nochmal eine Frage, das wurde zwar schon etliche Male durchgekaut hier, aber so richtig bin ich noch nicht schlauer.
Hier ist der O-Ton, dass man Operieren am besten in der Klinik lernt, jetzt sehe ich aber täglich Stellenangebote für Praxen, wo es heißt, dass eine operative Ausbildung möglich ist. Wie realistisch ist das denn und bezieht sich das auf Katerakt-OPs? Ist es nicht also erfolgsversprechender, meinetwegen drei Jahre Klinik, und dann in der Praxis operieren lernen?
Feuerblick
06.11.2024, 11:27
Für deine Ausbildung als solche ist die Klinik eindeutig besser. Umfassenderes Patientenklientel, abwechslungsreichere Fälle, Kolibris und einfache Dinge gemischt.
In der Klinik operieren lernen gilt meistens nur für IVOMs und vielleicht Katarakt-Operationen. Dazu ggf. Augenmuskeln und vielleicht auch ein paar Lider. Aber ob du das draußen wirklich besser lernen kannst, hängt damit zusammen, ob die Praxis ein entsprechendes Angebot hat oder ob sie das nur mal eben so verspricht. Aber auch hier wird sich das mehrheitlich auf IVOM und Cat. beschränken.
Für mich persönlich war die Arbeit in der Praxis in der Tat zu eintönig. Glaukom, Diabetische Retinopathie, Netzhaut, Sicca, Konjunktivitis… spannende Fälle gehen fast immer in die Klinik, weil die Praxis das entweder nicht leisten kann oder finanziell nicht leisten will.
Gibt auch andere Praxen, aber… nun ja.
Tipp: Ausbildung in der Klinik, allenfalls am Ende ein Jahr Praxis und dann sehen, wie es weitergeht.
Thomas24
10.11.2024, 18:08
Tipp: Ausbildung in der Klinik, allenfalls am Ende ein Jahr Praxis und dann sehen, wie es weitergeht.
Absolut. Ein, maximal zwei Jahre Praxis am Ende, aber den Großteil seiner Ausbildung sollte man in einer Klinik mit breitem Spektrum verbracht haben. Es fällt in den Prüfungen einfach auf, wer in seiner Ausbildung viele und komplexere Fälle gesehen und betreut hat, und wer seine Zeit in einer "drei Diagnosen" Praxis abgesessen hat :-nix Man tut sich wirklich keinen Gefallen damit.
Ich würde auf jeden Fall schon gerne eine Klinikstelle haben, aber hätte aktuell nur das Praxisangebot zur Verfügung. Mein Plan wäre, 6-12 Monate maximal die Praxis zu machen und dann mit der Erfahrung und dem Handling hoffentlich einfacher eine Klinikstelle hier zu bekommen oder eben woanders hinziehen. Für den Moment bin ich leider örtlich gebunden.
Feuerblick
10.11.2024, 19:05
Keine gute Idee, in einer Praxis anzufangen.
Thomas24
10.11.2024, 21:33
Ich hab zwar Verständnis dafür, dass man manchmal aus verschiedenen Gründen an einen bestimmten Ort gebunden ist, aber wie gesagt, der Ausbildung ist es absolut nicht zuträglich den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und direkt am Anfang in einer Praxis anzufangen. Gerade am Anfang müssen solide Grundlagen gelegt werden und im hektischen Praxisalltag wird einfach zu wenig Zeit/Lust/Energie da sein, um dir geduldig das kleine 1x1 der sorgfältigen Untersuchung und Anamneseerhebung zu zeigen. Und vor allem am Anfang ist das enge Feedback wichtig, um all die Dinge zu sehen/gezeigt zu bekommen, die man an der Spaltlampe oder Funduskopisch selbst *übersehen* (wortwörtlich!) hat. Kann mich Feuerblick nur anschließen.
Feuerblick
11.11.2024, 06:58
Ich habe damals, auf eine Klinikstelle wartend, zwei Monate in einer Praxis gearbeitet. Als Anfängerin. Mir wurde quasi nichts erklärt oder gezeigt, Feedback bekam ich von einer Assistenzärztin im 2. WBJ. Ich musste darum betteln, dass mir mal jemand vernünftig zeigt, wie man einen Fremdkörper aus einer Hornhaut rausholt und den Rost wegfräst. Dafür sollte ich nach zwei Wochen aber schon in den OP und Zyklophotos machen. Ernsthaft… bitte nicht in der Praxis anfangen! Das bringt dir einfach nichts und du wirst in der Klinik sehen, dass du quasi nichts kannst und alles übersiehst (hatte mehrere solche Kandidaten später als Kollegen).
Relaxometrie
25.12.2024, 11:37
In der Hausarztpraxis fragen mich die Patienten manchmal nach der Sinnhaftigkeit von Tageslichtlampen. Bei saisonaler leichter Depression ist eine solche Lampe nach Studienlage ja sinnvoll und ich ermutige die Patienten dann auch, eine solche Lampe zu nutzen, am besten direkt eine mit 10.000 Lux, tgl. ca. 30 Minuten lang, ausreichend ist es, die Lampe neben sich zu stellen und ab und zu direkt hineinzublicken.
Ist bei der Anwendung einer solchen Lampe aus augenärztlicher Sicht etwas zu beachten? Gibt es Kontraindikationen?
escitalopram
25.12.2024, 13:45
Mein Plan wäre, 6-12 Monate maximal die Praxis zu machen und dann mit der Erfahrung und dem Handling hoffentlich einfacher eine Klinikstelle hier zu bekommen oder eben woanders hinziehen.
In der Praxis sammelst du aber keine (zumindest zielführende) Erfahrung und lernst sehr wenig bis nichts. Du bist dann für die Kliniken mit der Praxis-Erfahrung gefühlt auch nicht interessanter. So wird man kein (guter) Augenarzt. Mag ja Ausnahmen geben, große MVZ mit breitem Spektrum, aber... Gerade am Anfang, ohne jegliche Erfahrung, stelle ich es mir auch unmöglich vor, in einer Praxis zu arbeiten. Oder zumindest nicht auf eine Art und Weise, welche für dich als WBA und für die Pat. sinnvoll wäre.
Hab die Stelle jetzt auch abgesagt und mache erstmal in der Inneren weiter. Das Wissen und die Fertigkeiten dort sind sicherlich wertvoller, als die Praxisgeschichte. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich nach der Praxis Hospitation und ausführlichem Gespräch mit dem Inhaber bezüglich operative Ausbildung in der Augenheilkunde generell auch erstmal Abstand genommen habe von dem Fach. Als konservativer Augenarzt in einem MVZ Fließbandarbeit zu machen wäre einfach meine persönliche Hölle und die Gefahr ist doch gar nicht so gering, bei der mangelnden chirurgischen Weiterbildung in DE so zu enden.
Feuerblick
26.12.2024, 17:29
Letzteres ist halt stark vom eigenen Engagement abhängig…
Relaxometrie
31.12.2024, 11:47
In der Hausarztpraxis fragen mich die Patienten manchmal nach der Sinnhaftigkeit von Tageslichtlampen. Bei saisonaler leichter Depression ist eine solche Lampe nach Studienlage ja sinnvoll und ich ermutige die Patienten dann auch, eine solche Lampe zu nutzen, am besten direkt eine mit 10.000 Lux, tgl. ca. 30 Minuten lang, ausreichend ist es, die Lampe neben sich zu stellen und ab und zu direkt hineinzublicken.
Ist bei der Anwendung einer solchen Lampe aus augenärztlicher Sicht etwas zu beachten? Gibt es Kontraindikationen?
Feuerblick
31.12.2024, 14:02
Naja, direkt reinschauen ist wenig sinnvoll. Ansonsten gibt es da meines Wissens keine Kontraindikationen.
anonymus02052025
20.01.2025, 17:21
eine Frage, wenn man im Studium einige Schwierigkeiten hatte, zB ein Jahr Verspätung wegen Physikum, ein Jahr Verspätung wegen Corona, und noch ein Jahr drauf wegen M2, hat man so gut wie keine Chance mehr für Ophthalmologie, auch wenn man sich tatsächlich fürs Fach interessiert und dort PJ gemacht hat? Ich kenne einige frische Assistenzärzte im Fach und als die im Fach begonnen haben, wussten sie weniger als ich als PJler, aber naja, die haben das Studium normal durchgezogen und in Regelstudienzeit absolviert 😓 zB kann ich schon ziemlich gut funduskopieren und applanatorisch Tensio messen
Feuerblick
20.01.2025, 17:42
In diesem Fach musst du 1. örtlich flexibel sein und 2. auch große Augenkliniken und nicht nur Unikliniken in Betracht ziehen. PJ in der Augenheilkunde hilft auf jeden Fall. Ob du nun lange fürs Studium gebraucht hast, interessiert vermutlich nur an solchen Hochleistungs-Unis wie Heidelberg, Charité und so…
Ich würde dir außerdem davon abraten, durchklingen zu lassen, wie wenig du von deinen zukünftigen Kollegen hältst. Du wirst sonst schnell als überheblich und als nicht teamfähig wahrgenommen werden - und so jemanden wird man nicht einstellen wollen.
anonymus02052025
20.01.2025, 18:51
du hast mich völlig falsch verstanden, ich habe nirgendwo suggeriert dass ich in irgendeiner Weise besser bin. Ich bin einfach enttäuscht von mir selbst, nichts gegen die anderen, die haben wenigstens ordentlich gelernt und Studium in Regelstudienzeit absolviert. Also auch wenn ich Ophthalmologie Bücher schon als Student perfekt wälzen würde, werde ich das Defizit in meinem Lebenslauf nicht wiedergutmachen können, du kannst es einfach als Jammern betrachten, es ist aber mein Fehler😓
@Feuerblick: Ich bin nicht so örtlich flexibel um ehrlich zu sein, hänge an meiner Unistadt🙈 und wäre bereit zu pendeln zu benachbarten Städten zur Arbeit, aber erstmal suche ich keine Unikliniken, ich ziehe primär große Nicht-Unikliniken in Betracht, aber wenn man an diesen abgelehnt wird, dann wird es wohl sehr eng, oder meinst du man könnte doch an Unikliniken (ich meine nicht Charité oder Heidelberg) eine Stelle bekommen trotz Absagen an anderen großen Nicht-Unikliniken?
escitalopram
21.01.2025, 15:21
Andreas11dk - Auch wenn mein erster Chef (bekannte Uniklinik im Süden) alle Bewerber, die schlechter als 2,0 im Examen waren, hat aussortieren lassen ;-) ... bin ich fest davon überzeugt, dass man eine Stelle in Augenheilkunde mit ein wenig Flexibilität findet. Zumal du sogar PJ gemacht hast in dem Fach, was ein Vorteil ist. Mittlerweile gibt es so viele Kliniken und wie Feuerblick geschrieben hat - es sind nicht nur die Unis, es gibt mittlerweile gute Maximalversorger mit Auge.
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