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Thomas24
24.08.2020, 21:33
Mal eine Gegenfrage: deine Statements und Fragen sind bislang so ... arbeitest du überhaupt schon?
Wenn ja, in welchem Jahr?

Feuerblick
24.08.2020, 21:37
Wenn das wirklich so im Lang und in der Checkliste stehen würde, wäre das sehr befremdlich, weil gelebte Realität seit Jahrzehnten die Mydriasis ist. Eine andere Lehrmeinung ist mir persönlich nie untergekommen und es fällt mir schwer zu glauben, dass das Ehepaar Lang etwas anderes empfiehlt. :-nix

Wenn es sowas wie einen Goldstandard gibt, dann der Augustin. Wobei Bücher grundsätzlich das Problem haben, dass sie das Wissen von vor drei oder mehr Jahren abbilden, weil das Zusammenstellen, Korrigieren und letztlich Drucken der Texte sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Kann man für Grundlagen schon nehmen. Für alles weitere empfehle ich dringend die Stellungnahmen und Leitlinien der Fachgesellschaften sowie KliMo und Ophthalmologe für Aktuelles.
Den von dir genannten Kanski kann man in der deutschen Ausgabe vergessen. Viel zu wenig Informationen, viel zu unübersichtlich und zudem einige Fehler.

Ich hatte Wills zum Nachschlagen im Regelbetrieb, Augustin für die FA-Prüfung und zudem o.g. Journals.

Mazungu
24.08.2020, 21:38
Mal eine Gegenfrage: deine Statements und Fragen sind bislang so ... arbeitest du überhaupt schon?
Wenn ja, in welchem Jahr?

Ich bin in Deutschland erst seit einem Jahr (viele nicht-medizinische Deutschland-spezifische Sachen sind für mich natührlich neu), sonst habe ich ziemlich intensive konservative/chirurgische Erfahrung. Welche Frage fanden Sie so..?)

Feuerblick
24.08.2020, 21:39
Das heißt, wie viele Jahre als Ophthalmologe tätig? Facharzt in deinem Land?

Mazungu
24.08.2020, 21:41
Wenn das wirklich so im Lang und in der Checkliste stehen würde, wäre das sehr befremdlich, weil gelebte Realität seit Jahrzehnten die Mydriasis ist. Eine andere Lehrmeinung ist mir persönlich nie untergekommen und es fällt mir schwer zu glauben, dass das Ehepaar Lang etwas anderes empfiehlt. :-nix

Wenn es sowas wie einen Goldstandard gibt, dann der Augustin. Wobei Bücher grundsätzlich das Problem haben, dass sie das Wissen von vor drei oder mehr Jahren abbilden, weil das Zusammenstellen, Korrigieren und letztlich Drucken der Texte sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Kann man für Grundlagen schon nehmen. Für alles weitere empfehle ich dringend die Stellungnahmen und Leitlinien der Fachgesellschaften sowie KliMo und Ophthalmologe für Aktuelles.
Den von dir genannten Kanski kann man in der deutschen Ausgabe vergessen. Viel zu wenig Informationen, viel zu unübersichtlich und zudem einige Fehler.

Ich hatte Wills zum Nachschlagen im Regelbetrieb, Augustin für die FA-Prüfung und zudem o.g. Journals.

Danke, ich benutze meistens auch Journals. Das Deutsche "Gold-Standard" brauche ich eher jetzt, um mit meinen Chefs auf einer Sprache sprechen zu können. Weil wenn man so was wie "wir benutzen bei Hyphäma keine Mydriasis, in Gottes Willen" oder so was ähnliches kriegt - muss man was unternehmen... :-lesen

Mazungu
24.08.2020, 21:42
Das heißt, wie viele Jahre als Ophthalmologe tätig? Facharzt in deinem Land?

10 Jahren, vollausgebildeter Facharzt.

Feuerblick
24.08.2020, 21:43
Ich frage mich gerade, wo du arbeitest. Deine Kollegen wissen nicht, dass man arterielle Verschlussereignisse sofort abklären sollte. Deine Chefs wollen keine Mydriasis bei Hyphäma... Beides ja nun nicht wirklich neue Erkenntnisse.
Vielleicht sollte man diese Klinik/Praxis meiden :-))

Thomas24
24.08.2020, 21:48
10 Jahren, vollausgebildeter Facharzt.

Nordafrika? Oder naher Osten?
Frage für einen Freund...

Mazungu
24.08.2020, 21:49
Ich frage mich gerade, wo du arbeitest. Deine Kollegen wissen nicht, dass man arterielle Verschlussereignisse sofort abklären sollte. Deine Chefs wollen keine Mydriasis bei Hyphäma... Beides ja nun nicht wirklich neue Erkenntnisse.
Vielleicht sollte man diese Klinik/Praxis meiden :-))

Doch doch, das wissen sie... Vielleicht habe ich es falsch ausgedrückt: dass man auch PAMM so aufklären muss - ist eigentlich nicht ein sehr altes Wissen. Eigentlich, sogar die AAO hat bisher keine darauf bezogene Stellungnahme, nur seit kurzem steht es in den AAO PPPs eigentlich, soviel ich weiß.
Was auch für meine Kollegen neu war, ist das in Deutschland Lyse für CRAO doch benutzt wird. Die neuen Studien dazu traten eigentlich erst vor ein paar Monaten. Aber die waren nicht alleine: auch meine in der nähe liegende Stroke-Unit wusste davon ganz wenig.

Das zweite wegen des Hyphämas - wenn wir fair sein möchten, dann noch einmal: zwei respektablen Bücher empfehlen dagegen (Hyphäma - KI für Mydriase), also kein Wunder, dass die Ärzte sowas gelernt haben.

Aber ja, sonst... :-heul

h3nni
24.08.2020, 21:50
Ich hatte heute meinen ersten Tag im einwöchigen Auge-Blockpraktikum. Ist schon interessant, vor allem vorderen Abschnitt finde ich echt schön anzusehen. Aber meine Versuche zu funduskopieren frustrieren mich extrem... Mal schauen, was der Rest der Woche noch bringt (klar, wahrscheinlich keine Kompetenz diesbezüglich, eher allgemein gemeint :))

Thomas24
24.08.2020, 21:53
Was heißt denn 'extensive operative Erfahrung' in deinem Heimatland bitte konkret?
Phakos? Ja? Wie viele? Oder nur dabei zugesehen und sich gedacht, 'uih. das kann ich auch?Ist doch schnell verdientes Geld'
Lidchirurgie und größere Verschiebplastiken etc. gemacht? Oder nur 200 Entropien operiert, ein paar Dutzend Blepharoplastiken und freie Hauttransplantate - und jetzt denken 'plastische Operationen - läuft bei mir'.

Just wondering...

Feuerblick
24.08.2020, 21:55
Naja, als Facharzt erwarte ich dann doch etwas mehr als nur den Lang oder die Checkliste... :-nix Die sind toll für den Anfang oder interessierte Studenten, aber doch keine Lehrbücher für Fachärzte...
Das mit der Lyse wurde jahrelang nach Abbruch einer größeren Studie wegen übler Nebenwirkungen verteufelt. Das ist auch vielen Neurologen noch im Kopf. Wenn man dann bedenkt, wie selten man eigentlich arterielle Verschlüsse im Zeitfenster zu Gesicht bekommt, dann ist es wenig verwunderlich, dass auch die Neurologen sich damit noch nicht beschäftigt haben.

@h3nni: Immer mit der Ruhe! Funduskopie muss man üben. Irgendwann platzt der Knoten und dann sieht man was. Nicht aufgeben! Im Blockpraktikum haben das viele Studis nicht hinbekommen (wobei ich nie verstanden habe, warum man die nicht gleich mit Lupe und Lampe hat arbeiten lassen). Später in der Famulatur haben dann die meisten was gesehen ;-)

Thomas24
24.08.2020, 21:56
Ich hatte heute meinen ersten Tag im einwöchigen Auge-Blockpraktikum. Ist schon interessant, vor allem vorderen Abschnitt finde ich echt schön anzusehen. Aber meine Versuche zu funduskopieren frustrieren mich extrem... Mal schauen, was der Rest der Woche noch bringt (klar, wahrscheinlich keine Kompetenz diesbezüglich, eher allgemein gemeint :))

Schnapp dir einen Patienten oder einen Komilitonen und eine freie Spaltlampe und dann üben, üben, üben. Am Anfang erhaschst du nur die Papille- Tipp: den Freiwilligen in Richtung deines Ohres schauen lassen. Dann wird das schon ;-)

Mazungu
24.08.2020, 21:56
Nordafrika? Oder naher Osten?
Frage für einen Freund...

ex-UdSSR


Was heißt denn 'extensive operative Erfahrung' in deinem Heimatland bitte konkret?
Phakos? Ja? Wie viele? Oder nur dabei zugesehen und sich gedacht, 'uih. das kann ich auch?Ist doch schnell verdientes Geld'
Lidchirurgie und größere Verschiebplastiken etc. gemacht? Oder nur 200 Entropien operiert, ein paar Dutzend Blepharoplastiken und freie Hauttransplantate - und jetzt denken 'plastische Operationen - läuft bei mir'.

Ich bin kein großer Plastiker, aber etliche Erfahrung habe ich schon (mit Katarakten bin ich eigentlich so gut wie satt, habe nichts dagegen, aber Spaß ist es bestimmt nicht). Deswegen frage ich eigentlich, wie ich mich mit der Plastik weiter bringen kann, und nicht wie ich die eigene Lidpraxis eröffnen und alle die Ptosis-Patienten zu mir ziehen kann. :-)

Mazungu
24.08.2020, 22:07
Naja, als Facharzt erwarte ich dann doch etwas mehr als nur den Lang oder die Checkliste... :-nix Die sind toll für den Anfang oder interessierte Studenten, aber doch keine Lehrbücher für Fachärzte...
Das mit der Lyse wurde jahrelang nach Abbruch einer größeren Studie wegen übler Nebenwirkungen verteufelt. Das ist auch vielen Neurologen noch im Kopf.

1. Ich benutze meistens nur Pubmed. Lang, Kanski, Checkliste usw. sind für Studenten, deswegen "Lehr"bücher. Also, ich muss manchmal lehren:)
2. Aber die Studie (EAGLE, richtig?) war total flawed, die Ergebnisse unzuverläßig, und die neuen Studien sind eigentlich representativer.

Feuerblick
24.08.2020, 22:12
Dass die neuen Studien andere Ergebnisse gebracht haben, ändert ja nix dran, dass die meisten Neurologen gar keine neueren Studien kennen, weil in ihrem Arbeitsalltag eine Lyse bei ZAV schlicht nicht vorkommt. ;-) Und dort, wo es vorkommt, wird ja auch eine Lyse durchgeführt, wie Muriel geschrieben hat.
Sollte man tatsächlich so oft Patienten im Zeitfenster sehen (ich habe nicht einen gesehen...okay, ländliche Gegend), dann würde es sich anbieten, mit der nächstgelegenen Neurologie mal Kontakt aufzunehmen und zu besprechen, wie man verfährt. Reden hilft manchmal. Wir haben ja auch nicht immer alles im Kopf, was wir im Alltag so gut wie nie sehen und was nicht direkt in unserem Fachgebiet liegt.

Was die Lehre angeht: Als Facharzt lehre ich das, was up to date ist und weise allenfalls die Studenten drauf hin, dass es in manchen Büchern anders steht. Hat man gerade bei der Strabologie ständig, weil die meisten allgemeinen Studenten-Lehrbücher in dem Bereich mehr als oberflächlich sind.

Mazungu
24.08.2020, 22:22
Na ja, zumindest weiß ich jetzt reichlich über "Hyphäma in Deutschland"-Thema Bescheid und war gut belehrt:) Jedenfalls, danke für den Augustin-Tipp.

Feuerblick
24.08.2020, 22:23
:-)) Immer gern. Sollte ich mal den Lang in die Finger kriegen, werde ich mir die Seite kopieren und die Herausgeberin mal drauf hinweisen :-))
Ach ja, was Chefs angeht (besonders ältere Exemplare in irgendwelchen Praxen): Solange man selbst Facharzt ist und sicher weiß, dass das, was man tut, der aktuellen Forschung entspricht... einfach nicken, lächeln, weitermachen. Mir wollte auch mal ein Chef kurz vor Rentenalter erklären, dass konservierungsmittelfreie Antiglaukomatosa kompletter Quatsch und moderner Unfug seien. Der zugehörige Patient (Patient des Chefs, der mit einem klassischen Lidekzem auf Konservierungsmittel als Notfall bei mir aufgeschlagen war) sah das dann doch anders :-))

Espressa
25.08.2020, 08:38
Also, in meiner alten Checkliste von 2005 steht tatsächlich auch nichts von mydriasis bei traumatischem hyphäma. Dafür steht da „evt Aminokapronsäure 50 mg/kg KG 6-mal tgl.“ wo ich nicht mal weiß was das überhaupt ist.

Hab jedenfalls auch steroid, mydriasis, und tensioregulierung gelernt.

Mazungu
27.08.2020, 11:34
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie geht ihr mit Hordeola / Chalazia um? Neu war für mich wieder die Empfehlung des Rotlichts (seht Checkliste usw.). Wie ich es verstehe (habe es bisher weder gesehen noch in der Weltliteratur gelesen) - es ist halt nur die lokale trockene Wärme? Benutzt und empfehlt ihr das wirklich?

P.S. Espressa, in Checkliste 2018 es bleibt so.