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Feuerblick
10.11.2023, 09:04
Amblyopie und Schiel-OP haben nichts miteinander zu tun. Die OP verhindert keine Amblyopie. Die OP stellt in den allerallerallermeisten Fällen nur die Augen gerade. Und die ganz seltenen Fälle, wo man binokulares Sehen retten und eine Amblyopie verhindern muss, die wird man ganz sicher operieren.
Ah spannend, ich dachte tatsächlich, dass man das Schielen nach dem Abkleben irgendwann immer operieren muss, wenn es sehr ausgeprägt ist.
Feuerblick
10.11.2023, 13:53
In der Regel nur aus kosmetischen Gründen. „Funktion“ wird man bei heftig schielenden Kindern (frühkindliche Innenschieler) eher nicht mehr erreichen. Richtig wichtig ist das Abkleben.
Früher hat man sogar dazu geraten, sehr amblyope Kinder erst eher spät zu operieren, damit die Eltern nicht denken, mit der OP wäre auch die Amblyopie behoben.
Man lernt nie aus, danke dir! Aber wenn ich jetzt durch das Abkleben die Funktion des schielenden Auges erhalte, die Sehachse dann aber nicht korrigiere, haben die dann keine Doppelbilder etc? Oder korrigiert sich die Sehachse durch das Abkleben? Ich hab echt keine Ahnung merke ich :-oopss
Feuerblick
10.11.2023, 15:49
Nein. Die Amblyopie entsteht, vereinfacht gesagt, dadurch, dass das Gehirn von früh schielenden Kindern eben nicht doppelt sehen möchte. Also blendet das Gehirn den zentralen Seheindruck des schielenden Auges aus, der das nervige Doppelbild verursacht. Damit „übt“ das Gehirn für dieses Auge aber das Sehen nicht - was bei Kindern aber zwingend zur Entwicklung gehört. Daraus entsteht die Amblyopie, die übrigens im Englischen sehr viel passender „Lazy eye“ genannt wird. Mit dem Abkleben zwingt man das „faule“ Auge zum Sehen und das Gehirn zum Üben. Täte man das nicht, wäre dieses Auge zu wenig zu gebrauchen. Selbst wenn einzelne Buchstaben/Zahlen/Bilder beim Sehtest erkannt werden und der Visus scheinbar bei 0,4 oder 0,5 liegt - amblyope Augen sind ganz oft kaum lesefähig, weil zum „Üben“ auch das Lernen gehört, eng beisammen stehende Objekte voneinander zu trennen.
Am Schielen selbst ändert das Kleben nichts. Gar nichts. Null. Ach doch: Wer vorher mit einem Auge schielte, wird bei guter Okklusionstherapie abwechselnd mit rechtem und linkem Auge schielen. Abwechselnd ist super! :-)
Man stellt mir der OP nur die Augen parallel zueinander. Rein mechanisch. Da es aber kein beidäugiges Sehen gibt (ein Auge wird auch nach der OP immer noch das „sehende“ sein… gerne auch abwechselnd rechts und links, aber nie gleichzeitig), ist dem Gehirn letztlich ziemlich egal, wie die Augen stehen. Deshalb kann es zu Rezidiven des Schielens kommen.
Das jetzt mal als sehr, sehr grobe Erklärung.
Espressa
10.11.2023, 16:08
Es gibt wohl eine Studie, die die soziale/ psychische Folgen des Schielens untersucht hat. So wurde schielende Kinder seltener zu Geburtstagen eingeladen, und auch sonst gab es glaub psychische Folgen für Betroffene (Selbstwert etc…), wenn eher spät/ nicht operiert wurde.
Also ganzheitlich betrachtet ist es schon von Vorteil, gerade stehende Augen zu haben.
Feuerblick
10.11.2023, 17:03
Hat auch keiner behauptet (und schon gar nicht ich!), dass es toll ist, wenn Kinder schielen und man das nicht operiert. Aber rein medizinisch führt es halt nicht zu Blindheit o.ä. Die Folgen sind also schon ein klein wenig geringer als bei einem Kind, das in der Sprachentwicklung schlecht hört.
Nein. Die Amblyopie entsteht, vereinfacht gesagt, dadurch, dass das Gehirn von früh schielenden Kindern eben nicht doppelt sehen möchte. Also blendet das Gehirn den zentralen Seheindruck des schielenden Auges aus, der das nervige Doppelbild verursacht. Damit „übt“ das Gehirn für dieses Auge aber das Sehen nicht - was bei Kindern aber zwingend zur Entwicklung gehört. Daraus entsteht die Amblyopie, die übrigens im Englischen sehr viel passender „Lazy eye“ genannt wird. Mit dem Abkleben zwingt man das „faule“ Auge zum Sehen und das Gehirn zum Üben. Täte man das nicht, wäre dieses Auge zu wenig zu gebrauchen. Selbst wenn einzelne Buchstaben/Zahlen/Bilder beim Sehtest erkannt werden und der Visus scheinbar bei 0,4 oder 0,5 liegt - amblyope Augen sind ganz oft kaum lesefähig, weil zum „Üben“ auch das Lernen gehört, eng beisammen stehende Objekte voneinander zu trennen.
Am Schielen selbst ändert das Kleben nichts. Gar nichts. Null. Ach doch: Wer vorher mit einem Auge schielte, wird bei guter Okklusionstherapie abwechselnd mit rechtem und linkem Auge schielen. Abwechselnd ist super! :-)
Man stellt mir der OP nur die Augen parallel zueinander. Rein mechanisch. Da es aber kein beidäugiges Sehen gibt (ein Auge wird auch nach der OP immer noch das „sehende“ sein… gerne auch abwechselnd rechts und links, aber nie gleichzeitig), ist dem Gehirn letztlich ziemlich egal, wie die Augen stehen. Deshalb kann es zu Rezidiven des Schielens kommen.
Das jetzt mal als sehr, sehr grobe Erklärung.
Das heißt dann aber auch, dass schielende Kinder nie ein räumliches Sehvermögen haben, weil immer nur das eine oder das andere Auge "eingeschalten ist"? Also ich gehe davon aus, dass das in der Regel sehr gut kompensiert wird, aber für einige Berufe hat das ja doch eine große Bedeutung.
Feuerblick
10.11.2023, 19:56
Ja, das ist so. Für einige wenige Berufe hat das Konsequenzen, aber es ist in aller Regel so gut kompensiert (sie kennen es nicht anders), dass man es im Alltag und im Beruf nicht merkt. Ja, mikrochirurgische Eingriffe als Beruf ist dann halt nicht so sinnvoll.
Könnte man - ganz theoretisch - das räumliche Vorstellungsvermögen retten, wenn man direkt sobald das Schielen festgestellt wird (also im Idealfall ja im ersten Lebensjahr, spätestens im Zweiten) den Sehwinkel per OP korrigiert? Oder ist das rum ums Eck sobald der Winkel einmal nicht mehr stimmt?
Und nein, ich plädiere nicht dafür, alle 6 Monate alten Schieler direkt zu operieren, nur weil sie vllt mal Neurochirurg oder Pilot werden wollen ;)
Feuerblick
10.11.2023, 20:23
Nein. In den allermeisten Fällen ist das fehlende räumliche Sehen die Ursache für das Schielen. Zumindest bei den typischen frühkindlichen Schielern. Es gibt Studien mit Hinweisen darauf, dass man mit früher OP ein geringes beidäugiges Sehen „retten“ kann. So ganz überzeugt sind die Fachgesellschaften davon aber nicht - zumindest nicht überzeugt genug, um die frühe OP ernsthaft zu propagieren. Die Frage ist für mich auch, ob man da nicht Kinder dabei hatte, bei denen das später anlagebedingt auch geklappt hätte (was man aber nicht herausfinden konnte, weil so ein Kleinkind einfach gar keine Angaben macht zum beidäugigen Sehen). Man muss halt auch sehen, dass man, um die Augen WIRKLICH parallel stellen zu können, sehr genaue Schielwinkel messen muss. Das kann schon bei Kindergartenkindern herausfordernd sein. Bei Babies/Kleinkindern wird’s mit der exakten Messung kompliziert. Ist ein komplexes Feld.
Meine Meinung: Operieren, wenn man zuverlässig messen kann. Und wenn sicher ist, dass die Amblyopie-Therapie klappt. Denn wenn wir ehrlich sind, ist ein Auge, das nicht lesefähig ist, perspektivisch deutlich schlimmer als das fehlende Stereosehen. Bei späteren Unfällen oder Erkrankungen trifft es nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit das gesunde Auge…
Aber, um den Bogen zum Thema von Thomas zu schlagen: Egal, wann man operiert. Es sollte bittedanke vernünftig vergütet werden.
Vielen Dank Funkel, das war wirklich sehr lehrreich :)
Und bzgl Vergütung bin ich ganz bei euch.
Feuerblick
10.11.2023, 21:30
Immer gern.
Feuerblick, du schreibst, in den allermeisten Fällen sei fehlendes räumliches Sehen die Ursache kindlichen Schielens. Das finde ich sehr interessant. Ich bin immer davon ausgegangen, dass es umgekehrt ist. Gibt es eine Hypothese zur Auslösung des Schielens durch fehlendes Stereosehen?
Feuerblick
11.11.2023, 08:11
Das ist der Moment, wo es sehr komplex wird. Es gibt tatsächlich viele Theorien, erwiesen ist nichts. Und natürlich gibt es verschiedene Schielformen mit ganz unterschiedlicher Symptomatik und unterschiedlicher Pathologie. Es gibt Kinder, die beginnen im Vorschulalter/Schulalter zu schielen und verlieren ihr beidäugiges Sehen. Kleinere Kinder schielen, haben aber als Grundlage ein Mikroschielen mit binokularem Sehen und verlieren das beidäugige Sehen nie. Und dann gibt es Säuglinge, bei denen der Schielbeginn in dem Zeitraum liegt, in dem andere Säuglinge das Fixieren „üben“. Jeder Säugling hat eine Phase, in der er gelegentlich schielt. Das geht vorbei. Bei frühkindlichen Schielern geht es eben nicht vorbei. Die bekommen zusätzlich ein Höhenschielen und oft einen latenten Nystagmus. Und bei denen besteht die Vermutung, dass die gar keine Anlage für Stereosehen haben. Bewiesen ist das nicht. Ist auch schwierig, denn bei so kleinen Kindern ist das mit dem Testen schwierig und Feinheiten bekommt man da nicht heraus.
Kurz: Es gibt viele Theorien, es gibt viele Schielformen und wer da Henne und wer Ei ist, ist nicht bewiesen.
Fakt sind aber zwei Dinge: 1. Kinder mit frühkindlichem Schielen kann man operieren, hat aber im Verlauf des Lebens durchaus nicht selten Rezidive - auch gerne mal in die andere Richtung.
2. Menschen mit Stereosehen operiert man und bei denen scheint das beidäugige Sehen der Grund zu sein, dass die Augen danach dauerhaft parallel stehen bleiben. Ausnahmen gibt es auch hier.
Aber Achtung! Das alles hier ist nur eine sehr kurze und sehr grobe Darstellung. Das Thema ist sehr komplex.
Hallo zusammen :)
Kann mir hier vielleicht jemand erklären, warum man bei einer therapieresistenten Akanthamöbenkeratitis Antimykotika dazugibt?
Und noch eine Frage an die „alten Hasen“, ihr wart ja bestimmt schon mal beim Ophthalmo Update - wie sinnig ist das als Vorbereitung auf die Facharztprüfung? Langsam werde ich nervös, im Dezember ist es bei mir soweit …
Feuerblick
22.11.2023, 19:10
Ich fand es gut, aber nicht als Rep für die Facharztprüfung sondern nur, um up to Date zu sein. Es ist wirklich nur ein Update. Wenn du Valenzen hast, mach es. Wenn nicht konzentriere dich aufs normale Lernen für die FA-Prüfung und schau halt in „Ophthalmologie“ und Co nach z.B. CME-Artikeln.
vitalis20
24.11.2023, 20:38
Apropos Facharztprüfung - Ich weiß, häufiger gestellte Frage, aber ich wäre dennoch seh über jeden Tipp dankbar: wie habt ihr gelernt? Welche Bücher habt ihr genutzt? Was hat Euch am meisten bei der Vorbereitung zur FA-Prüfung geholfen?
Ich wäre Euch so verbunden!
Liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Schamanenfraktion, ich bräuchte mal bitte kurz Rat in eigener Sache.
Ich bin seit Anfang 20 stabil kurzsichtig (-1.25/-1.75) - jetzt habe ich an vereinzelten Tagen schlechter gesehen. Ich habe beim Augenoptiker einen Sehtest gemacht und eine neue Brille mit -2.5/-2.75 bekommen.
Jetzt sehe ich an manchen Tagen mit der alten Brille scharf, an anderen mit der neuen, d.h. der Wert schwankt tagesabhängig um ca. 1 dpt., wobei ich festgestellt habe, dass es gegen Abends meistens besser wird.
Termin beim Augenarzt ist vereinbart, aber erst im April.
Ist sowas normal oder etwas, wo man sich Sorgen machen muss und ggf. früher abgeklärt werden sollte?
Ansonsten habe ich, abgesehen von seit Jahren bekannten Mouches volantes keine Symptome oder Beschwerden.
Vielen Dank :-)
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