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Mazungu
11.12.2020, 17:00
Ich habe einen Kollegen aus Niedersachsen, der das konsiliarisch macht... Er ist in der Praxis angestellt. Erste Untersuchung wird in der Klinik durchgeführt. Noch ein paar dann später ambulant. Jede Indentation geht mit einem Risiko von okulokardialem Reflex einher, genau, daher war meine Frage. Ob man das eigentlich ohne Anästhesisten dabei machen darf. Ich habe wenig Erfahrung mit ROP und die auch nicht aus Deutschland.

Feuerblick
11.12.2020, 18:45
Hier wird das nur selten von Niedergelassenen erledigt. Nur irgendwo in der Pampa, wo niemand nah genug dran ist.
Üblicherweise liegen Frühchen an Unis oder Maximalversorgern und die haben in aller Regel auch eine Augenklinik, die in der Nähe ist und die Kontrollen übernimmt.
Ganz ehrlich: Frühchenkontrollen brauchen viel Expertise. Man braucht einen Hintergrund, der sich wirklich (!) auskennt und muss selbst extrem viele Augen gesehen haben. Und sich über den Befund auch mal unterhalten können. Frühchenaugen halten sich nämlich in vielen Fällen nicht an das, was man erwarten würde. Ein Befund, der eigentlich noch halbwegs aussieht, kann eine Woche später ganz übel eskaliert sein. Mehr als einmal so gesehen und zum Glück immer eine frühere Kontrolle anberaumt. Es gilt, dafür ein Gefühl zu entwickeln und zu wissen, wann man lieber einmal mehr schaut als einmal zu wenig. Schon alleine deshalb finde ich das Konstrukt mit Niedergelassenen schwierig. Die machen ihren Stiefel einmal die Woche und die kritischen Fälle fallen schon mal hinten runter.

Klar gehen Indentationen mit Risiken einher - auch beim fitten 45jährigen Sportler. Aber letztlich sollten Frühchen, die noch so instabil sind oder bei denen es wirklich auf den Millimeter ankommt, auch nicht im ambulanten Praxisrahmen kontrolliert werden. Die gehören in Betreuung durch eine erfahrene Augenklinik. Und da hat man in der Regel für alle Fälle auch erreichbare „echte“ Ärzte.
Man muss aber (wenn man genug an Augenmuskeln gearbeitet hat) auch ehrlich sagen, dass das Problem mit dem okulokardialen Reflex sich fast immer bei Weglassen des Reizes von selbst erledigt. Ergo: Aufpassen, dann passiert auch wenig.
Aber, um deine Frage zu beantworten: Ja, natürlich kann und darf man das ohne Anästhesisten.

Kandra
11.12.2020, 23:16
Ich kenne keine einzige Neo, die niedergelassene Augenärzte als Konsilarius haben, das läuft über Kliniken. Meine ehemalige Klinik hatte somit nicht nur in der angegliederten Kinderklinik sondern auch in anderen, die keine Augenklinik hatten, die Betreuung übernommen.

Bei uns kommt jede Woche ein niedergelassener AA, die nächste Augenklinik ist wahlweise 80 oder 60km entfernt ;) Wir haben aber auch bei den ganz Kleinen selten schlimme ROPs.

Feuerblick
12.12.2020, 08:47
Die wirklich schweren ROPs sind zum Glück auch seltener geworden. Es gibt sie noch, aber nicht mehr in der hohen Anzahl und auch nicht mehr mit den schweren Folgen wie früher.
Gut ist auch die Therapieoption mit den intravitrealen Injektionen. Ja, noch nicht mit ewig alten Langzeitverläufen, aber wer mal Frühchen gelasert hat, der weiß, wie schwierig und belastend das für alle Beteiligten ist.
Hier in der Gegend gibt es zwei Unikliniken. Eine davon hat sowohl ein größeres Zentrum für Frühchen als auch eine Augenklinik mit Kinderschwerpunkt. Da sieht man noch öfter schwere Verläufe. Dort wird aber auch damit gearbeitet, weiter entfernt in anderen KH liegende Frühchen mit spezieller Netzhautkamera zu fotografieren und erst einmal die Bilder auszuwerten.

Mazungu
15.01.2021, 18:57
Hallo liebe KollegInnen

Könnt ihr ein paar Deutsche Influencer im Gebiet Dakryologie nennen?

Danke im Voraus

Mazungu
06.03.2021, 10:29
Bist du mobil? Wenn dich das Thema wirklich interessiert, würde ich dahingehen, wo Okuloplastik groß geschrieben wird- Ich würde mich da an die üblichen Verdächtigen wenden. PD. Schaudig im Asklepios Barmbeck, Dr. Press bzw. Wolf im Krankenhaus Barmherzige Brüder, Trier usw.

Lieber Thomas24, könntest du bitte noch ein Paar Nahmen nennen, wo die Okuloplastik groß geschrieben wird? Vielen Dank im Voraus. Auch für Tränenwegs- und Orbitachirurgie interessiere ich mich sehr.

Muriel
17.03.2021, 19:23
Heute Patientin 35 Jahre, ED DM II 2015, seitdem mit heute das dritte Mal bei mir. Kurz nach ED, damals HbA1c knackige 15%, sprich et lief wohl schon was länger, zuletzt 2018, HbA1c ebenfalls in dem Bereich, damals noch unauffälliger Fd. Anmerkung vor drei Jahren von mir sinngemäß: Patient hat keinen Willen zur Therapie, es gehe ihr schließlich gut. Heute ging es ihr nicht mehr so gut, was sie aber dank candy brain gar nicht bemerkte, der Visus von vormals sc 1,0 auf nun 0,2, ihre zuckerbedingte Myopie von 2dpt etc wurden gar nicht wahrgenommen. HbA1c nicht bekannt, mich würde mal interessieren, ob da noch eine 1 als erste Stelle war. Beide Fundi glänzten vor intraretinalen Blutungen, Exsudaten, MÖ, NVD und NVE, rechts garniert mit Traktionen an den Neos und GK-Hämorrhagie. Ich gebe ja zu, dass ich solche Befunde immer ganz interessant und faszinierend finde, aber wie man es so weit kommen lassen kann und dabei so völlig gleichgültig sein kann, ist mir schleierhaft. Ich halte grundsätzlich ja nichts davon, Patienten drohend Angst zu machen, aber meine vage Hoffnung war doch, dass das Wort Blindheit vielleicht durch die Zuckerschicht dringt.

Feuerblick
17.03.2021, 19:36
Ich erzähle ja immer gern von dem Diabetiker, der sogar im DMP drin war, HbA1c war 17 oder so laut DMP-Protokoll. Der stellte sich mit Sehverschlechterung vor. Komplette Ablatio auf dem einen und trichterförmige Ablatio mit parazentral einem Fitzelchen anliegender Netzhaut, mit dem er noch HBW sah. Sei ihm gar nicht so aufgefallen, dass das eine Auge gar nix mehr sehe. Seither glaube ich bei Candy-Brains alles.
War in meinem ersten Jahr und ich habe seither nie wieder so schöne trichterförmige Ablationes gesehen.

Muriel
17.03.2021, 19:52
Traktionsamotiones sind ja schon ganz hübsch anzusehen ;-)

Thomas24
17.03.2021, 19:55
"Bemerken Sie die Vibrationen der Stimmgabel am Bein?" "Hä? Was denn für eine Stimmgabel?"...:-D

Aber das beste war das Candy Brain von vorletzter Woche. "Ist ihr Hausarzt mit ihrem Hba1c von 14 denn zufrieden...?" "Also, er hat gesagt 14 ist besser als 16". Tja, Touché.

Espressa
17.03.2021, 19:56
Ich mache den jungen Diabetikern regelmäßig etwas „Angst“, hatte mich schon gefragt ob ich übertreibe - aber ihr habt mich beruhigt, ich mache das weiter so!

Feuerblick
17.03.2021, 19:56
@Muri: Oh ja. Obwohl ich frische, schön hochblasig-flatternde Amotiones schöner finde als so einen starren Trichter. Diese Amotiones waren nicht mehr ganz taufrisch :-))

@Thomas: Bein? Welches Bein???

Thomas24
17.03.2021, 20:00
@Thomas: Bein? Welches Bein???

Erinnert mich an den Spruch eines Kollegen- "Machen Sie nur so weiter. Überlegen Sie mal, was Sie an Schuhen sparen können..." Den Wink mit dem Zaunpfahl hat das Candy Brain damals aber nicht gerafft :/

Muriel
17.03.2021, 20:03
Ich sehe so richtig fiese diabetische Fundi tatsächlich selten mittlerweile. Blutungen, Exsudate, MÖ ja klar, aber alles irgendwie im Rahmen. Da MÖs ja anti VEGF behandelt werden, sinkt auch die Neorate. So richtige Traktionen an Neos habe ich vor Jahren zuletzt gesehen. Da merkt man schon die veränderten Therapien. Früher gab es die (gefühlt?) viel häufiger.

Feuerblick
17.03.2021, 20:05
Das glaube ich. Mit den direkten BZ-Messgeräten und den Insulinpumpen ist vermutlich auch in Fällen von jüngeren Patienten die Therapie besser geworden.

Thomas24
17.03.2021, 20:07
Denke auch, dass die verbesserten Screening Programme DMP etc. helfen viele Pathologien in früheren Stadien rauszufischen, bevor das Kind total in den Brunnen fällt. Die meisten Hausärzte in meiner Region sind diesbezüglich auch auf Zack. Nur manche Patienten fallen eben durch das Raster und kommen erst in einem total verlotterten Zustand zu Dir- aber mein Eindruck deckt sich mit deinem. Mittlerweile deutlich seltener als früher.

freak1
17.03.2021, 20:15
Das glaube ich. Mit den direkten BZ-Messgeräten und den Insulinpumpen ist vermutlich auch in Fällen von jüngeren Patienten die Therapie besser geworden.

Aber auch nur bei Typ 1.

Typ 2 ist FGM schon das höchste der Gefühle. Pumpe als Typ 2, da musst du schon richtig Probleme haben und dich mit dem MDK rumschlagen, bis du die bekommst.

Mal aus reinem Interesse: Ich vermute die meisten Augenkomplikationen bei Diabetes sind 2er? Seht ihr relevant viele 1er mit wirklichen Problemen?

Feuerblick
17.03.2021, 20:22
Ja, durchaus. Gerade die jungen 1er-Diabetiker kommen (oder kamen) gerne mit deutlichen Komplikationen. Da passen oft die Lebensumstände nicht zur Erkrankung oder ne Schwangerschaft macht Ärger o.ä.
Die wirklich üblen und extrem therapieresistentes Befunde habe ich eher bei Typ1-Diabetes gesehen.
Klar, bei den 2ern gibt es die auch, aber irgendwie war da das Hirn schlimmer als der Fundus. Kann aber auch dran liegen, dass aufgrund des ehemaligen Schwerpunkts meiner Klinik gehäuft üble Befunde aufgeschlagen sind. Kann draußen anders aussehen. Da habe ich bei beiden Typen nie richtig Schlimmes gesehen.

Muriel
17.03.2021, 20:24
Ja, tun wir auch. Insgesamt sind das aber weniger, das stimmt. Interessanterweise habe ich Patienten mit ED DM 1 in den 1960ern, die quasi nichts haben, aber auch so einige mit fiesen Befunden. Dazu fällt mir eine interessante Patientin ein, die ich noch aus der Klinik kenne und die nun vor einigen Monaten mit ihrem Sohn da war. Sie selber mit ca 15 erkrankt, vernünftig soweit eingestellt, aber die Schwangerschaft hat ihr eines Auge total zerschossen, Restvisus 0,05. Ihr Sohn, nun selber ca 15, hat ebenfalls einen DM1. Ich habe das immer beim Typ 1 als relativ akut einsetzend abgespeichert gehabt, Gewichtsabnahme, Durst, Pinkeln etc. Bei ihm war es so, dass er vor einem Jahr schon mal in der Diagnostik war, damals irgendwie grenzwertig, aber nichts Wegweisendes, die Mutter erkannte sich aber selber so sehr in den Symptomen von früher wieder, dass sie dran blieb. Und so schlich sich dann der DM so langsam ein und vor einigen Monaten dann definitive Diagnose, HbA1c um die 8. Eigentlich entwickelt sich eine diabetische Retinopathie erst nach mehreren Jahren Krankheitsdauer und bei guter Einstellung selbst dann ja nicht zwangsläufig. Er saß einige Monate nach Diagnosestellung bei mir mit den ersten feinen Punktblutungen, das war bei der Mutter damals das Gleiche. Immerhin kann ihr Sohn nicht schwanger werden.

freak1
17.03.2021, 20:25
D.h. fehlende Compliance bzw. uneinstellbare Zucker unter SS sind die Ursache für sowas? Man liest ja ab und zu von Horrorgeschichten ala mein HbA1c ist schon seit Jahrzehnten unter 6 und trotzdem wird das Auge weiter schlimmer.