PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Schamanenecke



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 [80] 81 82 83 84 85 86 87 88 89

bewitched
08.12.2022, 02:41
Hallo zusammen!

Ich bin Assistenzärztin am Ende meines 2. WBJ (bis jetzt nur ambulant gearbeitet, Praxis).

Meine neue Stelle ist an einer Uniklinik. Ich habe ein bisschen Angst vor der Stationsarbeit, weil ich seit Jahren keine Viggos/Blutabnahmen hatte. Außerdem habe ich, ehrlich gesagt, vergessen, wie man zB das EKG richtig interpretiert. Dosierungen von Medikamente der Inneren Medizin - keine Ahnung.

Notfallversorgung muss natürlich jeder Arzt kennen und praktisch applizieren können - die Grundlagen wiederhole ich auf jeden Fall vor dem Start.

Aber die anderen Sachen in Richtung Innere... Lohnt es sich eine Wiederholung von Innere zu machen? Ich wollte eigentlich die Zeit nutzen und die Augenheilkunde komplett wiederholen.

Oder beide Fächer wiederholen...? Habt ihr noch irgendwelche Tipps für Anfänger stationär nach Jahren in der Praxis?

Feuerblick
08.12.2022, 06:31
Wenn es läuft wie in jeder Augenklinik: Nein, du wirst weder EKG-Interpretation (jenseits der einfachen Dinge) noch die Feinheiten der internistischen Medikation brauchen.
Dass man in der Augenheilkunde Medikamente neu einstellt, ist eher selten und wenn, dann fragt man in aller Regel die Internisten.
Ansonsten… Wichtig auf Station ist, dass man sich selbst organisieren kann. To do-Listen, Textbausteine für Briefe und all solches Zeug.
Kurz: Lies dir die wichtigen Augenerkrankungen nochmal durch - insbesondere diejenigen, die in aller Regel im KH und auf Station landen.

bewitched
03.02.2023, 00:29
Hallo zusammen!

Ich habe eine neue Stelle an einer Universitätsaugenklinik bekommen und ich habe mich voll motiviert und froh auf den ersten Tag vorbereitet, weil Uniklinik immer mein Ziel war.

Die Realität ist schlimm.

1. Papierakte. Für jemanden, der in einer Praxis mit bequemen Praxissoftware gearbeitet hat, ist der Papierkram eine riesengroße Belastung. Infoationsverlust, dauert ewig, Vorbebunde teilweise nicht lesbar, Augenbefund muss auf Skizzen gezeichnet werden. Bekannte Patienten kommen und in der Akte steht nichts, weil sie eine neue Akte bekommen haben nach voller alten Akte (und natürlich sie ist nicht zu finden).

2. Briefe auf Kassetten diktieren - jeden Tag nach der Sprechstunde müssen die Briefe diktiert werden und Kassette+Alten den Sekretärinnen vorlegt werden. Nach dem Eintippen - Akte zurück an mir zur Korrektur - neues Eintippen durch Sekretärin - Akte zurück an mir - ich lege die Akte beim entsprechenden Oberarzt zur Korrektur - Akte manchmal zurück an mir voll mit Korrekturen, dann muss ich neu diktieren. Das Ganze dauert ewig!

3. Kein Arbeitsplatz mit Spaltlampe. In der Ambulanz gibt es an manchen Tagen mehr Ärzte als geeignete Arbeitsplätze. Wenn man etwas später kommt oder Pech hat, teilt man den Arbeitsplatz mit anderen Assistenzärzten. Man bekommt trotzdem Patientenakten. Es herrscht totaler Chaos. Man kann sich nicht auf die Arbeit und Patienten konzentrieren, weil man ständig abbrechen muss... Ich habe versucht, das Problem mit mehreren Oberärzten zu kommunizieren, denen ist leider egal, Aussage war 'das System funktioniert'. Außerdem wurde es gemeint ich habe durch meine Beschwerde einen sehr schlechten Eindruck so früh gemacht.

4. Unangenehme Anmerkungen von Oberärzten zu mir, sogar vor den Patienten. Warum habe ich das und das nicht gemacht, da habe ich nichts gelernt... Ich freue mich was Neues zu lernen, aber der Ton ist meistens so unangenehm, dass die Patienten das auch spüren. Heute gab es 2 Patienten, die mir leise gesagt haben: 'Kopf hoch'.

5. Parallel muss man auch z.B. VAA-OCTs nach der Sprechstunde bei einer langen Liste von stationären Patienten durchführen. Ich verstehe nicht warum es nicht genug Diagnostik-Personal gibt und die Ärzte müssen wirklich alles tun, dafür gibt es aber 5-6 Sekretärinen nur zum Eintippen der Briefe!

Ehrlich gesagt bin ich enttäuscht und weiß nicht ob ich OK damit bin, langfristig an so einer Klinik zu bleiben. Die Abläufe sind unnötig lang und unangenehm für Personal und Patienten. Niemand will was ändern. Weil das System funktioniert.

Ist so was normal? Würde ich etwas besseres in Deutschland finden können? Hat die Schweiz ein besseres System?

Feuerblick
03.02.2023, 06:00
Hmmm, in welcher vorsintflutlichen Klinik bist du gelandet? Das war ja hier auf dem Land an der Uni besser (bei anderen Unzulänglichkeiten) - sowohl was die Akten (digital) anging als auch die Sache mit Briefen und Diagnostik. Seid ihr so viele Ärzte, dass es keine Untersuchungsräume gibt oder gibt es so wenig Räume? Ist das Personal in der Diagnostik nur vorübergehend reduziert (Krankheit etc.) oder ist gar nicht mehr Personal vorgesehen? :-nix

Was deinen Lebenslauf angeht: Kommt halt drauf an, was du vorhast. Augenarzt „draußen“? Dann muss es keine Uni sein, dann täte es auch ein anderer Maximalversorger. Große Karriere trotz Start in einer Praxis? Dann wäre irgendeine Uni besser. :-nix

Dass Oberärzte dich fragen, warum du XYZ nicht gemacht hast, ist normal. Aber der Ton macht die Musik. Das Problem ist häufig die Diskrepanz zwischen Erfahrung auf dem Papier (weil Zeit X in einer Praxis) und echter Erfahrung mit oft nicht gerade 0815-Fällen in der Klinik und der anderen Art der Diagnostik. Da kann die Erwartungshaltung der Kollegen mit deiner tatsächlichen Erfahrung kollidieren. Dafür kannst du aber nichts oder zumindest wenig. Da muss man auch nicht vor Patienten den klugen OA raushängen lassen.

Scheint irgendwie eine der Unikliniken zu sein, in der ich nicht hätte arbeiten wollen. Unangenehm. Es gibt aber auch andere… Da stimmt dann zumindest die Ausstattung (digitale Akte, Briefe selbst schreiben etc.). Ob es menschlich passt, kann man aus der Ferne schlecht beurteilen. So ad hoc würde ich mir dann aber eine Uni suchen, die nicht so auf Exzellenz setzt und sich auf ihren Ruf etwas einbildet. Alternativ städtische Häuser. Da gibts auch gute Maximalversorger. Kopf hoch!
Was den „schlechten Eindruck“ wegen Kritik angeht: Solche blöden Kommentare zeugen nicht gerade von der Kritikfähigkeit desjenigen, der so etwas sagt. Einfach ignorieren!

Eins noch: Die Abläufe werden an einer Uni niemals schneller werden. Das System funktioniert nicht, aber in aller Regel lässt es sich auch nicht sinnvoll ändern, wenn die OÄ dauernd im OP sind und die Patienten nicht anschauen können. In meiner ersten Klinik gab es einen Ambulanz-OA (jeden Tag ein anderer), da ging es etwas schneller. Nadelöhr war da halt die Diagnostik, die bei Uni-Patienten in der Regel etwas ausgedehnter ausfällt. Auch damals haben Patienten gern gemeckert. Dann hat man ihnen erklärt, dass sie das Rundum-Sorglos-Paket bekommen und nicht das Ein-Blick-ein-Wort-System der Praxis. Danach ging es meistens. :-))

Nefazodon
03.02.2023, 08:21
Die Realität ist schlimm.

@bewitched: klingt nach einer traumhaften Stelle, die Du da beschreibst....


Ehrlich gesagt bin ich enttäuscht und weiß nicht ob ich OK damit bin, langfristig an so einer Klinik zu bleiben. Die Abläufe sind unnötig lang und unangenehm für Personal und Patienten. Niemand will was ändern. Weil das System funktioniert.

Das musst Du für dich überlegen!

Wie lange bist Du denn schon da? Generell würde ich raten, sechs Monate voll zu machen, wenn man schon irgendwo angefangen hat, es sei denn es geht gar nicht und die Arbeit macht einen im wahrsten Sinne des Wortes krank..
Aber etwas Eingewöhnungszeit braucht man immer und die ist immer besonders hart....
Außerdem lassen sich 6 Monate auf die WB anrechnen und man sammelt Erfahrung UND es sieht besser im Lebenslauf aus...

Da Du aber schon Vorerfahrung hast, ist es auch kein Beinbruch bei zukünftigen Bewerbungen zu sagen, dass es nicht gepasst hat an der Uni. Du wirst trotzdem eine Stelle finden.

bewitched
03.02.2023, 18:27
Danke für eure Wörter!

Feuerblick, die Klinik ist renommiert... Wenn der Chefarzt im Raum ist, gucken alle in Richtung Boden...

Mein Fehler war, dass ich keine Hospitation gemacht hatte. Beim Vorstellungsgespräch hat die Assistenzärztin (eine von den wenigen, die seit mehr als 1 Jahr hier arbeitet) uns die Privatambulanz und die Privatstation gezeigt und da sah alles top aus.

Übrigens von 25 Assistenzärzte sind ca. 20 in 2022 angestellt.

Ich will keine Habilitation. Ich will einfach eine gute Ärztin werden. Ich dachte, dass ich eine Uniklinik dafür brauche.

Personal für Diagnostik ist ungenügend. Und andere Funktionen müssen auch von den Assistenzärzten übernommen werden. Zum Beispiel die Enukleation der Augen von Leichen, die dann an die Hornhautbank weitergeleitet werden!!!!

Es gibt, gefühlt eine 'Absicherung' mit zu vielen Ärzten in der Ambulanz. Als ob die erwarten, dass jemand wieder plötzlich kündigt. Keine Ahnung. Nicht alle Plätze sind geeignet... 1 Platz ist für klinische Studien und manchmal kommt eine Dozentin und macht da irgendwas. Es gibt ein Platz, dass eigentlich für Voruntersuchung ist (Autoref, Tensio), und die VU Menschen meckern. Und 1 Platz, der bis 10:30 frei ist, dann kommt der Dienstarzt. Geplant sind 10-11 Ärzte und es gibt 7 funktionelle feste Arbeitsplätze. Heute bin ich eine halbe Stunde früher gekommen, um einen Platz zu sichern!

Ein Kollege hat mir heute erzählt, dass es sogar Drama mit weinenden Assistenzärzten gab... Also nach eurem Ratschlag werde ich probieren, die Probezeit von 6 Monate zu überleben und dann Adios...

Feuerblick
03.02.2023, 18:48
Naja, das mit der Hornhautbank ist normal. Haben wir damals auch gemacht. Wir haben sogar ein halbes Jahr in der Hornhautbank verbracht. Letzteres war ein gemütlicher Job. Ans Entnehmen von Hornhäuten gewöhnt man sich. Ich habe gern mit den Leuten in der Patho gequatscht. Da gabs viel zu lernen. Dafür haben die für mich die Blutentnahmen gemacht, falls Blut benötigt wurde. :-))
Aber wenn 20 Assistenten erst in 2022 gekommen sind, spricht das nicht für das Haus, würde ich behaupten.
Um eine gute Augenärztin zu werden, brauchst du eine gute Weiterbildungsstelle - aber das muss keine Uni sein. Schau dich um, es geht ganz sicher besser. Um „renommierte“ Häuser wurde ich ja einen Bogen machen. Gefühlt hätte ich da schon zu meiner Zeit nicht arbeiten wollen. ;-)

Mazungu
03.02.2023, 21:05
Hi! Bin auch seit 1,5 J an der Uni.
Zu 1. Ich finde es persönlich sinnvoll, gerade auf dem Papier eine schnelle Skizze machen zu können. Das schöne kleinste Bild sagt manchmal mehr als 100 Worte. Aber so kenne ich es nicht, dass es unbedingt für Schreibbüro diktiert wird. Die meisten Briefe tun wir selber.

Zu 3.: zum Patientenmanagement kommen und Bescheid geben, dass du ohne Zimmer keine Akten haben kannst. Genauso mit den Assistenten und Oberärzten in der Besprechung absprechen. Ansonsten frage die, ob es OK wäre, wenn du solche Fälle mit einer Taschenleuchte im Gang untersuchen würdest. Wenn es dem Uni-Niveau entspricht - kann auch klappen. (Nur ein Witz, das ganze ist Absurd. Die können auch genauso gut verlangen, dass du gleichzeitig auf der Station und in der Notfallambulanz arbeitest).

Zu 4. Arroganz gehört zu Unis. Dieselbe Leute können ansonsten wahrscheinlich kaum jemanden im Alltag außer der Klinik beeindrucken. Nur halt mit der Augenheilkunde, und nur im Haus. Und da gibt es dich. So unberührt und so bequem. Ich denke, es gehört zu dieser Phase nach dem Stellenwechsel von der Praxis dazu. Hatte das auch erfahren, und das trotz vieljähriger abwechslungsreicher Erfahrung. Einverstanden, einfach lerne wss von denen und ignoriere deren suboptimale Kommunikationsfähigkeiten.

5. Klingt schlimm. Wenn aber das ganze bis um 17:30 erledigt wird, kann man überleben. Aber am Anfang war ich immer bis um mindestens 19 Uhr da. Je nach dem was du willst. Es gibt auch andere Maximalversorger, aber es mag sein, das System da noch schlechter ist. Und dann hast du Pech.

Viel Geduld!

P.S. Wenn du keine Wissenschaft brauchst, ist so eine Uni kein muss. Ist es Sachsen-Anhalt?

Mazungu
03.02.2023, 21:08
Danke für eure Wörter!

Feuerblick, die Klinik ist renommiert... Wenn der Chefarzt im Raum ist, gucken alle in Richtung Boden...

Mein Fehler war, dass ich keine Hospitation gemacht hatte. Beim Vorstellungsgespräch hat die Assistenzärztin (eine von den wenigen, die seit mehr als 1 Jahr hier arbeitet) uns die Privatambulanz und die Privatstation gezeigt und da sah alles top aus.

Übrigens von 25 Assistenzärzte sind ca. 20 in 2022 angestellt.

Ich will keine Habilitation. Ich will einfach eine gute Ärztin werden. Ich dachte, dass ich eine Uniklinik dafür brauche.

Personal für Diagnostik ist ungenügend. Und andere Funktionen müssen auch von den Assistenzärzten übernommen werden. Zum Beispiel die Enukleation der Augen von Leichen, die dann an die Hornhautbank weitergeleitet werden!!!!

Es gibt, gefühlt eine 'Absicherung' mit zu vielen Ärzten in der Ambulanz. Als ob die erwarten, dass jemand wieder plötzlich kündigt. Keine Ahnung. Nicht alle Plätze sind geeignet... 1 Platz ist für klinische Studien und manchmal kommt eine Dozentin und macht da irgendwas. Es gibt ein Platz, dass eigentlich für Voruntersuchung ist (Autoref, Tensio), und die VU Menschen meckern. Und 1 Platz, der bis 10:30 frei ist, dann kommt der Dienstarzt. Geplant sind 10-11 Ärzte und es gibt 7 funktionelle feste Arbeitsplätze. Heute bin ich eine halbe Stunde früher gekommen, um einen Platz zu sichern!

Ein Kollege hat mir heute erzählt, dass es sogar Drama mit weinenden Assistenzärzten gab... Also nach eurem Ratschlag werde ich probieren, die Probezeit von 6 Monate zu überleben und dann Adios...

Adios wird es nicht sein... Dann halt noch eine Kündigungsfrist dazu. Nicht vergessen.

bewitched
04.02.2023, 00:27
Ja, das mit den Arbeitsplätzen... Anscheinend passiert das häufiger. Die älteren Assistenten sind anscheinend daran gewöhnt und beschweren sich nicht. Sie sagen 'dann musst du halt zwischen den Plätzen springen'. Ich muss sagen, für jeden Schritt meiner Bearbeitung eines Falls jemanden um Platz zu bitten, ist einfach furchtbar...

Auch Aussagen wie 'sei froh, dass es so viele gerade gibt, an manchen Tagen gab es nur 3 Assistenzärzte für 90+ Patienten'.

Der leitende Oberarzt hat mir gesagt, dass ich mit so einer Aussage, dass es für mich kein Platz gibt, den Eindruck vor dem Chef mache, dass es genug Personal gibt, wenn eigentlich der Gegenteil zu bestätigen ist.

Ok, dann das Personal richtig verteilten?

Ich habe sogar an solchen Tagen gefragt, ob ich in die Diagnostik gehen darf und da unterstützend bleiben. Durfte ich nicht. Und sie brauchten Hilfe wegen Unterbesetzung.

Bezüglich Überstunden - leider habe ich nach 18 Uhr keine Kraft und Konzentration für die Briefe (den ganzen Tag kaum was gegessen und getrunken: bezüglich Essen in der Mittagspause: wird nicht gerne angesehen). Deswegen gehe ich am Wochenende für 3-4 Stunden und diktiere alles. Das ist so jede Woche seit meinem Anfang.

Anne1970
04.02.2023, 05:58
Wie „Mittagessen wird nicht gern gesehen“? Es ist dein Recht und die Pause wird vermutlich sowieso von der Arbeitszeit abgezogen. Und am Wochenende diktierst du in deiner Freizeit? Magst darüber noch mal nachdenken?

Feuerblick
04.02.2023, 08:12
Hi! Bin auch seit 1,5 J an der Uni.
Zu 1. Ich finde es persönlich sinnvoll, gerade auf dem Papier eine schnelle Skizze machen zu können. Das schöne kleinste Bild sagt manchmal mehr als 100 Worte. Sehe ich ähnlich. Skizzen von Netzhaut und Papille wurden uns damals wirklich eingeimpft und ich muss sagen, dass man sich die Dinge anders (genauer) anschaut, wenn man sie zeichnen soll. Daher finde ich Skizzen nach wie vor sinnvoll. Dafür braucht man natürlich keine komplette Papierakte.

Nefazodon
04.02.2023, 10:25
Bezüglich Überstunden - leider habe ich nach 18 Uhr keine Kraft und Konzentration für die Briefe (den ganzen Tag kaum was gegessen und getrunken: bezüglich Essen in der Mittagspause: wird nicht gerne angesehen). Deswegen gehe ich am Wochenende für 3-4 Stunden und diktiere alles. Das ist so jede Woche seit meinem Anfang.

Als Anfänger, der sich noch organisieren muss, kommt man schnell in Versuchung, es so zu machen und auf die Mittagspause zu verzichten.

Ich kann nur DRINGEND davon abraten, es so zu machen!

Erstens Ist die Mittagspause dein RECHT und GESETZLICH vorgeschrieben. Und die Zeit wird dir so oder so abgezogen (weil es schlicht illegal ist, wenn der AG sie dir nicht gewährt)
Zweitens gibt es einen guten Grund warum die Mittagspause vorgeschrieben ist! Probier es mal eine Woche lang aus, und Du wirst merken, dass Du dich mit Pause viel besser konzentrieren und länger arbeiten kannst. Auf den ersten Blick mag es ein Gewinn für deinen AG sein, wenn Du durcharbeitest, aber ich glaube, das erweist sich als Trugschluss, weil deine Leistungsfähigkeit ohne Pause absinkt. Das würde ich den Oberärzten auch immer so sagen, wenn jemand dumm fragt.

Ich kann dir nur dringend raten, zuallererst auf deine Basisbedürfnisse zu achten: regelmäßig trinken, zur Toilette gehen, Mittagspause.
Es hat keinen Sinn auf sowas zu verzichten und Du machst dich nur kaputt.



Die Stelle, die Du beschreibst, wird ja immer besser!
Wie wär`s wenn Du dir den Kündigungstermin, um pünktlich zum Ende der 6 Monate Probezeit zu kündigen, schonmal rot im Kalender vormerkst??
Auch das kann sehr heilsam sein.

Relaxometrie
04.02.2023, 10:40
Ich kann dir nur dringend raten, zuallererst auf deine Basisbedürfnisse zu achten: regelmäßig trinken, zur Toilette gehen, Mittagspause.
Es hat keinen Sinn auf sowas zu verzichten und Du machst dich nur kaputt.

Sehr wahr!!!

Das mit dem Diktieren am Wochenende habe ich auch mal gemacht, obwohl es letztlich natürlich ein Eigentor und bescheuert ist. Aber wenn man es zeitlich eng begrenzt macht und der Weg zur Arbeitsstelle nicht zu lang ist, kann es ein wenig Stress aus der Stationsroutine rausnehmen.
Ich habe es mal ca. 3 Wochenendtage gemacht, als ich eh im Wohnheim des Krankenhaues gewohnt habe, also den ultraweiten Weg von Wohnungs- zu Krankenhaustür von 20 Sekunden hatte (Minikrankenhaus, Miniwohnheim) :-))
Da habe ich ein paar ungestörte "Diktiersessions" dafür genutzt, liegengebliebene Briefe zu diktieren und mir mal in aller Ruhe Textbausteine anzulegen. Wenn man durch solche Kurzaktionen mal Dampf aus dem Kessel nehmen kann, finde ich es ok. Letztlich aber natürlich traurig, dass man überhaupt in die Versuchung kommt.

bewitched
04.02.2023, 13:11
Danke für eure Tipps. Ich merke schon nach 3 Wochen, dass meine Gesundheit schon davon beeinträchtigt wird (12 Stunden kaum Wasser und Essen jeden Tag). Schlaf ist auch sehr schlecht geworden - ich schlafe von 20 Uhr bis Mitternacht und dann bin ich wach bis 5, dann 1 Stunde leichter Schlaf und dann Arbeit... Repeat. Ich fühle mich schon etwas krank.

Ich muss mich um meine Gesundheit kümmern UND eine neue Stelle finden.

Danke euch!

Feuerblick
04.02.2023, 14:15
Fang einfach damit an, die dir zustehenden Pausen zu nehmen. Und lass das mit dem Diktieren am Wochenende sein. Pausen (auch am WE) braucht der Mensch. Wenn deine Oberärzte und Chefs damit nicht glücklich sind - so what. Du willst ja sowieso gehen. ;-)

Thomas24
05.02.2023, 15:31
Nicht genommene Mittagspausen?? Bei einigen Wortmeldungen falle ich von einer Ohnmacht in die nächste... Wir haben 1. 2023 und 2. einen Arbeitnehmermarkt -nicht das dunkle Mittelalter oder die Zeit der Ärzteschwemme der späten 90 er. Mann, Mann, Mann...

Anne1970
05.02.2023, 18:26
:grins:

bewitched
06.02.2023, 23:34
Heute habe ich von 7:30 bis 18 Uhr mit 2 Toilettenpausen und 200 ml Wasser kaum die Netzhautsprechstunde überlebt. Um 17 Uhr hatte ich noch zwei Patienten. Ich habe den Oberarzt informiert, dass es mir schlecht geht (also wirklich, ich hatte heute auch Frauenprobleme). Die Antwort war, dass die Patienten, die noch auf mich warten, hoch angespannt sind und es wäre von meiner Seite echt blöd, wenn ich jetzt Pause mache. Ich habe dann noch eine Stunde gearbeitet. Die 15 Briefe habe ich nicht diktiert, bin nach Hause gegangen (auch das war Herausforderung, es war mir wirklich schlecht).

Ich habe dann heute Abend mit meiner alten Praxis tefeloniert, dass ich da wieder zuruckgehe und arbeite, bis ich eine normale Klinik finde.

Es ist unfassbar und enttäuschend.

Espressa
07.02.2023, 04:54
An meiner alten Klinik war es auch so mit den papierakten. Kannst du gut Tippen? Ich bin mit 10 Fingern schneller als beim diktieren, ich hab meine Briefe einfach selbst getippt, ausgedruckt, Zack dem OA ins Fach. Dafür hatte ich keine Korrekturen zu machen.

Was die Knappheit an Spaltlampen angeht; könnt ihr euch nicht untereinander organisieren? Einer bleibt am OCT und macht Bilder von 5 Patienten hintereinander, während der andere die Spaltlampe hat?