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Espressa
09.05.2012, 20:15
Es sind echt schlimme Zeiten heutzutags. Laufend rennen uns vermeintliche "Notfälle" die Bude ein, die beim Hausaugenarzt "keinen Termin bekommen haben" oder finden dass in 3-4 Monaten zu spät ist. Was manches mal zwar Blödsinn ist, weil die trockene AMD eben immer noch eine trockene AMD ist und die Todessicca auch nicht sofortiger Abklärung bedarf, aber manchmal auch echt Wahnsinn, wenn NH-Löcher, Uveitis oder Herpes auflaufen.
Wie können die Niedergelassenen noch ruhig schlafen, wenn sie dauernd (zum Teil eigene!) Patienten einfach so auf später vertrösten?
Ich frag mich manchmal ob es nicht besser wäre, die würden einfach nicht vorher anrufen, sondern mal schön da hingehen, bei uns trauen sie sich das ja auch. Weil ja das gute Krankenhaus alle auffängt, und niemanden wegschickt. Nur ist damit unser Zeitplan auch hinüber und die Wartezeiten dehnen sich...

Muriel
09.05.2012, 20:20
Es kommt aber auch immer darauf an, welche Beschwerden die Patienten wie am Telefon äußern. Unsere MFAs können wirklich gut triagieren, fragen sehr genau nach und vergeben sehr großzügig schnelle Termine auch bei "brennen und jucken". Aber wenn manche Patienten selbst auf Nachfrage ihre Beschwerden nicht schildern, sondern nur sagen "ich wollte einfach mal schauen lassen", dann bekommen sie eben keinen zügigen Termin. Dumm halt, wenn sie wirklich etwas haben, es nicht äußern und sich dann beschweren.

Espressa
09.05.2012, 20:28
Ja das ist ja klar. Aber wir haben auch Leute mit "Flusen und Blitzen" - eine wurde erst letzte Woche operiert weil sie tatsächlich ne Amotio entwickelt hat, die erst bei der zweiten (!) engmaschigen Kontrolle auffiel - beim HAA hätte sie noch 6 Wochen warten müssen. Dann eine feuchte AMD auf letztem Auge, wurde noch express-angiographiert und bekommt Injektionen. Und eine wüste Keratitis bei einer Jugendlichen - klar, war nur "tränen".
Das fiese ist ja, die Leute sind da, für jeden. Aber manche Praxen scheinen da sehr schmerzfrei zu sein, und verweisen auf das "Krankenhaus" - wobei wir dort ja auch nur ein MVZ mit Terminsystem sind, das schon sehr viele Patienten "auffängt" - vor allem ausnahmslos alle postop. Kontrollen die die Nachbehandler nicht so kurzfristig unterkriegen. Wenn jeder zumindest seine Stammpatienten annehmen würde, wäre es auch schon besser. Mir scheint einfach es sind alle überall sehr überlaufen. In den Notdiensten spinnt sich das ja dann weiter: "Ja hab das schon zwei Wochen, aber beim Augenarzt krieg ich eh keinen Termin, und da dachte ich, komme ich direkt hierher, wurd ja auch viel schlimmer heute."

Muriel
09.05.2012, 20:57
Flusen und Blitze, die so berichtet werden, gehören sofort angeschaut, definitiv, auch wenn ja 90% der Leute Gott sei Dank nichts Gravierendes haben. Ich verstehe so manche Kollegen bzw. deren Terminsystem auch nicht. Aber letztendlich ist es halt auch echt schwierig. Unsere Praxis hat drei Sitze, wir sind zu viert (ok, dreieinhalbt, da ich ja nur halb arbeite, aber dennoch bin ich ja "zusätzlich" da). Für normale Kontrollen vergeben wir unsere Termine 6 Monate im Voraus, und das auch nur, weil wir früher die Kalender nicht freischalten, sonst hätten wir wahrscheinlich schon für 2014 Termine eingetragen :-oopss Es ist in unserer Region nicht ein einziger Sitz vakant, es gibt also auf dem Papier genug Augenärzte. Tja, wieso warten die Leute denn dann so lange auf einen Termin? Ganz sicherlich nicht, weil wir so faul sind und nichts tun. Alternativ könnten wir keine Kontrollen mehr einbestellen, um mehr Freiraum zu schaffen, aber es widerstrebt mir, eine Keratitis nicht anzuschauen oder dergleichen. Das, was uns das System völlig zerschießt, sind die unsäglichen (ex-)feuchten AMDs, die nach Empfehlung, die ja auch sinnvoll ist, wenn ich mir so anschaue, was sich so gerade im ersten Jahr nach IVOM so tut, alle ca. 6 Wochen gesehen werden sollen. Vor zehn Jahren hat man dem Patienten gesagt "Herr Müller, ich weiß zwar was sie haben, kann aber nix machen, schönen Tag noch", jetzt machen sie einen riesigen Batzen der Patienten aus.

Feuerblick
09.05.2012, 21:01
Total überlaufen stimmt leider in den meisten Fällen. Wenn ich mir anschaue, was wir täglich an Patienten "wegputzen". Da laufen an einem VORMITTAG bei drei anwesenden Ärztinnen mal lustig 90-100 Patienten durch. Nachmittags die gleiche Zahl nochmal. Viel mehr geht dann aber auch nicht.
Die Triage am Telefon steht und fällt mit den MFA. Die einen wissen sehr genau, was sie fragen müssen, um die nötigen Antworten zu erhalten, andere können das eben nicht so gut. Und bei denen geht dann halt auch mal die Ablatio durch die Lappen, weil sie nicht nach Blitzen, Rußregen oder Schatten gefragt haben. Andererseits schneien in Praxen (ich bin momentan bei uns aufgrund eines noch nicht vollen Terminkalenders diejenige, die die meisten Notfälle auffängt) auch täglich "Notfälle" rein, die dann letztlich nur mal ne Brillenüberprüfung haben wollen. Da kann man am Telefon schon mal die Übersicht übers Wesentliche verlieren. :-nix Vielleicht hilft es, die jeweiligen Niedergelassenen mal drauf anzusprechen. Nicht immer bekommen diese mit, was am Telefon so abläuft.
Ich kenne durchaus auch die andere Seite. Die Niedergelassenen im Dunstkreis meiner ehemaligen Klinik haben nämlich zum großen Teil keinen Notdienst gestellt sondern ALLE Patienten jenseits der Praxiszeiten in die Klinik geschickt...

Feuerblick
09.05.2012, 21:05
Und EIGENTLICH sind ja sechs Wochen bei feuchter bzw. grade per IVOM behandelter AMD schon zu spät und die Studien gehen Richtung vier Wochen. Wie DAS dann gehen soll, ist mir auch noch schleierhaft...

Espressa
09.05.2012, 21:25
Bei uns sind es 2,5 "abnehmende" Ärzte (eine nur halbtags), und es werden an Spitzentagen auch 75 Patienten "durchgeschleust". Wobei dabei noch ein OP läuft (die Ärzte abwechselnd, ca. 15 Positionen) und die Station mitbetreut werden muss mit Visite und präoperativer Vorstellung der geplanten Aufnahmen, ggf. noch Konsile.
Und das Patientengut ist eh schon ein wenig vorselektiert mit Zuweisungen von Augenärzten, die nicht weiterkommen, und übelst alten gebrechlichen Leuten, die mit Rollstuhl oder Rollator sonst nirgends hinkommen mangels Parkplatz/ Aufzug etc.

Dann ärgert es mich schon ein bisschen, dass man auch Fremdkörper etc. lapidar mit "gehen Sie in die Klinik, wir haben keinen Termin" abspeist, weil wir haben nämlich eigentlich auch keinen.

Andererseits könnt ich im Notdienst abends und wochenends auch echt Kotzen mit was für Kinkerlitzchen die Leute auflaufen, da denk ich mir dann auch, hey was soll das, Arztbesuche sollten einer echten Notwendigkeit entspringen und nicht bloßem Aufmerksamkeitsdefizit. Und ich kann mir gut vorstellen dass man dieses Gefühl in der Praxis auch öfters mal hat, dort kommen solche Leute ja offenbar auch an.

Feuerblick
09.05.2012, 21:31
Dort kommen sogar sehr viele solcher Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit an. Gerne auch mit dem Anspruch JETZT SOFORT dranzukommen... Das kann schon nerven auf Dauer. Aber gut, das ist halt leider auch Teil des Jobs. Bei uns kommen dank Aufzug jetzt auch die Rollstuhl/Rollator-Patienten an. Nur DIE haben ja sogar meist irgendwas. :-nix
Wie gesagt, vielleicht solltet ihr die Niedergelassenen (man kennt ja irgendwann die Pappenheimer, von denen immer Patienten weggeschickt werden) mal darauf ansprechen, dass in letzter Zeit gehäuft Patienten von ihnen bei euch auftauchen mit echten Erkrankungen, die in der Praxis weggeschickt oder nicht angenommen wurden. Es kann durchaus sein, dass die jeweiligen Docs gar nicht so genau mitbekommen, was die MFA am Telefon so treiben. Da gibts leider auch mal selbstherrliche Personen ohne nötigen Grips, die nicht zwischen wichtig und nichtig unterscheiden können. :-meinung

Thomas24
09.05.2012, 21:44
Bei uns sind es 2,5 "abnehmende" Ärzte (eine nur halbtags), und es werden an Spitzentagen auch 75 Patienten "durchgeschleust". Wobei dabei noch ein OP läuft (die Ärzte abwechselnd, ca. 15 Positionen) und die Station mitbetreut werden muss mit Visite und präoperativer Vorstellung der geplanten Aufnahmen, ggf. noch Konsile.


Hrmpf... das kenn ich. Und dann schrumpft die ideale Sollstärke wg. Urlaub/ krank/ Kongress/ Forschungsfrei/ Schwangerschaft/ Mutterschutz/Dienstfrei/ Teilzeit/ Kind hat Schnupfen etc. nochmal zusammen, und schwuppdiwupp ist man mitten in der 8 Strophe von"10 Kleine Negerlein" und darf überall gleichzeitig Feuerlöschen. Sowas macht alt.

Feuerblick
09.05.2012, 21:46
Willkommen im selbstgewählten Schicksal, Graf Macckkkulllaaah :-))

Thomas24
09.05.2012, 21:48
Die anderen Schicksalsvarianten, die ihr mir präsentiert, sind auch nicht besser :-wow
(Ok, es sei denn man hat eine Praxis in der 5 Etage OHNE Aufzug- das selektiert das Patientengut schonmal etwas...)

Feuerblick
09.05.2012, 21:49
Stimmt... dann kommen nur noch die Sicca-Patienten :-))

Thomas24
09.05.2012, 21:51
:-notify Die mediterrane Todes Sicca hat eine so hohe Mortalität, die verenden schon im Treppenhaus...

Feuerblick
09.05.2012, 21:53
Vergiss es! Die haben so nen Leidensdruck, die erklettern auch ein 80stöckiges Hochhaus... :-))

Thomas24
09.05.2012, 21:58
Ja, wenn das so ist, dann werden Sie wohl von meinem empathischen Mitarbeiterstab gebührend behandelt werden.
Mit tender loving care...

Graf Makula ist leider im Op und gedenkt nicht, vor Sonnenuntergang da wieder raus zu kommen...(zumindest nicht durch den Vorderausgang- es gibt ja noch den getarnten *Personalaufzug* direkt in die Tiefgarage).:-wow

Feuerblick
11.05.2012, 15:39
Grmpf... ich bin ja auch der Meinung,dass man viele Katarakte ambulant operieren kann und sollte, aber wie kann man denn bitte bei einer intellektuell übersichtlichen älteren Dame, der die Tropfen vom Pflegedienst verabreicht werden (weil sies weder kapiert noch motorisch hinbekommt), die ein fortgeschrittenes PEX-Glaukom mit Vierfach-AT-Kombi hat und bei der noch mehr im Argen liegt, eine ambulante Cat-OP mit Trabekelaspiration und Avastininjektion machen???? Das Ende vom Lied: Patientin hatte heute noch NIX getropft (nein, auch die Glaukomtropfen nicht...), hatte nen Druck von 50, ein knackiges Hornhautödem und auch ansonsten kein wirklich schönes Auge. Die ging dann auch mit freundlicher Einweisung retour an die Kollegen der Klinik. Zumindest hoffe ich, dass sie sich in die Klinik begeben hat. Begeistert war sie nicht und verstanden hat sie selbst mein "Wenn wir das übers Wochenende so lassen, können sie blind werden" auch eher nicht. Aber Diamox plus Lokaltherapie haben leider auch nicht viel gebracht. *seufz*

Espressa
23.05.2012, 18:22
Immer wieder süss: die "schwere Augenverletzung/ Verkehrsunfall" angemeldet, zwei Sanis, Patient auf der Liege festgeschnallt, bds. Augen- oder besser gesagt: Kopfverband.

Ich: "Können Sie aufstehen, Herr XY?"
- "Klar"
- "Warten Sie ich mach mal den Verband ab"
...
Patient erhebt sich wie der geheilte Gelähmte von der Trage - sieht ja wie ein Adler - und Doktor Espressa stellt ein... na... wer errät es? -- Hyposphagma fest.

Zugegeben, ein dickes, prominentes. Ich fand es dennoch witzig - Patient wird "schwerverletzt" reingefahren, und läuft dann selbst mehr oder weniger unversehrt wieder raus. :-)

Feuerblick
23.05.2012, 18:24
Da soll mal einer sagen, wir Schamanen hättens mit dem Heilen nicht drauf :-))

WackenDoc
23.05.2012, 20:16
Na gut- so ganz kann man es den Sanis ja nicht verübeln. Es sieht ja schon dramatisch aus und viele Ärzte können es auch nicht einordnen.
Besser so als andersrum.

Wusstet ihr, dass weder Kerosin noch Flugzeugwaschmittel für die Augen schädlich sind, wenn man direkt spült?

Feuerblick
23.05.2012, 21:00
Wenn man gleich spült sind viele Sachen nur noch halb so schädlich. Kerosin wusste ich, das hatte ich schon mal bei nem Patienten.