Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Schamanenecke
Feuerblick
07.02.2023, 06:04
Nochmal: Nimm! Deine! Pausen! Sie stehen dir zu und was der OA sagt, ist einfach mal egal.
@Espressa: Wenn diese Uniklinik so ist wie geschildert, dann ist da vermutlich „Zusammenarbeiten“ und „Aushelfen“ ein Fremdwort. :-))
Wenn du eine Pause brauchst, dann machst du eine Pause. Völlig egal was der Oberarzt dazu sagt.
Ich verstehe nicht so ganz, warum du dich so leicht emotional erpressen lässt. Achte auf deine eigenen Bedürfnisse, sonst wirst du früher oder später selbst zur Patientin.
Und wie geht's?=)
Das mit den Pausen ist auch die Sache der Selbstorganisation. Die Pause machen ALLE gegen ca. 12-13-14 Uhr. Auch die Oberärzte. Also ruhig in der gleichen Zeit essen. Ob die Patienten da angespannt werden ist völlig irrelevant, sie wollen eine Betreuung durch den gesunden Arzt und nicht durch denjenigen, der die gesamte Konzentration schon vor 3 Stunden verloren hat. Oberärzte wissen das, Patienten wissen das, du weißt das, und sogar der Chefarzt ist ok damit.
bewitched
25.02.2023, 21:09
Hallo!
Ich habe gekündigt, am Dienstag ist der letzte Arbeitstag da. Dann ab 1. März bin ich woanders tätig (Praxis wieder).
Arbeitsbedingungen wie im Mittelalter und niemand würde was ändern...
Am Freitag gab es nur 1 Oberarzt in der Ambulanz und er hatte keine Zeit, die angemeldeten Patientenakten unter den Assistenzärzten zu verteilen (hier machen die Verteilung NUR die Oberärzte!). Für 2 Stunden war er nicht da, musste operieren, und nix ist inzwischen passiert, weder Voruntersuchung, noch ärztliche Betreuung oder Diagnostik... Es gibt keine alternativen Lösungen in dieser Klinik, alles muss immer so laufen, wie es vor 30 Jahren als Regelung festgelegt wurde!
Heute war ich 7 Stunden in der Klinik, um Briefe zu schreiben. Ich will am letzten Arbeitstag sicher sein, dass ich von meiner Seite alles erledigt habe, was ich erledigen konnte.
Die anderen Assistenzärzte sind nicht überrascht, dass ich gehe. Manche haben mir gesagt sie wünschen so eine Möglichkeit für sich auch. Und eine Stationsärztin erzählte mir, dass sie bei extremer Erschöpfung einige Male im Arztzimmer alleine geweint hat.
Also, diese Erfahrung war nützlich, es reicht mir aber. Für 6 Wochen mehr als 50 unnötige Überstunden.
Ich finde einen anderen Weg, gute Augenärztin zu werden. Ohne Gesundheit, Psyche und Work-Life-Balance zu opfern.
Ich sehe darin keinen Grund, deinen Traum aufzugeben. Es ist tatsächlich so, dass du an der Praxis nur einen kleineren Teil von der Augenheilkunde sehen kannst. Es gibt auch andere Unis, andere Maximalversorger. Wo die bessere Atmosphäre herrscht. Vor der Anstellung immer hospitieren...
Feuerblick
26.02.2023, 08:32
Wow, eine Ambulanz, in der der OA Akten verteilt. Das ist… schlimm.
Such dir eine andere Klinik. Es muss, wie gesagt, nicht Uni sein.
bewitched
26.02.2023, 08:36
Danke für die netten Wörter.
Jetzt steht das Ganze wie Fleck im Lebenslauf. Auch wenn man z.B. die Umzugskosten usw betrachtet, das war gar nicht optimal.
Ich weiß nicht ob ich überhaupt eine gute Klinikstelle irgendwann bekommen würde. Ich weiß, dass die Praxis eingeschränkt ist bezüglich Weiterbildungsmöglichkeiten, aber als Überbrückung und zur finanziellen Stabilität kehre ich in meine alte Praxis zurück, bis eine gute Möglichkeit kommt. Die haben sich auch gefreut, dass ich sie um neuen Vertrag bitte. Es war nicht perfekt da, aber zu diesem Zeitpunkt bin ich vollkommen ok damit, noch ein Jahr in der Praxis zu arbeiten. Ich werde in Ruhe meine Doktorarbeit fertigschreiben und mich langsam auf schwierigere Themen wie Strabismus und Elektrophysiologie vorbereiten.
Feuerblick
26.02.2023, 08:39
Es gibt Kliniken, in denen man vernünftig lernen und arbeiten kann. Ich würde eher zu städtischen Maximalversorgern oder maximal zu kleineren Unis ohne „Elite“-Status tendieren und auf jeden Fall hospitieren.
bewitched
26.02.2023, 08:44
Ja! Hospitieren. Das war mein Fehler. Ich dachte mir, oh mein Gott, ich habe Jobangebot für Uniklinik, ich gehe sofort hin. Es gab auch keine Möglichkeit, zu hospitieren. interessanterweise sah ich auch keine PJler oder Famulanten da.
Ich war diese Woche in einer anderen Uniklinik zum Bewerbungsgespräch. Ich habe gefragt, ob eine Hospitation möglich wäre. Der Chef meinte, dass die Hospitationen ein zu großer Aufwand für die Klinik sind und deswegen machen sie das nicht. Ich fand das komisch.
Feuerblick
26.02.2023, 09:51
Wieso sind Hospitationen ein zu großer Aufwand? Das ist Blödsinn. So eine Klinik würde ich meiden.
Sind wir mal ehrlich: Wenn ich nichts zu verbergen habe, stelle ich einen Assistenzarzt ab, der mit dem Hospitanten durch die Klinik läuft und ihm alles zeigt. -> kein Aufwand.
Wenn ich aber was zu verbergen habe oder vermeiden möchte, dass irgendwer sich verplappert, dann muss ich mindestens einen OA abstellen. -> Aufwand.
Relaxometrie
26.02.2023, 10:01
Der Chef meinte, dass die Hospitationen ein zu großer Aufwand für die Klinik sind und deswegen machen sie das nicht.
RED FLAG! Nicht hingehen.
Nefazodon
26.02.2023, 11:03
Hallo!
Ich habe gekündigt, am Dienstag ist der letzte Arbeitstag da. Dann ab 1. März bin ich woanders tätig (Praxis wieder).
Herzlichen Glückwunsch! Ich glaube, jeder der deine Beschreibungen liest, wird dir sagen, dass es die richtige Entscheidung ist!
Die anderen Assistenzärzte sind nicht überrascht, dass ich gehe. Manche haben mir gesagt sie wünschen so eine Möglichkeit für sich auch. Und eine Stationsärztin erzählte mir, dass sie bei extremer Erschöpfung einige Male im Arztzimmer alleine geweint hat.
Schrecklich.
Aber die Haltung kann ich nicht verstehen. Man hat IMMER andere Möglichkeiten!
Also, diese Erfahrung war nützlich, es reicht mir aber. Für 6 Wochen mehr als 50 unnötige Überstunden.
Ich finde einen anderen Weg, gute Augenärztin zu werden. Ohne Gesundheit, Psyche und Work-Life-Balance zu opfern.
Richtig so. Positiv denken. Sei froh, dass Du da weg bist.
Wieso sind Hospitationen ein zu großer Aufwand? Das ist Blödsinn.
Dann komm mal zu uns, da sind Hospitationen ein gewisser Aufwand.
Hospitanten kommen in der früh zum Chef, werden mitgenommen in die Frühbesprechung, danach geht es je nachdem mit auf Intensivvisite oder gleich auf Station, im Laufe des Tages sind zwingend Notaufnahme und OP dabei, auch auf die Mittagspause wird wert gelegt. Später gibt es noch ein längeres Gespräch mit dem Chef, der Chef holt sich auch die Meinung derjenigen ein bei denen der Hospitant an dem Tag war usw... Quasi richtig strukturiert. Aber auch nicht nur bei Assistenzärzten sondern auch wenn sich Leute Richtung Oberarztstellen bewerben, egal ob grad eine ausgeschrieben ist oder nicht.
Feuerblick
26.02.2023, 14:32
Hier geht es um eine Assistenzarztstelle in der Augenheilkunde. Da ist der Aufwand schon überschaubar. Ich wurde damals von Assistentensprechern rumgeführt. Wüsste nicht, wo der Aufwand ist, jemanden mitzunehmen. :-nix Und wenn eine Klinik gute Leute haben will, muss sie diesen Aufwand eben auch treiben.
Auch in meinem jetzigen Job haben wir ständig Hospitanten. Die werden von Chef/in empfangen und im Laufe des Tages „durchgereicht“. Organisatorisch ausgesprochen überschaubarer Aufwand. Geht auch spontan.
Liebe KollegInnen, ich bitte um einen Rat bzgl. eines Facharztvertrages an der Praxis.. Angenommen, das Grundgehalt ist ok. Ich will aber die Überstunden, die damit abgegolten sind, begrenzen (steht halt einfach, es seien Überstunden mit dem Grundgehalt abgegolten oder ähnlich). Wie viele Überstunden ist es angemessen, mit dem Grundgehalt abzugelten zu bitten, und alles darüber zusätzlich auszahlen zu lassen? Für jeden Tipp wäre ich dankbar.
bewitched
01.03.2023, 02:20
Liebe Schamanen,
it's finally over! Ab 1.3. bin ich zurück in der Praxis, wo ich gearbeitet habe.
Der letzte Arbeitstag war unfassbar.
Ich bin krank in die Arbeit gekommen (gestern war ich krankgeschrieben, weil ich grippalen Infekt habe), weil ich alles abgeben musste - Dienstausweis, Telefon... Außerdem hatte ich 20 Briefe übrig geblieben zum Diktieren von früher und konnte sie nicht einfach so lassen. Ich hatte auch Zug am Abend, weil ich morgen um 8 wieder in der Praxis starte (andere Stadt, 2 Stunden entfernt).
Und, ich gehe in die Arbeit und ich sehe volle Sprechstunde mit 90+ Patienten, aufwändige Sprechstunde (Glaukom). Nur 5 Assistenzärzte, inklusive ich.
Ich gehe zum Oberarzt und bitte, dass meine Sprechstunde etwas verkürzt wird, weil ich alles abgeben muss, und weil ich noch Briefe vorbereiten muss. Ihm war das egal, er meinte ich bekomme was die anderen bekommen.
Gut! Dann habe ich Gas gegeben, möglichst effizient gearbeitet, es lief wirklich gut mit meiner Sprechstunde, bis ein Notfall mit Ablatio mit Makula-Off bei mir vom Oberarzt eingeteilt wurde. Nicht beim Dienstarzt. Da habe ich mehrere Aufgaben bekommen, ihr wisst - Stationen anrufen, Bett suchen (kein Bett zu finden!), Aufklärung für ppV und Cat, IOL-Master... Das hat ewig gedauert. Inzwischen hatte ich schon 10 Patienten noch, wartend auf mich.
Ich habe wieder darum gebeten, dass meine Patienten umverteilt werden, weil ich es sonst nicht schaffe. Antwort war es ist denen egal.
Dann habe ich weitergearbeitet, wieder ohne Pause, noch krank und hustend. Aber langsam war es mir schon zu viel. Ich habe gemerkt, dass ich bis echt spät bleiben werde, falls ich weitere Patienten bearbeite. Jeder Patient braucht Zeit + diktierten Brief danach.
Ich habe die PDs um Unterstützung in dieser Situation gebeten, die haben zum Boden geguckt und gemeint sie sind für die Sprechstundenorganisation nicht zuständig, der Prof., mit dem ich den ganzen Tag diskutiere, ist zuständig.
Dann habe ich die 9-10 Patientenakten umverteilt zwischen den anderen Assistenzärzten. Sie haben sich nicht gefreut, ich habe aber die Situation erklärt und sie haben die Akten genommen.
Der Prof. kam und fragte was ich mache... Ich habe geantwortet 'Ihren Job'. Es war mir wirklich zu viel in diesem Moment. Ich habe gefragt ob von mir erwartet ist, dass ich bis Mitternacht arbeite, Antwort war etwas wie 'wenn notwendig ja'. Ich habe gesagt entweder ich mache Sprechstunde und dann lasse ich 20+ Briefe (+10 von heute), oder die lassen mich in Ruhe alles zu tun und abgeben und die machen Stop für meine Sprechstunde!
Die Aussage war, dass ich unverschämt bin. Da habe ich einfach einen freien Platz außerhalb der Ambulanz gefunden und alles in Ruhe bis 20 Uhr erledigt. Wenn ich nicht Stop! gesagt hätte, würde ich tatsächlich bis Mitternacht bleiben!
Diese Klinik ist eine der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens.
Ich freue mich, dass ich weg bin. Die Assistenzärzte verstehen mich und haben gute, unterstützende Wörter am Ende zu mir gesagt. Ich hoffe, dass sich bald etwas ändert da, weil die Patienten da auch leiden.
Anne1970
01.03.2023, 05:41
Wow, das klingt gruselig. Die besten Wünsche für den Neustart.
Um Himmels willen, warum hast du das mitgemacht? In krankem Zustand? Soll die Verantwortlichen doch selbst ihren Mist ausbaden! Und auch Pat. sollen erleben, wie es ausschaut im deutschen Gesundheitswesen. Es ist leider vielerorts Realität. Aber dir dankt niemand, wenn du dich aus Anstand ruinierst!
bewitched
01.03.2023, 06:34
Ich habe gehofft, dass sie mich in Ruhe lassen, weil es am letzten Tag eher egal ist. Aber die Ambulanz war übervoll und es hat mir für die anderen Assistenzärzte Leid getan.
Und ich denke sie haben mit Absicht diesen aufwändigen Patienten mit Ablatio bei mir eingeteilt. Der Fundusbefund war auf der Überweisung beschrieben.
Na ja, danke euch für die Unterstützung. Ich finde es wichtig, dass man sich in solchen Situationen verstanden fühlt.
Feuerblick
01.03.2023, 11:08
Ich hätte spontan Fieber und Kreislauf bekommen und wäre gegangen. :-nix
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.