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Kackbratze
25.04.2020, 23:31
Es gibt keine romantische Triage. Nicht mal bei Greys Anatomy.
Es gibt nur Leute, denen medial und politisch beigebracht wurde, dass ALLES FÜR ALLE möglich ist.

Wenn Chefärzte mit den Worten: "die Zeit der Amputationen ist vorbei" antreten, die Presse alle Nase lang neue Heilungen für Krebs findet und Unikliniken irgendwelche dubiose Krebsvorsorgetests per Bild vermarkten, dann ist es kein Wunder, dass zwischen Realität (93, Diabetes, Demenz, Dekubitus, Darmkrebs) und gefühlter Realität (93, noch voll im Leben und aktiv wie mit 30. Zumindest denke ich das am Telefon, wenn ich mal zu Weihnachten im Pflegeheim anrufe) Welten liegen, die dann bei einem plötzlich und unerwarteten Tod auf Grund einer "Grippe, die nicht über die Luft übertragen wird" in Scherben liegt.
Und dann noch im Schockraum nicht so triagiert worden, wie es in der Sachsenklinik passieren würde.

Da muss doch die Advocard zu was Nutze sein.


Die Leute wissen nicht, wo ihr Essen herkommt, die Leute wissen nicht, dass es den Tod gibt, die Leute wollen nur in einer rosa Wolke leben und gegen irgendwas (Klimawandel, Staat, Rassismus, Massentierhaltung) sein. Also reines Wohlfühl-Erleben.
Woher soll man auch wissen, dass Mikroben auch töten können, wenn man sie sonst nur aus Activia kennt?
Wer hat denn noch Familienmitglieder an Diphterie, Tetanus oder Masern verloren?

Und jetzt prallen halt Welten aufeinander, bei den Fachgesellschaften, die lauwarme Empfehlungsschreiben verfassen, Politikern, die dachten es gibt sowas garnicht mehr, selbst wenn es mal eine Art Krisenplan dazu gab und den Bürgern, die eigentlich eher mit Gendersprache, Klimawandel und Diesel-Problemen beschäftigt waren.

Das wird hier ausgehen wie das Hornberger Schießen.
Im Endeffekt wird es mehr Steuern, mehr Arbeitslose und keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Medizin geben.
:-meinung

Kackbratze
26.04.2020, 00:43
Liebe Kollegen,

wer auch immer noch in seinen schönsten Träumen gedacht hat, er hätte in irgendeiner Form Rückendeckung aus der Legislative, wenn es um kritische Entscheidungen geht:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article207507093/Christine-Lambrecht-zu-Coronavirus-Jedes-Leben-gleich-schuetzenswert.html

Es gibt keine.

Matzexc1
26.04.2020, 08:33
Liebe Kollegen,

wer auch immer noch in seinen schönsten Träumen gedacht hat, er hätte in irgendeiner Form Rückendeckung aus der Legislative, wenn es um kritische Entscheidungen geht:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article207507093/Christine-Lambrecht-zu-Coronavirus-Jedes-Leben-gleich-schuetzenswert.html

Es gibt keine.

Die Begründung ist zum Davonlaufen, wachsweich bis zum geht nicht mehr und ja keine Verantwortung.
Gleichzeitig verteilt man noch ein bisschen rosaroten Glitzerstaub

Das einzige was ich zu deinem vorherigen Post sagen kann ist, dass es jetzt viele Leute aus der Komfortzone holen wird.

Matzexc1
26.04.2020, 08:44
Hier etwas wenig überraschendes:

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Impfstoff-erstmal-nur-fuer-US-Buerger-article21739710.html

vanilleeis
26.04.2020, 10:03
Liebe Kollegen,

wer auch immer noch in seinen schönsten Träumen gedacht hat, er hätte in irgendeiner Form Rückendeckung aus der Legislative, wenn es um kritische Entscheidungen geht:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article207507093/Christine-Lambrecht-zu-Coronavirus-Jedes-Leben-gleich-schuetzenswert.html

Es gibt keine.

Eigentlich müsste man jetzt gesammelt die Arbeit niederlegen

GelbeKlamotten
26.04.2020, 10:16
Hier etwas wenig überraschendes:

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Impfstoff-erstmal-nur-fuer-US-Buerger-article21739710.html

Meine Prognose dazu:

Die erste große Impfwelle wird es in china geben. Die fahren sicherlich derzeit die produktionskapazitäten maximal hoch. Der ein oder andere produzent wird dann wieder nur NaCl o.ä. in Ampullen abfüllen und ein bisschen Geld abgreifen, die anderen werden irgendeinen halbausgegorenen, an „Freiwilligen“ getesteten Impfstoff produzieren, dessen Sicherheit und Verträglichkeit zweifelhaft sein wird. Danach wird Covid19, unabhängig davon wie effektiv der Wirkstoff tatsächlich ist, in China offiziell nicht mehr existieren.

In der europäischen Presse und seitens der vollständig durch China unterwanderten WHO wird wieder der Lobgesang losgehen, wie toll man dort das Problem gelöst hat. Die deutsche Bevölkerung wird sich wieder über den trägen deutschen Staat beschweren, der nicht einfach mal ein Medikament quasi ungeprüft durchwinkt, sondern auf komplizierte Zulassungsverfahren besteht. In der Politik wird es einige „Machertypen“ geben, die fordern, doch wenigstens das medizinische Personal mit dieser chinesischen Plörre zu impfen, das wird aber zum Glück abgewendet werden können.

Wenn dann die ersten tatsächlich auch in Rechtsstaaten einsetzbaren Impfstoffe zur Verfügung stehen, werden Diskussionen wie in dem verlinkten Artikel losbrechen. Letztendlich wird aber relativ schnell genug Impfstoff für alle verfügbar sein, die sich dann angesichts der dann bereits geringen infektionszahlen und der rückläufigen Angst in der Bevölkerung überhaupt noch impfen lassen wollen. Eine Impfpflicht wird diskutiert werden, aber vermutlich scheitern.

Matzexc1
26.04.2020, 10:17
Eigentlich müsste man jetzt gesammelt die Arbeit niederlegen

Das wäre eigentlich schon längst fällig. In Pakistan tritt das Personal wegen fehlender Ausrüstung
in den Hungerstreik
https://www.kleinezeitung.at/international/corona/5805381/Coronavirus_Pakistanische-Aerzte-im-Hungerstreik-fuer

Ich rechne nicht damit das wir das hier hinbekommen.

GelbeKlamotten
26.04.2020, 10:23
Das wäre eigentlich schon längst fällig. In Pakistan tritt das Personal wegen fehlender Ausrüstung
in den Hungerstreik
https://www.kleinezeitung.at/international/corona/5805381/Coronavirus_Pakistanische-Aerzte-im-Hungerstreik-fuer

Ich rechne nicht damit das wir das hier hinbekommen.

Ich glaube auch nicht, dass die Situation in deutschen Krankenhäusern mit Pakistan vergleichbar ist. Ginge es dort zu wie hier, wären die auch nicht im Hungerstreik. Bei uns im Haus musste zumindest noch keiner einen positiv getesteten Patient ohne PSA behandeln.

Thomas24
26.04.2020, 10:34
Es gibt keine romantische Triage. Nicht mal bei Greys Anatomy.
Es gibt nur Leute, denen medial und politisch beigebracht wurde, dass ALLES FÜR ALLE möglich ist.

Wenn Chefärzte mit den Worten: "die Zeit der Amputationen ist vorbei" antreten, die Presse alle Nase lang neue Heilungen für Krebs findet und Unikliniken irgendwelche dubiose Krebsvorsorgetests per Bild vermarkten, dann ist es kein Wunder, dass zwischen Realität (93, Diabetes, Demenz, Dekubitus, Darmkrebs) und gefühlter Realität (93, noch voll im Leben und aktiv wie mit 30. Zumindest denke ich das am Telefon, wenn ich mal zu Weihnachten im Pflegeheim anrufe) Welten liegen, die dann bei einem plötzlich und unerwarteten Tod auf Grund einer "Grippe, die nicht über die Luft übertragen wird" in Scherben liegt.
Und dann noch im Schockraum nicht so triagiert worden, wie es in der Sachsenklinik passieren würde.

Da muss doch die Advocard zu was Nutze sein.


Die Leute wissen nicht, wo ihr Essen herkommt, die Leute wissen nicht, dass es den Tod gibt, die Leute wollen nur in einer rosa Wolke leben und gegen irgendwas (Klimawandel, Staat, Rassismus, Massentierhaltung) sein. Also reines Wohlfühl-Erleben.
Woher soll man auch wissen, dass Mikroben auch töten können, wenn man sie sonst nur aus Activia kennt?
Wer hat denn noch Familienmitglieder an Diphterie, Tetanus oder Masern verloren?

Und jetzt prallen halt Welten aufeinander, bei den Fachgesellschaften, die lauwarme Empfehlungsschreiben verfassen, Politikern, die dachten es gibt sowas garnicht mehr, selbst wenn es mal eine Art Krisenplan dazu gab und den Bürgern, die eigentlich eher mit Gendersprache, Klimawandel und Diesel-Problemen beschäftigt waren.

Das wird hier ausgehen wie das Hornberger Schießen.
Im Endeffekt wird es mehr Steuern, mehr Arbeitslose und keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Medizin geben.
:-meinung

Right. Aber insgesamt ist eine uninformierte/ desinformierte Öffentlichkeit der beste Kompromiss.
Eine smarte, finanziell unabhängige Bevölkerung würde sich als Souverän nicht so viel medial verbreiteten BS von ihren Angestellten (Regierung und Parlament) bieten lassen. Arbeiten, Fresse halten, Steuern zahlen, mehr arbeiten und sich gelegentlich wundern, warum die Kohle/ Rente bei vielen nicht reichen wird. Hätte ja keiner ahnen können.
Immer noch besser als wütende Volksaufstände und ein Sturm auf die EZB.

freak1
26.04.2020, 10:36
Jahrgang 95, keine Vorerkrankungen (außer Adipositas), nach >2 Wochen ECMO und Serum/Plasma-Therapie von geheilten jetzt präfinal im Multiorganversagen. Solche Fälle müsste man doch mal an die Medien bringen...

Evil
26.04.2020, 10:40
Liebe Kollegen,

wer auch immer noch in seinen schönsten Träumen gedacht hat, er hätte in irgendeiner Form Rückendeckung aus der Legislative, wenn es um kritische Entscheidungen geht:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article207507093/Christine-Lambrecht-zu-Coronavirus-Jedes-Leben-gleich-schuetzenswert.html

Es gibt keine.
Naja, als ob sich da jetzt irgendwas geändert hätte. Daß man als Arzt mit einem Bein im Gefängnis steht, ist eine Binsenweisheit schon aus Sauerbruchs Zeiten. Das war schon immer so beschissen.

Autolyse
26.04.2020, 10:45
Da quasi alle Meinungen zur Triage vertreten werden die überhaupt denkbar sind gibt es in der strafrechtlichen Aufarbeitung ex-post in zwei Jahr viele Möglichkeiten. Windhundprinzip dürfte aber relativ sicher sein, weil man sich nicht in die Untiefen des Abwägungsprozesses begibt, sondern jeder theoretisch die gleichen Teilhabechancen hat.

GelbeKlamotten
26.04.2020, 10:45
Jahrgang 95, keine Vorerkrankungen (außer Adipositas), nach >2 Wochen ECMO und Serum/Plasma-Therapie von geheilten jetzt präfinal im Multiorganversagen. Solche Fälle müsste man doch mal an die Medien bringen...

Warum sollte man jeden tragischen Einzelfall durch die Medien ziehen? Es werden regelmäßig Statistiken veröffentlicht, auch zur Altersverteilung der Infizierten und Verstorbenen.

Sollte die Familie der/des Betroffenen die mediale Aufmerksamkeit wünschen, reicht eine Email an die Bildzeitung. Die wird sich die Finger danach lecken.

Kackbratze
26.04.2020, 11:00
Da quasi alle Meinungen zur Triage vertreten werden die überhaupt denkbar sind gibt es in der strafrechtlichen Aufarbeitung ex-post in zwei Jahr viele Möglichkeiten. Windhundprinzip dürfte aber relativ sicher sein, weil man sich nicht in die Untiefen des Abwägungsprozesses begibt, sondern jeder theoretisch die gleichen Teilhabechancen hat.

"Warum ist mein Mann in der Notaufnahme erstickt, während die 93jährige auf die ITS kam?"
Bild fragt den zuständigen Chefarzt und die Krankenhaus Leitung, warum es keinen Mitarbeiter des Ethikrates gab, der bei der Entscheidung dabei war.


Der Sauerbruch-Satz stimmt, es wird aber durch ständiges Wiederholen und vorallem noch weniger Rückendeckung in Krisensituationen nicht besser.
Dieses Interview ist letztendlich ein Eingriff in die Therapiefreiheit. Eine Therapie nicht durchzuführen ist auch eine Therapie. Durch ein solches Statement der Ministerin ist der Drops gelutscht.

Matzexc1
26.04.2020, 11:06
Da quasi alle Meinungen zur Triage vertreten werden die überhaupt denkbar sind gibt es in der strafrechtlichen Aufarbeitung ex-post in zwei Jahr viele Möglichkeiten. Windhundprinzip dürfte aber relativ sicher sein, weil man sich nicht in die Untiefen des Abwägungsprozesses begibt, sondern jeder theoretisch die gleichen Teilhabechancen hat.

Rechtlich gesehen wird uns das etwas absichern, fehlendes Material kann mehr dem Krankenhaus angelastet werden als den Behandelnden.

Bei der medialen und politischen Aufarbeitung hingegen wird wieder die große Gefühlskarte gezogen werden.
Es fängt ja schon an

https://www.welt.de/politik/deutschland/article206755079/Corona-Eine-Ahnung-welche-Bevoelkerungsgruppen-zuerst-behandelt-werden.html

https://www.deutschlandfunkkultur.de/aktivistin-sigrid-arnade-eine-triage-von-menschen-mit.990.de.html?dram:article_id=474872

GelbeKlamotten
26.04.2020, 11:10
Die Frage ist doch irgendwie auch, ob das überhaupt so ein dringliches Thema ist, wenn die Intensivkapazitäten durch Covid19 in Deutschland nie ausgeschöpft waren und es auch zukünftig aller Voraussicht nach nicht sein werden.

Matzexc1
26.04.2020, 11:11
"Warum ist mein Mann in der Notaufnahme erstickt, während die 93jährige auf die ITS kam?"
Bild fragt den zuständigen Chefarzt und die Krankenhaus Leitung, warum es keinen Mitarbeiter des Ethikrates gab, der bei der Entscheidung dabei war.


Der Sauerbruch-Satz stimmt, es wird aber durch ständiges Wiederholen und vorallem noch weniger Rückendeckung in Krisensituationen nicht besser.
Dieses Interview ist letztendlich ein Eingriff in die Therapiefreiheit. Eine Therapie nicht durchzuführen ist auch eine Therapie. Durch ein solches Statement der Ministerin ist der Drops gelutscht.

Antwort der Krankenhausleitung:

"Die kurzfristige Klärung der ethischen Fragestellung war leider nicht möglich, aufgrund einer Knappheit an Beatmungsgeräten im Umland und fehlender Transportkapazitäten war eine rechtzeitige Verlegung nicht durchführbar. Wir taten was uns möglich war"

2 Tage später die nächste Schlagzeile

Kackbratze
26.04.2020, 12:08
Die Frage ist doch irgendwie auch, ob das überhaupt so ein dringliches Thema ist, wenn die Intensivkapazitäten durch Covid19 in Deutschland nie ausgeschöpft waren und es auch zukünftig aller Voraussicht nach nicht sein werden.

Selbst wenn es jetzt nicht aktuell ist, wenn dann VITAS und VITAS-2 über den Planeten rollen, wird sich auf die Entscheidungen gestützt, die jetzt gefällt wurden.

roxolana
26.04.2020, 14:26
In Chicago haben sie jetzt gute Ergebnisse mit der Kombination HFNC + Bauchlage (https://www.uchicagomedicine.org/forefront/coronavirus-disease-covid-19/uchicago-medicine-doctors-see-truly-remarkable-success-using-ventilator-alternatives-to-treat-covid19?fbclid=IwAR1OIppjr7THo7uDYqI0njCeLqiiXtuVF K1znwk4WUoaAJUB5BHq5w16pfc) erzielt. Vielen Patienten konnte so die Intubation erspart werden. Ich hoffe, sie publizieren bald eine Studie dazu.

Autolyse
26.04.2020, 15:01
Rechtlich gesehen wird uns das etwas absichern, fehlendes Material kann mehr dem Krankenhaus angelastet werden als den Behandelnden.

Bei der medialen und politischen Aufarbeitung hingegen wird wieder die große Gefühlskarte gezogen werden.
Es fängt ja schon an

https://www.welt.de/politik/deutschland/article206755079/Corona-Eine-Ahnung-welche-Bevoelkerungsgruppen-zuerst-behandelt-werden.html

https://www.deutschlandfunkkultur.de/aktivistin-sigrid-arnade-eine-triage-von-menschen-mit.990.de.html?dram:article_id=474872
Das ist ja das Schöne am Windhundprinzip. Keine Abwägung, keine aktive Zuteilung von Behandlungskapazität oder gar deren Entzug. Es ist reiner Zufall durch die Zeitkomponente und damit hat jeder die gleichen Chancen.

Gerade wenn man im öffentlichen Dienst ist, dann setzt man ja nur um was geltendes Recht ist und Bernd, 56, Kettenraucher mit 63 PY, BMI 39,9 ist eben nicht mehr wert als Gunhild, 93, dement, mit PEG, LVEF 18%, wegen

Menschliches Leben und menschliche Würde genießen ohne Rücksicht auf die Dauer der physischen Existenz des einzelnen Menschen gleichen verfassungsrechtlichen Schutz.

Man bedauert natürlich das schwere Einzelschicksal von Bernd, aber eine weitergehende Regelung wäre Aufgabe der Vertreter des Souveräns gewesen, wozu diese allerdings keine Notwendigkeit sahen.