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Autolyse
28.03.2020, 14:04
Wenn der Arbeitgeber verschriftlichtet, dass für Tätigkeiten für die das RKI eine FFP2-Maske fordert - unter anderem den Coronaabstrich selbst - dann kann man auf Basis von § 618 I BGB den Arbeitgeber zwingen das zu unterlassen.

Markian
28.03.2020, 15:15
Bei uns liegt seit längerem ein Patient auf Station, der jetzt zusätzlich zur Einweisungserkrankung Fieber entwickelt hat. Es wurde ein COVID Abstrich gemacht, der positiv war. Die Stationsärzte und ich hatten mehrfach Kontakt mit diesem Patienten, da man diverse Zeit für Venenverweilkanülen und Sonographien aufbringen musste. Es wurde keine FFP2/3 Maske getragen, da diese nicht vorhanden sind. Laut RKI gilt man damit ja als Kontaktperson mit begrenztem Expositionsrisiko (1b). Anordnung der Klinikleitung ist jetzt lediglich weiterarbeiten mit Mundschutz ohne Testung. RKI sagt bei Personalmangel ist dies möglich. Würdet ihr trotzdem auf einen Abstrich bestehen? Ich will als Student auch meinen Beitrag leisten, finde das aber irgendwie ein bisschen fahrlässig nicht mal einen Abstrich zu machen, da wir über eine Woche Kontakt mit diesem Patienten hatten ohne effektiven Schutz.

freak1
28.03.2020, 15:19
Sag du hast Halsschmerzen und dann müssen sie den Test machen (laut RKI).

ericjudge
28.03.2020, 15:39
@Markian: Auf Testung bestehen, ansonsten 2 Wochen gelber Schein. Sollten die nicht drauf eingehen, Anzeige gegen die Klinikleitung in Betracht ziehen. Ach so Klinik und deren Verhalten öffentlich machen und anprangern. Man wird vor Ort dann recht schnell einlenken.

tarumo
28.03.2020, 15:45
Als Kassenmitglied die 116 117 anrufen und was vom Pferd erzählen, dann kommt sogar irgendwann ein (ebenfalls ungeschütztes) "Abstrich-Taxi" ins Haus.
Dem Personal wird es verweigert, aber Hinz und Kunz kann auf Kosten der Allgemeinheit einen "Hausabstrich" bemühen. Irre...
Alternativ einen dieser Drive-In-Abstrichcenter nutzen, die überall aus dem Boden sprießen.

Markian
28.03.2020, 15:47
Bin eben PJ-Student, deshalb wollte ich es mir nicht vollends verscherzen, da ich mich schon mit dem OA angelegt habe. Habe keinerlei Symptome, aber eine psychische Belastung hat man und vor allem eine potentielle Gefahr für Patienten ist man ja dennoch.

tarumo
28.03.2020, 15:55
Wenn der Arbeitgeber verschriftlichtet, dass für Tätigkeiten für die das RKI eine FFP2-Maske fordert - unter anderem den Coronaabstrich selbst - dann kann man auf Basis von § 618 I BGB den Arbeitgeber zwingen das zu unterlassen.

So eine Anweisung wird es kaum schriftlich geben, aus gutem Grund. Und in dem Moment, wo in dem bekannten Konstrukt aus Abhängigkeit in der Weiterbildung und befristetem Vertrag jemand gegen seinen AG als "Einzeltäter" juristisch vorgeht, hat er doch schon verloren. Daher ist es doch wichtig, daß das mit Rückendeckung durch eine starke Gewerkschaft passiert, und genau das findet eben nicht statt. Und ob die BG sich dazu herabläßt, bei offensichtlicher Mißachtung der Leitlinien einzuspringen, da habe ich meine Zweifel. Bei Anerkennung einer postpneumonischen Fibrose als Berufserkrankung sowieso. Und natürlich können auch die Angehörigen den Spieß umdrehen und behaupten, Oma Eda (95) wäre bei leitliniengerechtem Vorgehen vielleicht gar nicht angesteckt worden (z.B. in der Ambulanz)

tarumo
28.03.2020, 15:59
@Markian: Auf Testung bestehen, ansonsten 2 Wochen gelber Schein..

PJ und "Gelber Schein" ist halt schwierig. Zumal die angezeigten 14 Tage Selbstisolation (meinetwegen auch aus anderer Ursache) je nach Fakultät die erlaubten Fehltage schon "auffressen". Und das vielleicht schon am Anfang?

Übrigens ein perfektes Beispiel, wie wegen persönlichen Abhängigkeiten aufgrund der suboptimalen "Arbeitnehmerrechte" im PJ der Sicherheitsstandard und damit möglicherweise die Gesundheit weiterer Leute geopfert wird. So eine Klinik kann 100mal Piloten zu irgendwelchen Seminaren einladen, es ändert sich gar nichts.

Matzexc1
28.03.2020, 15:59
So eine Anweisung wird es kaum schriftlich geben, aus gutem Grund. Und in dem Moment, wo in dem bekannten Konstrukt aus Abhängigkeit in der Weiterbildung und befristetem Vertrag jemand gegen seinen AG als "Einzeltäter" juristisch vorgeht, hat er doch schon verloren. Daher ist es doch wichtig, daß das mit Rückendeckung durch eine starke Gewerkschaft passiert, und genau das findet eben nicht statt. Und ob die BG sich dazu herabläßt, bei offensichtlicher Mißachtung der Leitlinien einzuspringen, da habe ich meine Zweifel. Bei Anerkennung einer postpneumonischen Fibrose als Berufserkrankung sowieso. Und natürlich können auch die Angehörigen den Spieß umdrehen und behaupten, Oma Eda (95) wäre bei leitliniengerechtem Vorgehen vielleicht gar nicht angesteckt worden (z.B. in der Ambulanz)

Okay, was ist dein praktischer Vorschlag für alle die in der Akutversorgung sitzen?

WackenDoc
28.03.2020, 16:01
Ruf bei deinem hausarzt oder bei der Coronahotline/Gesundheitsamt deines Landkreises an.
NOCH dürfte es eigentlich keinen so massiven Personalmangel geben, als das "weiterarbeiten als ob nichts passiert ist" gerechtfertigt wäre. Und denk dran- ohne Testung keine Berufkrankheit.

Autolyse
28.03.2020, 16:05
So eine Anweisung wird es kaum schriftlich geben, aus gutem Grund. Und in dem Moment, wo in dem bekannten Konstrukt aus Abhängigkeit in der Weiterbildung und befristetem Vertrag jemand gegen seinen AG als "Einzeltäter" juristisch vorgeht, hat er doch schon verloren. Daher ist es doch wichtig, daß das mit Rückendeckung durch eine starke Gewerkschaft passiert, und genau das findet eben nicht statt. Und ob die BG sich dazu herabläßt, bei offensichtlicher Mißachtung der Leitlinien einzuspringen, da habe ich meine Zweifel. Bei Anerkennung einer postpneumonischen Fibrose als Berufserkrankung sowieso. Und natürlich können auch die Angehörigen den Spieß umdrehen und behaupten, Oma Eda (95) wäre bei leitliniengerechtem Vorgehen vielleicht gar nicht angesteckt worden (z.B. in der Ambulanz)
Es gibt sie schon verschriftlicht. Es geht nur darum eine Version in die Hand zu bekommen, die von einem Verantwortlichen freigegeben wurde, dafür ist das schöne Qualitätsmanagement ja da.
Wieso denn Abhängigkeit? Es ist doch allgemein bekannt, dass man nicht nur in der Chirurgie, sondern auch in den anderen Fächern alles nur bescheinigt bekommt ohne es in der relevanten Anzahl oder überhaupt gemacht zu haben. Ob man die Unterschrift nun für braves Dienen bekommt oder weil man die Verwaltung mit einer Befristungskontrollklage wegen fehlender Weiterbildung überzieht ist am Ende ja egal. ;-)

WackenDoc
28.03.2020, 16:11
ÄH Tarumo: Die BG zahlt IMMER. Sie nimmt aber ggf. den Verursacher in Regress.

Markian
28.03.2020, 16:24
PJ und "Gelber Schein" ist halt schwierig. Zumal die angezeigten 14 Tage Selbstisolation (meinetwegen auch aus anderer Ursache) je nach Fakultät die erlaubten Fehltage schon "auffressen". Und das vielleicht schon am Anfang?

Übrigens ein perfektes Beispiel, wie wegen persönlichen Abhängigkeiten aufgrund der suboptimalen "Arbeitnehmerrechte" im PJ der Sicherheitsstandard und damit möglicherweise die Gesundheit weiterer Leute geopfert wird. So eine Klinik kann 100mal Piloten zu irgendwelchen Seminaren einladen, es ändert sich gar nichts.

Ja das stimmt schon, in diesem Fall ist es aber so, dass mich mein Arbeitgeber nicht testen will, obwohl wir die Kapazitäten hätten.

Pflaume
28.03.2020, 16:30
[selbst gelöscht weil Thema verfehlt]

tarumo
28.03.2020, 16:32
Okay, was ist dein praktischer Vorschlag für alle die in der Akutversorgung sitzen?

Wenn es tatsächlich hart auf hart kommt, würde ich mich persönlich aus der Schusslinie nehmen. Es geht schließlich darum, nicht noch mehr Fälle zu produzieren und das medizinische Personal nicht noch absichtlich weiter zu verknappen. Genau das, was sämtliche Leit- und Richtlinien bis hin zum Genfer Gelöbnis verlangen. Eigentlich völlig logisch, oder?
Und bevor jemand mit der Ethikkeule kommt: dann will ich zuerst mal die aus Politik, TV und Presse bekannten Ober-Oberärzte und diversen "Chefethiker" ungeschützt an der Front sehen...
Derzeit sehe ich aber, nachdem erst die zuständige Politik und dann die Krankenhausträger versagten, noch die Gewerkschaft bzw. Berufsverbände in der Pflicht, entsprechenden Druck auszuüben.

Zur Not eben mit einem Aufruf zur Arbeitsniederlegung, wie der Hartmannbund es getan hat. Als selbstständiger Arzt ist es natürlich einfacher, die Bude dichtzumachen, als ein kleiner Angestellter im 1 WBJ...

Es ist ja nicht so, daß es nirgendwo auf der Welt Masken geben würde. Vielmehr konkurriert Deutschland mit den anderen betroffenen Ländern, insbesondere USA, und auch den weniger betroffenen Ländern, die für die Gesamtbevölkerung Tragepflicht haben (Taiwan z.B.) auf dem Weltmarkt um ein jetzt knappes Gut, und ich unterstelle dem Sparkassenangestellten, der gerade den Gesundheitsminister gibt, daß selbst in der Krise "rumgeknapst" wird, zum Beispiel ist die Zahlung einer Gefahrenzulage im Gegensatz zum Einzelhandel noch nicht einmal diskutiert worden.

Was die BG angeht, habe ich da noch so "lustige" Urteile wie den Toilettengang (bis zur Klotür Arbeit, danach privat, oder war es andersrum?) und diverse Gutachten, an denen ich beteiligt war, im Hinterkopf, sprich, ich befürchte, man wird Gründe suchen, nicht zahlen zu müssen. Der Nachweis über die konkrete Ansteckung ist ja auch in dem Fall schwer zu führen. Den "Verursacher" in Regress zu nehmen, stelle ich mir als Nicht-Jurist auch schwierig vor. Den/die infizierten KollegIn oder PatientIn? Den KH-Träger? Jens Spahn? Eine Bar in Ischgl? Oder die VR China?

Autolyse
28.03.2020, 16:40
Verursacher ist der Arbeitgeber, weil er die Arbeitsschutznormen nicht eingehalten hat. Gegen den wird der Regress erfolgen. Es handelt sich immer noch um Ansprüche aus einem Zweipersonenverhältnis in das die gesetzliche Unfallversicherung nur eingeschaltet wird (solventer Schuldner für den Arbeitnehmer und Überforderungsschutz für den Arbeitgeber, daher zahlt dieser auch die Beiträge).

GelbeKlamotten
28.03.2020, 17:08
Es handelt sich immer noch um einen verhältnismäßig harmlosen virus, mit dem man sich mit hoher wahrscheinlichkeit sowieso früher oder später infizieren wird. Er ist jetzt auch in Indien angekommen, ein fantastisches Reservoir mit über 1 mrd wirten. Glaubt hier wirklich noch jemand, dass man den Virus mittelfristig so gut eindämmen kann, dass er bis zur entwicklung eines impfstoffes in vielleicht einem jahr nicht selbst infiziert wird?

Ich würde mich schämen deshalb als ärztin meine arbeit niederzulegen.

Am Freitag war ich beim Zahnarzt zur Zahnreinigung. Dort macht man Business as usual. Die Zahnärzte scheinen bei den Coronaregelungen wohl weitgehend übergangen zu werden und sind vermutlich froh darum, um den enormen wirtschaftlichen Schaden herumzukommen. Die Zahnarzthelferin stand eine gute halbe Stunde in den Aerosolen aus meinem Mund mit normalem cMNS und hat offensichtlich ihre Arbeit auch noch nicht niedergelegt.

h3nni
28.03.2020, 17:15
Manche Zahnärzte findens gut, andere unverantwortlich.
Ich denke die ZFAs werden sich freuen, nicht ihren Job zu verlieren und haben Angst vor Kurzarbeit usw.
Bei meinem Zahnarzt wird jetzt auf großartige Aerosolbildung verzichtet und alles möglichst minimal-aerosologen durchgeführt.
nur, weil sie dir nicht sagen, dass sie nicht gerne arbeiten, heißt nicht, dass sie gerne noch da sind. Auch die sind evtl in der Risikogruppe, auch sie wollen keine Superspreader werden.

Matzexc1
28.03.2020, 17:25
Es handelt sich immer noch um einen verhältnismäßig harmlosen virus, mit dem man sich mit hoher wahrscheinlichkeit sowieso früher oder später infizieren wird. Er ist jetzt auch in Indien angekommen, ein fantastisches Reservoir mit über 1 mrd wirten. Glaubt hier wirklich noch jemand, dass man den Virus mittelfristig so gut eindämmen kann, dass er bis zur entwicklung eines impfstoffes in vielleicht einem jahr nicht selbst infiziert wird?

Ich würde mich schämen deshalb als ärztin meine arbeit niederzulegen.

Am Freitag war ich beim Zahnarzt zur Zahnreinigung. Dort macht man Business as usual. Die Zahnärzte scheinen bei den Coronaregelungen wohl weitgehend übergangen zu werden und sind vermutlich froh darum, um den enormen wirtschaftlichen Schaden herumzukommen. Die Zahnarzthelferin stand eine gute halbe Stunde in den Aerosolen aus meinem Mund mit normalem cMNS und hat offensichtlich ihre Arbeit auch noch nicht niedergelegt.

Keiner kann sagen wie das einzelne Immunsystem reagiert, für mich wäre eine eigene Infektion auf jeden Fall ein Grund zu Hause zu bleiben

mhu60
28.03.2020, 17:30
https://www.openpetition.de/petition/online/faire-bedingungen-fuer-praktisches-jahr-und-staatsexamina-im-medizinstudium-in-der-covid-19-pandemie