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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread



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Fr.Pelz
12.03.2020, 11:29
Und dann kündigst du oder was? Bei uns hat sich auch keiner freiwillig gemeldet. Die Anzahl der Coronadienste wurden unter den Kliniken proportional zur Größe aufgeteilt und der jeweilige Klinikleiter legt fest oder delegiert die personelle Besetzung.
Aber ich gebe tarumo recht, warum das 24h für alle Welt offen sein muss, verstehe ich auch nicht. Das ist auch alles im Fluss, zweimal in der Woche gibt es Evaluationsbesprechungen des Procederes, evtl wird das noch geändert.

tragezwerg
12.03.2020, 11:44
Zumal ja ein Großteil der Tests völlig unnötig ist...bei uns wurden knapp 1000 PCRs gemacht, und unter 20 waren positiv. Das sind schon verdammt viele Ressourcen (Personal sowie Material), die dadurch belegt sind.
Andererseits sind die Symptome halt auch so unspezifisch, dass man deshalb zu oft testet. Ich hab auch gerade nen grippalen Infekt...wo zieht man die Grenze? Man kann ja ehrlicherweise gar nicht nachvollziehen, ob man Kontakt mit wem hatte der in einer Risikoregion war (an einem Tag in der Prämedambulanz sehe ich mindestens 20 Patienten, von den ganzen Kollegen aller Fachrichtungen ganz zu schweigen).

tarumo
12.03.2020, 11:47
Bei aller Sorge: Ein wenig ärztliches Ethos bitte! Bei adäquater Schutzausrüstung sollte man nicht weglaufen.

Ah, die Ethikkeule wieder.
1) ist eine Abstrichentnahme weiß Gott keine Arztsache (aktuell laufen Bestrebungen, das die Pat. gleich selbst daheim machen zu lassen, halte ich auch für sinnvoll)
2) ist das Aufgabe des Gesundheitsamtes lt § 25IfSG, also Fehlallokation von Ressourcen (jetzt ausgefallene Ärzte fehlen genau dann, wenn es ernst wird)
3) ist es absolut unethisch, zumindest teilweise nicht ausreichend geschütztes Personal aus rein monetären Gründen zu verheizen. Ich unterstelle, daß die Kliniken das nicht aus Nächstenliebe machen, sondern hinter den Kulissen schön Kohle fließt (die aber nicht ans Personal weitergereicht wird).
Die ersten, die Drive-by-Entnahmen aufgestellt haben, waren seltsamerweise kleine Kliniken mit auch offiziell bekannten finanziellen Problemen. Aber noch mal Extrageld abkassieren durch einen medizinisch nicht notwendigen 24-h Service und damit Personal gefährden ist ethisch okay?

PS: im übrigen fehlt die durch 24/7 "Service" verbrauchte Schutzkleidung dann auch, wenn es wirklich eng wird, also auch Quatsch im Sinne eines Pandemieplans

geisterhome
12.03.2020, 12:09
Und dann kündigst du oder was? Bei uns hat sich auch keiner freiwillig gemeldet. Die Anzahl der Coronadienste wurden unter den Kliniken proportional zur Größe aufgeteilt und der jeweilige Klinikleiter legt fest oder delegiert die personelle Besetzung.
Aber ich gebe tarumo recht, warum das 24h für alle Welt offen sein muss, verstehe ich auch nicht. Das ist auch alles im Fluss, zweimal in der Woche gibt es Evaluationsbesprechungen des Procederes, evtl wird das noch geändert.

Wer macht die Tests denn am Ende bei euch?

Wenn diejenigen die diese Aufgaben verteilen (//abschieben) auch mitmachen bin ich vllt. doch dabei.

Gleichzeitig sehe ich dann sowas auch nicht mit der ärztlichen Flatrate (aka Gehalt) abgegolten. Wo Milliarden Pakete für die Wirtschaft geschnürt werden, sollten auch die Fußsoldaten wie wir bedacht werden. Gleiches gilt auch für die Pflege übrigens.

Evil
12.03.2020, 12:59
Der Bundestag hat ja ein "Hilfspaket" von 1 Mrd EUR beschlossen. Abgesehen davon, daß es 1/25 von dem italienischen Hilfspaket ist (!) kommt das Gesundheitswesen überhaupt nicht darin vor.:-kotz

Heißt also, es ist der Regierung völlig egal. Mit 1 Mrd extra könnte man auf dem Weltmarkt durchaus noch ein paar Beatmungsgeräte aufkaufen, und wenn jetzt 100 -200 EUR Stundenlohn für eine stresslose Abstrichentnahme i.A. des Gesundheitsamtes ausgelobt werden, dann könnte man doch ab sofort einen Notstand- Zuschlag in der Intensiv (Ärzte und Pfleger) vom 90 EUR/H und für Wiedereinsteiger sogar 100 EUR/H ausloben. Just thinking....
Bis zum vermuteten Höhepunkt in zwei Wochen wären dann alle vor Ort eingearbeitet.

Aber wie Stromberg sagt: "Nichtkönnen wohnt in der Nichtwollen-Straße".

Der ÖGD bleibt auch weiterhin unterfinanziert, die Mehrkosten in der ambulanten Medizin tragen die Kassenärzte via Gesamtvergütung, die vermutlich horrenden Mehrkosten der Krankenhäuser werden von den Kassen nicht übernommen (Budget von 2020 ist schon fix), EHEC machte es vor. Ein bißchen sozialverträgliches Frühableben ist wohl auch gewünscht.

Und die Risiken und der Aufwand bleiben komplett an den "Leistungserbringern" hängen. Wie zu lesen, schon ab Studentenlevel.
So selten das vorkommt, aber hier stimme ich Dir mal zu 100% zu. EXAKT DAS wären jetzt die zu treffenden Maßnahmen, wenn die Amtsträger sowas wie Kompetenz besitzen.
Nun, vielleicht haben wir Glück, und wir kommen trotzdem glimpflicher davon als die Italiener, dann haben zumindest die Eindämmungsmaßnahmen gegriffen. Das dürfen sich dann aber wenn überhaupt nur die Gesundheitsämter, aber nicht die Politiker auf die Fahnen schreiben.


1) ist eine Abstrichentnahme weiß Gott keine Arztsache (aktuell laufen Bestrebungen, das die Pat. gleich selbst daheim machen zu lassen, halte ich auch für sinnvoll)
2) ist das Aufgabe des Gesundheitsamtes lt § 25IfSG, also Fehlallokation von Ressourcen (jetzt ausgefallene Ärzte fehlen genau dann, wenn es ernst wird)

Genau so hat unser Kreis das jetzt organisiert: Abstrichdienst fährt zu den Patienten, legt Probenrörchen mit exakten Anweisungen vor die Tür und holt 10 Minuten später die Proben (mit Handschuhen geschützt) vor der Tür wieder ab. Trotzdem sind die ressourcentechnisch am Anschlag.

Ja panisch
12.03.2020, 13:25
Hab gerade von der Verwandtschaft erfahren, dass es in den Schulen (Grundschule sowie Gymnasium) keine Seifenspender gibt?! Weil die Schüler zu viel Seife verbraucht hätten. Ist das hier ne Ausnahme ? Bin gerade echt wütend überrascht, nicht mal für sowas hat der Staat Geld.

nitas
12.03.2020, 13:35
Ist überall unterschiedlich. Die GrundSchule unserer Tochter hat schon vor Wochen einen Brief an die Eltern ausgeteilt, in dem darüber informiert wurde, dass die Kinder mehrmals und immer wieder über Händehygiene sprechen und dass an allen Waschbecken Seife und Einmaltücher zur Verfügung stehen.

Mein Kindergartenkind (2 Jahre!) hat mir nun auch schon mehrmals ‚beigebracht‘, wie man husten muss (in die Ellenbeuge). Das haben die Erzieherinnen mehrfach mit ihnen geübt.

überall hängen Zettel: „schützt du dich - schützt du mich!“ (also Hände waschen, mit Bild)

ich finde das super.

kartoffelbrei
12.03.2020, 13:57
Ist zwar schon ein paar Jahre her, aber in meiner Grundschule gab es noch nicht mal Klopapier, weil die Kinder immer die ganzen Rollen ins Klo geworfen hätten...

tarumo
12.03.2020, 14:14
Ist zwar schon ein paar Jahre her, aber in meiner Grundschule gab es noch nicht mal Klopapier, weil die Kinder immer die ganzen Rollen ins Klo geworfen hätten...

Als Gegenmaßnahme hätte man sich jeweils die Rolle vom Lehrer oder Hausmeister etc. aushändigen lassen können- wie in Osteuropa. Bekanntlich ist Klopapier enorm teuer...ok, mittlerweile wird auch das geklaut...

Leicht OT: zu Mehdorns schlimmsten Zeiten hatte die nach wie vor in Staatsbesitz befindliche Deutsche Bahn AG angefangen, die Flüssigseife in den Waggon-WCs mit Wasser zu verdünnen. Als Sparmaßnahme. Erst ein paar kritische TV-Berichte, die sich mit der Hygiene in Zugtoiletten befaßten, haben diese Praxis beendet.

emk57
12.03.2020, 14:22
Hallo liebe Leute! Würde gerne mal eure Meinung zu einer Sache hören: ich arbeite als Assistenzärztin in einem Krankenhaus und bin nun krank geworden. Montag hatte ich ganz leichte Halsschmerzen die dann Dienstag wieder wegwaren und seit gestern dann ziemlich nervigen Schnupfen und einfach Schlappheit, nichts weltbewegendes, so wie es sich bei mir immer äußert wenn ich denn mal krank werde. Gestern gab es nun auch den ersten positiv getesteten in unserem Krankenhaus, mit dem ich wahrscheinlich aber kein Kontakt hatte (befindet sich sogar im Nebengebäude)... und ich hatte keinen Kontakt zu riskopersonen (soweit ich weiß... hatte natürlich Dienst in der notaufnahme usw aber da war bisher nichts in die Richtung)

Zu meiner Frage: ich bin eigentlich recht entspannt habe mich heute und morgen krank schreiben lassen (da ich aktuell 10 Taschentuch Packungen am Tag verbrauche) und würde Montag einfach wieder arbeiten gehen.. von meinen Kollegen hat auch niemand in die Richtung gedacht. Allerdings kommen viele viele Fragen meiner Verwandten und Freunde ob ich mich denn nicht testen lassen möchte... ich halte es aktuell eigentlich nicht für nötig aber wollte mal eure Meinung hören...

Vielen Dank!

Ja panisch
12.03.2020, 14:34
Als Gegenmaßnahme hätte man sich jeweils die Rolle vom Lehrer oder Hausmeister etc. aushändigen lassen können- wie in Osteuropa. Bekanntlich ist Klopapier enorm teuer...ok, mittlerweile wird auch das geklaut...

Leicht OT: zu Mehdorns schlimmsten Zeiten hatte die nach wie vor in Staatsbesitz befindliche Deutsche Bahn AG angefangen, die Flüssigseife in den Waggon-WCs mit Wasser zu verdünnen. Als Sparmaßnahme. Erst ein paar kritische TV-Berichte, die sich mit der Hygiene in Zugtoiletten befaßten, haben diese Praxis beendet.

Oh je :O
... wobei man die Seifenspender in der Bahn auch heute noch eher für Attrappen halten könnte :D

tarumo
12.03.2020, 14:57
ich halte es aktuell eigentlich nicht für nötig aber wollte mal eure Meinung hören...

Der Moment, wo Du als approbierte Ärztin für die eigene Krankmeldung im Internet eine zweite Meinung einholen musst... sorry, nicht böse gemeint...

emk57
12.03.2020, 14:59
Es geht nicht um die Krankmeldung! Sondern um die Testung :)

Echinococcus
12.03.2020, 15:00
Ja ich will auch wissen, was passiert, wenn man dabei krank wird. Dann darf man womöglich noch das PJ verlängern oder was? Hab gestern den Thread über Corona und Famulatur gelesen und überlegt, was ich machen würde. Bin zz dem Entschluss gekommen, dass ich wohl jetzt keine Famulatur machen würde und sogar eine Verlängerung des Studiums in Kauf nehmen würde, wenn es irgendwie geht. Tja aber jetzt bin ich Dank Arbeitsstart schon mitten drin. Wenn man die Berichte aus Italien und Spanien liest ist es nur eine Frage von wenigen Wochen, bis wir auch hier die medizinische Versorgung nicht mehr leisten können. Ist ja jetzt schon alles am Limit...es beunruhigt mich auch, dass dann wohl jeder Arzt in der Klinik bald nur noch Patienten mit Atemwegsinfektionen behandeln wird. Hab schon überlegt, was man überhaupt symptomatisch macht und bisher nicht so wirklich Empfehlungen gefunden. Therapie bis hin zur Beatmung und ECMO ist klar aber die Stufe drunter? Flüssigkeit, Antipyretika, Atemtherapie, Inhalationen (?), prophylaktisch Antibiotika um Superinfektionen zu vermeiden?

@Fr Pelz: Alles gute für dich! Ich hoffe sehr, dass du gut geschützt bist.

(Und wo ist eigentlich Cocce?)

Cocce arbeitet aktuell ganz viel. Tatsächlich sind wir in der Hygiene dabei, alle Informationen zu sichten um bei uns kluge Entscheidungen zu treffen. Mein Chef hat nach längerer Beratung mit mir ein größeres Event in der Gegend untersagt (noch 2 Tage vor Spahns Aussage), und bei uns in der Klinik sind wir aktuell vor allem dabei die "kleinen" Probleme zu lösen, die durch Corona entstanden sind. Wir müssen aktuell unsere Schutzmaterialien ganz streng reglementieren, haben die Aufnahme- und Isolationspolitk besprechen müssen und versuchen aktuell auch die klinische korrekte Versorgung der Patienten zu organisieren. Wir sind dabei übrigens zu dem Schluss gekommen, dass alle schweren Corona Fälle gleich initial mit Unazid behandelt werden sollten, aber auch hier stützen wir uns viel auf Vermutungen.

Aktuell hab ich bei uns im Haus leider noch ganz andere Baustellen zu bewältigen und Corona nervt mich da massiv ;). Bin froh, dass wir sehr gut durch die Behörden unterstützt werden, auch mit den Schnelltestzentern etc. Wir könnten das alleine gar nicht bewerkstelligen.

Tatsächlich fischen wir aktuell echt noch im Trüben und versuchen vor allem anhand aller bisherigen Veröffentlichen möglichst gute Strategien zu entwickeln.
Wie unsicher wir aktuell noch bei vielen Entscheidungen sind zeigt mir, dass die 2 Krankenhaushygieniker in meinem Haus oft sehr unterschiedlicher Meinung sind und ich beide Standpunkte oft nachvollziehen kann. Ich kann aus meiner kleinen Sicht als angehender Hygieniker auch nur sagen, dass aktuell das Allerwichtigste der Schutz der Risikopatienten und vor allem eine Hemmung des Anstiegs der Infektionskurve ist, damit wir das System nicht mit einem Knall überfordern. Und das geht wohl mit unangenehmen Maßnahmen, wie weit wir das aber treiben müssen sollen Leute mit einem weit höheren Gehaltscheck als ich entscheiden.

emk57
12.03.2020, 15:03
Würde auch nicht nach einer Zweitmeinung bezüglich der Testung fragen, wenn es nur um mich ginge ;) gibt noch andere Menschen in der Umgebung. Und dachte jemand kann mein Problem eventuell verstehen.

tarumo
12.03.2020, 15:08
Würde auch nicht nach einer Zweitmeinung bezüglich der Testung fragen, wenn es nur um mich ginge ;) gibt noch andere Menschen in der Umgebung. Und dachte jemand kann mein Problem eventuell verstehen.

Wenn Du klinikintern Zugriff auf den Test hast und bereit bist, die Konsequenzen aus einem positiven Ergebnis zu tragen, wieso nicht. Von Fieber als möglichem Indikator hast Du ja nichts geschrieben.

FirebirdUSA
12.03.2020, 15:16
Schnupfen wäre für Corona ungewöhnlich, die wenigen Patienten hier haben trockenen Husten und Halsweh. Im Verlauf dann dtl Atembeschwerden. Im Zweifel ein paar Tage länger krank melden schützt Umgebung mehr als Test der auch falsch negativ sein kann (nur meine persönliche Meinung)

Salzi19
12.03.2020, 16:05
https://www.lequipe.fr/Football/Actualites/Coronavirus-l-uefa-devrait-annoncer-la-semaine-prochaine-la-suspension-des-coupes-d-europe-et-le-report-de-l-euro-a-2021/1119058

"Die UEFA, die am Dienstag die verschiedenen Komponenten des europäischen Fußballs vereinen soll, wird voraussichtlich bei dieser Gelegenheit die Suspendierung der Champions League und der Europa League sowie die Verschiebung der EM auf 2021 bekannt geben."

WackenDoc
12.03.2020, 16:08
Unsere VHS hat alle Kurse bis auf weiteres abgesagt

tarumo
12.03.2020, 16:18
Grenze zu Tschechien ist nun zu.
Sieht so aus, als ob Deutschland nun von außen "geschlossen" wird.