Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
roxolana
02.04.2020, 11:07
Ich habe sowieso langsam das Gefühl, dass das RKI als Bundesbehörde einfach das wiederkäut, was die Politik ihnen vorgesetzt hat. Anders kann man manche Empfehlungen und Äußerungen von Wieler & Co. nicht erklären.
arbeiter79
02.04.2020, 11:10
Ich habe sowieso langsam das Gefühl, dass das RKI als Bundesbehörde einfach das wiederkäut, was die Politik ihnen vorgesetzt hat. Anders kann manche Empfehlungen und Äußerungen von Wieler & Co. nicht erklären.
Das RKI gibt echt rundum eine erbärmliche Figur ab grade.
roxolana
02.04.2020, 11:20
Noch erbärmlicher ist allerdings das CDC: Die empfehlen ernsthaft, dass infizierte Ärzte und Pfleger 7 Tage nach Symptombeginn (!) wieder arbeiten gehen. Dabei ist bekannt, dass man bis 8 Tage nach Symptomende (!!!) noch infektiös sein kann. Die haben echt den Schuss nicht gehört.
In eigener Sache:
Mein Status "Lernfrei" für die Facharztprüfung Allgemeinmedizin. Ursprünglich Mai 2020. KV Nordrhein kann keine Daten nennen, die Prüfungstermine im März wurden abgesagt.
Lernfrei bedeutet im Prinzip arbeitslos vom 1.4. bis 30.6.2020. ("Lernen mit Kleinkind" (4J)) Dann Einstieg in Praxis.
Dann kam "Corona".
In unserer Stadt in NRW wird ein Behelfshospital errichtet und freiwilliges medizinisches Personal gesucht. Sagen wir es so, ethisch fühle ich mich verpflichtet, Intensiverfahrung vielleicht eingerostet, aber nicht unerfahren.
Aber: Mein Mann hat keinen systemrelevanten Job und in seiner Branche (Sparte IT, Unternehmensberatung) brechen Aufträge weg und 50% des Personals stehen vor Kurzarbeit und Zwangskündigungen. Er kann also als leitende Person, nicht mal eben für die Kinderbetreuung einspringen.
Lernen aktuell mit Kind. Vielleicht 90min am Tag. Eher Katastrophe, kein eigener Raum, viel Mama, Mama, Mama.
Sollte ich mich nun dort melden, wird es dort ja auch kein freiwilliger Teilzeitdienst sein? Sollte ich das neben aller ethischen Vorstellung in Erwägung helfen? An die Front stellen und Facharztprüfung risikieren? (Ja, manche Themen muss ich tatsächlich doch noch mal lernen)
DrSkywalker
02.04.2020, 11:57
Noch erbärmlicher ist allerdings das CDC: Die empfehlen ernsthaft, dass infizierte Ärzte und Pfleger 7 Tage nach Symptombeginn (!) wieder arbeiten gehen. Dabei ist bekannt, dass man bis 8 Tage nach Symptomende (!!!) noch infektiös sein kann. Die haben echt den Schuss nicht gehört.
Das sind die Angaben allerdings sehr unterschiedlich. Ich habe auch öfters gelesen das fünf Tage nach Symtome Beginn die Ansteckung Fähigkeit beendet ist, daher evtl die 7 tage
Kackbratze
02.04.2020, 14:20
Das RKI ist eine Behörde und ist direkt dem Gesundheitsministerium unterstellt. Kein eigenständiges Institut bzgl. Forschung und Lehre sondern es unterliegt damit der direkten Weisung des Ministeriums.
Selbstverständlich darf es beraten, aber das letzte Wort hat das Ministerium. Noch Fragen Kienzle?
Sollte ich mich nun dort melden, wird es dort ja auch kein freiwilliger Teilzeitdienst sein? Sollte ich das neben aller ethischen Vorstellung in Erwägung helfen? An die Front stellen und Facharztprüfung risikieren? (Ja, manche Themen muss ich tatsächlich doch noch mal lernen)
In unserem Landkreis (NRW/südliches Ruhrgebiet) gibt es genug Freiwillige, zumindest ist das der Stand der Dinge, den unser Gesundheitsamt mir vorgestern gab. Von dem her würde ich mich an Deiner Stelle derzeit noch nicht vordrängeln, solang noch nicht dringend gesucht wird. Kannst ja mal unverbindlich nachfragen.
In NRW hat man auch Anspruch auf Notbetreuung, wenn nur ein Elternteil einen System relevanten Job hat. Aber ob man das wirklich in Anspruch nehmen will, um freiwillig zu helfen, muss man für sich selber entscheiden. Ich hätte da wohl schlechtes Gewissen meiner Tochter gegenüber, weil die Notbetreuung auch mit der regulären OGS Betreuung gar nicht zu vergleichen ist. Deshalb haben wir uns dagegen entschieden und würden die nur im Notfall in Anspruch nehmen wollen. Du wohnst nicht zufällig in Mülheim?
https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-04/corona-krise-aerzte-krankenhaeuser-ethik-behandlungen-medizinische-versorgung/komplettansicht - Diskussion ethischer Probleme
Bombenbauer
02.04.2020, 20:03
Was sollen wir nur tun ? Auf der einen Seite müssen wir die Infektionsrate senken auf der anderen Seite können wir die Wirtschaft nicht vergewaltigen-
Kackbratze
02.04.2020, 20:12
Deine tendenziöse Frage lässt ja die Wirtschaft als missbrauchtes Medium dastehen.
Die Frage ist doch wie immer, was ich wichtiger? Ein paar tote Omas oder mehr Geld im Steuersäckel? In der Kurzform finden gerade Maßnahmen statt, damit neben der toten Oma nicht noch der tote Ingenieur aus der Mitte des Lebens liegt, der dann nicht mehr Steuern zahlen kann. Ist vielleicht ein sehr komplexes Bild, welches ich da aufzeige, könnte aber den meisten Leuten doch verständlich sein.
P.S. Das nonchalant eingestreute "wir" in der Frage beinhaltet nicht, dass der Fragesteller seine Teilleistung mit der Frage erbracht hat, sondern auch an der Lösungserstellung mithelfen darf.
Leider ist die Frage der Mortalität nicht mit toten Omas resp. toten jungen Ingenieuren zu klären, wenn man außer Acht lässt, dass mit zunehmender Dauer der Restriktionen die Toten aufgrund von Depressionen mit und ohne Suizide, schweren Süchten, Gewalttätigkeiten, sozialer Verwahrlosung, Arbeitslosigkeit etc. pp. erheblich zunehmen werden. Nicht medienwirksam innerhalb von Tagen und Wochen, dennoch sehr relevant.
vanilleeis
02.04.2020, 20:28
Leider ist die Frage der Mortalität nicht mit toten Omas resp. toten jungen Ingenieuren zu klären, wenn man außer Acht lässt, dass mit zunehmender Dauer der Restriktionen die Toten aufgrund von Depressionen mit und ohne Suizide, schweren Süchten, Gewalttätigkeiten, sozialer Verwahrlosung, Arbeitslosigkeit etc. pp. erheblich zunehmen werden. Nicht medienwirksam innerhalb von Tagen und Wochen, dennoch sehr relevant.
Absolut. Wir merken aktuell gravierende Auswirkungen, va durch den massiven Rückzug der Jugendämter aus dem aktiven Dienst
Gerade auch unter den Altenheimbewohnern, psychisch trifft die Isolation sie mit am schlimmsten. Die können nur in den seltensten Fällen Internet.
Kackbratze
02.04.2020, 20:31
Sicherlich ein weiterer Aspekt, solange aber der Eigen- und Fremdschutz, sei es durch konsequentes Social-Distancing und dem Tragen von adäquaten Masken in Deutschland verpönt bis belächelt wird, kann ein gezieltes Aufweichen der Restriktionen bislang nicht erwogen werden.
Alternativ macht man die Türen auf, genau wie im Krankenhaus und arbeitet nach dem first-come-first-serve Prinzip ohne Rücksicht auf Verluste, da ja eine Triage rein rechtlich ärztlicherseits nicht umsetzbar ist, wenn man dem Artikel der Zeit Glauben schenken darf.
Wer dann vor dem Krankenhaus im Blumenbeet liegen bleibt, gilt dann wenigstens nicht als gesicherter COVID-Toter, sondern kann dann als "unklare Todesursache" einer anderen Statistik zugerechnet werden.
Ich frage mich allerdings da auch, wie es dann um die psychische Beschaffenheit der Gesellschaft gestellt sein wird.
John Silver
02.04.2020, 20:36
Die Wirtschaft lässt sich neu starten, tot bleibt tot.
Autolyse
02.04.2020, 21:17
Sicherlich ein weiterer Aspekt, solange aber der Eigen- und Fremdschutz, sei es durch konsequentes Social-Distancing und dem Tragen von adäquaten Masken in Deutschland verpönt bis belächelt wird, kann ein gezieltes Aufweichen der Restriktionen bislang nicht erwogen werden.
Alternativ macht man die Türen auf, genau wie im Krankenhaus und arbeitet nach dem first-come-first-serve Prinzip ohne Rücksicht auf Verluste, da ja eine Triage rein rechtlich ärztlicherseits nicht umsetzbar ist, wenn man dem Artikel der Zeit Glauben schenken darf.
Wer dann vor dem Krankenhaus im Blumenbeet liegen bleibt, gilt dann wenigstens nicht als gesicherter COVID-Toter, sondern kann dann als "unklare Todesursache" einer anderen Statistik zugerechnet werden.
Ich frage mich allerdings da auch, wie es dann um die psychische Beschaffenheit der Gesellschaft gestellt sein wird.
Da Gott nicht würfelt empfiehlt sich das Losverfahren und für den Rest bleibt zur Minimierung des Infektionsrisikos der verbleibenden Bevölkerung das Peloton.
FirebirdUSA
03.04.2020, 07:48
Die Wirtschaft lässt sich neu starten, tot bleibt tot.
Wir sind aber auch nicht im Krieg wo alle Industriestätten zerstört sind. Der wirtschaftliche Schaden ist sicher nicht gering, insbesondere kleine Selbstständige haben echt ein Problem, aber der "Wiederaufbau" geht sicher schneller als in der 50er Jahren.
Kackbratze
03.04.2020, 08:06
Was willst Du damit sagen? Dass der Lockdown nicht so schlimm ist? Ich finde weiterhin prekär, dass wir einen Mangel an Schutzausrüstung haben und unsere Regierung sich lieber mit einem Steuer.-Aufschlag auf Flüge beschäftigt, als mit den aktuellen Problemen der Beschaffung, der steuerlichen Begünstigung von unterstützenden Maßnahmen oder vielleicht sogar *schluck* Steuersenkungen bzw. Anpassungen der Notfallgesetze bzgl. Miete und Co. (wenn es denn ein so großes Problem ist)(wenn man genau hinschaut, wollen ALLE Unternehmen ihre Miete stunden, aber wenn ein Großkonzern das macht, ist das ja pöööse)(stunden heisst, dass man später zahlt. NICHT wie in der BLÖD und anderen Kulturmagazinen kolportiert, nicht mehr zahlen will)
Mr. Pink online
03.04.2020, 09:14
Deine tendenziöse Frage lässt ja die Wirtschaft als missbrauchtes Medium dastehen.
Die Frage ist doch wie immer, was ich wichtiger? Ein paar tote Omas oder mehr Geld im Steuersäckel? In der Kurzform finden gerade Maßnahmen statt, damit neben der toten Oma nicht noch der tote Ingenieur aus der Mitte des Lebens liegt, der dann nicht mehr Steuern zahlen kann. Ist vielleicht ein sehr komplexes Bild, welches ich da aufzeige, könnte aber den meisten Leuten doch verständlich sein.
P.S. Das nonchalant eingestreute "wir" in der Frage beinhaltet nicht, dass der Fragesteller seine Teilleistung mit der Frage erbracht hat, sondern auch an der Lösungserstellung mithelfen darf.
Momentan kann keiner die wirtschaftlichen Konsequenzen für unseren Binnenmarkt absehen, von Europa und der Welt mal ganz abgesehen. Auch die Wirtschaftswissenschaftler sind sich nicht einig. Das Ifo Institut spricht beispielweise von potentiellem Abbau von mehr als 1 Mio Arbeitsplätzen, mehrere Mio in Kurzarbeit. Ich finde, wenn nur die Hälfte davon stimmt ist das schon eine Katastrophe. Es geht also nicht nur um ein paar Euros Einkommensteuer die verlustig gehen, sondern das ganze kann in einer veritablen Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes enden. Im Gegensatz dazu wissen wir ziemlich genau was uns blüht, wenn die Krise ungebremst auf uns herein bricht. Die Zahlen aus Frankreich und Italien sind beeindruckend, aber, dass diese beiden Gesundheitssysteme absolut keine Reserve für eine Notfallsituation haben, war bereits im Vorfeld klar. Menschenleben gegen wirtschaftliche Konsequenzen aufzuwiegen ist Aufgabe der Politik. Politiker werden gewählt um genau diese unangenehmen Entscheidungen zu treffen, die wir als Moralkeulen schwingende Bürger nicht treffen wollen. Aktuell wird die Politik dieser Aufgabe nicht gerecht.
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