Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Nefazodon
19.03.2022, 16:59
Was mich übrigens zu der Frage führt: Was wird da wohl auf die Rentenversicherung und die BU-Versicherer an Anträgen zukommen (bzgl. Long-Covid)?
Und wie werden die Gutachter in solchen Fällen entscheiden, vor allem: nach welchen Kriterien?
Feuerblick
19.03.2022, 17:10
Wobei ich da dann wieder ketzerisch die Frage nach dem Nocebo-Effekt und der Psyche in den Raum werfen würde....
Das hat der Referent (Neurologe übrigens) auch anklingen lassen. Es gab aber wohl verifizierbare pathologische Befunde bei den zwei beschriebenen Einzelfällen. Ob die natürlich nicht doch irgendwann mal Covid hatten und vielleicht asymptomatisch waren, konnte er auch nicht sagen.
Kurz: Er würde es nicht ausschließen, dass es Long-Covid auch nach Impfung gibt.
In der Nachbarstadt hat das Uniklinikum übrigens gerade eine Ambulanz für solche Fälle nach Impfung eröffnet. Da gibt es sicher irgendwann mal etwas fassbarere Ergebnisse.
Wobei wir bereits recht lange Post-/Long-Covid-Ambulanzen haben (sowohl neurologische als auch internistisch geführt) und die Kollegen, die da arbeiten, auch berichten, dass da nicht wenige aufschlagen, deren Problem primär supranasal sitzt.
Das soll das Leid derer, die tatsächlich an Long-Covid leiden, nicht schmälern aber da ist es natürlich auch schwierig, belastbarer Zahlen zu finden.
Feuerblick
19.03.2022, 17:18
Genau das wird vermutlich dann auch das Problem mit Rente/BU werden. Wer hat wirklich was, wer hat supranasale Probleme? Und: Ist das supranasale Problem wirklich die Psyche oder gibt es Schäden, die man nicht „nachweisen“ kann. Ist schon ein ziemlich blödes Phänomen.
Colourful
19.03.2022, 18:23
Supranasale Probleme kann man aber auch ggf. gut behandeln.
Feuerblick
19.03.2022, 18:27
Vielleicht sogar besser als manch neurologisches Problem.
EPILOC ist noch nicht fertig, die anderen Daten sind ja für die Erkrankten nicht sehr ermutigend. Allerdings habe ich nur die Befragung nach 12 Wochen gefunden, längere Beobachtungszeiten sind bislang rar, oder?
Die Studie, die ich meine, hatte glaube ich eine mittlere Nachbeobachtungszeit von 219 Tagen.
Kackbratze
19.03.2022, 19:06
Hast du einen Link?
Relaxometrie
19.03.2022, 19:08
Kannst auch mal "Prof. Carmen Scheibenbogen" googlen. Spezialistin für Long-Covid. In einem Bericht habe ich gelesen:
"Carmen Scheibenbogen geht davon aus, dass 1 Prozent der Infizierten auch das Vollbild ME/CFS entwickeln."
Was mich übrigens zu der Frage führt: Was wird da wohl auf die Rentenversicherung und die BU-Versicherer an Anträgen zukommen (bzgl. Long-Covid)?
Und wie werden die Gutachter in solchen Fällen entscheiden, vor allem: nach welchen Kriterien?
Mein Vater ist so ein Gutachter, der hat bisher wohl deutlich weniger solcher Fälle als erwartet bekommen. Ist allerdings nur ein Einzelfallbericht.
Nefazodon
19.03.2022, 19:57
Mein Vater ist so ein Gutachter, der hat bisher wohl deutlich weniger solcher Fälle als erwartet bekommen. Ist allerdings nur ein Einzelfallbericht.
Interessant. Und was hat er damit gemacht? Bzw. konnte er dir gegenüber ne Aussage machen ob er in diesen Fällen eher dafür plädiert hat den Rentenantrag anzuerkennen oder abzulehnen?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht, er ist da sehr korrekt und spricht nicht weiter darüber :-nix
Colourful
20.03.2022, 10:11
Vielleicht sogar besser als manch neurologisches Problem.
Ja, denke ich auch. Zumindest wenn es eine Depression ist, da kann man in der Regel schon viel machen. Aber ich denke, dass die Schwierigkeit eher darin bestehen wird, die Pat. davon zu überzeugen ggf. eine Depression zu behandeln, obwohl sie ja long Covid haben.
Ich bin da zwar in der Materie nicht so drin, habe bisher auch nur Post-Covid-Pat. mit einer Belastungsreaktion und CIP betreut, kann mir aber vorstellen, dass, bei einem bestimmten Klientel, die "normale" Erschöpfung nach einer Covid-Erkrankung mit den diversen Belastungsfaktoren der letzten zwei Jahre eben durchaus zu einer Aggravation der Erschöpfung mit einer schweren Depression führen kann. Und das kann man durchaus behandeln, da kann man ggf. durch Training/Medikation auch die psychophysische Belastbarkeit wieder steigern.
Es gibt wahrscheinlich aber auch Fälle von schwerem neurologischem Long Covid , welches man dann nur ganz schlecht behandeln kann.
(Eventuell in Folge von Entzündungsprozessen...)
Feuerblick
20.03.2022, 10:33
Das entspricht in etwa auch den Aussagen des Neurologen in unserer Fortbildung. Sehr oft hänge Long-Covid wesentlich mit einer Depression zusammen, die durchaus behandelbar sei. Es sei nur sehr schwer, die oft nicht objektivierbaren wirklich somatischen Folgen der Entzündungsprozesse von denen einer Depression/Belastungsreaktion zu differenzieren. Einerseits wolle man natürlich psychische Problemlagen adäquat behandeln, andererseits wolle man Long Covid-Patienten aber auch nicht direkt auf die Psychoschiene „abschieben“.
Kackbratze
20.03.2022, 12:17
Kannst auch mal "Prof. Carmen Scheibenbogen" googlen. Spezialistin für Long-Covid. In einem Bericht habe ich gelesen:
"Carmen Scheibenbogen geht davon aus, dass 1 Prozent der Infizierten auch das Vollbild ME/CFS entwickeln."
Ich hab bei pubmed oder der Charite nichts gefunden, hat Sie was veröffentlicht?
Relaxometrie
20.03.2022, 12:40
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=scheibenbogen&filter=datesearch.y_1
Allein 20 Artikel innerhalb des letzten Jahres. Haben nicht alle mit Covid zu tun, aber einige schon. U.a. eine S1-Leitlinie.
Kackbratze
20.03.2022, 15:17
Danke, das habe ich auch gefunden. Es geht mir um long c, nicht ihre allgemeinen Veröffentlichungen.
nonametoo
26.03.2022, 14:33
Hallo hat jemand von euch seine Covid-Erkrankung als BK-Verdacht gemeldet bzw. gemeldet bekommen?
http://https://www.bgw-online.de/bgw-online-de/corona-navigationsebene/coronavirus/berufskrankheiten-anzeige-und-kostenuebernahme-von-testungen-bei-43564
Nachdem bei mir Symptome über die akute Phase hinaus persistieren und ich füchte, es könnte in die Long-C-Richtung gehen, habe ich bei meinem Arbeitgeber mal nachgefragt und dort sieht man sich nicht zuständig und hat davon ja noch nie etwas gehört... Hat jemand Erfahrung diesbezüglich?
Zu Covid als Berufskrankheit kann ich leider nichts sagen.
Zu Long Covid fand ich https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Was-das-Auge-bei-Long-COVID-Patienten-verraet-427679.html sehr interessant, da es eine wichtige (und sogar therapierbare) immunologische Komponente nahelegt.
Kackbratze
26.03.2022, 16:49
Wie ist denn die Komponente, der Artikel ist kostenpflichtig.
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