Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Praia-do-Forte
12.12.2020, 08:47
Unsere Klinik hier im Landkreis läuft auf dem Zahnfleisch. Gestern hatten wir kurzzeitig eine 7-Tagesinzidenz von 450, jetzt sind wir wieder unter 400. Es wurden jetzt schon mehrfach Patienten in andere Kliniken ausgeflogen, weil keine Betten mehr frei waren. Personal ist mittlerweile so knapp, dass es jetzt Anfang der Woche einen Aufruf an die Bevölkerung gab, dass sich doch bitte Freiwillige melden sollen (mit oder ohne medizinische Vorerfahrung), die bei der Versorgung im Krankenhaus mithelfen können.
Ab Donnerstag nächster Woche sind Schulen und Kitas zu, es gibt eine Ausgangssperre von 20:00-5:00 Uhr. Auch die Ferien werden nach hinten raus um eine Woche verlängert.
Hallo Murkel, ich würde gerne mal fragen ob ihr eine Übersicht habt wie und wo die Leute sich so viel anstecken?
Ausbrüche in Schulen? Illegale Partys? Großbetriebe? Altenheime?
Dass es eher nicht im Bus oder an der Supermarktkasse passiert, würde ich jetzt vermuten....
Wir sind in unserem Landkreis und insbesondere in unserer Praxis nicht so betroffen, bzw können die paar Ketten recht gut nachvollziehen, daher schaue ich immer mit Erstaunen auf diese hohen Zahlen....
Apropos Schulung für Schnelltest, ich hab das letztens in einem unserer Altenheime gemacht, hab mir kurz die Anleitung durchgeschaut da sie einen anderen benutzen als wir, und hab dann detailliert erklärt und gezeigt und Fragen beantwortet....
cartablanca
12.12.2020, 09:35
Wird den arbeitenden Angehörigen der Risikogruppe dann auch das Gehalt weiter gezahlt oder wie stellst du dir das vor?
Warum sollte es ihnen weiter gezahlt werden? Mit Nachbarschaftshilfe etc. sind Dinge wie Einkäufe erledigen gemeint. Kontakt zu Jüngeren nur mit FFP2 Maske. Ich stell mir das vor wie eine Umkehr Iso.
Autolyse
12.12.2020, 09:41
[...]Früher hatten wir mal Zivis für solche Fälle bevor die Politik ohne Rücksicht auf den damals bereits existierenden Pflegenotstand die Wehrpflicht abschaffte.[...]
Der Zivildienst ist eine Form der Zwangsarbeit - die deswegen übrigens niemals reguläre Kräfte ersetzen durfte, aber auch hier gab es nur Vollzugsdefizite - welche nur als Alternativform zum Waffendienst zulässig ist. Da der Kampfwert eines Wehrpflichtigen exakt 0 beträgt, da der schon zweimal ausgeschieden ist bevor der combat ready ist, braucht den auch kein Mensch.
Warum sollte es ihnen weiter gezahlt werden? Mit Nachbarschaftshilfe etc. sind Dinge wie Einkäufe erledigen gemeint. Kontakt zu Jüngeren nur mit FFP2 Maske. Ich stell mir das vor wie eine Umkehr Iso.
Ja, aber wie willst du diese Leute dann schützen? Oder ist das dann halt deren Pech, dass sie zwar ein hohes Risiko für einen schweren Corona-Verlauf haben, aber andererseits nicht "krank" genug sind, um Erwerbsminderungsrente zu beziehen und zu Hause zu sitzen?
cartablanca
12.12.2020, 10:11
Ja, aber wie willst du diese Leute dann schützen? Oder ist das dann halt deren Pech, dass sie zwar ein hohes Risiko für einen schweren Corona-Verlauf haben, aber andererseits nicht "krank" genug sind, um Erwerbsminderungsrente zu beziehen und zu Hause zu sitzen?
In dem Alter arbeitet kaum noch einer körperlich und kann im Homeoffice arbeiten oder gar nicht.
cartablanca
12.12.2020, 10:13
Der Zivildienst ist eine Form der Zwangsarbeit - die deswegen übrigens niemals reguläre Kräfte ersetzen durfte, aber auch hier gab es nur Vollzugsdefizite - welche nur als Alternativform zum Waffendienst zulässig ist. Da der Kampfwert eines Wehrpflichtigen exakt 0 beträgt, da der schon zweimal ausgeschieden ist bevor der combat ready ist, braucht den auch kein Mensch.
Das spielt keine Rolle wie man zur Wehrpflicht steht. In dieser Situation waren die Häuser auf die Zivis angewiesen. Mal abgesehen davon kann man eine Berufsarmee mit weniger Widerstand im Ausland einsetzen. Es gibt gute Gründe für die Wehrpflicht.
In dem Alter arbeitet kaum noch einer körperlich und kann im Homeoffice arbeiten oder gar nicht.
Sag das mal meinem 63-jährigen Vater der als Maschinenschlosser in der Industrie Vollzeit arbeitet. Möchte sehen, wie der im Home office arbeitet... und würde auch zu gerne wissen, was sein Arbeitgeber dazu sagen würde, dass man Vater jetzt kerngesund und fit aufgrund seiner ü60 Jahre in Umkehr-Iso geht und nicht mehr zu Arbeit kommt.
Edit: und wenn meine über 60-Jährigen Rettungsdienstkollegen alle nicht mehr zur Arbeit kommen und sämtlich Hausärzte > 60 Jahre schließen wird’s wohl auch recht ungemütliche. Aber die sind ja systemrelevant und damit per definitionem immun gegen Corona...
cartablanca
12.12.2020, 10:22
Sag das mal meinem 63-jährigen Vater der als Maschinenschlosser in der Industrie Vollzeit arbeitet. Möchte sehen, wie der im Home office arbeitet... und würde auch zu gerne wissen, was sein Arbeitgeber dazu sagen würde, dass man Vater jetzt kerngesund und fit aufgrund seiner ü60 Jahre in Umkehr-Iso geht und nicht mehr zu Arbeit kommt.
Edit: und wenn meine über 60-Jährigen Rettungsdienstkollegen alle nicht mehr zur Arbeit kommen und sämtlich Hausärzte > 60 Jahre schließen wird’s wohl auch recht ungemütliche. Aber die sind ja systemrelevant und damit per definitionem immun gegen Corona...
Ich verstehe: du hast kein Problem Millionen Menschen im Alter von 0 bis 60 in den Lockdown zu verbannen, aber die Gruppe der Ü60 Jährigen nicht. Ne is klar.
Absolute Arrhythmie
12.12.2020, 10:28
Ich verstehe: du hast kein Problem Millionen Menschen im Alter von 0 bis 60 in den Lockdown zu verbannen, aber die Gruppe der Ü60 Jährigen nicht. Ne is klar.
Es gibt auch unter 60 jährige, berufstätige, die zur Risikogruppe gehören.
In dem Alter arbeitet kaum noch einer körperlich und kann im Homeoffice arbeiten oder gar nicht.
Welches Alter meinst du genau? Also ich bin noch keine 35, arbeite Vollzeit und kann naturgemäß nicht ins Homeoffice. Zur Risikogruppe gehöre ich trotzdem. Also? Wie genau willst du mich und viele andere, denen es genauso geht jetzt schützen??
WackenDoc
12.12.2020, 10:53
Kandra- du darfst dann in der eingeschränkten Öffnungszeit für Nicht-Alte einkaufen gehen.
Unter meinen Bauarbeitern sind auch einige Ü60.
cartablanca
12.12.2020, 11:03
Welches Alter meinst du genau? Also ich bin noch keine 35, arbeite Vollzeit und kann naturgemäß nicht ins Homeoffice. Zur Risikogruppe gehöre ich trotzdem. Also? Wie genau willst du mich und viele andere, denen es genauso geht jetzt schützen??
Warum kannst du nicht ins home office? Kann ich mir nur schwer vorstellen bei dem ganzen Bürokram der bei den Ärzten anfällt.
Warum kannst du nicht ins home office? Kann ich mir nur schwer vorstellen bei dem ganzen Bürokram der bei den Ärzten anfällt.
Ich kann von zu Hause nicht mal meine Emails einsehen ;) Hier mal ein Gruß an unsere EDV! :-winky
Was wären deine weiteren Vorschläge?
Kandra- du darfst dann in der eingeschränkten Öffnungszeit für Nicht-Alte einkaufen gehen.
Unter meinen Bauarbeitern sind auch einige Ü60.
Ja Vormittags muss ich aber halt leider arbeiten ;)
WackenDoc
12.12.2020, 11:26
Kandra- du existierst gar nicht bzw. auf den Einzelfall U60 und Risikogruppe kann man keine Rücksicht nehmen. In Cartablancas Welt gibt es nur U60er die fit sind und eh nicht schwer erkranken und Ü60er multimorbide die außer zum Einkaufen eh nur krank zu Hause sitzen.
Kandra- du existierst gar nicht bzw. auf den Einzelfall U60 und Risikogruppe kann man keine Rücksicht nehmen. In Cartablancas Welt gibt es nur U60er die fit sind und eh nicht schwer erkranken und Ü60er multimorbide die außer zum Einkaufen eh nur krank zu Hause sitzen.
Ja, ich merke das schon. Ist bei GK ja nicht anders. Eigentlich schade, dass die junge Risikogruppe selbst bei Ärzten nicht auf dem Schirm ist. So wenige sind wir jetzt auch wieder nicht...
cartablanca
12.12.2020, 11:35
Kandra- du existierst gar nicht bzw. auf den Einzelfall U60 und Risikogruppe kann man keine Rücksicht nehmen. In Cartablancas Welt gibt es nur U60er die fit sind und eh nicht schwer erkranken und Ü60er multimorbide die außer zum Einkaufen eh nur krank zu Hause sitzen.
Die Statistik (median Alter der Toten von 82) und das Modell Tübingen geben aber cartablanca Recht. Ich glaube auch, dass der ein oder andere nicht versteht, dass die Risikogruppen selbst direkt (weniger Tote) und indirekt von einer Umkehriso mehr profitieren würden als von den derzeitigen Vorschlaghammermethoden.
Der ein oder andere Ü60 Jährige arbeitet vielleicht in einem Betrieb oder leitet einen, der nächstes Jahr dicht macht wegen den Lockdowns. Habt ihr das auch bedacht?
Autolyse
12.12.2020, 11:42
Das spielt keine Rolle wie man zur Wehrpflicht steht. In dieser Situation waren die Häuser auf die Zivis angewiesen. Mal abgesehen davon kann man eine Berufsarmee mit weniger Widerstand im Ausland einsetzen. Es gibt gute Gründe für die Wehrpflicht.
Zivis hat man nicht zu brauchen. Der Zivildienst war de lege lata arbeitsmarktneutral ausgestaltet - wie im Übrigen auch alle Freiwilligendienste (§ 3 I 2 BFDG). Im Übrigen ist der Zivildienst nach Artikel 4 III lit. b) 2. Alternative EMRK nur als Ersatzdienst zulässig und nicht als Selbstzweck.
WackenDoc
12.12.2020, 11:47
Jaja ich weiss, du bist Internist der auch auf Intensiv arbeitet, aber nur aus der Verwandtschaft ein paar Coronafälle mit leichtem Verlauf kennt.
Den Lockdown haben wir Leuten wie DIR zu verdanken, die die Pandemie kleinreden und dafür sorgen, dass ich die Leute nicht an die Regeln halten.
Was soll eigentlich in deinem Supertübingen soo erfolgreich sein? Die Zahlen sind doch vergleichbar mit den Landkreisen drumrum?
Der Median des Todesalters ist ziemlich uninteressant. Solltest du als Superinternist aber auch wissen.
WackenDoc
12.12.2020, 11:58
Zivildienst galt genauso als Wehrdienst wie der Dienst in der Bundeswehr. Man konnte nicht den Wehrdienst verweigern, sondern den Dienst an der Waffe/Kriegsdienst. Das hatte auch nichts mit einer personellen Unterstützung der Pflege im Grundbetrieb zu tun, sondern ist ein Grundrecht, was im Grundgesetz verankert ist. Zweck des Wehrdienstes ist/war eine grundausgebildete wehrfähige Bevölkerung zu haben, die im Spannungs-und Verteidigungsfall einberufen und weiter ausgebildet worden wäre. Grundsätzlich gab es auch die Möglichkeit jegliche Reservisten zu regelmäßigen Übungen heranzuziehen.
Zivis sollten eine pflegerische Grundbildung bekommen und im Bedarfsfall in den Lazaretten eingesetzt werden.
In dem Zusammenhang gab es auch Totalverweigerer, die auch diese Art der Unterstützung von Kriegsdienst verweigerten.
cartablanca
12.12.2020, 12:02
Zivis hat man nicht zu brauchen. Der Zivildienst war de lege lata arbeitsmarktneutral ausgestaltet - wie im Übrigen auch alle Freiwilligendienste (§ 3 I 2 BFDG). Im Übrigen ist der Zivildienst nach Artikel 4 III lit. b) 2. Alternative EMRK nur als Ersatzdienst zulässig und nicht als Selbstzweck.
Deshalb hab ich auch vom Wehrdienst gesprochen. Für diesen gab es gute Gründe. Und ob man etwas braucht oder nicht ist nicht abhängig davon ob man die Augen davor verschließt.
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