Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Da wir beide zur Risikogruppe zählen nicht unmöglich. Time will tell.
GelbeKlamotten
10.04.2020, 22:34
Ich will ja keine Spielverderberin sein, aber eine Mortalität von 0,5 bis 1% hilft wenig gegen die Überbevölkerung, selbst wenn alle Menschen 5 mal infiziert würden.
Und es wird wohl kaum nach 6 Monaten plötzlich jegliches Immungedächtnis verpuffen. Möglicherweise können sich einige leute mehrfach infizieren, insbesondere wenn das Virus ein bisschen mutiert. Aber die Krankheitsverläufe dürften dann deutlich milder sein.
In Finland gab es in der Statistik tatsächlich schon -1 Todesfall. Was machen wir wenn die Zombies loslegen?
Bei uns wird ab kommender Woche das OP Programm auf Drängen einzelner Abteilungen wieder hochgefahren. Es werden dann wieder Hüft-/Knie-TEPs und andere hoch vital dringliche Dinge operiert. Angeblich wünschen die Patienten ganz ausdrücklich diese Operationen, kann man in den OP Anmeldungen zumindest lesen. Ja, nee, ist klar. Sicherlich sogar obwohl man sie ausdrücklich über die aktuelle Risikokonstellation aufgeklärt hat.
GelbeKlamotten
11.04.2020, 02:39
Grund für das Aussetzen solcher OPs war doch nicht die Risikokonstellation für die elektiven Patienten, sondern dass man Betten und Personal für die befürchtete Coronawelle freihält. Wenn bei euch absehbar ist, dass es keine solche Problematik geben wird, dann ist es meiner Meinung nach völlig legitim, wieder elektive OPs durchzuführen.
Covid 19 Erkrankungen wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in einem Jahr noch geben. Soll jetzt so lange keiner mehr eine Hüft-TEP bekommen dürfen?
Unser Personal ist nach wie vor in den Zusatzkapazitäten für Covid gebunden. Das macht es umso schwieriger jetzt auch noch diese Nachfrage zu befriedigen.
Diese Woche kam eine Studie (finde leider nicht mehr wo) in der Patienten untersucht wurden, die in der Inkubationszeit elektiv operiert worden sind. Ergebnis: eher krank, schwerer krank, häufiger tot. Ist auch ohne Studie irgendwie logisch.
Und: ein gewisser Teil der elektiven Patienten braucht postop ungeplant ein ITS Bett, was im Bereich non-Covid bei uns aktuell sehr sehr knapp ist.
Aktuell finde ich die Lage einfach zu unklar und unübersichtlich als dass man da so elektives Zeugs operieren muss was ohne Probleme auch noch ein paar Monate warten kann.
DrSkywalker
11.04.2020, 05:44
Ich will ja keine Spielverderberin sein, aber eine Mortalität von 0,5 bis 1% hilft wenig gegen die Überbevölkerung, selbst wenn alle Menschen 5 mal infiziert würden.
Und es wird wohl kaum nach 6 Monaten plötzlich jegliches Immungedächtnis verpuffen. Möglicherweise können sich einige leute mehrfach infizieren, insbesondere wenn das Virus ein bisschen mutiert. Aber die Krankheitsverläufe dürften dann deutlich milder sein.
Du kannst leider auch nur mutmaßen. Hoffe Du hast recht, aber Du weißt auch nichts.
Bei uns wird ab kommender Woche das OP Programm auf Drängen einzelner Abteilungen wieder hochgefahren. Es werden dann wieder Hüft-/Knie-TEPs und andere hoch vital dringliche Dinge operiert. Angeblich wünschen die Patienten ganz ausdrücklich diese Operationen, kann man in den OP Anmeldungen zumindest lesen. Ja, nee, ist klar. Sicherlich sogar obwohl man sie ausdrücklich über die aktuelle Risikokonstellation aufgeklärt hat.
Es scheint aber tatsächlich viele Patienten zu geben, die überhaupt kein Verständnis haben und unbedingt ihre OPs wollen. Weniger weil man Covid nicht ernst nehmen würde sondern eher weil man sich selbst mit seiner schmerzenden Kniearthrose oder seinen unangenehmen Hämorrhoiden durchaus als Notfall sieht. Es schränkt einen ja im Alltag ein, es besteht ein Leidensdruck und man will damit nicht länger leben.... viele sind auch sehr auf ihren OP-Termin als Lösung all ihrer Sorgen fixiert und dementsprechend ungehalten, wenn dieser abgesagt wird. Hier schlagen auch regelmäßig Leuten, deren elektive OPs abgesagt wurden, in den Notaufnahme auf und wollen operiert werden weil sie „es nicht mehr aushalten“.
Klar, die Chirurgen werden dankbar auf den Zug aufspringen aber es gibt mehr Patienten, die auf Gedeih und Verderb operiert werden wollen, als man glauben mag.
tragezwerg
11.04.2020, 06:09
Mein Korinthenkackerherz kann so langsam die Vergewaltigung statistischer Fachbegriffe in den Medien nicht mehr ertragen. Mortalität ist nicht Letalität. Und exponentiell ist nicht logarithmisch, und schon gar nicht linear. Argh.
Wir haben ja eifrig weiter elektiv operiert...und hatten anfangs eine interessante Häufung von fieberhaften Infekten beim Anästhesiepersonal, was ja zum hohen Risiko einer Aerosolbildung bei unseren Maßnahmen passt. Getestet wurde zu dem Zeitpunkt (gemäß Empfehlungen des RKI) niemand...nun ja...
Die übliche "Kopf in den Sand"-Strategie halt. Ein von der Politik unabhängiges RKI wäre schön.
FirebirdUSA
11.04.2020, 06:33
Unser Personal ist nach wie vor in den Zusatzkapazitäten für Covid gebunden. Das macht es umso schwieriger jetzt auch noch diese Nachfrage zu befriedigen.
Diese Woche kam eine Studie (finde leider nicht mehr wo) in der Patienten untersucht wurden, die in der Inkubationszeit elektiv operiert worden sind. Ergebnis: eher krank, schwerer krank, häufiger tot. Ist auch ohne Studie irgendwie logisch.
Und: ein gewisser Teil der elektiven Patienten braucht postop ungeplant ein ITS Bett, was im Bereich non-Covid bei uns aktuell sehr sehr knapp ist.
Aktuell finde ich die Lage einfach zu unklar und unübersichtlich als dass man da so elektives Zeugs operieren muss was ohne Probleme auch noch ein paar Monate warten kann.
Die Studie kann man aber auch so interpretieren, dass die Fälle die operiert wurden die waren die man wegen Schwere der Erkrankung nicht warten lassen konnte.
Bonnerin
11.04.2020, 07:13
https://www.doccheck.com/de/detail/articles/26498-op-trotz-covid-19-fallserie-aus-wuhan
Das hier müsste die erwähnte Studie sein.
Wobei man ja eventuell vor der OP nen Abstrich machen könnte um die Akutinfektion auszuschließen. Bringt zwar nix, wenn die Inkubationszeit länger dauert, aber könnte eventuell ne Absicherung vor irgendwelchen Klagen darstellen.
Bei uns bekommt sowieso jeder, der nicht notfallmäßig operiert wird, vorher einen Abstrich. Schon alleine um das Anästhesie-Team zu schützen. Das sollte ja eigentlich überall Standard sein. Aber im Krankenhaus ist halt auch das Risiko, sich anzustecken, deutlich höher als zuhause, und eine so erworbene Infektion hilft beim postoperativen Verlauf sicher nicht. Aber der Lockruf des Geldes ist halt sehr groß... bei uns sind die Chirurgen, Kardiologen usw. auch schon ganz gierig auf ihre elektiven Eingriffe mit hohem Privatpatientenanteil...
tragezwerg
11.04.2020, 07:50
Bei uns bekommt sowieso jeder, der nicht notfallmäßig operiert wird, vorher einen Abstrich. Schon alleine um das Anästhesie-Team zu schützen. Das sollte ja eigentlich überall Standard sein. Aber im Krankenhaus ist halt auch das Risiko, sich anzustecken, deutlich höher als zuhause, und eine so erworbene Infektion hilft beim postoperativen Verlauf sicher nicht. Aber der Lockruf des Geldes ist halt sehr groß... bei uns sind die Chirurgen, Kardiologen usw. auch schon ganz gierig auf ihre elektiven Eingriffe mit hohem Privatpatientenanteil...
Bei uns seit dieser Woche auch...davor halt nicht.
Seit Januar habe ich eine SLAP - Läsion. Mein OP Termin für Mitte März wurde mir kurz vorher wegen Corona im Haus abgesagt. Jetzt hoffe ich auf den nächsten Winter, dass der Spuk dann vielleicht vorbei ist. Bis dahin wache ich eben fast jede Nacht vor Schmerzen auf und versuche mit den Einschränkungen klar zu kommen, etc. etc. Und es ist NUR eine SLAP.
Da kann ich schon verstehen, dass ältere Patienten mit ganz anderen Krankheitsbildern glauben/ sagen, sie halten es nicht mehr aus und brauchen dringend ihre OP.
John Silver
11.04.2020, 09:07
Ob die Patienten privat sind, ob sie unbedingt wollen - das sind keine entscheidenden Gründe. Okay, eine TEP des Knies kann man echt schieben; aber bei einer Galle sieht es so aus, dass die halt schwerwiegende Komplikationen produzieren kann. Wenn ich die OP verschiebe, weil ich sage, das Risiko dieser Komplikationen sei sehr gering, werden mir sicher alle zustimmen; aber wenn der Patient eine Perforation mit Peritonitis oder eine biliäre Pankreatitis erleidet und danach klagt? Ich berufe mich auf Corona, und der Richter fragt: „Gut, wieviele COVID-Patienten waren zum Zeitpunkt der OP-Verschiebung stationär?“ Bei ins liegt grad mal einer auf Normalstation; wir sind im Regionalplan die Reserve, zu uns werden COVID-Patienten nur kommen, wenn alle anderen voll sind. In so einer Konstellation wird der Richter sagen, man habe unter Abwägung bla-bla die OP machen sollen, statt sie zu verschieben. Ist nicht immer einfach nur „elektiv“ vs „Notfall“.
Gibt’s schon ne offizielle Stellungnahme, was es mit den Patienten auf sich hat, die erneut Corona krank sind ? Südkorea über 80 Personen. Reaktivierung oder Reinfektion?
Kannst du mir deine Quelle nennen? Mich würde das auch brennend interessieren.
Es gibt bei uns konkrete Pläne das medizinische Personal zu testen und bei Antikörpernachweis in die infektionsbereiche zu schicken. Haben schon "Laborkapazitäten" reserviert.
Bei den anderen harmlosen Corona Viren ist doch die Immunität auch sehr flüchtig, oder?
Bonnerin
11.04.2020, 09:57
https://www.businessinsider.com/south-korea-coronavirus-reactivate-unlikely-dormancy-2020-4?r=DE&IR=T
Ist nicht unbedingt, was ich erhofft hatte, aber zumindest besser als die deutsche Presse, die nur Wiederinfektion dazu meinte.
Südkorea erklärt Patienten anscheinend für geheilt, wenn innerhalb von 24h 2 Abstriche negativ ausfallen. Hier ist das ja soweit ich weiß anders. Die Mediziner vor Ort gehen davon aus, dass bei der späteren Probe noch Viruspartikel miterwischt worden, die aber schon inaktiv seien. Symptome hatte ja anscheinend niemand mehr davon.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2851497/
Nach dem originalen SARS war man wohl i.d.R. 2 Jahre mit IgG geschützt.
Anne1970
11.04.2020, 10:29
Also, ist ja fast putzig. Meine Familie zählt nix, gibt ja viele Arten von Familien, ich weiß natürlich nichts über die Arbeit von Hausärzten, hab also anscheinend keine Zuweiser und Wartezeit hab ich 1 Jahr, alles klar.
Zur Aufklärung, ich hab auch ein Baby daheim, weiß durchaus von meinen Zuweisern, wie Hausärzte so arbeiten und hab sogar ne Notfallsprechstunde, wo man ohne Termin kommen kann und dann nach Dringlichkeit triagiert wird. Wartezeit ist bei uns übrigens 3 Monate, nicht ein Jahr, sind ja keine Neurologen, um den bashing Stab weiterzureichen😎
:grins:
roxolana
11.04.2020, 11:02
Endlich gibt es interessante Ergebnisse aus der Patho (wenn auch erstmal nur ein Preprint) - es wurde eine auf die Lungen beschränkte thrombothische Mikroangiopathie gefunden:
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.06.20050575v1
Daneben gibt es jetzt Hinweise, dass die Heparinisierung einigen Patienten (z.B. mit hohen D-Dimer-Spiegeln) hilft. Die Heparin-Dosis in der Studie war allerdings etwas komisch, irgendwas zwischen prophylaktisch und halbtherapeutisch...
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jth.14817
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