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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread



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WackenDoc
23.04.2020, 13:23
Ich bin nicht in einer Klinik. Aber wir fahren ab dieser Woche schon wieder unsere Sprechstunde hoch. Natürlich mit Schutzmaßnahmen, zeitlich und räumlich größere Abstände. Aber es ist eine Aufbruchsstimmung als ob wir alles schon überstanden hätten und jetzt alles normal wird.

Ja, der große Kreisverkehr, über den ich mit dem Rad drüber muss, hat seit dieser Woche wieder Stau.

Dass die Leute raus gehen, Joggen, Spazieren, Radfahren ist seit Beginn der Einschränkungen normal. Aber die meisten haben das mit dem Abstand zumindest versucht (eine hat mich an einer Kreuzung nach dem Weg gefragt mit einem "Ups, tschuldigung, wir müssen ja Abstand halten" als sie es gemerkt hat). Jetzt ist es voller, Abstände werden immer weniger eingehalten. Ich halte die Öffnung der Geschäfte nicht für grundsätzlich falsch. Aber in der Innenstadt war es gestern schlichtweg zu voll.

Mein Kollege meint auch "ach die Fallzahlen sinken doch".

Pflaume
23.04.2020, 13:24
Ich mußte heute erstmals seit Wochen beim Einkaufen wieder einen Parkplatz suchen. Und stand gestern erstmals seit Ende Februar im Stau.

Christoph_A
23.04.2020, 13:42
Jup, es nimmt definitiv der Verkehr und die Anzahl der Leute wieder zu. Liegt natürlich einerseits daran, daß immer mehr Büros und Geschäfte wieder aufmachen und dadurch der Berufsverkehr, insbesondere, da viele die Öffis momentan meiden, anwächst.
Sehe aber auch das, was Wacken beschrieben hat, die Leute werden zunehmend unvorsichtiger und, auch durch unglückliche Aussagen wie von Hr. Spahn (Corona ist jetzt beherrschbar) hat sich eine Art unberechtigte Sicherheit breit gemacht, als ob das schon alles durch wäre. Bin da eher beim Kollegen Drosten, wenn man jetzt zu schnell zu viel will, wird uns das schwer auf die Füße fallen.

Kackbratze
23.04.2020, 13:49
Die Sprechstunde ist noch leer, aber der OP-Plan wird jetzt mit denen, die während des Shutdowns nicht konnten wieder befüllt. Es geht langsam wieder voran. Allerdings ist die enge Taktung der Sprechstunden nicht mehr vorhanden, ein Patient pro Stunde, damit das Wartezimmer leer bleibt. Eine sehr gute Idee IMHO, leider wird sowas nicht honoriert, schließlich geht es ja nicht um Zeit für und mit dem Patienten, sondern um Erlöse....und die generiert man nicht im Gespräch (nicht wahr, liebe Hausärzte?)

Kackbratze
23.04.2020, 20:29
...aber die Presse dreht jetzt auf. Auf Welt.de wird erklärt, welche Rechte man hat, wenn einem die Triage der Oma nicht gefallen hat.
Dann die Homestory-Fälle der "eigentlich war meine Mutter ja gesund, aber jetzt ist sie mit ihrem top eingestellten Diabetes, Adipositas und das bischen COPD einfach so mit 89 im Krankenhaus gestorben".

Für Altenpfleger wird geklatscht, das Pflegepersonal wird bedauert, aber umbringen, das tun immer noch wir.
Ick freu mir. :-kotz

Matzexc1
23.04.2020, 20:45
...aber die Presse dreht jetzt auf. Auf Welt.de wird erklärt, welche Rechte man hat, wenn einem die Triage der Oma nicht gefallen hat.
Dann die Homestory-Fälle der "eigentlich war meine Mutter ja gesund, aber jetzt ist sie mit ihrem top eingestellten Diabetes, Adipositas und das bischen COPD einfach so mit 89 im Krankenhaus gestorben".

Für Altenpfleger wird geklatscht, das Pflegepersonal wird bedauert, aber umbringen, das tun immer noch wir.
Ick freu mir. :-kotz

Da sitzt leider die Bezahlschranke, kannst du das zusammenfassen? Aber ich stimme dir zu, die Geisteshaltung "Ich hab sie doch eigentlich gesund ins Krankenahus gebracht und dann ist sie gestorben" war ja schon vorher teilweise sehr ausgeprägt.

Inzwischen steht auch wieder die Prämie für Pflegekräfte zur Disposition, keiner will es bezahlen.

WackenDoc
23.04.2020, 20:49
Wobei die Pflege ja laut der Leitlinie an der Triage beteiligt werden soll. vielleicht kapieren sie dann mal ,was Verantwortung wirklich heisst und dass der Arzt nicht nur der Depp ist der einem die Arbeit erschwert und für Unterschriften gebraucht wird.

freak1
23.04.2020, 20:52
Wobei die Pflege ja laut der Leitlinie an der Triage beteiligt werden soll.

Die Verantwortung wird zu 1000% an den Arzt abgeschoben werden der es unterschreibt. Da werden die entsprechenden Pflegeverbände schon für kämpfen, zur Not mit Arbeitsniederlegung. :-dance

WackenDoc
23.04.2020, 21:04
Aber erst wenn sie verstehen, was das überhaupt bedeutet. Man hat sie ja nicht mit rein genommen weil die Ärzte die Verantwortung nicht wollten, sondern weil die Pflege sonst wieder heult, dass sie nicht beteiligt wird, als Fachpersonal und Team und so.
Ich denke, die Leitlinie wurde absichtlich so schwammig formuliert, damit man sich mal vorsichtig überhaupt mal an den Triagegedanken gewöhnen kann. Aber so fast schon romantisch mit ausführlicher Besprechung und Teamentscheidung wird das nur in den seltensten Fällen sein.

Ich denke immer mal wieder an meinen kurdischen Triageofficer.

freak1
23.04.2020, 21:07
Was passiert wenn der OA Anästhesie sagt Triage blau aber die zugeteilte Schwester sieht das anders? Würfeln wir dann?

h3nni
23.04.2020, 21:22
Naja, man sollte seine Entscheidung kommunizieren und diskutieren können. Und entweder die Teammitglieder können überzeugt werden, was natürlich das Optimum wäre, oder es muss nach Abwägung am Ende doch eine Entscheidung durch den Verantwortlichen getroffen werden.

freak1
23.04.2020, 21:23
Womit wir wieder beim obigen Punkt wären: Am Ende trägt nur der Arzt die Verantwortung.

Miss_H
23.04.2020, 22:09
Tagtäglich wird in vielen Notaufnahmen die Triage durch das Pflegepersonal gemacht. Und dann schauen sich die Ärztinnen die Patienten nach Dringlichkeit an. Ist jetzt nix Neues. Verstehe nicht was das Problem vieler hier mit dem Pflegepersonal ist.

freak1
23.04.2020, 22:14
Das Problem besteht nicht mit den Pflegekräften selbst sondern eher mit den geltungssüchtigen Vertretungen. Ist beim MB ja auch nicht anders.

Kackbratze
23.04.2020, 22:36
Ob ein Patient dringlich angeschaut werden muss oder ob er überhaupt noch auf die ITS kommt ist schon ein kleiner Unterschied.

John Silver
23.04.2020, 22:52
Tagtäglich wird in vielen Notaufnahmen die Triage durch das Pflegepersonal gemacht. Und dann schauen sich die Ärztinnen die Patienten nach Dringlichkeit an. Ist jetzt nix Neues. Verstehe nicht was das Problem vieler hier mit dem Pflegepersonal ist.

Die ZNA-Triage ist lediglich die Entscheidung, welcher Patient dringlicher behandelt werden muss. Letztlich werden alle behandelt, bloß wartet der Depp mit Rückenschmerzen seit 3 Wochen halt länger, als ein Kind mit V.a. eine Radiusfraktur. Bei der ITS-Triage geht es im vorliegenden Fall darum, wer überhaupt intensivmedizinisch behandelt wird, wenn die Kapazitäten nicht für alle reichen. Ist schon etwas anders gelagert.

Evil
24.04.2020, 06:10
Naja, Welt.de ... dann kann man genausogut Blöd.de lesen...

Miss_H
24.04.2020, 06:18
Mir ist schon klar, dass es bei dieser Triage um etwas anderes geht. Allerdings kann ich Aussagen ala 'dann sehen sie mal welche Verantwortung wir haben' und 'was passiert wenn die Pflege eine andere Meinung hat' nicht verstehen. Mit den Pflegekräften mit denen ich gearbeitet habe gab es einen netten Umgang und sie wussten auch um die Verantwortung.

Kackbratze
24.04.2020, 06:33
Mit den Pflegekräften mit denen ich gearbeitet habe gab es einen netten Umgang und sie wussten auch um die Verantwortung.

Bei euch machen jetzt schon die Pflegekräfte bei der ITS-Triage mit?
Die gefühlte Verantwortung eines "oh, dann waren die Unterbauchschmerzen doch urologisch? Naja, jetzt isser ja in der richtigen Abteilung" und "Nein, dieser Patient wird nicht auf die ITS verlegt, die Gesamtsituation und die fast volle ITS lassen das nicht zu" ist eine etwas andere Herangehensweise. Und am Ende ist ja, wie schon oben gesagt, der Arzt verantwortlich, dementsprechend ist abzuwarten, wie sich das entwickeln wird.
Diese Pandemie ist aktuell ein guter Testlauf, falls es mal Schlimmer kommen sollte, wie die Politik, die Fachgesellschaften und auch die einzelnen Berufsgruppen reagieren.

Salzi19
24.04.2020, 09:40
https://www.tagesschau.de/inland/interview-angstforscher-ablehnung-coronamassnahmen-101.html
"Zu Beginn der Pandemie haben sich sehr viele Menschen an die freiheitseinschränkenden Maßnahmen gehalten. Manchmal sogar mehr als gefordert. Warum sich das gerade ändert, erklärt Angstforscher Bandelow im Interview mit tagesschau.de.
Borwin Bandelow: Es gibt in der Angstforschung eine Vier-Wochen-Regel: Kurz nach einem schweren Ereignis wie einer Naturkatastrophe, einem Terroranschlag oder eben auch einem Virusausbruch herrscht stets eine Art Panikreaktion. Die Angst davor, selbst Opfer dieses schrecklichen Ereignisses zu werden, ist sehr hoch, teilweise ist sie sogar übertrieben hoch. Nach ungefähr vier Wochen beruhigt sich das wieder. In dieser Phase befinden wir uns gerade. Viele Menschen nehmen wieder sorgloser soziale Kontakte auf."