Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Kackbratze
15.10.2020, 13:29
Wenn man sich andere europäische Länder anschaut bringen Sperrstunde und Alkoholverbot kaum bis garnix (England), totaler Lockdown verzögert, aber bringt auch keinen Erfolg (Spanien, Frankreich), was bleibt denn dann?
Maskenpflicht herrscht auch überall (Spanien, Frankreich, Italien).
Das Wegsperren der Alten nützt auch nichts, wenn das Pflegepersonal überarbeitet und unterbesetzt ist und so die Hygiene nicht eingehalten werden kann.
Wer kann noch was Neues bringen?
Ich sehe nur alten Wein in mittelalten Schläuchen ohne echten Benefit für die Gesellschaft.
Feuerblick
15.10.2020, 13:37
Beherbergungsverbot etc. sehe ich auch nicht als erfolgversprechend. Es scheint ja so zu sein, dass die Leute sich bei privaten Feiern eher anstecken derzeit. Da nutzt es wenig, im öffentlichen Raum alles zu verbieten. :-nix
Christoph_A
15.10.2020, 13:37
Naja, in England kam der Lockdown (einmal generell, einmal lokal) zu spät, zudem wurde initial dieser Irsinnsplan, mit der Ruine von NHS eine Herdenimmunität zu erreichen, favorisiert.
Spanien und Frankreich haben offensichtlich ein Complianceproblem bzgl. Coronamaßnahmen, insbesondere in Spanien sanken die Zahlen eigentlich den ganzen Sommer nicht unter die 3000er Marke.
Denke, die AHA Regeln sind per se nicht verkehrt, nur muß man halt darüber hinaus aufpassen, daß man a) nicht überzieht und b) ein halbwegs stringenter Weg erkennbar ist und nicht hier ne Ausnahme, weils genehm ist, gemacht wird und da dafür unverhältnismäßig hart vorgegangen wird, sonst werden einem irgendwann die Leute nicht mehr folgen. Niemand braucht eine Maskenpflicht im Freien oder eine Sperrstunde um 23 Uhr, oder glaubt hier echt jemand, daß dann nicht viele privat, ohne Maske, Abstand und Kontrollmöglichkeit in Gruppen weitertrinken werden?
Man müsste vielmehr eine konsequente Umsetzung der Maskenpflicht INDOOR durchsetzen, Regulierung von Besuchen in Altenheimen/Krankenhäusern und eine konsequente Testung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen, Schulen und sonstigen system- und expositionsrelevanten Berufen durchführen, ähnlich der Bubbles für die Profifußballer. Dort funktioniert das im Kleinen ja schon ziemlich gut. Und nicht sinnlos Testkapazitäten an Pendler, Geschäftsreisende und Urlaubsrückkehrer verdaddeln.
Feuerblick
15.10.2020, 13:44
Insbesondere letzterem stimme ich uneingeschränkt zu...
roxolana
15.10.2020, 13:46
Der Lockdown in Israel hat was gebracht. Die Zahlen gehen runter. Das in Spanien ist war ja nur halbgar bis jetzt.
Christoph_A
15.10.2020, 13:51
Allerdings geht lockdown halt auch nicht unbegrenzt, weil, irgendwann gibts keine Wirtschaft mehr, zum danach wieder hochfahren, unpopulär, aber halt Realität.
Evidence based
15.10.2020, 14:25
Was mich mittlerweile maßlos aufregt, ist das Verhalten der Politik. Seit Beginn der Pandemie wissen wir, dass es im Herbst/Winter zu steigenden Fallzahlen kommen wird. Man hatte den gesamten Sommer Zeit, vernünftige Konzepte für die Risikogruppen, für die Schulen, Kitas und das öffentliche Leben zu erarbeiten. Man hätte einheitliche, akzeptable Wege finden können mit dieser Situation umzugehen. Jetzt sind wir mittendrin und nichts dergleichen ist passiert. Jedes Bundesland, jedes Gesundheitsamt, jede Stadt macht was sie will. In den Schulen herrscht Chaos, die Kinderbetreuung ist nicht sichergestellt. Es wird blinder Aktionismus betrieben, der wie die Beherbergungsverbote auch noch verfassungswidrig ist. Die Infektionszahlen werden immernoch nicht ins Verhältnis zu Hospitalisierungen und symptomatisch Erkrankten gesetzt. Den Menschen in vielen Branchen wird keine Perspektive oder Kompensation geboten.
Es gibt kaum einen besseren Weg, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu minimieren und sie in die Arme der Populisten zu treiben. Aber hauptsache es gab 4 Wochen Sommerpause im Parlament...
Kackbratze
15.10.2020, 14:45
Das Parlament ist auch im Corona Modus und nicht komplett angetreten.
GelbeKlamotten
15.10.2020, 14:47
Was mich mittlerweile maßlos aufregt, ist das Verhalten der Politik. Seit Beginn der Pandemie wissen wir, dass es im Herbst/Winter zu steigenden Fallzahlen kommen wird. Man hatte den gesamten Sommer Zeit, vernünftige Konzepte für die Risikogruppen, für die Schulen, Kitas und das öffentliche Leben zu erarbeiten. Man hätte einheitliche, akzeptable Wege finden können mit dieser Situation umzugehen. Jetzt sind wir mittendrin und nichts dergleichen ist passiert. Jedes Bundesland, jedes Gesundheitsamt, jede Stadt macht was sie will. In den Schulen herrscht Chaos, die Kinderbetreuung ist nicht sichergestellt. Es wird blinder Aktionismus betrieben, der wie die Beherbergungsverbote auch noch verfassungswidrig ist. Die Infektionszahlen werden immernoch nicht ins Verhältnis zu Hospitalisierungen und symptomatisch Erkrankten gesetzt. Den Menschen in vielen Branchen wird keine Perspektive oder Kompensation geboten.
Es gibt kaum einen besseren Weg, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu minimieren und sie in die Arme der Populisten zu treiben. Aber hauptsache es gab 4 Wochen Sommerpause im Parlament...
Da kann ich nur zustimmen. Man hat es ja noch nicht mal geschafft eine übersichtliche zentrale Webseite einzurichten, die alle relevanten Zahlen für Deutschland verständlich aufarbeitet.
Wenn ich wissen will, ob ich als Einwohnerin von Stadt A und Erwerbstätige in Stadt B übermorgen in Stadt C reisen/übernachten darf, dann muss ich erstmal 2 Stunden recherchieren, wie die Inzidenzzahl in meiner Stadt (Kreis?) ist, was die aktuellen Grenzwerte sind (wöchentliche(?) Inzidenz von 35 / 50 / 100.000), welche Regeln überhaupt noch gelten und welche von Gericht xy gekippt wurden, etc.
Von anderer Seite heißt es dann, Beherbergungsverbote würden doch eh nichts bringen. Und nach 8 stündiger Diskussion beschließt man dann, einfach alles mal so zu lassen um nicht weiter zu verwirren.
Wenn ich 5 Kollegen frage, was zu tun ist, wenn ich Kontakt zu einem positiven Patient mit cMNS hatte, kommt 3 mal Ahnungslosigkeit und zwei verschiedene Meinungen und am Ende eine davon nochmal unterschiedliche willkürliche Meinung vom GA.
Gestern wird verkündet wir stünden quasi schon mit einem Bein im zweiten Lockdown, nachdem es vor ein paar Wochen noch hieß, nicht mal der erste wäre nach heutigen Erkenntnissen nötig gewesen.
Nebenbei behauptet ein Ärztekammervorsitzender einfach mal ins blaue hinein, dass Desinfektionen von Oberflächen nichts bringen.
Man erwägt Maskenpflicht auch draußen, während man es nicht mal schafft, unter potentiellen Superspreadern wie Restaurantpersonal durchzusetzen, dass die alle einen sinnvollen MNS tragen (in jedem 3. Restaurant in das ich gehe wird gar keiner getragen oder so eine mini Kunststoffscheibe von 3 cm Höhe in 10 cm Abstand zum Mund).
Evidence based
15.10.2020, 14:48
Das Parlament ist auch im Corona Modus und nicht komplett angetreten.
Man muss ja auch zusehen, dass wir uns nicht an ein Leben ohne Arbeit gewöhnen.
Feuerblick
15.10.2020, 16:41
Ja, das ärgert mich auch. Monatelang wäre Zeit gewesen für Konzepte. Diese Zeit hat man mit Nichtigkeiten verdödelt. Gilt übrigens auch für die Besetzung der Gesundheitsämter, die jetzt schon wieder jammern, dass sie zu schlecht besetzt sind. Ja, Freunde, den ganzen Sommer über wäre Zeit für Konzepte, Neueinstellungen und Softwarelösungen gewesen. Wenn ihr euch nicht bewegt, dürft ihr euch nicht wundern.
pineapple
15.10.2020, 16:58
wurde der lock down nicht genau dafür gemacht? um Zeit zu gewinnen, um Probleme zu beheben, an Lösungen zu arbeiten. einen zwieten lockdown können wir nicht verkraften, aber weiter sind wir auch nicht wirklich gekommen. das einzige, was in dem Land funktioniert, ist das Finanzamt. das ist so sicher wie der Tod.
Kackbratze
15.10.2020, 17:06
Das Ordnungsamt funktioniert. Mit Knöllchen gegen Viren. ;-)
Evidence based
15.10.2020, 17:30
wurde der lock down nicht genau dafür gemacht? um Zeit zu gewinnen, um Probleme zu beheben, an Lösungen zu arbeiten. einen zwieten lockdown können wir nicht verkraften, aber weiter sind wir auch nicht wirklich gekommen. das einzige, was in dem Land funktioniert, ist das Finanzamt. das ist so sicher wie der Tod.
So war die Begründung und daher hatte man großen Rückhalt in der Bevölkerung. Das war nachvollziehbar. Jetzt ist es das eben nicht mehr und die Bevölkerung ist nicht mehr bereit, dass diese Versäumnisse erneut auf ihre Kosten gehen. Dafür habe ich dann schon auch Verständnis.
Das Ordnungsamt funktioniert. Mit Knöllchen gegen Viren. ;-)
Nicht wirklich. Knöllchen eintreiben bei gewissen Großfamilien trauen die sich auch nicht.
Das Finanzamt nimmt auch deren "Spielhallen" hoch und konfisziert alle Immobilien, Autos, Konten etc...
FirebirdUSA
15.10.2020, 18:18
... und in 2 Jahren nach dem vierten Lockdown stellen wir dann fest, dass eine Impfung nur mäßig funktioniert und wir jeden Herbst eine Corona/Grippewelle haben.
Es fehlt jegliche Strategie wie mit verschiedenen Szenarien umgegangen wird..
GelbeKlamotten
15.10.2020, 18:31
... und in 2 Jahren nach dem vierten Lockdown stellen wir dann fest, dass eine Impfung nur mäßig funktioniert und wir jeden Herbst eine Corona/Grippewelle haben.
Es fehlt jegliche Strategie wie mit verschiedenen Szenarien umgegangen wird..
dann wechsel ich in die gastronomie und gönne mir immer den freien winter mit 60-90% kurzarbeitergeld. Das könnt ihr dann weiter mit euren steuern bezahlen, mit saftigen erhöhungen versteht sich. Ich verspreche auch, dann jeden abend auf dem balkon zu klatschen.
... und in 2 Jahren nach dem vierten Lockdown stellen wir dann fest, dass eine Impfung nur mäßig funktioniert und wir jeden Herbst eine Corona/Grippewelle haben.
Es fehlt jegliche Strategie wie mit verschiedenen Szenarien umgegangen wird..
Wenn Corona dann nur noch so schlimm ist wie Influenza, brauchen wir keinen Lockdown mehr. Zumindest sind die Influenza-Lockdowns der letzten Jahre an mir vorbeigegangen. Ist es nicht das, was jeder insgeheim hofft?
ehem-user-02-08-2021-1033
15.10.2020, 19:04
Worüber streitet Ihr eigentlich? Die Infektionszahlen steigen an, mittelfristig werden das dann auch die schweren Verläufe tun, daher müssen Maßnahmen ergriffen werden.
Laut Corona-Leitlinien war das Coronavirus derart pathogen, dass man auf NIV-Beatmung verzichten sollte und rasch intubieren sollte. Man hat zahlreiche LZ-Beatmungen generiert. Wir haben uns intensivmedizinisch in die Prä-NIV-Zeit katapultiert. Zusätzlich hatte jeder Panik vor dem hochpathogenen Keim, so dass diese Patienten meist erst später einer Diagnostik zugeführt werden konnten oder man ganz auf die komplizierte CT-Fahrt verzichtet hat.
Darüberhinaus gab es ein weiteres Problem.
Bakterielle Superinfektionen: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32591180/
Jetzt kommt eine steile These:
Bei wievielen Pneumonien haben wir in der vor Coronazeit eine PCR gemacht? Das war eine Rarität. Heute kriegt jede Pneumonie, eine teils falsch positive PCR.
Aus intensivmedizinischer Sicht bleibt also die Frage bestehen: Hat sich die Inzidenz der schweren Pneumonien im letzten Winter signifikant erhöht?
Oder hat sich eher, die subjektive Morbidität, aufgrund einer komplexeren Behandlung (Infektionsschutz) erhöht?
Schaden wir unseren Patienten nicht etwas durch unsere Angst?
Was passiert eigentlich, wenn man über sein Staatsexamen (M3) in Quarantäne muss?
Dann ist ja eigentlich Game Over, oder?
Aber eigentlich kann man das doch niemandem zumuten. Der Einkommensausfall dadurch wäre ja enorm.
Denke, ich werde mich in den nächsten Wochen so gut es geht aus dem öffentlichen Leben zurückziehen und hoffen, dass ich nicht irgendwie mit irgendjemandem Kontakt habe, der positiv ist.
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