Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Feuerblick
26.10.2020, 06:29
Wir wollen aber mal nicht unterschlagen, dass ohne diejenigen, die sich in den letzten Wochen und Monaten nicht an die Regeln gehalten haben, viele Infektionen nicht stattgefunden hätten (ich sag nur private Parties, Großhochzeiten, Kneipen). So ganz unschuldig sind die Menschen nun auch nicht.
Thomas24
26.10.2020, 06:45
Ok, wir waren aber schon vor dem Lockdown in Richtung Rezession unterwegs. Der Lockdown hat nur alle bis dato aufgestauten Ungleichgewichte (aka seit 12 Jahren billige Zentralbank Liquidität auch an Unternehmen, die schon tot waren und als Zombies weiterexistierten) auf einmal ans Licht gebracht. Und trotz Aussetzung der Insolvenzantragspflicht (aka staatlich sanktionierte Insolvenz Verschleppung) bis Anfang 2021, lässt sich die Wahrheit nicht ewig unter den Teppich kehren. Die Banken werden schon wissen, warum Sie Ihre Rückstellungen für ausfallende Kredite vervierfacht haben. Andere Sektoren haben vorher schon die Trendwende verpasst (z. B. Automobilbau, Software) bzw. wurden mutwillig von der eigenen Politik sabotiert (Energiebranche etc). Europa wird unter dem Deckmantel der Pandemie Bekämpfung gerade zu einem gigantischen Wohlfahrts- und Umverteilungsstaat umgebaut. EU Vergemeinschaftung der Schulden? Jahrzehntelang undenkbar, jetzt de facto eingeführt. Eigene EU Steuern? Werden gerade unter dem Deckmantel der Plastiksteuer eingeführt usw.
@Melina: versteh die Mathematik der LH trotzdem nicht. Ich verliere 80% meines Umsatzes (!!!), behalte aber 76% meines Personals an Bord? Irgendwie passt das nicht...
Melina93
26.10.2020, 07:01
Der Lockdown war ja eine menschliche Angstreaktion, wenn man so will.
Das Problem sehe ich auch nicht in den Masken oder Hygienekonzepten, sondern darin, dass jetzt wirklich dem letzten Dorfpolitiker klar sein müsste, dass das ne längere Geschichte wird. Aber statt langfristig zu planen kommen jetzt wieder irgendwelche Stimmen hoch, die einen Impfstoff bis Ende des Jahres prophezeien. Man fährt immer noch auf der "Beißt die Zähne zusammen, bald ist es rum" Schiene und das ist gefährlich.
Und die Politik hat den vergleichsweise ruhigen Sommer halt nicht sinnvoll genutzt um langfristige Kompromisse für soziales und wirtschaftliches Leben auf die Beine zu stellen.
Dass die Leute dann irrational und trotzig auf einen potenziell zweiten Lockdown reagieren, ist doch logisch.
Wir sind ja in der glücklichen Situation trotzdem eine stabile Arbeit zu haben. Ich habe in meinem Umfeld mehrere Leute in meinem Alter, die entweder keine Stelle bekommen, gekündigt wurden oder auf Kurzarbeit sind. Und das sind keine Corona Leugner. Das sind ganz normale Menschen, die sich auch ordentlich an die Maßnahmen halten. Aber denen schwillt der Kragen halt trotzdem zu wenn sie diese Fixierung auf Zahlen und ein politisches "Naja, wenn es schlimmer wird, muss wieder ein Lockdown unsere Probleme lösen, weil uns nichts anderes einfällt. Wirtschaft? Ach, das kommt nach dem Impfstoff" zu hören bekommen.
Und irgendwann wird diese Pandemie im Gröbsten durch sein, die Generation für die alles geopfert wurde friedlich verstorben sein und die junge Generation muss das in jeglicher Art ausbaden. Da muss schon mehr her als das, was bisher getan wurde.
Hoppla-Daisy
26.10.2020, 07:38
Melina, dann sollten diese Menschen sich aber nicht an den Überbringer der schlechten Nachricht wenden, sondern an den Verursacher! So würde ein Schuh draus. Wir wissen doch alle, wem wir einen zweiten Lockdown zu verdanken hätten. Und das sind gewiss nicht unsere Politiker, sondern Lieschen Müller und Hans Guckindieluft, die sich allein für schlauer halten als alle erfahrenen Virologen und Hygieniker zusammen.
Absolute Arrhythmie
26.10.2020, 07:42
Melina, dann sollten diese Menschen sich aber nicht an den Überbringer der schlechten Nachricht wenden, sondern an den Verursacher! So würde ein Schuh draus. Wir wissen doch alle, wem wir einen zweiten Lockdown zu verdanken hätten. Und das sind gewiss nicht unsere Politiker, sondern Lieschen Müller und Hans Guckindieluft, die sich allein für schlauer halten als alle erfahrenen Virologen und Hygieniker zusammen.
Danke Daisy, du bringst es auf den Punkt! Wenn man sich im privaten zusammenreißen würde, wäre ein zweiter Lockdown ja gar nicht nötig.
Melina93
26.10.2020, 07:46
Aluhüte wird es immer geben, da ist die Politik sicher auch machtlos.
Aber gewisse Spannungen könnte man mit Lösungen für wirtschaftlich und sozial sehr stark von der Krise betroffenen Menschen durchaus reduzieren, wenn auch nicht gänzlich auflösen.
Das was ihr ansprecht, sehe ich ja auch so. Löst aber keine Probleme. Man kann Menschen nicht zwingen, sie werden sich immer Möglichkeiten suchen wenn sie wollen. Deshalb muss man das Ganze konstruktiver angehen.
Feuerblick
26.10.2020, 07:55
Nee, ganz ehrlich. Konstruktiv und Eigenverantwortung funktionieren nicht. Wäre das so, wären wir nicht wieder kurz vom Lockdown.
Und nein, der Impfstoff wird niemanden retten. WENN er kommt, WENN er wirksam ist, dann könnte es sein, dass wir uns alle paar Monate erneut impfen lassen müssen.
Was willst du denn konstruktiv ändern daran, dass sich die Leute zusammenreißen müssen? Blümchen an jeden Maskenträger verteilen? Leckerchen für Maskenverweigerer, die im Geschäft ihre Maske aufsetzen?
Die Mittel des Staates sind in wirtschaftlicher Hinsicht auch endlich. Noch mehr Geld in den Schornstein? Noch weniger Eigeninitiative? Läuft doch auch nicht.
Absolute Arrhythmie
26.10.2020, 08:03
Der einzige konstruktive Ansatz, wenn sich weiter viele Menschen den Regeln entziehen, ist halt leider der Lockdown.
Um das Gesundheitswesen an seine Grenze zu führen reichen ein paar Altenheime hier und da, oder auch mal eine Klinik als Hotspot. Ausbrüche in einer Onko oder auf einer Intensivstation und die betreffende Klinik ist am Ende der Corona Fahnenstange. Krankes Personal, Covid-Erkrankte die sechs Wochen auf Intensiv liegen, schwuppdiwupp sind die 8000 Betten voll. Für die angeblichen zusätzlichen Betten gibt es leider nicht genug Pflegekräfte - so ein Pech.
Aber Hauptsache jeder kann seine Freunde zum Karaoke treffen...
Melina93
26.10.2020, 08:06
Naja, wenn ich sehe, dass hier bei uns im März die Obdachlosenheime ohne Alternative dicht gemacht haben, Trinkwasserbrunnen abgestellt wurden, Frauenhäuser zu waren, etc. gäbe es vielleicht im kleinen Maßstab schon Potenzial für Verbesserungen.
In Island gab es auf großen Plätzen bspw Konzerte in Art Mini Schaufenstern mit entsprechendem Abstand. Klar, kleines Land ich weiß. Aber die waren kreativ und haben versucht Lösungen zu finden. Vielleicht tue ich unserer Politik da Unrecht, aber ich sehe diese Bestrebungen nicht. Und eben weil wirtschaftliche Mittel begrenzt sind und irgendwann ausgeschöpft , wäre es klüger jetzt solche Alternativen zu etablieren statt immer nur zu Drohen oder zu Versprechen.
Bisher hatte die Politik außer Beherbergungsverbot und Sperrstunde, deren Effektivität durchaus diskutabel ist, nicht viel zu bieten für die zweite Welle. Außer das obligatorische "Solidaritäts" Gerede.
Absolute Arrhythmie
26.10.2020, 08:12
Es gab doch im Sommer in Deutschland auch Konzerte draußen mit Abstand, es gab Autokino, mir fallen spontan einige intelligente Konzepte ein. Das ist aber nicht Aufgabe der Politik, sich so etwas auszudenken. Die Politik ist dafür verantwortlich die öffentliche Gesundheitsversorgung sicher zu stellen. Und die ist aktuell stark gefährdet.
Hier im Kreis (Inzidenz knapp unter 100/100.000 Einwohner) müssen wir seit Wochen regelmäßig am Wochenende die Notaufnahme abmelden, weil wir keine Iso Kapazitäten mehr haben. Und wir haben zwei komplette Normalstationen als Iso Bereiche... Alle anderen Häuser bei uns melden auch regelhaft ab, wo sollen die Leute dann hin? Wie soll das im Herbst werden?
Ich seh da großes Chaos auf uns zukommen und große menschliche Katastrophen.
Ein bisschen Solidarität würde der Gesellschaft echt gut tun.
Feuerblick
26.10.2020, 08:31
Eben! Es gab sehr kreative Lösungen von Seiten der Konzertveranstalter, der Industrie, der Gastronomie. Es gab Konzerte in Autokinos (Kommentar einiger Bands: „Ach neee, da kommt ja keine Stimmung auf, das machen wir nicht. Mimimi.“), Kino im Autokino, Messebauer betätigen sich handwerklich und machen z.B. Innenausbau von Häusern, Gastronomen organisieren zusammen mit Autohäusern Lieferdienste. Pfarrer haben Gottesdienste nach draußen verlegt. Mit Abstand und Maske. Und so vieles mehr.
Man kann sich jammernd in die Ecke setzen. Man kann aber auch einfach mal den Hintern hochbekommen und sich was ausdenken.
Die Politik ist für so etwas nicht zuständig. Diese Denke, „die Politik“ müsse für jeden Furz Lösungen finden, ist schlichtweg falsch.
Ja, Beherbergungsverbot und Sperrstunde mögen diskutabel sein... aber was schlägst du denn Konstruktives vor stattdessen? Wie willst du die Leute davon abhalten, zu viel Kontakt zu haben?
Melina93
26.10.2020, 08:43
Darf ich jetzt nichts mehr konstatieren und kritisieren nur weil ich nicht die optimale Lösung vorweise?
Ein Anfang wäre mal wenn die Politik die Problematik rund um den Impfstoff kommunizieren würde. Oder soll ich das auch übernehmen wenn es mir missfällt?
Klar, würde uns mehr Solidarität gut tun. Aber Menschen sind halt so wie sie sind und man kann sie nicht dazu zwingen solidarisch zu sein. Ob einem das passt oder nicht. Vielleicht darf ich das ja noch kritisieren ohne ein Patentrezept vorzuweisen.
Feuerblick
26.10.2020, 08:54
Du darfst gerne kritisieren. Nur kann ich mir unter denen „konstruktiven“ Plänen nichts vorstellen. Ich hatte gehofft, du könntest das konkretisieren, damit ich verstehe, was du meinst.
Man kann Menschen zur Solidarität nicht zwingen. Aber wie will man sie „konstruktiv“ dazu bringen? Das ist doch gehupft wie gesprungen. Wenn sie keinen Bock drauf haben und ihr eigenes Wohl über das der Allgemeinheit stellen, wenn sie feiern und saufen wollen... wirst du das „konstruktiv“ auch nicht ändern.
Melina93
26.10.2020, 09:12
Mit konstruktiv meinte ich Initial eigentlich Konzepte, um weitere Einschränkung sozial und wirtschaftlich abzufangen.
Ich finde trotz allem hat der Lockdown gezeigt, dass wenn die Politik ehrlich mit den Leuten kommuniziert (Damals hatte man ja sehr deutlich gesagt, dass man Sorge hat nicht mehr Herr der Lage zu werden und deswegen sich gezwungen sieht so drastisch zu handeln) die breite Masse schon gut mitzieht-bis auf die komplett benebelten Idioten natürlich.
Damit hat die Gesellschaft der Politik aber auch ein großes Vertrauen entgegengebracht. Und ja, natürlich sind Politiker auch nur Menschen und das ist natürlich auch eine äußerst schwierige Situation, wo Fehler kaum zu vermeiden sind. Aber man sollte es aus ihnen lernen. Und wenn man jetzt zum x-ten Mal prognostiziert wann es die rettende Impfung gibt, hat man nichts dazu gelernt.
Wenn die meisten Infektionen mutmaßlich(?) im Privaten stattfinden sind eine Sperrstunde und ein Beherbungsverbot nicht nur ungünstig für die Branchen sondern vielleicht sogar kontraproduktiv. Dann kommt Oma Erna in kein Hotelzimmer an Weihnachten, sondern schläft jetzt doch im Haus mit und nach 23 Uhr geht's nach Hause zum weiter trinken für die Enkel.
Und die Veranstaltungsbranche hat neulich erst demonstriert, da ihnen das Geld fehlt um jetzt bspw Konzerthallen umzustrukturieren damit man mit etwaigen Hygienekonzepten vielleicht alles im kleinen Maßstab über den Winter machen könnte.
Autokinos und Konzert fanden bei uns ja eher im Sommer statt, aber vielleicht müsste man das auch jetzt im Falle eines zweiten Lockdowns bzw im Winter reevaluieren. Und das ist so ganz ohne Politik schwierig.
Ich würde mir auch wünschen, dass die Leute sich zusammenreißen und sich an sie Maßnahmen halten. Aber ich würde mir auch wünschen, dass Nestlé kein Wasser in Somalia privatisiert wo es seit Jahren kaum Niederschlag gibt. Und klar kann ich da an die Solidarität und Moral von Nestlé appellieren. Aber wenn die nicht mitziehen kann ich mich noch so sehr moralisch auf den Kopf stellen. So ist halt die Welt in der wir leben.
Feuerblick
26.10.2020, 09:23
Naja, der nächste Lockdown wird sicherlich (und dieses Mal anhand deutlich höherer Zahlen) wieder ordentlich kommuniziert werden.
Das Beherbergungsverbot wurde in so gut wie allen Bundesländern schon wieder gekippt und die Sperrstunden stehen ebenfalls schon wieder zur Disposition. Und ja, ich sehe die auch eher als kontraproduktiv an, weil man die Einhaltung von Regeln im Privaten nicht, in Kneipen aber sehr gut kontrollieren kann.
Autokinos und Co brauchen keine Politik. Das können die Konzertveranstalter alleine. Aber wie gesagt: Ich kenne viele kleine Bands, die da wegen der fehlenden Stimmung einfach nicht mitgezogen haben. Ich kenne genauso viele kleine Bands, die einfach vor weniger Publikum, dafür aber zwei Konzerte gesungen haben, damit die Menge der Zuschauer passte. Aber auch Theatervorstellungen und Co. in geschlossenen Räumen kannst du, wenn es maximal 25 Kontaktpersonen geben darf, halt nicht kostendeckend durchführen.
Die finanziellen Mittel des Staates sind am Ende einfach endlich. Der Staat kann nicht alle retten. Da ist halt Kreativität des Einzelnen gefragt.
roxolana
26.10.2020, 09:25
Es weiß kein Mensch, wo der Großteil der Infektionen stattfindet. In Berlin sind bereits 90% der Infektionen nicht mehr zuzuordnen. Daher ist der Zug für zielgerichtete Maßnahmen schon abgefahren. Außer dem Lockdown-Hammer wird uns bei der aktuellen Dynamik nichts mehr helfen, fürchte ich. Aber da wir aktuell keine Bilder von sich stapelnden Toten aus dem europäischen Ausland zu sehen kriegen (vielleicht bald in Tschechien), können viele noch den Kopf in den Sand stecken und die Tatsache ignorieren, dass wir das Ding gerade voll gegen die Wand fahren.
Feuerblick
26.10.2020, 09:25
Kommen demnächst u.a. aus Belgien, denke ich.
Niederlande und Frankreich fangen doch schon wieder an Corona-Patienten nach Deutschland zu verlegen.
Ich hatte gestern Dienst und es ist aktuell von den Zahlen die ich als Radiologe im CT sehe (also die schwerer betroffenen!) deutlich schlimmer als in der 1. Welle.
Gestern > 20 CT mit positivem Covid-Schnelltest und entsprechenden typischen Milchglasinfiltraten (CO-RADS 5 bzw. mit Schnelltest CO-RADS 6). Und da sind die ARDS-Verlegungen die über die Intensiv und/oder das ECMO-Team laufen nicht eingerechnet.
Das geht gerade erst richtig los... In ein paar Wochen sind auch wir randvoll, so wie jetzt NL oder FR.
Hoppla-Daisy
26.10.2020, 09:31
@Funkel: .... bevor es dann hier ankommt
@freak: aber viele wollen es noch immer nicht glauben, dass wir eben nicht das gallische Dorf mit Druiden und Zaubertrank sind
roxolana
26.10.2020, 09:37
Brandaktuelle Zahlen aus Berlin: Mittlerweile haben wir schon 93% "Einzelfälle". Die Schulen und Kitas versinken derweil im Chaos weil sie selbst in K1 und K2 einordnen sollen, die Gesundheitsämter sind nicht mehr zu erreichen.
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