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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread



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crossie
19.11.2020, 07:43
Bei uns liegen bis auf eine Ausnahme (Z.n. VU mit pos. PCR) auch ausschließlich Patienten wegen ihres Covid ARDS auf der Corona ITS.

Bei uns kann man sich auf Station dreimal die Woche selbst abstreichen im Rahmen eines Pool Abstrichs, ansonsten nach Anmeldung in der Coronaambulanz.

nie
19.11.2020, 08:02
Bei uns gab es (Stand Oktober, seitdem hab ich Urlaub) keine routinemäßigen Covidabstriche für Mitarbeiter, symptomatische Mitarbeiter müssen sich an den Hygienebeauftragten ihrer Abteilung wenden, dieser entscheidetet dann ob man symptomatisch genug für einen Antigen-Test ist. PCR gibts nur bei pos. Antigen-Test. Anzahl meiner Coronatests seit März: 0.

Hier liegt auch ein Großteil der Patienten mit Covid-Pneumonie auf der ITS. Hab so am Rande mitbekommen, dass es in der NC 2 oder 3 ITS-Patienten gab, bei denen der positive Covidabstrich nicht das Hauptproblem war.

tragezwerg
19.11.2020, 08:28
Hier gibt es keine Routinetests für Mitarbeiter, aber eine Abstrichambulanz beim Betriebsarzt. Da muss man vorher telefonisch klären ob man die Kriterien erfüllt (gibt eine SOP mit Fragebogen zu Symptomen etc.), und dann kriegt man nen Abstrich.
Hier ist es auch so, dass die meisten positiven Patienten wegen ihrer Coronasymptomatik stationär sind. Vereinzelt sind es auch welche, die positiv sind ohne Symptome, aber das sind Ausnahmen.

Kandra
19.11.2020, 20:47
Wir machen auch keine Routinetests, streichen aber täglich nach Voranmeldung Mitarbeiter in der ZNA ab. Dieses Angebot ist tatsächlich ziemlich niedrigschwellig, eigentlich wird niemandem ein Test verweigert (wäre vermutlich anders, wenn jemand wöchentlich kommen würde, ist aber bisher noch nicht passiert). Seit dieser Woche haben wir auch Schnelltests.

mbs
19.11.2020, 20:52
Dann scheinen wöchentliche Abtriche ja doch relativ selten zu sein...

freak1
19.11.2020, 21:09
Bei meiner Schwester in der Schule wird das Lehrpersonal jede Woche abgestrichen. Aber im KH (mit vermutlich deutlich höherem Infektionsrisiko da wir die Covid19 Leute ja aktiv behandeln) macht man das lieber nicht.

Man könnte postulieren, es besteht die Angst davor zu viele asymptomatische Covid+ zu finden und dann große Personalkontigente in die Isolation bzw. Quarantäne schicken zu müssen.

Chriman
19.11.2020, 21:38
Bei meiner Schwester in der Schule wird das Lehrpersonal jede Woche abgestrichen. Aber im KH (mit vermutlich deutlich höherem Infektionsrisiko da wir die Covid19 Leute ja aktiv behandeln) macht man das lieber nicht.



Man kann auch einfach davon ausgehen, dass Lehrer deutlich lauter und penetranter weinen als die Angestellten im Gesundheitswesen.

crossie
19.11.2020, 22:54
Bei uns auf den ITS wird alle zwei Tage abgestrichen und es gab noch nie einen einzigen positiven Test.
Meine Vermutung ist ja, dass es entweder zwei unterschiedliche Geräte gibt, eins für Patienten und ein für Mitarbeiter (was nur immer das gleiche Ergebnis ausgibt) oder dass die Abstriche mit der Rohrpost gleich in die Tonne gehen :-D

Perseus
20.11.2020, 06:50
Man kann auch einfach davon ausgehen, dass Lehrer deutlich lauter und penetranter weinen als die Angestellten im Gesundheitswesen.

Come on, das sind wieder so Verallgemeinerungen. Ich habe in meinem Freundeskreis sechs Lehrer, von denen keiner Testungen für Lehrer fordert oder sie generell in Anspruch nimmt. Wobei die Testungen auch wieder Bundeslandabhängig ist, weil Lehrer Landes- und kein Bundesbeamte sind.
Nur weil ein Lobbyverband penetrant in den Medien auftritt, heißt das ja nicht, dass der Großteil des Berufstandes das auch so sieht.

crossie
20.11.2020, 08:03
Naja man könnte auch sagen, kein anderer Berufsverband tritt so wenig für seine Interessen ein wie der ärztliche.

Was mir auch grad wieder so aufgefallen ist: wenn es um die belegbaren ITS Betten geht ist immer nur vom mangelnden Pflegepersonal die Rede, nie vom ärztlichen. Obwohl es da mindestens einen genauso großen Mangel gibt. Ständig liest man irgendwo Interviews mit Pflegenden über die aktuelle Situation, aber nie mit Ärzten. Die halten wie immer brav das Maul und lächeln freundlich. "Ja, Herr Chefarzt, natürlich, Herr Chefarzt". Da nehme ich mich auch nicht aus.

Perseus
20.11.2020, 09:37
Naja man könnte auch sagen, kein anderer Berufsverband tritt so wenig für seine Interessen ein wie der ärztliche.



Frag dann doch mal in der Pflege nach, die werden das, mit dem ihrigen, ähnlich sehen.

Bonnerin
20.11.2020, 10:06
Ja, denn "man tut ja alles nur für die armen, armen Patienten, die ohne einen selbst so verloren sind und sterben und whatever".
Mit der Denke kommen natürlich unsere Politiker und die Krankenhausverwaltung aus dem Lachen nicht raus.

FirebirdUSA
20.11.2020, 16:54
Bei uns hat sich die Patientenzahl vor 1 Woche stabilisiert und geht seit dem WE eher wieder runter. Lock down wirkt zumindest hier.

Melina93
20.11.2020, 18:18
Bei und Word einmal rechts und links die Moralkeule geschwungen und eigentlich noch erwartet dass wir unser Gehalt dankend ablehnen, weil wir ja ethisch und moralisch handeln sollen.
Ich mag meinen Beruf echt gerne. Aber was da teilweise für Dynamiken abgehen in einem Klinikum ist ja wirklich jenseits von Gut und Böse.
Ich möchte nicht, dass wir Ärzte unsere Position 'ausnutzen', um Druck zu machen. Aber wenn man es nie signalisiert wie blöd man alles findet, darf man sich auch nicht beschweren.

Kackbratze
20.11.2020, 19:59
In Essen soll ein OA auf der ITS CoronaPatienten mit Medikamenten getötet haben.

GelbeKlamotten
20.11.2020, 21:42
In Essen soll ein OA auf der ITS CoronaPatienten mit Medikamenten getötet haben.

Richtig dumm. Selbst wenn er vielleicht wirklich dachte, es wäre das beste für sie.

DrSkywalker
21.11.2020, 05:29
Richtig dumm. Selbst wenn er vielleicht wirklich dachte, es wäre das beste für sie.

Es ist doch wirklich nichts bekannt was uns hier ermöglichen würde den Vorfall zu bewerten. Morphingabe ist bei Unruhe und dyspnoe bei sterbenden ein völlig normaler Vorgang.

hebdo
21.11.2020, 07:07
"Es besteht der Verdacht, dass der Mediziner in vermutlich zwei Fällen einem versterbenden Patienten in der letzten Sterbephase ein Mittel verabreicht hat, um den Tod unmittelbar herbeizuführen."

Zitat aus der Pressemeldung der Uniklinik.

Die Presseartikel sonst sind sehr einseitig. Das man Angehörige ruft, wenn der ITS-Partient im sterben liegt ist jetzt nicht ungewöhnlich. Die Frage ist vor allem, was er verabreicht haben soll, damit der unmittelbare Tod eintritt.

tragezwerg
21.11.2020, 07:38
Solche Meldungen sollte man mit Vorsicht genießen. Intensivmedizinische Sterbebegleitung ist so oft ein (sehr dunkelgrauer) Graubereich, wenn da ein jedes Mal z.B. ein unzufriedener Angehöriger entsprechend mobil machen würde, könnte man vermutlich die Hälfte der Ärzte (und Pflegekräfte) wegen fahrlässiger Tötung verknacken.
Das ist einer der Gründe, warum ich Intensivmedizin nicht dauerhaft machen könnte. Man möchte Leiden verhindern, darf aber nicht, dann dreht man halt das Morphin auf Anschlag, was ja irgendwie auch "aktive" Sterbehilfe ist, aber man kann es halt nach außen noch irgendwie als reine Symptomlinderung verkaufen...die Patienten bzw. Angehörigen denken, dass wir einfach "den Stecker ziehen", weil ja "in der Patientenverfügung steht, dass er das alles gar nicht wollte!", und da treffen dann Wunsch und Realität aufeinander, die sich nicht vereinen lassen.
Intensivmedizin ist ethisch gesehen einfach nur ätzend.

Evidence based
21.11.2020, 07:43
Solche Meldungen sollte man mit Vorsicht genießen. Intensivmedizinische Sterbebegleitung ist so oft ein (sehr dunkelgrauer) Graubereich, wenn da ein jedes Mal z.B. ein unzufriedener Angehöriger entsprechend mobil machen würde, könnte man vermutlich die Hälfte der Ärzte (und Pflegekräfte) wegen fahrlässiger Tötung verknacken.
Das ist einer der Gründe, warum ich Intensivmedizin nicht dauerhaft machen könnte. Man möchte Leiden verhindern, darf aber nicht, dann dreht man halt das Morphin auf Anschlag, was ja irgendwie auch "aktive" Sterbehilfe ist, aber man kann es halt nach außen noch irgendwie als reine Symptomlinderung verkaufen...die Patienten bzw. Angehörigen denken, dass wir einfach "den Stecker ziehen", weil ja "in der Patientenverfügung steht, dass er das alles gar nicht wollte!", und da treffen dann Wunsch und Realität aufeinander, die sich nicht vereinen lassen.
Intensivmedizin ist ethisch gesehen einfach nur ätzend.
In Deutschland. In anderen Ländern wird nicht alles auf Intensiv gelegt, sondern tatsächlich Palliativmedizin gemacht.