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ehem-user-02-08-2021-1033
21.11.2020, 08:11
die Patienten bzw. Angehörigen denken, dass wir einfach "den Stecker ziehen", weil ja "in der Patientenverfügung steht, dass er das alles gar nicht wollte!"

Deswegen besteht der oftmals elegantere Weg in der Extubation unter Spontanatmung.
(Da habe ich sogar schon erlebt, dass ein Patient mit "infauster Prognose") nach Extubation 2 Wochen später in eine Reha gelegt werden konnte.

Daher:
"Stecker ziehen" ist unter voller Sedierung zu recht ein No-Go.
Da würde ich auch ASA I Patient im OP versterben...

Chriman
21.11.2020, 08:36
Nur weil ein Lobbyverband penetrant in den Medien auftritt, heißt das ja nicht, dass der Großteil des Berufstandes das auch so sieht.

Ich muss das hier nochmal kurz aufgreifen.
Dass unsere Berufsvertretungen sich da ziemlich bedeckt halten wurde ja bereits erwähnt. Das müsste natürlich besser sein, da könnte sich bspw. der MB eine (kleine) Scheibe bei der GEW und Co abschneiden.


Ich habe in meinem Freundeskreis sechs Lehrer, von denen keiner Testungen für Lehrer fordert oder sie generell in Anspruch nimmt.

Wenn wir hier schon n=1 Evidenz einbringen, kann ich auch etwas dazu beitragen.
Ich arbeite seit Ende Februar in der Coronahotline Berlin.
Die Gespräche mit Personen die bspw. in den Bereichen Einzelhandel, ÖPNV etc. arbeiten kann ich an zwei bis drei Händen abzählen. Auch diese Personengruppen haben ja relativ viel, nicht vermeidbaren Kontakt zu Menschen. Regelhaft auch nachts und am Wochenende.
Die diensttäglichen Anrufe von Lehrern "die mal noch ne Frage haben", welche in 90% darauf abzielt, dass man lieber zu Hause bleiben sollte weil: ein Schüler, eine Kollegin, der Hausmeister, andere Menschen in den Öffis etc. geniest haben, bleiben da schon in Erinnerung.

tragezwerg
21.11.2020, 08:44
Deswegen besteht der oftmals elegantere Weg in der Extubation unter Spontanatmung.
(Da habe ich sogar schon erlebt, dass ein Patient mit "infauster Prognose") nach Extubation 2 Wochen später in eine Reha gelegt werden konnte.

Daher:
"Stecker ziehen" ist unter voller Sedierung zu recht ein No-Go.
Da würde ich auch ASA I Patient im OP versterben...

Ich bin ja auch froh dass wir nicht einfach "abschalten" dürfen, ich wollte damit nur den Konflikt darstellen, der sich gerade im Bezug auf Patientenverfügungen , Angehörige etc. oft ergibt.
Das Thema ist jedenfalls zu komplex, um irgendwelche Schlüsse aus einem Zeitungsartikel ziehen zu können.

roxolana
21.11.2020, 14:04
Also ich würde persönlich mit keinem Lehrer tauschen wollen. Aktuell ist es nunmal die Berufsgruppe (außer Erzieher), die am wenigsten geschützt ist. Die haben jeden Tag Kontakt zu hundert unmaskierten (zumindest hier im Bundesland) Kindern und Jugendlichen, die auch mit Husten und Schnoddernase zur Schule geschickt werden, weil die Eltern weiter arbeiten wollen. Welche andere Berufsgruppe hat denn aktuell noch mit so viel unmaskiertem Klientel zu tun? Keine. Meine Patienten haben auch alle eine Maske, bis auf die 2 Sekunden, wo ich ihnen in den Hals schaue, und dafür habe ich meine FFP2. Als Lehrer hast du gerade echt die Arschkarte gezogen.

Choranaptyxis
21.11.2020, 14:16
Interessanter Artikel (https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-11/mediziner-corona-leugner-aerzte-patienten-gefaehrdung-strafen-wissenschaft)zum Thema "fragwürdige Thesen" unter Ärzten.

...sondern der Arzt. Der versprach nämlich, er könne geistig gegen Corona impfen, anschließend seien Antikörper im Blut vorhanden.:-wand

Evidence based
21.11.2020, 15:35
Interessanter Artikel (https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-11/mediziner-corona-leugner-aerzte-patienten-gefaehrdung-strafen-wissenschaft)zum Thema "fragwürdige Thesen" unter Ärzten.
:-wand

Bei IGEL-Leistungen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt :D

tarumo
21.11.2020, 17:06
Die ersten Jobangebote für die Impfzentren sind raus. Ab dem Januar... Anscheinend ist man sich ja sehr sicher...
Wie dem auch sei, geboten werden 80 EUR/H, das ist vielleicht für einen WBA im MB-Tarif lukrativ, einen Facharzt kann man damit nicht aus der Praxis locken. Die Berufshaftpflicht läuft über den AG, entbindet natürlich aber nicht von anderweitig juristischen Konsequenzen. Und falls es Verzögerungen gibt...fällt der Job natürlich aus. Blöd, wenn man sich dafür vorab extra freistellen läßt.

tarumo
21.11.2020, 17:16
Naja man könnte auch sagen, kein anderer Berufsverband tritt so wenig für seine Interessen ein wie der ärztliche.

Die vertreten auch Interessen, nur dummerweise die der Gegenseite. Aber das recht erfolgreich, zumal die "Vertretenen" größtenteils noch nicht mal merken, daß sie über den Tisch gezogen werden. Egal, ob das jetzt MB ist, ÄK oder die KV. Kann man hier im Forum auch immer wieder gut nachvollziehen
Aktuelles Beispiel ist der eHBA. Wenn das ein Führerschein wäre- 1000 EUR im Abo für 10 Jahre- da wären die Coronademos pillepalle dagegen. Aber das Wahlvolk kreuzt auch bei der nächsten Kammer- und "Gewerkschafts" wahl wieder genau die Leute an, die das durchgesetzt haben. Falls ich irgendwo überlesen haben sollte, daß sich ÄK und MB massiv gegen so einen Blödsinn a.w.d.P (Politik) stellen, bitte ich um Richtigstellung

ehem-user-02-08-2021-1033
21.11.2020, 18:56
Wie dem auch sei, geboten werden 80 EUR/H, das ist vielleicht für einen WBA im MB-Tarif lukrativ, einen Facharzt kann man damit nicht aus der Praxis locken.
80 Euro pro Stunde macht bei 40 Stunden 3200 € bzw. 12800 € im Monat.
Damit würde man auch einen Facharzt aus der Klinik "stundenweise" herausbekommen.
Alles andere ist schon etwas, entschuldige das Wort, "Großkotzig" gerechnet.
Zumal die tatsächliche Tätigkeit praktisch keinerlei manuellen Qualifikation bedarf.

freak1
21.11.2020, 19:05
Er sprach explizit von FÄ aus der Praxis nicht aus der Klinik.

tarumo
21.11.2020, 20:23
Alles andere ist schon etwas, entschuldige das Wort, "Großkotzig" gerechnet.
Zumal die tatsächliche Tätigkeit praktisch keinerlei manuellen Qualifikation bedarf.

Ich kann auch rechnen. Zum einen wurde Erfahrungen mit Impfen verlangt (wo sind denn hier eigentlich die ganzen KI-Affinen hin, und ein Punktschweißroboter sollte auch i.m impfen können).
Dann machst Du einen Denkfehler:
Es handelt sich natürlich nicht um eine unbefristete Vollzeitstelle, sondern um das Stundenhonorar bei kurzfristigen Einsätzen, deren Beginn und Dauer noch nicht feststeht.
Für im MB-Tarif angestellte ÄrztInnen ist das natürlich eine Verbesserung (was ich im übrigen als weiteres Indiz sehe, daß die Tarife zu niedrig abgeschlossen wurden). Sollen die jetzt alle kündigen? Wenn ja, zu welchem Termin und für welchen Zeitraum, und dann gibt es noch Kündigungsfristen.
Für die Gruppe der außerklinisch angestellten FA bzw. selbstständigen Ärzte ist der Satz zu niedrig, zumal die Praxisunkosten ja in vollem Umfang weiterlaufen.
Die dritte, kleine Gruppe der als "Honorar"arzt/in tätigen , die kurzfristig und örtlich und zeitlich flexibel solche Einsätze übernehmen könnten, arbeitet zu deutlich höheren Stundensätzen.
Bleiben also nur noch Gruppen wie Wiedereinsteiger, Ruheständler etc...und ob das reicht? Von der Haftungsfrage mal abgesehen.

Übrigens berechnet ein Anwalt 200-300 EUR Stundensatz, und kann auch ohne weiteres 5 Tage a 8h arbeiten. Selbst auf der Basis eines theoretisch möglichen Vollzeiteinsatzes als Impfarzt hätten wir gerade mal die magere Grundvergütung eines Abgeordneten, der nun wirklich überhaupt nicht beruflich qualifiziert sein muß.

Und falls es tatsächlich ein Erfolg werden sollte und der mRNA Impfstoff sich nicht als Ladenhüter erweisen sollte... dann kommen CH, GB, NL, die skandinavischen Länder..und loben einfach den vierfachen oder zehnfachen Stundensatz aus.

Daß die "solidarischen" Krankenkassen sich (wie auch schon vormals bei Hepatitis und Grippe) weigern, überhaupt für eine Impfung breiterer Bevölkerungskreise aufzukommen, ist dann noch das I-Tüpfelchen.

ehem-user-27-11-2020-1033
21.11.2020, 20:35
Übrigens berechnet ein Anwalt 200-300 EUR Stundensatz



Komisch, dass dann so viele Anwälte ihre Zulassung zurückgeben und ein großer Teil so eben über die Runden kommt

WackenDoc
21.11.2020, 21:25
....
Edit: Ist mir echt zu blöd mit euch!

DrSkywalker
21.11.2020, 21:30
Die 80€ werden dann wohl für eine Scheinselbständigkeit sein.

Wacken, du hast schon deine lieblingsthemen, oder? :))

WackenDoc
21.11.2020, 21:39
Achso- neiiin das wird natürlich alles sauber geklärt sein. Für 80€ bekommt man ja ein Angestelltenvertrag. Nach 4 Jahren hat es ja jeder verstanden. Macht doch was ihr wollt. Aber dann heult nicht, wenns Ärger gibt. Viel Spass beim Kohle scheffeln.

mbs
22.11.2020, 03:19
Ist denn in Sachen Impfen schon was ausgeschrieben? Kann mir schon vorstellen, dass das eine lukrative Nebentätigkeit wäre. Fragt sich nur, ob die Impfzentren auch an Wochenenden und abends noch geöffnet haben.

Reflex
22.11.2020, 06:16
Die KV Nordrhein macht gerade eine Bedarfsabfrage, wer als Arzt eine Impfung in Anspruch nehmen möchte und wer bereit ist sich am Impfen zu beteiligen.

tarumo
22.11.2020, 07:16
Ist denn in Sachen Impfen schon was ausgeschrieben? Kann mir schon vorstellen, dass das eine lukrative Nebentätigkeit wäre. Fragt sich nur, ob die Impfzentren auch an Wochenenden und abends noch geöffnet haben.

Ja- ist es. Und das Angebot läuft als reguläre Anstellung per ANÜ, also nix mit Scheinselbstständigkeit. Und keine KV-Mauschellösungen. Das Risiko, im Januar ohne Job dazustehen, falls es Verzögerungen gibt, wäre allerdings vermutlich trotzdem vom AN zu tragen- und ob die in Aussicht gestellte Versicherung was taugt, kann ich nicht beurteilen.
Wie dem auch sei- es sind sicher keine nächtlichen oder sonntäglichen Impfmarathons geplant, womit eine Nebentätigkeit für Klinikärzte wohl ausscheidet.
Übrigens sind die 80 EUR nicht so weit von den 75 EUR entfernt, ich ich letzte Woche hier als realistisches Stundenhonorar ausgerechnet hatte.

tarumo
22.11.2020, 07:25
Die KV Nordrhein macht gerade eine Bedarfsabfrage, wer als Arzt eine Impfung in Anspruch nehmen möchte und wer bereit ist sich am Impfen zu beteiligen.

Interessant ist hier dieses "Doppeldenk".
Pandemiebekämpfung ist laut Gesetz und auch nach Auffassung der GKV Staatsaufgabe, weswegen man sich ja seitens der "solidarisch und gerechten " GKV weigert, die Impfstoffkosten zu übernehmen.
Die ärztliche Tätigkeit des Impfens an die KV zu deligieren, damit hat man dagegen überhaupt keine Probleme. Klar, das macht das ganze nämlich für Staat und GKV kostenlos, weil die KV das in 2020 zu verteilende Gesamthonorar schon 2019 überwiesen bekommen hat (vereinfacht gesagt).
Das ganze ist nicht nur ziemlich verlogen von Staat und GKV, sondern gefährdet auch ein zügiges Impfen, weil doch ein erheblicher Anteil der VertragsärztInnen weiß, daß man sich mit Teilnahme an solchen Aktionen die Einkünfte anderweitig schmälert (linke Tasche > rechte Tasche).

tarumo
22.11.2020, 07:31
Komisch, dass dann so viele Anwälte ihre Zulassung zurückgeben und ein großer Teil so eben über die Runden kommt

Das ist genau der Punkt. Wenn Du als neuer Impfarzt und "kleines Licht" regelmäßig nur die Schichten am Mittwoch- und Freitagabend von 16-22h bekommst und vielleicht noch den Samstagfrüh (den auch keiner will) , dann ist man meilenweit von den 12.000 EUR entfernt, die hier als "Großkotzigkeit" ausgerechnet wurden.
Warum der Staat bereit ist, diese fachlich zugegeben wenig anspruchsvolle Tätigkeit mit 80 EUR/h zu honorieren, den Dienst in der unmittelbaren kurativen Patientenversorgung aber nur mit einem Bruchteil, ist eine Frage, die man dem MB stellen sollte.

Es gibt durchaus auch ÄrztInnen, die ihre Zulassung zurückgeben, und zwar nicht wenige.