Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
*milkakuh*
08.03.2020, 18:05
Wie macht ihr das eigentlich mit Familienangehörigen, die im "Risikogebiet" waren. Vorerst meiden?
Meine Eltern wohnen 200m von einer in Quarantäne steckenden Familie weg (alle symptomlose Virusträger, letztendlich über HS infiziert), mit der sie zudem befreundet sind, d.h. irgendwie werden sie sich oder Kontaktperson in den Tagen vor Quarantänebeginn eh getroffen haben. Zum Geburtstag meines Papas waren wir dennoch gestern da.
Die Realschule neben dem Gymnasium unserer Tochter ht nun einen bestätigten Fall, damit ist die Schule bis einschließlich zum 18. März geschlossen, ein Lehrer der Schule ist Vater eines Klassenkameraden von K2. Man hat doch eh immer irgendwie Kontakt, möchte nicht wissen, wieviele meiner Patienten potentiell infektiös sind.
Feuerblick
08.03.2020, 18:20
Ich denke auch, dass man mehr Kontakt hat, als man sich gemeinhin vorstellt. Einfach weil nicht jeder Nieser gleich mit Corona in Verbindung gebracht wird. Man muss jetzt nicht unbedingt Corona-Erkrankte in ihrer Quarantäne besuchen oder in Quarantäne-Gebieten Großveranstaltungen mitmachen... aber sonst... :-nix
Bonnerin
08.03.2020, 18:21
Naja, ich möchte eigentlich gar nicht wissen, wie viele von uns/unseren Kollegen infektiös sind. Husten, Fieber, Halsschmerzen hatten in den letzten zwei Wochen einige Ärzte bei uns, arbeiten waren sie alle, untersuchen lassen hat sich keiner. Bei der Pflege sieht es ähnlich aus.
Wenns halt über 90% asymptomatisch oder minimal-symptomatisch ist...naja, schon nicht zu weit hergeholt, dass gerade in Krankenhäusern die Erkrankungsrate im Personal höher sein könnte als gedacht.
Aber da wir ja mit Leuten wie Laumann und Spahn „gesegnet“ sind ist das alles ja nur reine Spekulation meinerseits, da niemand ein Interesse an Abstrichen bei Mitarbeitern des Gesundheitssystems hat. Könnte ja wer positiv sein, ne Station schließen und Geld berloren werden...
schnix25
08.03.2020, 18:31
Das wäre auch nicht mehr praktikabel. Wenn auf Ärzte die gleichen Regeln angewendet werden würden, wie z.B. 2 wöchige häusliche Isolation nach einem Aufenthalt im Risikogebiet wie es jetzt bei den Schülergruppen aus Südtirol ist, würden vermutlich mehr Patienten sterben aufgrund der komplett zusammengefallenen Patientenversorgung. Insbesonderer jetzt nach den Ferien. Da muss man einfach in Kauf nehmen, dass vllt ein paar Patienten angestecket werden bevor man die Hälfte der Belegschaft nach Hause schickt. Zumal ja jeder Kontakt zu einem positiv getesteten in häusliche Isolation müsste, also würde ein positiver Test reichen um eine komplette Belegschaft einer Abteilung nach Hause zu schicken. Das funktioniert einfach nicht. Mit dem höhren Ansteckungsrisiko, evtl. auch durch Kollegen, muss man als Arzt einfach leben. Insofern kann man sich die Tests auch gleich sparen.
Siehe auch Uniklinik Aachen. Die hätten sonst die gesamte Neo zumachen müssen. Komplett.
Bonnerin
08.03.2020, 18:39
@freak1: Ja, das aus Aachen habe ich natürlich mitbekommen, ist ja quasi direkt um die Ecke bei uns. War aber meines Erachtens noch nicht medienwirksam genug, das hätte man perfekt als Aufhänger für den Personalmangel nehmen können.
@schnix25: Grundsätzlich stimmt das auch alles natürlich, aber man steckt ja dann auch nicht nur ein paar Patienten auf der Arbeit an (ist bei uns gerade ein eher geringes Problem, weil viele elektive Patienten nicht kommen wollen), sondern läuft halt insgesamt dann infektiös durch die Gegend, fährt mit dem ÖPNV, ect.
Das wäre auch nicht mehr praktikabel. Wenn auf Ärzte die gleichen Regeln angewendet werden würden, wie z.B. 2 wöchige häusliche Isolation nach einem Aufenthalt im Risikogebiet wie es jetzt bei den Schülergruppen aus Südtirol ist, würden vermutlich mehr Patienten sterben aufgrund der komplett zusammengefallenen Patientenversorgung. Insbesonderer jetzt nach den Ferien. Da muss man einfach in Kauf nehmen, dass vllt ein paar Patienten angestecket werden bevor man die Hälfte der Belegschaft nach Hause schickt. Zumal ja jeder Kontakt zu einem positiv getesteten in häusliche Isolation müsste, also würde ein positiver Test reichen um eine komplette Belegschaft einer Abteilung nach Hause zu schicken. Das funktioniert einfach nicht. Mit dem höhren Ansteckungsrisiko, evtl. auch durch Kollegen, muss man als Arzt einfach leben. Insofern kann man sich die Tests auch gleich sparen.
Wenn ich bei dem Kontakt mit der positiv getesteten Person die vorgeschriebene Schutzkleidung getragen habe, muss ich nicht in Quarantäne. Und ich persönlich finde nicht, dass ich als Ärztin mit Erhalt der Approbation mein Recht auf körperliche Unversehrtheit abgegeben habe. Und wieso die Patienten im Krankenhaus und die Alten in den Pflegeheimen nicht das Recht darauf haben, vor Ansteckung geschützt zu werden, musst du mir auch mal erklären.
schnix25
08.03.2020, 18:44
Wenn ich bei dem Kontakt mit der positiv getesteten Person die vorgeschriebene Schutzkleidung getragen habe, muss ich nicht in Quarantäne. Und ich persönlich finde nicht, dass ich als Ärztin mit Erhalt der Approbation mein Recht auf körperliche Unversehrtheit abgegeben habe. Und wieso die Patienten im Krankenhaus und die Alten in den Pflegeheimen nicht das Recht darauf haben, vor Ansteckung geschützt zu werden, musst du mir auch mal erklären.
Beim Umgang mit Kollegen trägt man ja normal keine Schutzkleidung. ;) Wenn sich die Abteilung morgens zur Frühbesprechung trifft und einer positiv ist, hat ja niemand Schutzkleidung an. Wenn die Alternative ist, dass sonst kein Arzt mehr in der Klinik ist müssen die Patienten damit mMn leben.
schnix25
08.03.2020, 18:46
Das ändert natürlich nichts daran zuhause zu bleiben, wenn man sich krank fühlt. Aber einfach so zu testen um mal zu gucken finde ich nicht sinnvoll.
Beim Umgang mit Kollegen trägt man ja normal keine Schutzkleidung. ;) Wenn sich die Abteilung morgens zur Frühbesprechung trifft und einer positiv ist, hat ja niemand Schutzkleidung an. Wenn die Alternative ist, dass sonst kein Arzt mehr in der Klinik ist müssen die Patienten damit mMn leben.
Dann müsste man die Kliniken halt personaltechnisch so aufstellen, dass es kein Problem ist, wenn man krank zu Hause bleibt und zieht das dann eben auch für einen Schnupfen durch. Klar, die asymptomatischen ziehst du damit dann nicht raus, aber die werden eh nicht getestet. Eigentlich sollte das sowieso Standard sein, du kannst einen schwer kranken Patienten ja auch mit nem normalen Erkältungsvirus umbringen, wenn du ihn ansteckst. Aber solange die Besetzung derart auf Kante genäht ist, ist das ja fast nicht realisierbar.
Meine Meinung ist: Entweder man zieht die Quarantäneregelungen für alle durch, oder man steckt immer nur die positiv getesteten in Quarantäne und spart sich den Rest. Aber sich das immer so hindrehen, wie es gerade passt weil sonst irgendeine wie auch immer geartete Versorgung nicht sichergestellt werden kann, das geht nicht.
Nessiemoo
08.03.2020, 19:12
Siehe auch Uniklinik Aachen. Die hätten sonst die gesamte Neo zumachen müssen. Komplett.
Man muss aber nicht sich verarschen lassen, dass solche Entscheidungen nicht aus reiner Menschenliebe gemacht werden, sondern meistens aus reinen finanziellen Hintergründen getroffen werden. Die Patienten hätte man verlegen müssen.
Ah nee, warte, die Bettenakapazitäten des ganzen Landes sind ja ausgeschöpft. Unser ganzes Gesundheitssystem hängt davon ab, ob Personal krank zur Arbeit kommt. Ich sehe das wie Bonnerin, aber unter der "Laien" wird das immer noch als heldenhaft gesehen.
Man muss aber nicht sich verarschen lassen, dass solche Entscheidungen nicht aus reiner Menschenliebe gemacht werden, sondern meistens aus reinen finanziellen Hintergründen getroffen werden. Die Patienten hätte man verlegen müssen.
Genau so habe ich freak1 verstanden.
Ich glaube auch, in Aachen war es weniger "Schei**e, wenn wir die Neo dicht machen, was wird aus den Patienten?", sondern "Schei**e, wenn wir die Neo dicht machen, fällt die ja als Erlösquelle raus!"
Genau so habe ich freak1 verstanden.
Ich glaube auch, in Aachen war es weniger "Schei**e, wenn wir die Neo dicht machen, was wird aus den Patienten?", sondern "Schei**e, wenn wir die Neo dicht machen, fällt die ja als Erlösquelle raus!"
Natürlich war es auch das. Auch wenn man 500g Frühchen tatsächlich schlecht verlegen kann.
pineapple
08.03.2020, 19:19
Sehe ich wie du. Außerdem macht ein kranker Arzt bestimmt eher einen Fehler, als ein gesunder.
chondroklast
08.03.2020, 20:01
Wenn man so Vergleiche anschaut und sicher ist das nicht in jeder Klinik so clean und professionell, aber hier bekam man in den Medien in den letzten Wochen nur hämische Berichte, die Chinesen wären zu hart, oder wahlweise zu inkonsequent und das politische System würde wegen Corona bald kollabieren. Dann irritieren einen solche Berichte schon, alles clean, organisiert, genügend Material und Technik:
https://www.youtube.com/watch?v=pyelx99_zFs
https://www.youtube.com/watch?v=Zru5REL9ANg
Dennoch scheut man sich an den Erfahrungen der Chinesen Anleihe zu nehmen oder sogar mal unbqueme Entscheidungen wie größerräumige Quarantäne, BW- und THW- Einsatz zu erwägen.
Das Aussitzen der Regierung zeigt jetzt nun Schwächen. Bertelsmann wollte neulich noch fleissig Klinik schließen, wir sind ja so überversorgt. Hauptsache die Wirtschaft wird nicht geschädigt...
Das ändert natürlich nichts daran zuhause zu bleiben, wenn man sich krank fühlt. Aber einfach so zu testen um mal zu gucken finde ich nicht sinnvoll.
Im Gegenteil, epidemiologisch wäre das durchaus sinnvoll, um die wahre Prävalenz herauszufinden. Die Quarantänemaßnahmen wären dann in diesem Ausmaß aber bestimmt nicht praktikabel.
Möglicherweise sollte man sie dahingehend abändern, daß in erster Linie die vulnerabelste Gruppe, nämlich die multimorbiden alten Leute geschützt werden.
Also weniger strenge Quarantäne in der sonstigen Bevölkerung (dafür aber bei allen unabhängig vom Beruf), Besuchseinschränkungen in Altenheimen, strengere Regelungen bei Altenpflegern. Ist ethisch nicht ganz ok, aber wahrscheinlich am effektivsten, um die Mortalität gering zu halten.
Mittlerweile ist der erste Deutsche gestorben, allerdings in einem ägyptischen Krankenhaus.
Der Regierung macht halt das, was sie in 16 Jahren Merkel immer schon gemacht hat: Aussitzen und hoffen das es vorbei geht.
FirebirdUSA
08.03.2020, 22:08
Das ändert natürlich nichts daran zuhause zu bleiben, wenn man sich krank fühlt. Aber einfach so zu testen um mal zu gucken finde ich nicht sinnvoll.
Wenn man glaubt es eindämmen zu können wäre es sinnvoll. Da sind wir aber schon lange drüber und ich bin sicher, dass da auch nie eine realistische Chance bestand. Auch nicht mit Fieberscannern, o.ä.
Ich glaube die aktuelle Haltung hat durchaus System: Krankenhäuser funktionsfähig halten, Panik gering halten und hoffen es wird wie eine Grippewelle.
Wenn jetzt BW, THW o.ä. auffahren würde wie in Italien würde das absolute Chaos ausbrechen. Dann wären die Hamsterkäufe der letzten Tage nur der Anfang, die Hälfte der Belegschaft würde nicht mehr ins KH zur Arbeit kommen und am Ende werden vermutlich viel mehr Menschen an anderen Erkrankungen sterben, da die Versorgung nicht mehr funktioniert. Und da sind wir schon kurz davor, ... also was wäre die richtige Politik? Ich weiß es nicht, aber noch mehr Panik fände ich katastrophal.
Neurologica
08.03.2020, 22:32
Hallo ihr Lieben,
mich würde eure Einschätzung zu einem Sachverhalt interessieren:
am 11.03. fahre ich von Berlin nach Magdeburg um am HamNat teilzunehmen aber:
arbeite mit multimorbiden älteren Menschen+hab am 12.03. ein Vorstellungsgespräch mit evtl. Hospitation in einer größeren Klinik.
Was meint ihr? Besteht Gefahr dass ich evtl. aufgeschnappte Viren verteile und Personen der Risikogruppen gefährde oder ist mit normalen Vorsichtsmaßnahmen(Hygiene etc) genug getan?
Liebe Grüße
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