Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
WackenDoc
19.12.2020, 21:53
Ausgangssperre und Einkaufen erlaubt ist schwierig, weil es drum geht besser kontrollieren zu können, wer unterwegs ist. Man muss das nicht gut finden, aber vielleicht versucht ihr mal den SINN dahinter zu verstehen. Das hat ja keiner aus Spass gemacht.
Melina93
19.12.2020, 21:54
Hier in der Schweiz machen Supermärkte alle ab 19 Uhr zu. Und das ist gar nicht so trivial wenn man bis 17 Uhr arbeitet.
Klar lässt es sich irgendwie einrichten. Bedeutet aber mehr Stress ohne dass ich da einen wirklichen infektiologischen Nutzen dahinter sehe.
GelbeKlamotten
19.12.2020, 21:56
Dito. Ich bin, auch schon vor Corona, gerne um 21 Uhr zum großen Edeka, kaum Menschen da, das war ein Traum.....Betonung liegt auf war....
Zumindest hätte man den Leuten, die nach der Arbeit noch einkaufen wollen, es erlauben sollen, auch nach 20 Uhr einkaufen zu gehen. Wobei die Frage ist, ob sich die Menge dann für die Läden gelohnt hätte, noch länger offen zu bleiben...schwierig. Oder zumindest Ausgangssperre ab 20 Uhr, aber Einkaufen noch erlaubt. Weil ob jetzt die Familie sich gegenseitig erst ab 22 Uhr oder schon ab 20 Uhr auf der Pelle hockt, ist auch grad egal.
Ich denke der Grund, warum man nicht das Einkaufen in der Ausgangssperre erlaubt ist, dass dann die Ausgangssperre generell nicht mehr so einfach durchsetzbar wäre.
Mit absoluter Ausgangssperre sind so wenige unterwegs, dass man besser stichprobenartig kontrollieren kann. Sonst würde halt jeder behaupten er wäre auf dem Weg zum Supermarkt.
Den Hintergedanken kann ich nachvollziehen, auch wenn ich die Maßnahme an sich für eine Frechheit halte.
Heerestorte
19.12.2020, 21:59
Ausgangssperre und Einkaufen erlaubt ist schwierig, weil es drum geht besser kontrollieren zu können, wer unterwegs ist. Man muss das nicht gut finden, aber vielleicht versucht ihr mal den SINN dahinter zu verstehen. Das hat ja keiner aus Spass gemacht.
Ich denke der Grund, warum man nicht das Einkaufen in der Ausgangssperre erlaubt ist, dass dann die Ausgangssperre generell nicht mehr so einfach durchsetzbar wäre.
Mit absoluter Ausgangssperre sind so wenige unterwegs, dass man besser stichprobenartig kontrollieren kann. Sonst würde halt jeder behaupten er wäre auf dem Weg zum Supermarkt.
Den Hintergedanken kann ich nachvollziehen, auch wenn ich die Maßnahme an sich für eine Frechheit halte.
Stimmt schon, ja. Würde die Sperre erst um 21 oder 22 Uhr beginnen und bis 6 Uhr andauern, dann wäre sie genauso lange und die Märkte könnten länger offen haben. So sind es einfach nur mehr Leute pro Zeit im Supermarkt.
cartablanca
19.12.2020, 22:00
Hatte das erwartet.
Bei uns im KH werden Risikopatienten aus völlig banalen Anlässen hospitalisiert. Ich schätze, dass man mind. 30 % auch ambulant behandeln könnte. Und dann fangen die sich im KH Corona.
Die allermeisten Hüft TEPs, Arthroskopien etc. könnte man ohne weiteres schieben bis in vier Monaten. Sind meist Risikopatienten diese Leute.
GelbeKlamotten
19.12.2020, 22:03
Stimmt schon, ja. Würde die Sperre erst um 21 oder 22 Uhr beginnen und bis 6 Uhr andauern, dann wäre sie genauso lange und die Märkte könnten länger offen haben. So sind es einfach nur mehr Leute pro Zeit im Supermarkt.
Unter der Annahme, dass eine Sperre von 5 bis 6 uhr die gleichen Auswirkungen hat wie eine Sperre von 21 bis 22 uhr, wäre das richtig. Wird aber wohl nicht der Fall sein.
5 Uhr morgens wird selbst für Türken- und Araberclans nicht die Sternstunde für große Treffen der „erweiterten Familie“ sein, wenn vorher die ganze Nacht Ausgangssperre war ;)
Choranaptyxis
19.12.2020, 22:48
Unter der Annahme, dass eine Sperre von 5 bis 6 uhr die gleichen Auswirkungen hat wie eine Sperre von 21 bis 22 uhr, wäre das richtig. Wird aber wohl nicht der Fall sein.
5 Uhr morgens wird selbst für Türken- und Araberclans nicht die Sternstunde für große Treffen der „erweiterten Familie“ sein, wenn vorher die ganze Nacht Ausgangssperre war ;)
Das ist halt das Problem. Die abendlichen Großtreffen verhindert man, auf der anderen Seite wird das nicht zu vermeidende Einkaufen halt gedrängter. Vielleicht muss ich nochmal ganz andere Uhrzeiten probieren und finde eine, zu der ich nicht die Krise ob der Personenmengen bekomme (selbst ohne Corona, 20 Personen-Schlangen sind einfach nicht meins, zu viele irgendwann im Nacken).
Solange noch nicht überall Elektiveingriffe und Elektivaufnahmen verschoben oder abgesagt werden sehe ich noch Reserven und keinen Alarmzustand. Finde, dass in der Hinsicht viel übertrieben wird. Klar sind die Transporte oft nicht trivial, aber dass das Gesundheitssystem am Anschlag steht und wir kurz vor Triage-Entscheidungen sind sehe ich momentan noch nicht.
Mal sehen, was die Impfungen bringen werden. Darauf bin ich schon ziemlich gespannt. Wie es aussieht wird es ja auch RNA-Impfstoffe in Deutschland geben, gegen die viele sicher kritischer reagieren dürften als gegen andere Wirkstoffe.
FirebirdUSA
20.12.2020, 08:06
Solange noch nicht überall Elektiveingriffe und Elektivaufnahmen verschoben oder abgesagt werden sehe ich noch Reserven und keinen Alarmzustand. Finde, dass in der Hinsicht viel übertrieben wird. Klar sind die Transporte oft nicht trivial, aber dass das Gesundheitssystem am Anschlag steht und wir kurz vor Triage-Entscheidungen sind sehe ich momentan noch nicht.
Mal sehen, was die Impfungen bringen werden. Darauf bin ich schon ziemlich gespannt. Wie es aussieht wird es ja auch RNA-Impfstoffe in Deutschland geben, gegen die viele sicher kritischer reagieren dürften als gegen andere Wirkstoffe.
Naja, das Problem ist das kritische Covid Patienten häufig nicht mehr Transportfähig sind, Regional ist das Gesundheitssystem aber durchaus am Anschlag. Bundesweit sicher nicht.
Naja, das Problem ist das kritische Covid Patienten häufig nicht mehr Transportfähig sind, Regional ist das Gesundheitssystem aber durchaus am Anschlag. Bundesweit sicher nicht.
ARDS Patienten werden doch alle Nase lang verlegt? Ist halt sehr aufwendig (Intensivtransport, ggf. Heli und/oder ECMO).
Relaxometrie
20.12.2020, 09:27
Ich meine nicht die Karte. Die bildet alle akuten Atemwegserkrankungen ab, egal ob Schnupfen, Grippe, Corona oder was auch immer. Schau dir mal im Wochenbericht 50/2020 speziell die Daten zu Influenza an:
Stimmt, die Wochenberichte, die sich ausschließlich auf Influenza beziehen, sind die richtige Argumentationsquelle :-)
Da habe ich beim Verlinken der Karten, die sich auf alle respiratorische Erkrankungen beziehen, nicht aufgepasst.
Choranaptyxis
20.12.2020, 09:38
Naja, das Problem ist das kritische Covid Patienten häufig nicht mehr Transportfähig sind, Regional ist das Gesundheitssystem aber durchaus am Anschlag. Bundesweit sicher nicht.
Das ist das Problem. Bei uns geht es bestimmt noch schlimmer, aber wegen der Zahlen und Belegung ist schon seit fast 2 Wochen alles runtergefahren. OPs nur noch hochdringlich, nur noch dringliche Ambulanztermine und natürlich Notfälle. Klar, es kommen noch alle unter, aber ein V.a. Schlaganfall, von dem ich privat weiß, hat länger gebraucht, bis er ein KH zur Aufnahme hatte (also der RTW), weil halt das eigentliche KH dafür es nicht mehr nehmen konnte.
Melina93
20.12.2020, 10:37
Bei uns hat sich die Lage nach einer kurzen, schwächeren Phase, wieder deutlich verschlimmert. Aktuell sind wir wieder fast voll. Da aber wegen Feiertagen etc eh nicht wirklich elektiv operiert wird, hält sich alles in Grenzen.
Von "Triage" sind wir noch weit entfernt, wobei mich auch extrem stört, dass dieser Begriff derart negativ konnotiert ist. Triage heißt ja nicht, dass man ältere Menschen alleine im Zimmer qualvoll ersticken lässt, sondern sagt erst einmal nur, dass priorisiert wird.
Wir haben viele sehr alte Patienten, die es uns fast übel nehmen, dass wir sie nicht sterben lassen. Die sind teilweise deutlich über 90 und fluchen darüber, dass sie ihr mutmasslich letztes Weihnachten nicht zu Hause verbringen können.
Ich möchte daraus jetzt keine Diskussion über Sterbehilfe vom Zaun brechen. Aber dass immer so getan wird als wäre das jetzige Vorgehen das einzig moralisch korrekte, finde ich doch recht fragwürdig im Moment.
Momentan hat halt bloß keiner den Mut eine andere Richtung zu fahren, weil sonst irgendwelche Moralapostel auf einen einschlagen. Aber wie soll das so weitergehen? Warum lassen wir zumindest nicht die Risikogruppen selbst autonom agieren? Warum so paternalistisch?
Die Impfung verzögert sich jetzt auch, von den unklaren Folgen des Ganzen mal abgesehen.
Das eine gewisse Triage immer schon stattfindet sieht man doch alleine an den Verlegungen in die ECMO-Zentren. Klar könntest du den 89 jährigen jetzt auf den Tisch legen und ihm die ECMO in die Leiste rammen. Er lebt davon dann ein paar Tage länger, stirbt am Ende aber trotzdem. Die richtig krassen Verläufe von jungen Patienten (<50, teilweise hier <30) die an die ECMO kommen haben auch eine Chance da wieder runter zu kommen...
Hier werden mittlerweile Patienten an 3-5 Krankenhäusern vorbei aus den Nachbarstädten eingeliefert weil kein Krankenhaus mehr aufnehmen kann. Umgekehrt haben wir hier Patienten mehrere Tage in der ZNA liegen weil wir kein Bett finden und verlegen die Leute teilweise nach extern weiter. Und wir haben hier Inzidenzen unter 200 aber offensichtlich eine ziemlich hohe Hospitalisierungsrate.
Man muss halt aber ich immer mal gucken, was das für Krankenhäuser sind, die nicht am Limit sind. Das Krankenhaus im Landkreis meiner Eltern hat 8-12 freie Intensivbetten und bestellt noch ganz gemütlich elektive Kolos ein. Können sie auch machen bei 231 aktiven Fällen bei denen mind. die Hälfte Schulkinder und junge gesunde Fußballer betreffen. Aber das ist auch nicht unbedingt das Haus, in dem man mit schwerer Covidpneumonie behandelt werden möchte. Nicht weil da schlechte Ärzte arbeiten aber es fehlt halt die Erfahrung. Ich glaube kaum, dass da schonmal ein Patient auf dem Bauch beatmet wurde. Ich bin früher Intensivtransport in den Gegend gefahren und die Klinik hat da schon sehr sehr niederschwellig in größere Kliniken verlegt.
Und da sieht’s dann halt schon wieder schlecht aus mit Betten. Also bleibst du halt jetzt in der Kreiskklinik weil die großen, erfahrenen Kliniken keine Kapazitäten mehr haben. Und da kann man dann nur das beste hoffen wenn die ihre CV aus dem Keller holen und sich nochmal schnell in die Langzeitbeatmung einlesen.
Und bezüglich Triage: wie MediFreak schon sagt, findet die durchaus statt. Fand sie aber halt auch schon vor Corona. Indem man halt nicht jeden multimorbiden Vollpflegefall an die ECMO packt bzw. intubiert. Hier gibt es durchaus ein gewisses Patientenklientel bei dem man ganz genau überlegt ob man da noch volles Programm fährt. Klar muss niemand einsam und qualvoll ersticken aber Alter und Vorerkrankungen tragen eben schon zur Entscheidung bei auf welcher Station und mit welchen Maßnahmen weiterbehandelt wird. Im Idealfall natürlich im Konsens mit Patient (bzw. Patientenverfügung) und Angehörigen aber zur Not eben auch als ärztliche Entscheidung.
Melina93
20.12.2020, 11:10
Das eine gewisse Triage immer schon stattfindet sieht man doch alleine an den Verlegungen in die ECMO-Zentren. Klar könntest du den 89 jährigen jetzt auf den Tisch legen und ihm die ECMO in die Leiste rammen. Er lebt davon dann ein paar Tage länger, stirbt am Ende aber trotzdem. Die richtig krassen Verläufe von jungen Patienten (<50, teilweise hier <30) die an die ECMO kommen haben auch eine Chance da wieder runter zu kommen...
Natürlich ist es etwas anderes wenn es jüngere Menschen trifft. Und trotz allem gibt es diese Fälle, das ist mir bewusst. Trotzdem fehlen mir die langfristigen Handlungen, alles wirkt etwas ins Blaue agiert.
Aber wir sind eh ein Spital, wo ja alle arbeiten sollen wenn positiv, so lange keine Symptome vorhanden sind ( sprich Fieber). Da braucht man sich dann auch nicht mehr wundern.
WackenDoc
20.12.2020, 11:26
Triage ist aber nicht, wenn du dich aus medizinischer Sinnhaftigkeit oder bei Aussichtslosigkeit gegen eine Therapie entscheidest. Die Ressourcen wären bisher ja da gewesen. Aktuell gibt es wohl eine Art Mischentscheidung. So richtig geht es los, wenn man Patienten nicht behandeln kann, obwohl sie realistische Chancen haben, weil es eben jemanden mit besseren Chancen gibt der die Ressource braucht.
Ich kann euch übrigens den gleichnamigen Film zum Thema empfehlen.
Colourful
20.12.2020, 11:54
Und wie heißt der Film?
Relaxometrie
20.12.2020, 11:58
Und wie heißt der Film?
Wenn er gleichnamig ist, vermutlich "Triage" :-D (ich kenne den Film nicht).
GelbeKlamotten
20.12.2020, 12:18
Das eine gewisse Triage immer schon stattfindet sieht man doch alleine an den Verlegungen in die ECMO-Zentren. Klar könntest du den 89 jährigen jetzt auf den Tisch legen und ihm die ECMO in die Leiste rammen. Er lebt davon dann ein paar Tage länger, stirbt am Ende aber trotzdem. Die richtig krassen Verläufe von jungen Patienten (<50, teilweise hier <30) die an die ECMO kommen haben auch eine Chance da wieder runter zu kommen...
Die generelle Abwägung, ob eine medizinische Maßnahme für den Patienten sinnvoll ist, würde ich jetzt nicht unbedingt als Triage bezeichnen. Sonst würden überall ständig Leute austriagiert, u.a. auch der 85jährige Multimorbide, dem man keine Ausgedehnte Tumor-Op mehr zumutet bis zum Präfinalen, bei dem man in Absprache mit den Angehörigen auf eine Reanimation verzichtet.
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