Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
habichnicht
19.03.2021, 07:40
Sie gehen davon aus, dass es sich wohl um eine autoimmune HIT handelt.
Da muss ich mich doch glatt mal selbst zitieren:
Und mir fällt zu der Kombination aus Thrombozytopenie und Thrombosen HIT 2 als Reaktion auf wiederholte Behandlung mit Heparin ein. Ist das nicht auch eine überschießende Reaktion des Immunsystems?
Die Risikofaktoren die du nennst, sind aber für eine "normale" Thrombose. ITP + Thrombose hat ja vermutlich einen anderen Pathomechanismus (die norwegischen Daten würden hier ja gut passen), insofern wäre die Risikogruppe eher die jenigen die häufiger deutliche Reaktionen auf Impfstoff zeigen (jung und weiblich ist da natürlich Schnittmenge)
Nun eine große Gruppe: Jung/Weiblich, wahrscheinlich zu groß.
Sie gehen davon aus, dass es sich wohl um eine autoimmune HIT handelt.
Ja, dann weiß man jetzt mehr. *gefaelltmir*
Hier ist die aktuelle Stellungnahme einer hämostaseologischen Gesellschaft zur Diagnostik und Therapie der AZ-bedingten Gerinnungsstörungen:
https://gth-online.org/wp-content/uploads/2021/03/GTH-Stellungnahme-2-AstraZeneca_18032021.pdf
Sie gehen davon aus, dass es sich wohl um eine autoimmune HIT handelt.
Danke! Das damit kann man endlich was anfangen! Und damit klären sich auch viele andere Fragen...
habichnicht
19.03.2021, 11:31
So schnell wurde das Problem gelöst:
Die Komplikationen nach Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff sind erforscht und es wurde eine Therapie entwickelt. Einer weiteren Impfung steht also nichts mehr im Weg.
https://www.medizin.uni-greifswald.de/de/ueber-die-umg/aktuelles/astrazeneca-impfung/
Professor Andreas Greinacher hat sich reingehängt und es hat sich gelohnt. Die Komplikationen nach Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff sind erforscht und es wurde eine Therapie entwickelt. Einer weiteren Impfung steht also nichts mehr im Weg.
Der Abwehrstoff, der sich in seltenen Fällen nach der Impfung bildet, aktiviert die Blutplättchen. Diese agieren dann wie bei einer Wundheilung und lösen Thrombosen im Gehirn aus.
Der Greifswalder Wissenschaftler hat Blutproben von Betroffenen untersucht und gemeinsam mit europäischen Wissenschaftlern und dem Paul-Ehrlich-Institut eine Therapie entwickelt. Da diese Ergebnisse bereits, breit gestreut, an Kliniken übermittelt wurden, kann weiter mit AstraZeneca geimpft werden. Betroffene Menschen können direkt therapiert werden.
Feuerblick
19.03.2021, 11:32
Aha... und welche „Therapie“ hat man „entwickelt“? Diese Meldung ist... äh ... nun...
Choranaptyxis
19.03.2021, 11:40
Klingt iwie sehr unseriös nach Wunderheilung :-oopss
Für die Bild gut geeignet, aber etwas mehr "hintergrund" wäre dann doch nett
roxolana
19.03.2021, 11:42
Ich vermute mal, es geht um die zweitätige IVIG-Behandlung. Greinacher hat das Papier, was ich oben verlinkt habe, ja mit unterzeichnet.
habichnicht
19.03.2021, 12:37
Frankreich empfiehlt, den AZ-Impfstoff nur noch für Personen über 55 (https://www.nrk.no/nyheter/begrenser-bruk-av-omstridt-vaksine-1.15424520)zu verwenden.
Die kennen wohl die in Deutschland entwickelte Therapie gegen die möglichen unerwünschten Wirkungen noch nicht.
Aha... und welche „Therapie“ hat man „entwickelt“? Diese Meldung ist... äh ... nun...
Ja da brauch die Presseabteilung der Uni Greifswald in bisschen Nachhilfe;-)
Coole Meldung...
Feuerblick
19.03.2021, 12:46
Ich vermute mal, es geht um die zweitätige IVIG-Behandlung. Greinacher hat das Papier, was ich oben verlinkt habe, ja mit unterzeichnet.
Vermutlich. Aber diese Bekanntmachung ist so dünn und nebulös, die müsste man dem Schreiberling eigentlich um die Ohren hauen.
Choranaptyxis
19.03.2021, 12:48
Ich vermute mal, es geht um die zweitätige IVIG-Behandlung. Greinacher hat das Papier, was ich oben verlinkt habe, ja mit unterzeichnet.
Danke für den Hinweis :) gut zu wissen, wenn Nachfragen kommen. Die Presseabteilung sollte trotzdem mal ihre Arbeit in den Griff bekommen.
Kackbratze
19.03.2021, 12:54
Also präventiv oder nach erfolgter Sinusvenenthrombose?
Feuerblick
19.03.2021, 12:55
Nicht präventiv sondern nur bei Diagnose. Stand in einem Artikel, den ich gerade von ner Freundin bekommen habe.
GelbeKlamotten
19.03.2021, 13:03
Eine einzelne IVIG-Behandlungssitzung kostet zwischen 1000 und 2000 Euro. Nach dem man bei dem Impfstoffen wild verhandelt hat, ob man nun 3, 5 oder 15 Euro pro Dosis bezahlt wäre eine IVIG-Therapie präventiv für jeden AZ Impfling dann doch etwas over the top. Mal davon abgesehen, dass man schon wirklich selten dämlich sein müsste, wenn man das freiwillig über sich ergehen lassen würde.
habichnicht
19.03.2021, 14:42
Nicht präventiv sondern nur bei Diagnose.
Und das wäre alles kein Problem (https://www.tagesspiegel.de/wissen/tests-und-therapieansatz-fuer-nebenwirkung-wie-die-astrazeneca-impfung-thrombosen-verursachen-und-wie-das-verhindert-werden-koennte/27022140.html):
Gefährdete Impflinge könnten mit Screeningtests erkannt werden und im Falle des einsetzenden Blutplättchenmangels, der Thrombozytopenie, behandelt werden. „Unter den vorliegenden Rahmenbedingungen, also der Möglichkeit spezifisch zu testen und zu therapieren, überwiegt der Nutzen einer Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff bei Weitem das Risiko, durch die Impfung schweren Schaden zu erleiden“, urteilt Oldenburg.
Die Hinweise zum Procedere bei Diagnostik und Therapie stehen in dem von roxolana verlinkten PDF.
ehem-user-02-08-2021-1033
19.03.2021, 15:56
Eine einzelne IVIG-Behandlungssitzung kostet zwischen 1000 und 2000 Euro. Nach dem man bei dem Impfstoffen wild verhandelt hat, ob man nun 3, 5 oder 15 Euro pro Dosis bezahlt wäre eine IVIG-Therapie präventiv für jeden AZ Impfling dann doch etwas over the top. Mal davon abgesehen, dass man schon wirklich selten dämlich sein müsste, wenn man das freiwillig über sich ergehen lassen würde.
Nur aus Interesse was hat jetzt so ne IVIG Therapie für Risiken und Nebenwirkungen?
John Silver
19.03.2021, 17:32
Thrombosen bzw. Thromboembolien kommen bei IVIG in 2-4% der Fälle vor. Wie war das mit Teufel und Belzebub?
ehem-user-02-08-2021-1033
19.03.2021, 19:09
Oh... Danke..
ninakatharina
19.03.2021, 21:20
Unter ivig sind "allergische" Reaktionen mit Schüttelfrost und Fieber relativ häufig, möglicherweise auch Kreislaufreaktionen, deshalb muss die Infusions-Geschwindigkeit titriert und die Indikation eng gestellt werden. Thrombembolische Komplikationen sind selten möglich.
Selbst wenn die Thrombozyopenie dadurch behandelt werden kann, löst das ja noch nicht das Problem der stattgehabten, möglicherweise sogar letalen Thrombose. Ich finde das schon eine sehr schwere UEW und hin gespannt, wie man damit in den Empfehlungen umgehen wird.
Hatte übrigens auf eine TTP getippt...
Relaxometrie
19.03.2021, 21:30
Wie schätzt Ihr den Verlauf nach der zweiten AZ-Impfung ein? Wird das Immunsystem dann ggfs. so stark geboostert, dass noch mehr Geimpfte eine Sinusvenenthrombose bekommen als nach der ersten Impfung?
Außerdem frage ich mich, warum diese Nebenwirkung (Thrombosen+Thrombozytopenie) nicht in dem Maße auch von anderen Impfstoffen berichtet wird. Man könnte ja sagen, dass am Ende der Impfung (egal, ob mit mRNA oder Vektor) immer Antikörper gegen das Spikeprotein gebildet werden und das Thromboserisiko bei allen Impfstoffen ähnlich ist.
Vielleicht sind die bisherigen Meldungen nach den Impfungen mit BioNTech deswegen geringer, weil damit bislang eher Menschen geimpft wurden, die älter sind und somit ein relevanter Anteil der Geimpften antikoaguliert ist und eine möglichweise durch die Impfung getriggerte Thrombose direkt unwissentlich behandelt wird.
Oder die durch Impfung entstehenden Antikörper sind bei den unterschiedlichen Impfstoffen doch geringfügig unterschiedlich, so dass eben doch nicht alle Impfstoffe das Thromboserisiko erhöhen?
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