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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread



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WiWi18
06.04.2021, 11:37
Du glaubst wohl auch an den Osterhasen, oder? Was ist an einer Exponentialfunktion zu beweisen? Gestern (5.4) war die Covid ITS-Belegung 16% über der Vorwoche, ne Woche früher am 29.3 waren es 14% über der Vorwoche und am 22.3 waren es 11%. Man sieht also eher eine Beschleunigung des exponentiellen Wachstums als eine Abschwächung, was bei den ubiquitären Lockerungen und Modellprojekten auch nicht verwunderlich ist. Die Patienten 50+, die sich heute infizieren und in 3 Wochen auf einer aus allen Nähten platzenden ITS aufschlagen werden, könnten sich irgendwann im Juli auf eine Impfung freuen.

Das Problem an deiner Exponentialfunktion ist, dass es eine Prognose ist, keine hinreichend sichere Vorhersage. Und dazu eine, die auf tönernen Füßen steht, wie diverse Vorhersagen der Vergangenheit gezeigt haben (und auch konzeptuell nicht so ganz richtig ist - wenn du deine Funktion ein paar Wochen weiter malst gibt es mehr Infizierte als Einwohner). Die Intensivkapazitäten können im Zweifel auch in relativ kurzer Zeit erweitert werden, wenn das notwendig ist. Das deutsche Gesundheitssystem war insgesamt bisher nie an der Belastungsgrenze (höchstens regional, was aber durch intelligentere Verteilung der Patienten gut kontrolliert werden kann), und ich bin es Leid, dass man in einem Land, das dreimal so viele Intensivkapazitäten pro Einwohner hat wie zum Beispiel Frankreich, permanent diese doch eher abstrakte Gefahr an die Wand malt.

Der Kampf gegen Corona hat sich inzwischen als Marathonlauf entpuppt - ist eben so. Aber da ist es wenig zielführend, alle zwei Wochen zu erklären, die nächsten zwei Wochen seien entscheidend, sprich, von einem Sprint zum nächsten zu rennen.

Auf diese Weise verliert man die Vernünftigen (Bürgermeister Frankfurt Oder).

Und gerade die aktuelle Situation bei uns im Stadtkreis (unsere ITS ist längst nicht ausgelastet bei Rekordinzidenzen, und Tote gibt es so wenige wie im Sommer 2020, nämlich so gut wie gar keine) führt mir relativ gut vor Augen, dass die aktuellen Schalthebel zur Steuerung der Maßnahmen (sprich, die jeweiligen Inzidenzen) einfach nicht die richtigen sind. Und darauf aufbauend dann "bundeseinheitliche" Maßnahmen erscheinen mir ebenfalls nicht zielführend.

Christoph_A
06.04.2021, 12:09
Diese haltlose Panikmache mit Verweisen auf irgendwelche hypothetisch überlasteten Kliniken ist es ja, was die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bestehenden Maßnahmen immer weiter untergräbt.
Zumal ja wirklich in der hochvulnerablen Gruppe der Ü80 jährigen durch konsequente Impfstrategien die Hospitalisationszahlen BUNDESWEIT niedrig sind. Die Sterbezahlen sind ebenfalls, trotz teils deutlich gestiegener Inzidienzen, niedrig bis allenfalls moderat und jetzt sollen auf einmal die Ü50 jährigen, die vorher eher en passant erwähnt wurden, die Hochrisikopatienten sein, die massenweise Intensivkapazitäten benötigen würden und auf einmal wie die Fliegen stürben? Sorry, da geh ich nicht mit.
Alle Maßnahmen wie Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, Kontakreduktionen, auch von mir aus sogar noch Ausgangsbeschränkungen in Hochinzidenzgebieten haben ihre Berechtigung und werden von mir auch EXPLIZIT NICHT angezweifelt, aber jetzt schon wieder ausm Ärmel mit überlasteten Intensivstation, Triagen und Leichenbergen a la Bergamo kommen gibt die klinische Situation aktuell einfach nicht her!

GelbeKlamotten
06.04.2021, 12:17
Was ist an einer Exponentialfunktion zu beweisen? Gestern (5.4) war die Covid ITS-Belegung 16% über der Vorwoche, ne Woche früher am 29.3 waren es 14% über der Vorwoche und am 22.3 waren es 11%. Man sieht also eher eine Beschleunigung des exponentiellen Wachstums als eine Abschwächung

Ach herrje. Wenn uns die Pandemie eins gelehrt hat, dann dass die Bevölkerung nicht in der Lage ist, exponentielles Wachstum zu verstehen oder generell Begriffe, die einen mathematischen Wachstumsprozess beschreiben, auch nur halbwegs korrekt zu verwenden.

Ist nicht böse gemeint, viele haben eben einfach kein mathematisches Grundverständnis. Aber dann muss man doch auch nicht mit solchen Begriffen um sich werfen!?

WiWi18
06.04.2021, 12:52
Ach herrje. Wenn uns die Pandemie eins gelehrt hat, dann dass die Bevölkerung nicht in der Lage ist, exponentielles Wachstum zu verstehen oder generell Begriffe, die einen mathematischen Wachstumsprozess beschreiben, auch nur halbwegs korrekt zu verwenden.

Ist nicht böse gemeint, viele haben eben einfach kein mathematisches Grundverständnis. Aber dann muss man doch auch nicht mit solchen Begriffen um sich werfen!?

Wenn man aber Grundkenntnisse der deduktiven/analytischen Statistik hat weiß man auch, dass die Behauptung irgendwelcher Wachstumsmuster nicht einfach aus drei Zahlen abgeleitet werden kann...

npspammer
06.04.2021, 14:04
Diese haltlose Panikmache mit Verweisen auf irgendwelche hypothetisch überlasteten Kliniken ist es ja, was die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bestehenden Maßnahmen immer weiter untergräbt.
Zumal ja wirklich in der hochvulnerablen Gruppe der Ü80 jährigen durch konsequente Impfstrategien die Hospitalisationszahlen BUNDESWEIT niedrig sind. Die Sterbezahlen sind ebenfalls, trotz teils deutlich gestiegener Inzidienzen, niedrig bis allenfalls moderat und jetzt sollen auf einmal die Ü50 jährigen, die vorher eher en passant erwähnt wurden, die Hochrisikopatienten sein, die massenweise Intensivkapazitäten benötigen würden und auf einmal wie die Fliegen stürben? Sorry, da geh ich nicht mit.
Alle Maßnahmen wie Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, Kontakreduktionen, auch von mir aus sogar noch Ausgangsbeschränkungen in Hochinzidenzgebieten haben ihre Berechtigung und werden von mir auch EXPLIZIT NICHT angezweifelt, aber jetzt schon wieder ausm Ärmel mit überlasteten Intensivstation, Triagen und Leichenbergen a la Bergamo kommen gibt die klinische Situation aktuell einfach nicht her!

Was mich am öffentlichen Diskurs mittlerweile stört ist die fehlende Lobby für Non-Covid-Care. An einer deutschen Uniklinik während der zweiten Welle erlebt, dass wegen Umwandlung von Stationen in Covid-Normalstationen und konsekutiv fehlenden Bettenkapazitäten Immunsupprimierte Patienten unter CTx mit Fieber und systemischen Infektparamentern aus der Ambulanz nahc Hause geschickt wurden. Kannste keinem erzählen.

ehem-user-02-08-2021-1033
06.04.2021, 14:18
Zum exponentiellen Wachstum: klar ist mathematisch fast jeder Faktor möglich, allerdings ist es so, dass ich, wenn ich als Kranker daheim bleiben nicht weiter x-Menschen pro Tag anstecke, einfach weil mir die Kontakte fehlen. Außerdem kann ich auch nur die anstecken, die momentan gerade nicht erkrankt sind. Zu diesen brauche ich Kontakt.
Wachstum ja, aber es hat immer eine Grenze.

Choranaptyxis
06.04.2021, 20:16
Spahn hat seine Meinung geändert (https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-04/corona-regeln-jens-spahn-sonderrechte-geimpfte-rki-ansteckungsrisiko?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE)


Wer vollständig gegen Corona geimpft ist, soll dem Bundesgesundheitsminister zufolge bald Freiheiten zurückbekommen. Laut RKI können Geimpfte das Virus kaum weitergeben.

FirebirdUSA
07.04.2021, 06:02
Hier mal die Begründung warum Geimpfte ggf in Zukunft wie Getestete behandelt werden können: https://fragdenstaat.de/dokumente/9391-31003bewertungdesrkia/

Off-Topic: seit wann ist Prof. PD ein korrekter Titel. Der PD ruht doch nach APL oder Berufung?

Moni Ka
07.04.2021, 07:46
Ich hatte Corona und habe mich nicht impfen lassen und will das auch nicht tun.
Heißt es für mich, dass ich Corona wieder bekommen werde wenn ich mich nicht impfe.

Ich impfe ja jedes Jahr gegen Grippe aber bekomme die trotzdem ��

DrSkywalker
07.04.2021, 07:56
Ich hatte Corona und habe mich nicht impfen lassen und will das auch nicht tun.
Heißt es für mich, dass ich Corona wieder bekommen werde wenn ich mich nicht impfe.

Ich impfe ja jedes Jahr gegen Grippe aber bekomme die trotzdem ��
Schlechter troll du bist, bitte erst üben und dann Trollen.

Choranaptyxis
07.04.2021, 08:05
Schlechter troll du bist, bitte erst üben und dann Trollen.

Das kann man nur hoffen, dass es auch ein Troll ist...

tragezwerg
07.04.2021, 09:58
Update: ab sofort wird unsere OP-Kapazität reduziert, da die Intensivbetten nicht mehr reichen und das Pflegepersonal der Anästhesie abgezogen werden muss. Es ist so ätzend. Einige Pflegekräfte wollen nicht mehr auf die Intensiv weil die zweite Welle für sie echt traumatsierend war (wir hatten aber auch echt viele junge Patienten die es nicht geschafft haben, außerdem mehrere kritische Verläufe beim Personal).

nie
07.04.2021, 12:09
Kann ich verstehen. Wir hatten ja mal für ein paar Wochen Ruhe und eigentlich hatte ich auch das Gefühl, dass ich die zweite Welle emotional gut verkraftet hatte aber als ich dann vor ein paar Wochen wieder Covidpatienten im Schockraum hatte, hab ich gemerkt, dass ich das ganz und gar nicht verarbeitet habe und mich da ein richtiger posttraumatischer Flashback überrollt hat. Ich habe auch echt Angst vor einer dritten (schlimmeren) Welle und bin sehr froh, dass ich jetzt auf einer Station ohne Covidpatienten bin und das alles nicht mehr mitmachen muss...

cartablanca
07.04.2021, 17:11
Kann ich verstehen. Wir hatten ja mal für ein paar Wochen Ruhe und eigentlich hatte ich auch das Gefühl, dass ich die zweite Welle emotional gut verkraftet hatte aber als ich dann vor ein paar Wochen wieder Covidpatienten im Schockraum hatte, hab ich gemerkt, dass ich das ganz und gar nicht verarbeitet habe und mich da ein richtiger posttraumatischer Flashback überrollt hat. Ich habe auch echt Angst vor einer dritten (schlimmeren) Welle und bin sehr froh, dass ich jetzt auf einer Station ohne Covidpatienten bin und das alles nicht mehr mitmachen muss...

Was ein Drama echt. Worin unterscheidet sich ein Covid Patient von einer AECOPD? Das ist Routinearbeit, meine Güte.

nie
07.04.2021, 17:19
Was ein Drama echt. Worin unterscheidet sich ein Covid Patient von einer AECOPD? Das ist Routinearbeit, meine Güte.

Ist es das? Sehe ich anders.

Aber vielleicht bin ich auch einfach zu verweichlicht nach über 10 Jahren Notfallmedizin und sollte besser als Wurstfachverkäuferin arbeiten.

ninakatharina
07.04.2021, 17:26
@cartablanca bisschen mehr Feingefühl und Empathie für KollegInnen wäre sehr wünschenswert...
Die AECOPDler bekommt man ja meistens doch wieder ganz gut hin. Das emotional belastende sind ja die grossen Zahlen an vorher mehr oder weniger gesunden Patienten, die teilweise trotz maximaler Intensivmedizin nicht gerettet werden können.

tragezwerg
07.04.2021, 17:40
Cartablanca, ein überaus hilfreicher Kommentar. AECOPDler sind natürlich komplett identisch mit Covidpatienten, Lebertransplantierten und Septikern. Da gibt es keinerlei merkbaren Unterschied. Sterben eh alle. Warum sollte das belastend sein fürs Personal? :scotty:

ehem-user-02-08-2021-1033
07.04.2021, 17:45
Aus diesem Grund sollte man auch endlich die Berichterstattung überdenken... Viele werden dadurch re-traumatisiert. Das ist vollkommen ohne Empathie gegenüber den ganzen Angehörigen der Opfer... So gesehen... Permanent wirst du an deine verstorbenen Angehörigen erinnert.

cartablanca
07.04.2021, 18:04
Das hat nichts mit mangelnder Empathie zu tun. Die Statistik sagt auch ganz klar, dass da hauptsächlich Leute sterben, die einer bestimmten Altersgruppe angehören (Median 82). Jeder nichtnatürliche Tod ist natürlich tragisch.
Aber das was hier grad läuft ist Selbstdarstellung bzw. virtue signalling. Ich fahr zwar trotz Notarztschein nicht rehelmäßigNotarzt, aber habe in der Notaufnahme und auf Intensiv genug mit respiratorischer Insuffizienz zu tun gehabt. Traumatisiert hat mich das nicht.

ehem-user-02-08-2021-1033
07.04.2021, 18:12
Natürlich ist diese Pandemie aktuell ein Spielplatz für Selbstdarstellung... Das heizt auch viele Probleme unnötig auf.