Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
GelbeKlamotten
07.04.2021, 18:12
Ist halt sehr individuell. Ich kann es auch immer nicht so sehr nachvollziehen, warum leute sich zum teil so in das schicksal von fremden reinsteigern. Vor allem nicht, wenn sie das nur bei bestimmten personen und erkrankungen tun und bei anderen nicht. Aber das scheint trotzdem zumindest bei einigen Kollegen echt zu sein und nicht immer nur reines eigenes Streben nach Aufmerksamkeit.
Jeder, der schon auf einer COVID ITS gearbeitet hat weiß, dass es da einen riesigen Unterschied gibt. Wirklich jeder.
Ich empfehle die Doku Serie "Charité intensiv: Station 43", das zeigt den Alltag sehr gut und lässt die, die damit bisher noch keine Berührungspunkte hatten, vielleicht verstehen, was das Problem ist.
https://www.rbb-online.de/doku/c-d/charite-intensiv-station-43/charite-intensiv-station-43.html
cartablanca
07.04.2021, 20:10
Ja aber dass man sich jetzt weigert auf Intensiv zu arbeiten, weil einen der Tod von Patienten traumatisiert... ganz ehrlich: was sollen die sagen, die sterbende Kinder betreuen? Langsam reichts.
Ja aber dass man sich jetzt weigert auf Intensiv zu arbeiten, weil einen der Tod von Patienten traumatisiert... ganz ehrlich: was sollen die sagen, die sterbende Kinder betreuen? Langsam reichts.
Für den doch sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Du nicht nur trollen willst, guck Dir wirklich mal diese Doku an.
tragezwerg
07.04.2021, 20:19
Ja aber dass man sich jetzt weigert auf Intensiv zu arbeiten, weil einen der Tod von Patienten traumatisiert... ganz ehrlich: was sollen die sagen, die sterbende Kinder betreuen? Langsam reichts.
Na ja, die Pflegekräfte von denen ich sprach sind Anästhesiepflegekräfte, die als Notbesetzung auf Intensiv müssen. Die haben mit Intensivmedizin absichtlich nichts am Hut, sind selbst teils in einer Risikogruppe (zum Glück ja jetzt geimpft), da kann ich schon verstehen dass es sie mitnimmt.
Und als jemand, der regelmäßig mit sterbenden Kindern arbeitet, kann ich dir definitiv sagen, dass ich die Arbeit auf Covidintensiv 100x belastender fände. Weil man gegen Covid außer symptomatischer Therapie nix machen kann, weil es n Knochenjob in Vollschutz über viele Stunden ist, weil man Angst hat man schleppt die Scheiße seinen Angehörigen heim.
Der Blick über den eigenen Tellerrand ist mitunter erhellend...
Colourful
07.04.2021, 20:47
@crossie
Vielen lieben Dank für den Link!
Choranaptyxis
07.04.2021, 20:51
Coronatestpflicht soll für Geimpfte weitgehend entfallen (https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/122752/Coronatestpflicht-soll-fuer-Geimpfte-weitgehend-entfallen)
"Wer vollen Impfschutz hat, solle zudem von Quarantänemaßnahmen ausgenommen werden, so lange man keine Krankheitssymptome hat. Das Robert-Koch-Institut (RKI) werde seine Quarantäneempfehlungen bis zum Ende der Woche anpassen."
Ich arbeite aktuell auch auf einer IMC/Intensiv. Hier liegen zum Teil auch sehr junge Menschen bei denen es keine Hoffnung mehr gibt und natürlich sterben hier regelmäßig Menschen.
Dennoch finde ich meine Arbeit im Moment nicht ansatzweise so belastend und frustrierend wie die Zeit der zweiten Wellen in der ZNA. Ich bin sicher nicht die Königin der Empathie und kann mich sehr gut von Patientenschicksalen distanzieren aber dennoch war diese Zeit echt schlimm und nichts was ich nochmal erleben will. Weniger wegen der einzelnen Schicksale sondern einfach wegen der nicht endenden wollenden Flut an kritisch kranken Patienten. Zeitweise war es nur ein Verwalten von Patienten und ja, auch triagieren.
Aber eigentlich ist es sinnlos hier zu argumentieren. Man darf als Arzt schließlich keine Gefühle haben und schon gar nicht psychisch von irgendwas belastet sein. Ist doch alles nur Routine und es gibt immer noch einen dem es schlechter geht.
arbeiter79
07.04.2021, 22:41
Kann ich verstehen. Wir hatten ja mal für ein paar Wochen Ruhe und eigentlich hatte ich auch das Gefühl, dass ich die zweite Welle emotional gut verkraftet hatte aber als ich dann vor ein paar Wochen wieder Covidpatienten im Schockraum hatte, hab ich gemerkt, dass ich das ganz und gar nicht verarbeitet habe und mich da ein richtiger posttraumatischer Flashback überrollt hat. Ich habe auch echt Angst vor einer dritten (schlimmeren) Welle und bin sehr froh, dass ich jetzt auf einer Station ohne Covidpatienten bin und das alles nicht mehr mitmachen muss...
Wenn man auf das letzte Jahr schaut könnte es doch durchaus sein das sich Corona langsam in den Frühlings/Sommerurlaub verabschiedet oder ist das dieses Jahr ganz ausgeschlossen? Letztes Jahr ging es im April/Mai rapide bergab mit den Zahlen und ab Juni war kaum noch was europaweit. Denke die 3. Welle könnte sich dem nächst von selbst erledigen.
tragezwerg
08.04.2021, 05:42
Wenn man auf das letzte Jahr schaut könnte es doch durchaus sein das sich Corona langsam in den Frühlings/Sommerurlaub verabschiedet oder ist das dieses Jahr ganz ausgeschlossen? Letztes Jahr ging es im April/Mai rapide bergab mit den Zahlen und ab Juni war kaum noch was europaweit. Denke die 3. Welle könnte sich dem nächst von selbst erledigen.
Bei der Ursprungsvariante stimmt das...aber mittlerweile ist in meiner Region in über 80% die britische Mutation unterwegs, deren erhöhte Ansteckungsfähigkeit wohl zumindest theoretisch den Wetter/"Draußeneffekt" ausgleichen kann (ich finde gerade den Artikel dazu nicht mehr, das war ein Epidemiologie der das da näher beschrieb). Ich hoffe ja dass er unrecht hat.
Aber eigentlich ist es sinnlos hier zu argumentieren. Man darf als Arzt schließlich keine Gefühle haben und schon gar nicht psychisch von irgendwas belastet sein. Ist doch alles nur Routine und es gibt immer noch einen dem es schlechter geht.
Psychiater machen in ihrer Facharztausbildung nicht umsonst Selbsterfahrung und Balintgruppenarbeit... das täte diversen anderen Fachgruppen auch mal gut...
cartablanca
08.04.2021, 11:39
Der Blick über den eigenen Tellerrand ist mitunter erhellend...
Also ich hab das ganze Jahr 2020 mit Covid Patienten gearbeitet, aber egal. Auch auf Intensiv. Heutzutage hat halt jeder irgendein Trauma.
Absolute Arrhythmie
08.04.2021, 11:52
Also ich hab das ganze Jahr 2020 mit Covid Patienten gearbeitet, aber egal. Auch auf Intensiv. Heutzutage hat halt jeder irgendein Trauma.
Wie seltsam, sich derart abwertend über emotionale Äußerungen von Kollegen zu äußern.
Heutzutage sollte doch eigentlich jedem Mediziner bekannt sein, dass Selbstfürsorge und Resilienz wichtig sind um selbst gesund zu bleiben. Dazu gehört auch, seine Emotionen wahr- und ernstzunehmen. Ein harter Knochen zu sein mag früher wichtig gewesen sein, das hilft dir aber auch nicht wenn das Innerste sich irgendwann Bahn bricht und du selbst am Ende bist.
Ich hab während der zweiten Welle nach mehreren Wochen auf der Covid-Station auch darum gebeten eine Pause davon zu bekommen und woanders eingeteilt zu werden, weil es mich ziemlich mitgenommen hat. Und ich bin auch nicht mehr ganz frisch im Krankenhaus-Business.
Christoph_A
08.04.2021, 12:03
Ich denke, das ist das Wichtigste @Absolute Arrhythmie, zu erkennen, wann man selbst keine emotionale Distanz mehr zu seiner Tätigkeit hat und sich dann auch bewusst rausnehmen zu lassen. Es bringt weder einem selbst etwas, wenn man die Bilder aus der Arbeit mit nach hause nimmt, noch den Patienten, die ein emotional angefasster Kollege behandelt, da sind Fehler vorprogrammiert.
Den harten Hund spielen bringt in der Tat nix, genausowenig wie es hilfreich ist, alles emotional an sich ranzulassen und sein Helfersyndrom zu kultivieren. Jeder Mensch hat eine unterschiedliche physische und emotionale Belastungsgrenz und diese sollte man tunlichst nicht überschreiten.
cartablanca
08.04.2021, 12:35
Das stimmt. Jeder verarbeitet Dinge anders. Mir hilft es immer die statistische Prognose eines Patienten mit dem Therapieerfolg ider Misserfolg zu vergleichen. Wenn ein dekompensierter Child B Zirrhotiker mit 54 an einer Pneumonie stirbt, dann hatte er vielleicht ohnehin 1.5 Jahre noch zu leben nach der letzten Dekompensation. Ich will nicht leugnen, dass man sich Selbstvorwürfe macht. Aber das ist nicht selektiv Covid bezogen.
Also ich hab das ganze Jahr 2020 mit Covid Patienten gearbeitet, aber egal. Auch auf Intensiv.
Das glaube ich Dir nicht. Ich bezweifle nach wie vor stark, dass Du überhaupt Arzt bist. Aber das ist eben der Nachteil dieser anonymen Tummelplätze wie diesem hier.
Was ein Drama echt. Worin unterscheidet sich ein Covid Patient von einer AECOPD? Das ist Routinearbeit, meine Güte.
Ich glaube zwar, dass du Arzt sein könntest aber keine Ahnung hast wovon du redest.
cartablanca
08.04.2021, 18:24
Das glaube ich Dir nicht. Ich bezweifle nach wie vor stark, dass Du überhaupt Arzt bist. Aber das ist eben der Nachteil dieser anonymen Tummelplätze wie diesem hier.
Hast du sonst noch was auf Lager? Außer ad hominem Angriffe?
cartablanca
08.04.2021, 18:31
Ich glaube zwar, dass du Arzt sein könntest aber keine Ahnung hast wovon du redest.
Geht es ein bisschen genauer? Das ist nämlich immer deine Art. Ganz vage behaupten, dass jemand keine Ahnung hat ohne zu sagen wieso. Vielleicht hast du ja die ganze Ahnung für dich gepachtet?! Ich sehe jedenfalls nicht warum die Behandlung respiratorischer Insuffizienzen je nach Ursache eine andere psychische Belastung hervor rufen sollte. Aber kannst ja mal erklären, warum jemand, der das schreibt, keine Ahnung haben soll.
Bei manchen überheblichen Kollegen frag ich mich regelmäßig warum sie noch nicht den Nobelpreis für Medizin erhalten haben - bei der ganzen Ahnung, die sie vorgeben zu haben. So viel Ahnung. Wirklich: ich bin sowas von beeindruckt.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.