Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Leucovorin
04.12.2021, 20:37
Danke für deinen Beitrag OhDaeSu. Die Zeitarbeit ist ja durchaus unbeliebt bei der Verwaltung und man versucht sie möglichst (eher erfolglos) rauszuhalten bzw. wieder rauszudrängen sobad möglich.
Wenn nun mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für die Intensivmedizin bzw. für die gesamte Pflegebranche zur Verfügung stehen sollen, dann muss woanders gestrichen werden. Und das ist eine politische Diskussion: z.B. Doppelversorgung streichen (=Betten abbauen und Kliniken umbauen), längere Anfahrtswege der Bevölkerung zumuten? Oder einfach nur Beiträge erhöhen? im ambulanten Sektor kürzen? Bildgebende Verfahren/Auge schlechter bezahlen oder nur nach MDK Prüfung durchführen ? Höhere Zuzahlung zu Medikamenten? Wiedereinführung Praxisgebühr? Da werden viele, sehr einflussreiche Leute laut protestieren und zwar nicht erfolglos.
Ein weiterer Faktor den du vergisst: Es gibt tatsächlich Leute, die Intensivmedizin nie mehr machen werden oder können. Also erstmal ausbilden+attraktive Bedingungen bieten. Kostet nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit.
Das ist auch durchaus ein interessantes Thema, das man anderweitig (bitte nicht hier) diskutieren kann.
Aber die Infektionswelle und die Patienten auf der Intensivstation haben wir JETZT.
Dieser durchaus notwendige Umbau/Anpassung des Gesundheitswesen lässt sich nicht innerhalb von ein paar Wochen / Monaten gestalten, wie du dir vorstellen kannst.
Daher brauchen wir eine Impfpflicht, um endlich aus diesem Coronadauerzustand, der einfach nur noch nervt, rauszukommen.
cartablanca
05.12.2021, 07:20
Wenn es darum geht Arbeitnehmer für unbeliebte oder schwierige Tätigkeiten zu gewinnen, würde ich das so sagen, ja. Funktioniert bei der Müllabfuhr, Bohrinseln oder in der Algorithmik-Abteilung bei Google schließlich auch, dass sich der Preis für Arbeit an Angebot und Nachfrage bestimmt.
...
Gleiche Arbeit für mehr Geld, weniger Arbeit fürs gleiche Geld. Läuft auf dasselbe hinaus, oder?
Nein ist es nicht. Volkswirtschaftlich gesehen ist es erstens destruktiv Probleme einfach mit Geld zuzuschütten. Zweitens ist die Bürokratie selbst ein Grund warum viele keine Lust mehr haben. Drittens kann man nicht so schnell Leute ausbilden selbst wenn man tatsächlich mit mehr Geld welche locken könnte.
Was spricht eigentlich dagegen die Bürokratie zu reduzieren? Alle beschweren sich drüber. Ist das ein Sakrileg die bestehenden Regeln in Frage zu stellen?
Bonnerin
05.12.2021, 08:12
Leider gibt es ausreichend Kolleg:innen, die gar keine Verbesserung des Papierkriegs wünschen. Bestimmt 40% der Proben erreichen uns mit Papier-Scheinen, wo Untersuchungen angekreuzt sind oder handschriftlich was ergänzt, was dank Ärztesaulklaue teils nicht lesbar ist.
Die IT-Lösungen sind auch wirklich nicht schlecht, die Praxen könnten sich selber Profile zusammenstellen, Sonder-Wunschanforderungen (lesbar!) in den Freitext setzen etc. Das würde auch die Bearbeitungszeit der Probe beschleunigen, weil keine Menschen die Zettel von Hand kontrollieren/eintragen müssen. Ist aber von gerade älteren Kolleg:innen einfach nicht gewollt. Und das sind ja eben meist die, die das sagen haben, nicht die jungen angestellten WBAs oder FÄ.
Deutschland verwaltet sich halt gerne zu Tode.
Mehr Geld wäre vielleicht kurzfristig eine Lösung, mehr Personal langfristig. Aber mal ehrlich...welcher Person mit nur einem Funken Verstand hat nicht mitbekommen, wie das Intensivpersonal in den letzten 2 Jahren behandelt wurde?! Das will sich doch niemand mehr freiwillig antun, Geld hin oder her.
Absolute Arrhythmie
05.12.2021, 08:40
Ich bin mal gespannt ob die Zahlen aktuell wirklich sinken, oder ob das ein Effekt überlastet Gesundheitsämter und ausgelasteter Labore ist.
Bonnerin
05.12.2021, 09:41
Ich bin mal gespannt ob die Zahlen aktuell wirklich sinken, oder ob das ein Effekt überlastet Gesundheitsämter und ausgelasteter Labore ist.
Abseits von Bayern, Sachsen und BaWü würde ich die tagesaktuellen Inzidenzen für realistisch halten. Wir bekommen momentan Proben aus Süddeutschland allokiert, die dort nicht bearbeitet werden können. Die Gesamtverzögerung wird dadurch bei ca. 2 Tagen liegen. Da die Meldungen für DEMIS aber automatisiert generiert werden, sobald die Ergebnisse validiert sind und die Validation gespeichert ist, würde ich die Dashboards an sich für ziemlich aktuell halten. Kleine Schwankungen durch Probenverzögerungen oder mal die Rücknahme einer Meldung sind schon da, aber die momentane Stagnation an der Grenze zum leichten Rückgang (Köln dank Karneval und der dämlichen Bundesliga mal ausgenommen) ist schon realistisch. Just my 2 cents.
FirebirdUSA
05.12.2021, 11:53
Naja, hier hat das Gesundheitsamt die Nachverfolgung eigentlich eingestellt und es gab an die Niedergelassenen die Bitte bei grippalen Infekten nicht zu testen sondern einfach 14 Tage krank zu schreiben, da Labore überlastet...
DrSkywalker
05.12.2021, 11:56
Die Zahlen gehen natürlich runter weil die Leute von sich aus extrem vorsichtig geworden sind und die Maßnahmen ja mittlerweile auch wirksam sein sollten.
Bonnerin
05.12.2021, 13:36
Naja, hier hat das Gesundheitsamt die Nachverfolgung eigentlich eingestellt und es gab an die Niedergelassenen die Bitte bei grippalen Infekten nicht zu testen sondern einfach 14 Tage krank zu schreiben, da Labore überlastet...
Sorry, aber die Nachverfolgung hat auch in der 2. Welle mit geringeren Inzidenzen schon nicht funktioniert. Ich bin damals 5 Tage nach Symptombeginn und 4 Tage nach positivem PCR-Test angerufen worden, damit das GA mir mitteilen konnte, dass ich Covid habe und ab jetzt bitte zu Hause bleibe. Bis dahin hätte ich mich also dumm stellen und weiter draußen rumlaufen können, was ich natürlich nicht gemacht habe. Kontaktverfolgung hatte ich eh schon selber gemacht und am Ende hat mein GA nicht mal die Daten übermittelt...
Man könnte bei Symptomen ja auch erstmal nen Schnelltest machen und nicht direkt die PCR. Oder als Klinik (sorry) nicht an jedem einzelnen verdammten Tag eine Kontroll-PCR. Wenn der CT-Wert in der PCR bei 15 liegt wird der Patient am nächsten Tag nicht bei >35 liegen, damit man über eine Entisolierung nachdenken kann. Was da an Testkapazitäten für den Eimer sind...
Covid-19
Omikron: Impfstoffe und Genesung schützen nur noch schwach
https://www.mdr.de/wissen/covid-omicron-variante-von-corona-ueberwindet-immunitaet-100~amp.html
Das liest sich alles ausgesprochen Besorgnis erregend.
Feuerblick
08.12.2021, 14:12
Noch weiß man allerdings nicht, wie die Krankheitsverläufe bei Omikron tatsächlich sind. Es klingt sicher nicht gut, wenn die Impfung nicht mehr wirklich wirkt, aber 1. weiß man nichts über die Wirkung in Bezug auf schwere Verläufe (sind ja nur Laborergebnisse), 2. weiß man nicht, wie häufig schwere Verläufe bei Omikron sind und 3. lassen sich die mRNA-Impfstoffe ja offenbar in einigermaßen kurzer Zeit anpassen.
Man wird also abwarten müssen.
denkstdu
08.12.2021, 17:42
Hier gehen Leute wissentlich mit positiven Testergebnis einkaufen. Da gabs jetzt schon mehrmals nen Polizeieinsatz deswegen, sind meist so 30 Leute in dem Einkaufcenter gewesen.Ich finde es verrückt und bin froh da nicht hin zu müssen.
https://www.kzvbw.de/aktuelles/2021/impfungen-durch-zahnaerztinnen-gesetz-zur-staerkung-der-impfpraevention-gegen-covid-19-auf-den-weg-gebracht/?utm_source=Newsletter&utm_medium=gesundheitstelegramm&utm_campaign=2021-45&ref=gesundheitstelegramm-
"Damit die Schulungen bundesweit möglichst einheitlich durchgeführt werden und zügig beginnen können, entwickelt die Bundeszahnärztekammer in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer bis zum 31. Dezember 2021 ein Mustercurriculum für die ärztliche Schulung der Zahnärztinnen und Zahnärzte."
So viel zum Thema Unterstützung der impfkampagne :-wow Unsere kammer muss erst einmal eine Fortbildung dafür entwickeln :-keks die kostet dann wahrscheinlich erstmal 500€ :-))
Weil Zahnärzte ja auch so selten eine Spritze irgendwo rein setzen. Und mit etwaiger anaphylaktischer Reaktion sollten sie auch umgehen können.
DrSkywalker
09.12.2021, 19:15
Wir haben zu wenig Impfstoff aber die Zahnärzte sollen impfen... Ein Scherz!
Wir haben zu wenig Impfstoff aber die Zahnärzte sollen impfen... Ein Scherz!
Wenn diese tolle Schulung wirklich erst zum 31.12.überhaupt entwickelt wird, könnten wir ja frühestens Ende Januar mitmachen :-nix außerdem glaube ich nicht, dass das viele in der eigenen Praxis machen wollen.
Sie wären völlig bekloppt, wenn sie es täten... Die Organisation ist bei nicht Allgemeinmedizinern (die ja, also die Hausärzte, viel mehr "Laufkundschaft" haben) zum Kotzen. Uns bringt die Organisation wirklich an den Rand des Leistbaren. Ich kenne Allgemeinmediziner, die gar keine Termine machen, sondern quasi im Laufe der Sprechstunde ein Vial nach dem anderen aufziehen, weil es schon irgendjemand nehmen wird bei der Nachfrage. So was geht weder bei uns noch bei Zahnärzten. Solange es keine Einzeldosen gibt, ist das Drumherum so ätzend und unverhältnismäßig, dass man schon wirklich sehr dahinterstehen muss, um es durchzuziehen.
denkstdu
09.12.2021, 20:35
Ja das immenser logistischer Aufwand, die Diskussion zum aktuellen Impfstoff macht es nicht leichter
Wieso haben wir jetzt eigentlich diese Teil-Impfplicht für Gesundheitsberufe? Ich verstehe die Begründung nicht und finde es nicht gut im Sinne entweder alle oder keiner.
Versteht mich nicht falsch, ich bin sehr fürs Impfen und auch für eine allgemeine Impfplicht aber diese Teil-Impfplicht finde ich falsch. Insbesondere wenn man das mit dem Schutz besonders schutzbedürftiger Menschen (Patienten, Heimbewohner) begründet. Es ist ja nun lange belegt, dass die Impfung an der Infektiösität praktisch nichts ändert.
Das stimmt nicht ganz. Es gibt Daten, daß unmittelbar nach der Impfung IgA vorhanden sind, und die vermindern die Infektiosität deutlich, zumindest für 1-2 Monate. Besser als nix, und kann in der aktuellen Welle was ausmachen.
Ich finde es auch das falsche Signal. Es gibt nun also die Möglichkeit den Beruf zu wechseln und so die Impfpflicht zu umgehen. Wird wahrscheinlich nicht massenweise passieren, aber doch häufiger als man erwartet. Und eine Teil-Impfpflicht wird keine großen Erfolge bringen. Das heißt spätestens im nächsten Winter stehen wir an einem ähnlichen Punkt wie jetzt (falls wir in diesem Winter nicht schaffen alle in die Gruppe "Geimpft, Genesen oder Gestorben" zu bekommen).
Edit: Aber was ist das denn dann wieder für eine Aktion gegen Kinder? Die können sich aktuell nicht impfen lassen (bis die STIKO da Mal ein Urteil fällt vergeht bestimmt wieder viel Zeit). Grundsätzlich haben sie mildere Verläufe, aber sollte man nicht trotzdem Infektionen verhindern? Wieso also nur einen Teil-Impfpflicht?
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