Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
Praia-do-Forte
18.03.2020, 10:30
Ich wollte euch mal erzählen wie wir es aktuell in der HA-Praxis handhaben.
Die Tür ist zu, wir haben ein Zelt von der Feuerwehr vor der Tür stehen (nur falls es regnet). Die Leute klingeln und kommen dann ans Fenster wo sie jemand mit Maske erwartet und nach ihrem Anliegen befragt. Wir achten darauf dass möglichst immer nur eine Person in der Praxis ist, behandelt wird zumindest mit Maske und Handschuhen. Alle die eine Risiko-Anamnese bzgl Kontakt haben werden an die bekannten Nummern verwiesen.
Abstriche sollen wir ja nicht mehr machen.
Hausbesuche machen wir eingeschränkt und mit Schutzmaske.
Bisher klappt es gut, vieles lässt sich am Telefon klären.
Andere unliegende Praxen haben teilweise ganz zu, machen keine Visiten im Altenheim.
Klar gibt es einige Spinner, die meinen ohne Grund sie seien erkrankt, aber es lässt sich gut händeln. Zumindest die die tatsächlich in Frage kommen positiv getestet zu werden machen keine Spielchen wie oben andere erzählten, so wie am Ende der Behandlung zu berichten dass sie Kontakt hatten oder in Quarantäne sind.
Noch hat unser nächstgelegenes KH keine Corona-Fälle.
Das Konzept eurer Praxis ist sehr gut. Aber in Städten schwierig umzusetzen.
Ich werde bald eine Rezeptsammlung für Gerichte mit Toilettenpapier herausgeben.
Ich werde bald eine Rezeptsammlung für Gerichte mit Toilettenpapier herausgeben.
Gibts schon
https://www.der-postillon.com/2020/03/corona-quarantaene.html
Und immer daran denken, keine Wertsachen wie Klopapier und Desinfektionsmittel offen mit sich herumtragen
DrSkywalker
18.03.2020, 10:40
Stand gestern: 5 COVID-19 ARDS + 6 auf "Normal"station
Region und größe der klinik fände ich interessant! Danke!
Maximalversorger in RLP 4 Corona positive, keiner auf der ITS. Beatmungskapazität von 35 auf 60 Betten erhöht - allerdings nur apparativ.
7x12h Schichten sind schon umgesetzt, Ärzte auf der ITS verdoppelt.
2 umliegende Grundversorger haben noch keine Fälle. Einer davon Beatmungsbetten von 8 auf 14 erhöht.
In der Theorie sind alle gut vorbereitet. Man erwartet ab nachste Woche den Katastrophenfall auszurufen
Teetrinker23
18.03.2020, 10:46
Hallo zusammen,
wüsste gerne mal was ihr hierzu sagt:
Arbeite in einer Notaufnahme. Letztens hieß es von der Führunsebene: Schutzmasken und Desinfekionsmittel sind noch ausreichend vorhanden und man bestelle auch immer wieder nach, dennoch müsse man damit rechnen, dass beides knapp werde. Im Zweifelsfall würde dann eben ohne weiter gearbeitet werden, ohne Schutzausrüstung.
Danke für eure Meinungen.
Hallo zusammen,
wüsste gerne mal was ihr hierzu sagt:
Arbeite in einer Notaufnahme. Letztens hieß es von der Führunsebene: Schutzmasken und Desinfekionsmittel sind noch ausreichend vorhanden und man bestelle auch immer wieder nach, dennoch müsse man damit rechnen, dass beides knapp werde. Im Zweifelsfall würde dann eben ohne weiter gearbeitet werden, ohne Schutzausrüstung.
Danke für eure Meinungen.
Blöde Frage... aber kann man sich dann weigern weiter zu arbeiten, ohne Schutzausrüstung? Wie sieht das rechtlich aus?
Teetrinker23
18.03.2020, 10:59
Das ist tatsächlich eine der Fragen, die sich mir da stellt. Und auch was das bessere Verhalten ist: sich selbst schützen (in dem man z.B. nicht mehr arbeitet in so einem Fall) und auch andere davor, dass man zum Überträger wird. Oder Augen zu und durch, danach ist man ja immun und es wird schon kein schwerer Verlauf bei einem eintreten?!?
Ich persönlich würde mich zurückhalten, zumal neben CH jetzt auch in NL und B schwere Verläufe bei jungen Patienten beschrieben sind (vom Risiko der weiteren Übertragung ganz zu schweigen).
Letztendlich ist das Problem auch nicht von Euch, sondern der Geschäftsführung zu lösen, die sich entscheiden muß, den Laden entweder mangels Ausrüstung dichtzumachen oder Euch entgegen den Richtlinien zum weiterarbeiten verpflichtet (und sich damit angreifbar macht).
Oder andersrum gedacht: würdet Ihr ohne sterile Handschuhe weiter operieren? NOCH haben wir ja kein Kriegsszenario.
DrSkywalker
18.03.2020, 11:06
Das ist tatsächlich eine der Fragen, die sich mir da stellt. Und auch was das bessere Verhalten ist: sich selbst schützen (in dem man z.B. nicht mehr arbeitet in so einem Fall) und auch andere davor, dass man zum Überträger wird. Oder Augen zu und durch, danach ist man ja immun und es wird schon kein schwerer Verlauf bei einem eintreten?!?
Bastelt euch die OP Masken selbst. Aus Zewa, Tacker und Gummis. Das ist besser als keine Maske und normalerweise so effektiv wie eine OP Maske. Wir setzen jedem Patient, der das Gebäude betritt aktuell eine solche Maske auf. Wir selbst haben noch ffp2 masken, noch...
Aber bitte, arbeitet weiter wenn ihr unter 60 seid und keine VE habt. Das schlimmste was jetzt passieren kann ist wenn wegen diesen Ängsten kein Personal mehr da ist. Danke!
DrSkywalker
18.03.2020, 11:07
Ich persönlich würde mich zurückhalten, zumal neben CH jetzt auch in NL und B schwere Verläufe bei jungen Patienten beschrieben sind (vom Risiko der weiteren Übertragung ganz zu schweigen).
Letztendlich ist das Problem auch nicht von Euch, sondern der Geschäftsführung zu lösen, die sich entscheiden muß, den Laden entweder mangels Ausrüstung dichtzumachen oder Euch entgegen den Richtlinien zum weiterarbeiten verpflichtet (und sich damit angreifbar macht)
Es gibt junge Patienten, das stimmt, aber es ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Mich schockt es auch, wenn ein junger Pat. beatmet werden muss, aber das sind ja doch eher seltene Fälle.
Aber bitte, arbeitet weiter wenn ihr unter 60 seid und keine VE habt. Das schlimmste was jetzt passieren kann ist wenn wegen diesen Ängsten kein Personal mehr da ist. Danke!
Und wenn das Personal erkrankt, ist es 1) auch nicht mehr da und 2) hat noch zig Leute vorher angesteckt, was dann wiederum weiteren Leuten das Leben kostet
Eigensicherung vor Fremdsicherung. IMMER
Gerade heute im Internet: Chinesische Ärzte WARNEN die Europäer, ihre Fehler zu wiederholen und die Ansteckungsgefahr des medizinischen Personals zu unterschätzen.
https://www.welt.de/politik/ausland/article206625847/Aerzte-aus-Wuhan-zu-Corona-Europa-wiederholt-die-Fehler-aus-China.html
" In Wuhan führten mangelndes Verständnis der Krankheit und fehlende Schutzausrüstung in den ersten Wochen des Ausbruchs im Januar dazu, dass sich Tausende von Mitarbeitern des Gesundheitswesens bei der Behandlung von Patienten infizierten."
"Er betonte: „Wir müssen unser medizinisches Personal schützen.“
"„Unsere europäischen Kollegen erkranken in ihrer täglichen Praxis an Covid-19, in einer Anzahl, die der damaligen Situation in Wuhan recht ähnlich ist“, sagte Wu Dong, Professor für Gastroenterologie am Krankenhaus des Peking Union Medical College."
Mukopolysaccharid
18.03.2020, 11:24
jetzt ergeben die klopapier hamsterkäufe wieder sinn :D
Bastelt euch die OP Masken selbst. Aus Zewa, Tacker und Gummis. Das ist besser als keine Maske und normalerweise so effektiv wie eine OP Maske. Wir setzen jedem Patient, der das Gebäude betritt aktuell eine solche Maske auf. Wir selbst haben noch ffp2 masken, noch...
Aber bitte, arbeitet weiter wenn ihr unter 60 seid und keine VE habt. Das schlimmste was jetzt passieren kann ist wenn wegen diesen Ängsten kein Personal mehr da ist. Danke!
Es gibt junge Patienten, das stimmt, aber es ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Mich schockt es auch, wenn ein junger Pat. beatmet werden muss, aber das sind ja doch eher seltene Fälle.
Bitte nicht immer auf die Sterbetafel schauen. In den Niederlanden liegen mehr als die Hälfte unter 50jährige wegen Corona auf ITS
(z.B. Skitouristen aus Ischgl)
https://www.parool.nl/nederland/40-a-50-nederlandse-coronapatienten-op-intensive-care~b058aad2/
"Maar meer dan de helft van die patiënten is onder de vijftig jaar. Er zitten ook jongeren bij.”
https://www.welt.de/politik/ausland/article206597147/Infizierte-und-Todesfaelle-Warum-die-Corona-Zahlen-in-den-Niederlanden-so-merkwuerdig-niedrig-sind.html
In den Niederlanden werden laut Bericht nur noch symptomatische Patienten getestet, klar dass dann die "Hälfte" der Infizierten auf ITS ist, die Zahl der Infizierten stimmt ja von vorneherein nicht und leichte oder symptomatische Verläufe werden nicht erkannt
https://www.bzaek.de/berufsausuebung/sars-cov-2covid-19/behandlungspflicht-von-erkrankten.html
Das ist eine Anweisung der Bundeszahnärztekammer zum Thema Behandlung von Covid19-Patienten mit bzw. ohne Schutzausrüstung:
"Was aber, wenn die Hygieneanforderungen und Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden können, wenn die erforderlichen Arbeitsschutzmittel nicht zur Verfügung stehen?
Wird ein Patient ohne Schutzausrüstung behandelt, der an COVID 19 erkrankt ist, setzt sich der Zahnarzt einem Ansteckungsrisiko aus, das insbesondere durch die erforderliche Behandlung beeinflusst wird. [...]
Die Frage, ob eine Behandlungspflicht von an COVID 19 erkrankten Notfall-Patienten besteht, muss mithin am konkreten Einzelfall unter Abwägung der Ansteckungsrisiken auf der einen Seite und dem Grad des Notfalls (strengste Indikationsstellung) auf der anderen Seite beantwortet werden.
Bei lebensbedrohlichen Situationen für den Patienten bzw. sind entsprechend ausgerüstete Praxen oder Kliniken nicht in zumutbarer Zeit erreichbar, kann ein Zahnarzt verpflichtet sein, Ansteckungsrisiken einzugehen.
Bei weniger schwerwiegenden Notfällen und Verfügbarkeit alternativer Behandler kann sich das Ansteckungsrisiko durch COVID 19 als unzumutbar darstellen. In jedem Fall hat sich der Zahnarzt in solchen Fällen um die weitere Behandlung des Patienten zu kümmern."
So oder so ähnlich wird das für euch wohl auch gelten.
https://www.welt.de/politik/ausland/article206597147/Infizierte-und-Todesfaelle-Warum-die-Corona-Zahlen-in-den-Niederlanden-so-merkwuerdig-niedrig-sind.html
In den Niederlanden werden laut Bericht nur noch symptomatische Patienten getestet, klar dass dann die "Hälfte" der Infizierten auf ITS ist, die Zahl der Infizierten stimmt ja von vorneherein nicht und leichte oder symptomatische Verläufe werden nicht erkannt
Es ging ja darum, daß der Eindruck erweckt wird, daß schwere Verläufe fast nur bei älteren Patienten auftreten. Wenn die ITS zur Hälfte mit u50 bestückt ist, stimmt das eben nicht. Unabhängig von den Testzahlen. Das Risiko zu versterben, ist dann aber wiederum für Ü 50 höher
Genauso würde ich das auch machen. Bei einer Rea würde ich auch ohne rein gehen, bei nem bisschen Husten nicht.
Unser Rea-Team war vor ein paar Tagen auch in der ZNA zur Rea. Wir haben über eine Stunde da rumgemacht, naturgemäß deutlich dichter als zwei Meter am Patienten dran :-p und haben uns danach auch gefragt, ob der vielleicht infektiös war. Sprach per se erstmal nichts dafür aber auszuschließen war es auch nicht.
Laryngoskopieren während einem der Lucas das Aerosol aus den Tiefen der Lunge entgegenschleudert...
Bei lebensbedrohlichen Situationen für den Patienten bzw. sind entsprechend ausgerüstete Praxen oder Kliniken nicht in zumutbarer Zeit erreichbar, kann ein Zahnarzt verpflichtet sein, Ansteckungsrisiken einzugehen.
.
Die BZÄK hat ja auch gut reden. Das geschilderte Szenario betrifft ja praktisch nur Patienten, die bei Terminwahrnahme auf einer einsamen Nordseeinsel plötzlich infektiös sind, dann auf einmal kollabieren und deswegen Mund-zu-Mund wiederbelebt werden müssen.
In der typischen KH-Ambulanz sind ja erst mal 100% selbsterklärte Notfälle und von denen 50% selbsterklärt lebensbedroht, die 2% tatsächlich ernsthaft erkranken kommen auch noch dazu.
querfeldein
18.03.2020, 11:57
Hat irgendjemand gute Daten / Quellen zur Testqualität des Abstriches? Bei Diskussionen über die epidemiologische Daten wird ja eine hohe Dunkelziffer an Infizierten angemahnt va. wegen der begrenzten Testkapazitäten und Auswahlkriterien. Nach allem, was ich bisher finde, scheint die Sensitivität des Abstriches allenfalls mäßig zu sein, wisst ihr was anderes?
- Radiology-Artikel laut dem CT Thorax sensitiver ist als der Abstrich. Lese ich das richtig, dass die Sensitivität des Abstriches bei 60% liegt? (https://pubs.rsna.org/doi/10.1148/radiol.2020200642)
- JAMA-Artikel laut dem Rachenabstriche in nur 1/3 d.F. pos. ausfielen bei immerhin 126 Pat. (https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2762997)
Ich weiß, das sind nun keine großen randomisierten Studien. Und wir müssen mit den Tests klarkommen, die uns zur Verfügung stehen. Aber wir scheinen nun darauf alle unsere Quarantäne-Maßnahmen und epidemiologischen Berechnungen zu basieren und das Qualitätsproblem taucht in den Diskussionen gar nicht auf.... ??? Übersah ich was? Hab ich einen Denkfehler? Hat jemand bessere Quellen?
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