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hebdo
27.03.2020, 15:50
Die ganze Fehlplanung (mangelnde Vorhaltung von PSA, Personalknappheit, ausgelagerte Produktion von Medikamenten und Medizintechnik etc.) ist alles der Effizienzsteigerung und der Ökonomisierung im Gesundheitssystem geschuldet. Der nächte Schritt stand ja kurz bevor: Schließung von Krankenhäusern und Abbau der Überkapazität von Betten. Genug Bestrebungen und Studien wurden ja schrittweise veröffentlicht. Die Pandemie 5 Jahre später hätte es vielleicht anders ausgesehen. Was Fukushima für die Atomenergie war, ist SARS-2 jetzt wahrscheinlich für den Bettenabbau.

Wir haben Glück, dass das zögerliche Verhalten der Politiker uns in keine Situation wie Italien oder Spanien manövriert hat - noch nicht. In all den schwer betroffenen Ländern wurden durch den ökonomischen Druck u.a. die medizinische Versorgung verknappt. Ich bin froh, dass es Griechenland noch nicht so schlimm erwischt hat.

Dass Schutzausrüstung nach China exportiert wurde, finde ich nicht so schlimm. Das ist einfach ein Problem der nowendigen Ressourcen zur falschen Zeit am falschen Ort. Wenn in China wieder die Produktion hoch fährt, wird es sich hoffentlich wieder ausgleichen.

Das Problem wird sein, wenn wir hoffentlich um den Super-GAU herumkommen, werden wir einfach so weiter machen. In Deutschland sind wir sehr wirtschaftshörig. Ich bin gespannt ob sich die Vernunft gegen die Lobbyisten nach Ostern noch durchsetzen kann und nicht alles wieder plötzlich anläuft. Die Ärzteschaft müsste sich zusammenschließen und der Ökonomisierung die Grenzen setzen.

crossie
27.03.2020, 16:01
Diesen Satz im Ethikpapier finde ich so bemerkenswert wie erschreckend:

"In Deutschland mag diese Position bei der Beendigung intensivmedizinischer Maßnahmen im Kontext der Priorisierung an rechtliche
Grenzen stoßen. Solche Entscheidungen müssen von den Akteuren vor Ort verantwortet werden."

Sprich ich muss vor Ort in kürzester Zeit entscheiden, wer intensivmedizinisch versorgt werden darf und wer nicht und später werden Gutachter und Gerichte in aller Seelenruhe über mein Tun und Lassen sinnieren. Und mir erklären, ich war im Irrtum. Und mich dafür bestrafen.

tarumo
27.03.2020, 16:05
Ich bin gespannt ob sich die Vernunft gegen die Lobbyisten nach Ostern noch durchsetzen kann und nicht alles wieder plötzlich anläuft. Die Ärzteschaft müsste sich zusammenschließen und der Ökonomisierung die Grenzen setzen.

100%ige Zustimmung. Leider sehe ich aber diesbezüglich schwarz. Das ist im Kleinen zu beobachten (persönliche Herabwürdigungen in diesem Forum) als auch im Großen (steigende Umfragewerte für Union und insbesondere Jens Spahn).
Die Krankenkassen (die im übrigen schon längst ihre wenig frequentierten , größtenteils unnützen Geschäftsstellen wegen Ansteckungsgefahr geschlossen haben, aber die Ärzte gerne ungeschützt arbeiten sehen) halten sich auch nur momentan mit bashing zurück.

Gewisse Indizien gibt es für ein "weiter so". Das wird jetzt für das medizinische Personal Dank ausgesprochen und Respekt bekundet, aber an den Grundproblemen kann und wird man weiterhin nichts ändern. Ein Einzelhändler dagegen überweist 1000 EUR Prämie als Dankeschön an sein Personal....Der "Schutzschirm" für Krankenhäuser ist überhaupt nur nötig, weil nach wie vor das Spardiktat nach SGB V und Co. herrscht und überhaupt keine Möglichkeit besteht, die Mehrkosten an die Kostenträger durchzureichen. Toilettenpapierhersteller brauchen keinen Schutzschirm...

Wäre es anders, hätte man im Rahmen der diversen Bundestag- Eilsitzungen beschließen können, daß die Kostenträger vollumfänglich für den Mehr-Aufwand inkl. Personalmehrkosten und Prämien aufzukommen haben, SGB V vorübergehend aussetzen, die Situation mit den Honorarärzten (besonders viele Internisten und Anästhesisten) und der DRV zu klären, die Rabattverträge ab sofort für beendet erklären (damit es ab 2022/3 wieder ein paar hiesige Produzenten gibt) und die niedergelassenen Ärzte, die immerhin 50% ausmachen, ausdrücklich in den Schutzschirm einbeziehen. Als I-Tüpfelchen der Bertelsmannstiftung die Gemeinnützigkeit entziehen wegen staatsgefährdenden Aktivititäten. Aber Null, nada...

16matti
27.03.2020, 16:36
Sprich ich muss vor Ort in kürzester Zeit entscheiden, wer intensivmedizinisch versorgt werden darf und wer nicht und später werden Gutachter und Gerichte in aller Seelenruhe über mein Tun und Lassen sinnieren. Und mir erklären, ich war im Irrtum. Und mich dafür bestrafen.

Genau das hab ich mir beim Lesen auch gedacht...und selbst wenn am Ende doch kein "Schuldspruch" erfolgt haben die Betreffenden dann jahrelang die Staatsanwaltschaft und die Bild an den Hacken kleben mit all den "positiven" Folgen für die Familie, den Job, Karriere und Freundes-und Bekanntenkreis und v.a. auch die eigene Psyche...

Kackbratze
27.03.2020, 16:42
Die grosse Bildserie - "Doktor Tod" - wie aus Ärzten Mörder werden -

Teil 1 mit dem Interview mit Bundeskanzler Spahn: "wie konnte es bloss soweit kommen?"
Teil 2 mit einem Arzt der anonym bleiben möchte: "ich habe für ein Leben ein Leben geopfert und bin psychisch am Ende"
Teil 3 mit Montgomery: "mit diesen Ärzten wollen wir nichts zu tun haben"

Weitere Teile ergeben sich nach dem Maischberger-Talk und Hard-aber-unfair, je nach Publikumsreaktion.

Matzexc1
27.03.2020, 16:42
Genau das hab ich mir beim Lesen auch gedacht...und selbst wenn am Ende doch kein "Schuldspruch" erfolgt haben die Betreffenden dann jahrelang die Staatsanwaltschaft und die Bild an den Hacken kleben mit all den "positiven" Folgen für die Familie, den Job, Karriere und Freundes-und Bekanntenkreis und v.a. auch die eigene Psyche...

Ich kann mich da an einen Zahnarzt erinnern. Die Patientin hat ihn verklagt und eine regelrechte Medienkampagne losgetreten, am Ende kam der Freispruch vor Gericht. Genützt hat es wenig, Ruf hinüber, Ehe zerstört und die praxis insolvent

Edit: wobei ich mich auch Frage wie Angehörige reagieren wenn man ihnen sagt dass keine Kapazitäten da sind oder eine Aufnahme auf die INT nicht stattfinden wird

Biene88
27.03.2020, 16:43
Ich arbeite grad im Infektiotrakt und bin bezüglich der Schutzmaßnahmen maximal verunsichert. Jede Abteilung kocht ihr eigenes Süppchen, teils wird das Ansteckungsrisiko herabgespielt und um eine entsprechende Schutzbrille musste ich mich auch selbst kümmern. Ich soll mich wöchentlich auf wechselnde Arbeitszeiten einstellen und weiß aktuell nicht wie mein Dienstplan nächste Woche aussieht.

Die Oberärzte schicken sich aktuell grad gegenseitig in den Überstundenabbau und verlassen täglich in Ermangelung an Elektivprogramm um 14 Uhr die Klinik. Ich fühle mich 1. nicht ausreichend geschützt durch den Arbeitgeber und maximal verunsichert durch die diesbezüglich quer durch die Abteilungen unterschiedlich gehandhabten Maßnahmen und 2. finde ich gehört in so eine Situation auch die Solidarität der Vorgesetzten.
Nicht falsch verstehen: ich weiß, dass wir gebraucht werden und bin nicht Arzt geworden um jetzt wegzulaufen. Aber dass Pflege und Assistenzärzte jetzt primär ohne vernünftige Schutzausrüstung unsolidarisch geopfert werden stößt mir mehr als sauer auf.

nitas
27.03.2020, 16:51
Hast du doch auch Recht damit!

schmapie
27.03.2020, 17:23
Ich glaube ich arbeite aktuell in einer wirklich paradiesischen Klinik. Wir haben mehrere Krisenstäbe, die uns regelmäßig informieren, einen eigenen Stab der Tests etc. unter Mitarbeitern koordiniert, wir haben laut Klinik genug PSA für mehrere Wochen, einen Verstoß oder gar ein Aussetzen des Arbeitszeitgesetz wird abgelehnt. Wir trainieren seit heute in Schutzkleidung die Versorgung von Patienten, und alle Mitarbeiter der Anästhesie werden intensivmedizinisch geschult um zumindest Assistenztätigkeiten auszuführen. Eigenschutz steht an erster Stelle, wir haben einen klinikweit gültigen Hygieneplan. Die ZNA wird räumlich getrennt, um COVID und normale Patienten zu trennen. Ich kann gar nicht glauben dass ich mein KH mal so lobe :-wow

hebdo
27.03.2020, 17:28
Meiner Erfahrung nach wird man von der Klinikleitung meistens im Stich gelassen. Den Rücken stärkt einem keiner. Meist wird noch mehr Druck ausgeübt. Ohne PSA würde ich nicht arbeiten.

Ich hatte Angst vor meinem Dienst in der BDZ am Anfang der Woche. War aber am Vortag vor Ort und habe mich von ausreichender PSA überzeugt und den Dienst dann gemacht.

hebdo
27.03.2020, 17:32
Ich glaube ich arbeite aktuell in einer wirklich paradiesischen Klinik. Wir haben mehrere Krisenstäbe, die uns regelmäßig informieren, einen eigenen Stab der Tests etc. unter Mitarbeitern koordiniert, wir haben laut Klinik genug PSA für mehrere Wochen, einen Verstoß oder gar ein Aussetzen des Arbeitszeitgesetz wird abgelehnt. Wir trainieren seit heute in Schutzkleidung die Versorgung von Patienten, und alle Mitarbeiter der Anästhesie werden intensivmedizinisch geschult um zumindest Assistenztätigkeiten auszuführen. Eigenschutz steht an erster Stelle, wir haben einen klinikweit gültigen Hygieneplan. Die ZNA wird räumlich getrennt, um COVID und normale Patienten zu trennen. Ich kann gar nicht glauben dass ich mein KH mal so lobe :-wow

In meiner alten Klinik läuft es auch so gut. Aber weil die Hygiene, der Pulmologe und der Infektiologe das Sagen haben. ZNA, ITS und eine neu eingerichtete Infektionsambulanz laufen noch wie geschmiert.

Alle anderen ordnen sich unter. Der Klinikdirektor ebenso - ist durch die Versprochene Ausfall- und Intensivprämien ruhiggestellt.

Biene88
27.03.2020, 17:54
Was habt ihr denn an PSA für die CoVid-Zimmer? Wir haben FFP2 Masken, Kopfhauben und diese labberigen Überziehkittel. Diese Schutzanzüge wären irgendwie gut, dann wäre wenigens der Hals bedeckt. Ne Schutzbrille die einigermaßen vernünftig auf der Haut abschließt hab ich mir wie gesagt selbst besorgt, da die unsrigen halb offen sind. Der Abwurf für die Schutzkleidung ist im Zimmer des Patienten, das heißt man muss mit der kontaminierten Maske auf den Flur, wenn man nicht ohne Maske im Zimmer sein möchte

crossie
27.03.2020, 18:04
Edit: wobei ich mich auch Frage wie Angehörige reagieren wenn man ihnen sagt dass keine Kapazitäten da sind oder eine Aufnahme auf die INT nicht stattfinden wird

Ich hab noch viel mehr Sorge vor der Situation, wenn man den Angehörigen eines Patienten auf der ITS sagen muss "wir würden Ihrem Angehörigen jetzt mal den Stecker ziehen und in den Keller schieben, wir brauchen den Platz für jemanden dem wir höhere Chancen einräumen."

nie
27.03.2020, 18:12
Der Abwurf für die Schutzkleidung ist im Zimmer des Patienten, das heißt man muss mit der kontaminierten Maske auf den Flur, wenn man nicht ohne Maske im Zimmer sein möchte

Da kapier ich gerade das Problem nicht. Wir würdest du es dir denn wünschen? Gibt ja nur zwei Varianten: ich zieh mich im Patientenzimmer aus und werfe mein Zeug da ab oder ich geh kontaminiert in den Flur raus...

Wir haben diese grünen Überziehkittel, FFP 3 Masken, OP-Hauben, natürlich Handschuhe und solche Faceshields, die das Gesicht bedecken.


Insgesamt läuft es hier auch gut, es wird gut organisiert und meistens gut informiert. Es gibt ein Konzept und das wird auch durchgezogen. Es holpert halt noch ein bisschen weil sich noch einiges tagesaktuell ändert aber es läuft besser als in anderen Häusern, bisher aber auch noch mit moderatem Patientenaufkommen trotz exzessiver Testung.

Matzexc1
27.03.2020, 18:12
Ich hab noch viel mehr Sorge vor der Situation, wenn man den Angehörigen eines Patienten auf der ITS sagen muss "wir würden Ihrem Angehörigen jetzt mal den Stecker ziehen und in den Keller schieben, wir brauchen den Platz für jemanden dem wir höhere Chancen einräumen."

Stimmt. Ich hab das Gefühl Sicherheitspersonal brauchen wir bald in höherer Stückzahl

arbeiter79
27.03.2020, 18:29
Stimmt. Ich hab das Gefühl Sicherheitspersonal brauchen wir bald in höherer Stückzahl

Aber nur am Eingang da im Krankenhaus selbst haben Angehörige in der jetzigen Situation wahrlich nichts zu suchen.

Fr.Pelz
27.03.2020, 18:44
...

Vom Marburger Bund hört man leider seit Wochen nichts diesbezüglich, dabei sollte die Chefin ausweislich ihres Lebenslaufs Expertin auf diesem Gebiet sein.

Ich mache mal den advocatus diaboli und sage, das geradezu dröhnende Schweigen rührt daher, daß man nach Beendigung der Krise gerne weiter beim Schnittchenessen und Auf-die-Schulter-Klopfen mit der Politik, insbesondere mit den CDU-buddies, dabei wäre.

Ansonsten sollte das Sich-Kümmern um potentiell lebensbedrohliche Arbeitsbedingungen aufgrund von "Anordnungen" die vornehmste Aufgabe einer "Gewerkschaft" sein.

So, und jetzt dürft Ihr mich gerne wieder bashen. Aber vielleicht wären ein paar Zeilen an den MB angebrachter?

Guck mal hier, am 18. erstellt und gestern aktualisiert https://www.marburger-bund.de/sites/default/files/files/2020-03/2020-03-26%20FAQs%20Corona.pdf

Bombenbauer
27.03.2020, 19:51
Macht es Sinn sich zu schützen wenn man unter 30 ist ? Falls ja, macht es Sinn Einweghandschueh zu tragen wenn man mit den Öffis fährt `?

Kann mir jemand sagen wann die Gyms wieder aufmachen?

Gabs eigentlich ne Gehaltserhöung oder wird eine geplant ?

Matzexc1
27.03.2020, 19:57
Macht es Sinn sich zu schützen wenn man unter 30 ist ? Falls ja, macht es Sinn Einweghandschueh zu tragen wenn man mit den Öffis fährt `?

Kann mir jemand sagen wann die Gyms wieder aufmachen?

Gabs eigentlich ne Gehaltserhöung oder wird eine geplant ?

1) Weiss der Geier wie dein Immunsystem auf Corona reagiert, sterben tun auch unter 20jährige. Ich fahre aktuell keine Öffis

2) Wenn es die Exekutive anhand sinkender Fallzahlen/Impfstoff/Therapie wieder erlaubt

3) Wenn Ostern auf Weihnachten und neujahr fällt, außer du arbeitest im Supermarkt die kriegen was

Bombenbauer
27.03.2020, 19:58
bitte löschen. doppelpost