Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread
roxolana
29.03.2020, 15:01
Übrigens bräuchten wir, wenn wir das mit der Herdenimmunität innerhalb von 2 Jahren abwickeln wollten, eine Ansteckungsrate von >80.000 pro Tag. Im Moment sind wir bei ca. 5.000. Selbst wenn wir mit einer Dunkelziffer von 5-10 rechnen, bräuchten wir bei dem Tempo 3-7 Jahre...
Eine andere Sache: Irgendwann müssen wir auch anfangen, das Elektivprogramm wieder hochzufahren. Wir können ja nicht 7 Jahre lang alle elektiven Sachen absagen... oder?
tragezwerg
29.03.2020, 15:03
Wie realistisch eine Herdenimmunität ist, wird entscheidend davon abhängen, wie hoch die rate an stillen feiungen ist. Das wird man durch studien mit antikörpertests herausfinden. Von "einfach laufen lassen" hat hier schon lange keiner mehr gesprochen.
Eine gezielte immunisierung müsste natürlich auf freiwilliger basis erfolgen. Ich würde mich, obwohl ich nicht gänzlich ohne vorerkrankungen bin, zu einer gezielten "immunisierung" bereiterklären, wenn ich dannach keine einschränkungen meiner bewegungsfreiheit mehr befürchten müsste und z.B. wieder ins Fitnessstudio dürfte. Viele andere sicherlich auch. Falls so etwas wirklich in Beträcht käme, wären natürlich vorher Studien wünschenswert, inwieweit und mit welchen Maßnahmen man die komplikationsrate von bewussten Infektionen gegenüber Infektionen "in freier Wildbahn" noch mal deutlich reduzieren könnte.
Für Hochrisikogruppen wird es erstmal noch eine ganze weile sinnvoll sein, Kontakte mit potentiell infektiösen leuten so weit wie möglich zu vermeiden. Umso wünschenswerter wäre es, wenn "Normalos" im gleichen Haushalt immun wären.
Viel Spaß bei der "gezielten Immunisierung" durch absichtliche Infektion. Dazu würde ich mich niemals bereit erklären, denn an einem ARDS stirbt es sich ganz jämmerlich. Und auch wenn es hauptsächlich Ältere schwer erwischt, sind trotzdem genügend junge Patienten dabei. Das ist infektiologisches Russisch Roulette. Siehe verschiedene Teenager-Tote, über 50 Tote unter italienischen Ärzten und Pflegekräften etc..
Autolyse
29.03.2020, 15:11
[...]Ich halte auch eine bewusste infizierung von nicht-risikogruppen, natürlich auf freiwilliger basis, für nicht gänzlich ausgeschlossen. Z.B. für viele junge gesunde selbstständige wäre das womöglich eine attraktive option. Vielleicht nicht jetzt, aber falls in einigen wochen bessere erkenntnisse zu supportiven medikamentösen therapien vorliegen, könnte das noch realistischer werden. auch für kinder könnte es eine option sein, dann wieder gruppenunterricht bekommen zu können, wenngleich das natürlich ethisch noch viel fragwürdiger wäre als bei erwachsenen.[...]
Gerade für Kindergartenkinder bietet sich das richtig an, mit einem schweren Verlauf bei 10.6% im ersten Lebensjahr und 7.3% bis zum fünften Lebensjahr (https://doi.org/10.1542/peds.2020-0702). Gerade Großkindintensivplätze haben wir doch im absoluten Überfluss...
GelbeKlamotten
29.03.2020, 15:14
Viel Spaß bei der "gezielten Immunisierung" durch absichtliche Infektion. Dazu würde ich mich niemals bereit erklären, denn an einem ARDS stirbt es sich ganz jämmerlich. Und auch wenn es hauptsächlich Ältere schwer erwischt, sind trotzdem genügend junge Patienten dabei. Das ist infektiologisches Russisch Roulette. Siehe verschiedene Teenager-Tote, über 50 Tote unter italienischen Ärzten und Pflegekräften etc..
Auch unter Ärzten und Pflegekräften gibt es alte und vorerkrankte Menschen. Nur weil du der gleichen Berufsgruppe angehörst, teilst du nicht unbedingt deren Komplikationsrisiko.
Ich habe, wenn ich nicht bereits infiziert bin, wenig zweifel, dass ich mich früher oder später sowieso infizieren werde. Bei den derzeitigen Hygienemaßnahmen (Wiederverwenden von Masken und Kitteln, etc) habe ich keine Zweifel, dass die Durchseuchung der Belegschaft längst in vollem Gange ist. Wenn es bereits ein Protokoll gäbe, wie man sich unter optimierten Bedingungen gezielt immunisieren lassen könnte, würde ich das daher wahrnehmen.
Übrigens bräuchten wir, wenn wir das mit der Herdenimmunität innerhalb von 2 Jahren abwickeln wollten, eine Ansteckungsrate von >80.000 pro Tag. Im Moment sind wir bei ca. 5.000. Selbst wenn wir mit einer Dunkelziffer von 5-10 rechnen, bräuchten wir bei dem Tempo 3-7 Jahre...
Eine andere Sache: Irgendwann müssen wir auch anfangen, das Elektivprogramm wieder hochzufahren. Wir können ja nicht 7 Jahre lang alle elektiven Sachen absagen... oder?
Auch ein wichtiger Punkt mit dem OP-Programm.
Ich denke auch dass die Dunkelziffer nicht so mega krass ist. Es gibt die Influenza-Surveillance, da wurden ganz wenige COVID19-Fälle rausgefischt, aber auch Drosten sagt ja dass der Virus noch nicht so „präsent“ ist. Es gibt ja nicht umsonst die Rechnungen dass der Peak bei unkontrollierter Durchseuchung im Sommer (!!) käme.
Wie hoch die Durchseuchung ist und wie hoch die tatsächliche Letalität kann man aus meiner Sicht erst nach den ersten Antikörper-Tests sagen. Im Moment ist das nicht anderes als raten - egal ob man nun Virologe, Epidemiologe oder Schuster ist.
Bei einer Dunkelziffer 1:10 ist eine Herdenimmunität sicher kein realistisches Ziel. Bei einer Dunkelziffer von 1:100 hingegen schon.
Ich habe aber auch Zweifel an den postulierten 60-70%. Soweit ich es verstanden habe, beruht diese Schätzung auf einem rein mathematischen Modell und der Annahme einer R0 von ~2,x.
Aber unsere Bevölkerung ist ja keine homogene Masse in der sich alle gleich häufig begegnen, sondern es gibt bestimmte Schlüsselfiguren (Verkäufer, Gesundheitswesen, Gastronomie) mit sehr vielen Kontakten und andersherum gibt es Gruppen die praktisch keine zwischenmenschlichen Kontakte haben. Sofern eine Durchseuchung in den Schlüsselgruppen erreicht ist, sollte sich die generelle Ausbreitung spürbar verlangsamen. Und dabei reden wir dann eben nicht von >50 Millionen sondern von deutlich geringen Zahlen...
arbeiter79
29.03.2020, 15:36
Übrigens bräuchten wir, wenn wir das mit der Herdenimmunität innerhalb von 2 Jahren abwickeln wollten, eine Ansteckungsrate von >80.000 pro Tag. Im Moment sind wir bei ca. 5.000. Selbst wenn wir mit einer Dunkelziffer von 5-10 rechnen, bräuchten wir bei dem Tempo 3-7 Jahre...
Eine andere Sache: Irgendwann müssen wir auch anfangen, das Elektivprogramm wieder hochzufahren. Wir können ja nicht 7 Jahre lang alle elektiven Sachen absagen... oder?
Ist man denn eigentlich auch mehrere Jahre immun nach Infektion?
Ganz ehrlich eine so langsame Durchinfektion das alle eine Chance auf eine vernünftige medizinische Betreuung haben erscheint mir illusorisch.
WackenDoc
29.03.2020, 15:56
Ja, bei einem Virus, das seit Dezember unterwegs ist, kann man jetzt schon sagen, wie die Immunität in x Jahren ist. Arghhhh
Durchseuchung ist sicher nicht der Schlüssel, sondern Zeit zu gewinnen, bis entweder eine funktionierende kausale Therapie und/oder eine Impfung verfügbar sind. Schätzungen dazu variieren zu von Sommer 2020 bis Anfang 2021. Wir werden sehen.
Wenn der Yellowstone Supervulkan im April explodiert ist das eh alles egal. :-nix
Bei Facebook ist unter den Verschwörungstheoretikern gerade die Frage populär, ob statistisch erfasste "Coronatote" am oder mit dem Virus verstorben sind. Berechtigt oder nicht, eine Antwort darauf habe ich bislang nicht gefunden. Werden neben einem positiven Test noch weitere Kriterien zugrunde gelegt, also z.B. eine Pneumonie-Diagnose?
arbeiter79
29.03.2020, 17:46
Bei Facebook ist unter den Verschwörungstheoretikern gerade die Frage populär, ob statistisch erfasste "Coronatote" am oder mit dem Virus verstorben sind. Berechtigt oder nicht, eine Antwort darauf habe ich bislang nicht gefunden. Werden neben einem positiven Test noch weitere Kriterien zugrunde gelegt, also z.B. eine Pneumonie-Diagnose?
Ich weiß nicht wie das woanders mit den Totenscheinen läuft aber bei uns würde man sicher dankbar das Coronavirus als Todesursache annehmen. Sonst muss man sich noch sonst welche Gedanken machen.
DrewBrees
29.03.2020, 17:46
Bei Facebook ist unter den Verschwörungstheoretikern gerade die Frage populär, ob statistisch erfasste "Coronatote" am oder mit dem Virus verstorben sind. Berechtigt oder nicht, eine Antwort darauf habe ich bislang nicht gefunden. Werden neben einem positiven Test noch weitere Kriterien zugrunde gelegt, also z.B. eine Pneumonie-Diagnose?
In einer ersten Konferenzen nach den ersten "Coronatoten" in Deutschland sagte Herr Wieler auf Nachfrage einer Journalistin , dass jeder Tote mit nachgewiesener Covid19 als an Covid19 verstorben gezählt würde. Er wirkte aber etwas überrumpelt, als er die Antwort gegeben hat. Diese Zählweise ist wohl aktuell auch noch in Italien vertreten nach Aussage eines meiner Oberärzte (daher eher mit Vorsicht zu genießen).
Ob sich die Zählweise hierzulande nun bereits geändert hat, kann ich leider nicht sagen
arbeiter79
29.03.2020, 18:38
https://focus.de/11826664
In Italien gehen die Unruhen schon los.
Italien hat aber auch kein Sozialsystem das mit Deutschland vergleichbar wäre. Da haben die Leute jetzt einfach kein Geld mehr und es kommt auch keins nach.
arbeiter79
29.03.2020, 18:53
Italien hat aber auch kein Sozialsystem das mit Deutschland vergleichbar wäre. Da haben die Leute jetzt einfach kein Geld mehr und es kommt auch keins nach.
Ja, in Deutschland und einer handvoll anderen Staaten geht das erstmal noch gut. Aber leider gibt es deutlich mehr Länder ohne ausreichende Absicherung, da wird es bald knallen.
DrSkywalker
29.03.2020, 19:20
Ja, in Deutschland und einer handvoll anderen Staaten geht das erstmal noch gut. Aber leider gibt es deutlich mehr Länder ohne ausreichende Absicherung, da wird es bald knallen.
Solche komischen Vorhersagen bringen niemandem etwas außer dir vielleicht ein gutes Gefühl.
In diesen Zeiten sollte jeder etwas besonnener sein und nicht irgendwelche Theorien von sich geben davon gibt es genug Helden.
WackenDoc
29.03.2020, 19:20
Mir macht diese ohnehin ohne Corona schon vorhandene Paranoia gegen den Staat Sorgen. Da fallen solche Aufrufe wie in dem Artikel beschrieben auf fruchtbaren Boden.
FirebirdUSA
29.03.2020, 19:30
@milz: die Zählweise ist doch völlig egal, interessant ist ob die Sterblichkeit in dem Zeitraum höher ist. Lässt sich erst hinterher sagen. Zumindest eine Region in D hat schon gekühlte Leichensäcke bestellt, da aktuell die Leichenhallen voll werden und im Elsass und New York werden Eishallen umfunktioniert. Das spricht sehr dafür, dass die Sterblichkeit im Moment höher als gewöhnlich ist.
vanilleeis
29.03.2020, 19:33
Bei uns gehen aktuell die Fallzahlen rapide hoch, zwei Pflegeheime sind betroffen. Ich bin gespannt, ob unsere GF nun endlich mal aufwacht
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.