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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der große Coronathread



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obsession
31.03.2020, 16:50
Trotz Dreifachkombination Ketanest/Midazolam/Sufenta haben wir aus unerklärlichen Gründen große Sedierungsprobleme. Die Patienten pressen schwer gegen und erleiden rezidivierende Bronchospasmen.

Dito. Das ist auch bei unseren Pat. wirklich sehr auffällig!
Wie haltet ihr das mit dem Zeitpunkt "Tracheotomie"...?

Vincenco
31.03.2020, 17:21
Wir haben immoment einen bisher tracheotomiert von 7. Das war nach knapp einer Woche Intubation, zu dem zeitpunkt konnten wir schon auf PEEP 8/Fi02 0,3 runter und wollten ins Weaning. Hatten aber auch Sedierungsprobleme. Die anderen sind noch bei PEEP Werten >12 und Fi02 von >0,5 um grenzwertig zu oxygenieren, die tracheotomieren wir nicht.

vanilleeis
31.03.2020, 17:50
Als nicht intensivler: warum tracheotomiert man die Patienten? Weil man von einer längeren Beantmungspflichtigkeit ausgeht? Oder erleichtert das das Weaning?

Mr. Pink online
31.03.2020, 18:04
Trotz Dreifachkombination Ketanest/Midazolam/Sufenta haben wir aus unerklärlichen Gründen große Sedierungsprobleme. Die Patienten pressen schwer gegen und erleiden rezidivierende Bronchospasmen. Gute Erfahrungen sammeln wir zur Zeit insbesondere in der Weaningphase mit Dexdor. Generell scheinen mir die Patienten trotz vermeintlich tiefer Sedierung respiratorisch schwer instabil zu sein.

Ja kenne ich leider auch. Bei gutem VT/AMV klappt es zumindest zeitweise mit Isofloran gut. Ansonsten meistens auch Dreifachkombi in hoher Laufrate.

jw
31.03.2020, 18:14
Bei uns sind jetzt Covid-19 negative Patienten mit internistischen Erkrankungen auf unserer Kinderintensivstation. Unsere Intensivstationen sind nun alle voll. Die IMC Stationen werden nun mit beatmeten Patienten zunehmend voller.

@ Frau Pelz
Schade, dass du keine Immunität hast. Hier waren im Januar auch alle ziemlich krank. Dachten auch im Nachhinein, das könne Corona gewesen sein. Naja, solange keine Testung erfolgt, wissen wir es nicht.

Bille11
31.03.2020, 18:25
Als nicht intensivler: warum tracheotomiert man die Patienten? Weil man von einer längeren Beantmungspflichtigkeit ausgeht? Oder erleichtert das das Weaning?

Das erleichtert das Weaning und sorgt für eine erhebliche Reduktion der Sedierungstherapeutika.

vanilleeis
31.03.2020, 18:45
Das erleichtert das Weaning und sorgt für eine erhebliche Reduktion der Sedierungstherapeutika.
Danke!

ehem-user-02-08-2021-1033
31.03.2020, 19:02
Die von dir beschriebene Sedierungsproblematik sehen wir hier gerade genauso...

Aus der Antibiotikatherapie bei der Sepsis kennt man das "Capillary Leak" bereits... dies führt zu einem höheren Verteilungsvolumen der Antibiotika.
Ich glaube, dass dies den Effekt bei den Sedativa ebenfalls recht gut erklärt.

ehem-user-02-08-2021-1033
31.03.2020, 19:03
Noch etwas anderes:
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/corona-todesfaelle-in-altenheim-in-wolfsburg-staatsanwaltschaft-will-pflegeakten-einsehen-a-ef1dc030-676d-4208-acb8-991524bf00d4

Die Staatsanwaltschaft sucht jetzt allen ernstes einen Schuldigen für die Todesfälle im Rahmen einer Pandemie.
Ich frage mich manchmal echt, wo ich lebe.

P.S.:
Nicht, dass mich wer falsch versteht. Klar gibt es schlechte Altenheime etc...
Alles juristisch aufzuarbeiten kann nicht die Lösung sein.

Kandra
31.03.2020, 19:18
Noch etwas anderes:
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/corona-todesfaelle-in-altenheim-in-wolfsburg-staatsanwaltschaft-will-pflegeakten-einsehen-a-ef1dc030-676d-4208-acb8-991524bf00d4

Die Staatsanwaltschaft sucht jetzt allen ernstes einen Schuldigen für die Todesfälle im Rahmen einer Pandemie.
Ich frage mich manchmal echt, wo ich lebe.

P.S.:
Nicht, dass mich wer falsch versteht. Klar gibt es schlechte Altenheime etc...
Alles juristisch aufzuarbeiten kann nicht die Lösung sein.

Wenn sie gegen den Heimleiter ermitteln, weil der weder genügend Schutzmaterial noch genügend Pflegekräfte bereit hält, wieso nicht? 2 Pflegekräfte auf 40-60 Bewohner reicht halt nicht.
Aber ich fürchte, eher werden sie eine arme Altenpflegerin zum Sündenbock machen oder den Arzt, der den Bewohner der als letztes Wohl schon infiziert ins Heim kam, eingewiesen hat ^^

nitas
31.03.2020, 19:22
Ja klar wird das (nicht flächendeckend) überall mal aufkommen. Wer hat das zu verantworten. Warum wurde ausgerechnet Person X infiziert oder Ort Y kontaminiert und wer war daran Schuld.

Lenkt auch davon ab, dass eine Hygiene lege artis unter vielen der üblichen Arbeitsbedingungen kaum zu schaffen ist (oder soll es eben genau darauf hinweisen?) und außerdem gibt es ja eh kein Material....

Moorhühnchen
31.03.2020, 19:24
Ich bin frisch getestet, habe keine Antikörper und daher auch weiterhin Angst, dass ich das Virus meinem Mann mitbringe, der mit seiner FEV1 von 49%/Soll sicher nicht gut damit fertig wird...Bei wem werden denn hier noch AK-Tests durchgeführt? Ich wäre so neugierig meinen Status zu wissen und wenn er positiv wäre, wann es wohl war... *seufz*

tragezwerg
31.03.2020, 20:21
Bei wem werden denn hier noch AK-Tests durchgeführt? Ich wäre so neugierig meinen Status zu wissen und wenn er positiv wäre, wann es wohl war... *seufz*

Bei uns leider nicht...fände ich auch sehr interessant, gerade für Mitarbeiter mit Risikofaktoren wäre das ja schon relevant.

Rettungshase
31.03.2020, 20:25
Kurzer Einschub, sorry dafür, aber ich mache mir seit Tagen Gedanken über folgende Situation:

Wie handhabt ihr das eigentlich mit eurer Familie und Partner bzw. Partnerin, wenn ihr aktuell in einem Krankenhaus arbeitet ? Ich wohne mit keinem der genannten Parteien in einem Haushalt und bin schwer am überlegen, diese Personen die nächsten Wochen/Monate nicht mehr zu besuchen. Vermutlich wird das teilweise schon für schlechte Stimmung sorgen, aber denkt ihr, dass das die richtige Vorgehensweise ist oder doch zu übertrieben?

Was für so richtig schlechte Stimmung sorgt, sind Todesfälle in der Familie.
Ruf die Leute an, dann freuen sie sich und du leistest deinen Beitrag dazu, dass wir alle möglichst nicht entscheiden müssen, wer überleben darf und wer sterben muss.

Evil
31.03.2020, 20:51
Die Staatsanwaltschaft sucht jetzt allen ernstes einen Schuldigen für die Todesfälle im Rahmen einer Pandemie.
Ich frage mich manchmal echt, wo ich lebe.

P.S.:
Nicht, dass mich wer falsch versteht. Klar gibt es schlechte Altenheime etc...
Alles juristisch aufzuarbeiten kann nicht die Lösung sein.
Es geht nicht darum, Sündeböcke zu finden. Wenn staatsanwaltschaftliche Ermittlungen aufgenommen werden, heisst das zunächst erstmal, daß ein ernsthaftes öffentliches Interesse zur Klärung besteht. Staatsanwälte suchen nicht zwingend nach Schuldigen, das ist ein Klischee.

ehem-user-02-08-2021-1033
01.04.2020, 09:50
Das war mir neu, dass Unschuldige ermittelt werden. Herzlichen Dank! Das bedeutet, dass der Job der Strafverteidiger in der jetzigen Situation auch obsolet ist.
Werden die dann in Zukunft bei ALDI an der Kasse eingesetzt?
Eine spannende Entwicklung!

alex1
01.04.2020, 10:16
Bei uns leider nicht...fände ich auch sehr interessant, gerade für Mitarbeiter mit Risikofaktoren wäre das ja schon relevant.

Meine letzte Info von der Hygiene vorgestern war, dass die zur Verfügung stehenden Antikörpertests entweder in der Menge nicht vorhanden seien, um alle Mitarbeiter zu testen (stellt sich nun die Frage, warum man nicht zumindest anfängt, z.B. mit dem Notfallbereich) oder nicht gut validiert sind. Aber in "einigen Wochen" könnte das schon wieder anders aussehen.

Autolyse
01.04.2020, 10:36
1. Wegen Verstoßes gegen Artikel 12 Absatz 2 GG verfassungswidrig, da die Ausnahme nicht greift, eben weil es nicht eine allgemeine und gleiche Pflicht ist, sondern eine konkret bestimmbare Gruppe trifft.
2. Nein, lässt sich nicht. In dem Fall ist der Staat verpflichtet für ausreichend Schutzausrüstung zu sorgen (die Gedienten werden noch aus der Grundausbildung das Beispiel kennen, dass ein Befehl verbindlich und rechtmäßig ist, wenn in die eigene Richtung geschossen wird, aber unverbindlich und unrechtmäßig wird, wenn man vom gezieltem Feuer festgenagelt ist, weil man dann sicher totgeweiht wäre).

Man muss sich den Fall mit dem man das Gesetz vor dem Verfassungsgericht angreift gezielt aussuchen. Ideal wäre jemand in Elternzeit ohne Vertrag mit einem ebenfalls systemrelevanten Partner. Die Zulässigkeitshürde ist aber hoch, da man eigentlich den Vollzugsakt abwarten muss, dementsprechend muss man den Fall (die Fälle besser, in NRW ist auch eine Landesverfassungsbeschwerde durch einen anderen Bürger möglich) sorgsam auswählen, damit das Abwarten wirklich unzumutbar wird (ich habe keinen Grundgesetzkommentar zur Hand und kann daher nicht in die Kasuistik gucken).

Merkwürdig ist auch Absatz 3, weil es arbeitsrechtliche Regelungen trifft, für die der Bund seine Gesetzgebungskompetenz ausgeübt hat. Ein Arbeitsplatzschutz besteht nicht, damit hätte der Arbeitgeber ein Kündigungsrecht. Der Kündigungsrechtsschutzprozess dürfte elendig vertrackt werden.

Wirklich spannende Fälle ergeben sich aber, wenn man im Nachbarbundesland wohnt, aber in NRW arbeitet und dann über einen Antrag an sein Bundesland einen vor grundrechtswidriger Zwangsarbeit zu schützen die schutzrechtliche Dimension der Grundrechte aktiviert.
Ich habe einen Blick in einen Kommentar riskiert und ergänze:
1. Prozessuales: Eine Rechtssatzverfassungsbeschwerde ohne ausgesprochene Verpflichtung dürfte am Subsidiaritätsgrundsatz scheitern. Es wird also das verwaltungsrechtliche Eilverfahren des einstweiligen Rechtsschutzes (hier: Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung nach § 80 V 1 Alt. 1 VwGO) zu durchlaufen sein. Bei Scheitern wird die Verfassungsbeschwerde eröffnet sein, weil die Verzögerungsschaden durch Abwarten des Hauptverfahrens so immens ist und die Grundrechtsverletzung bereits eingetreten ist.
2. Wird das Gesetz so beschlossen, dann dürfte es wegen Verstoßes gegen das Zitiergebot (Artikel 19 Absatz 1 Satz 2 GG) nichtig sein, weil Zwangsarbeit angeordnet wird ohne die Grundrechtseinschränkung des Artikel 12 Absatz 2 zu zitieren.
3. Es dürfen ausschließlich herkömmliche Dienstpflichten angeordnet werden. Herkömmlich sind nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nur Hand- und Spanndienste nach der Gemeindeordnung, Pflicht zur Deichhilfe und die Feuerwehrpflicht (ständige Rechtsprechung seit BVerfGE 22, 380, 383; 92, 91, 111). Alle anderen Arbeitspflichten sind damit verfassungswidrig.

Evil
01.04.2020, 10:37
Das war mir neu, dass Unschuldige ermittelt werden. Herzlichen Dank! Das bedeutet, dass der Job der Strafverteidiger in der jetzigen Situation auch obsolet ist.
Werden die dann in Zukunft bei ALDI an der Kasse eingesetzt?
Eine spannende Entwicklung!
Offensichtlich hast das Prinzip überhaupt nicht verstanden.
Also, der Staatsanwalt sieht ein öffentliches Interesse und leitet Ermittlungen ein, entweder gegen unbekannt oder gegen Personen, bei denen Verantwortlichkeit naheliegt. Wenn sich der Anfangsverdacht nicht bestätigt, werden die Ermittlungen sang- und klanglos eingestellt. Damit sind die Personen, gegen die ermittelt wurde, entlastet.
Bestätigt sich der Verdacht, wird dann erst Anklage erhoben und ein Gerichtsverfahren eröffnet. Und auch erst dann kommt ein Verteidiger ins Spiel.

Hast du das jetzt kapiert, oder folgt nur ein weiterer ignoranter Kommentar?

ehem-user-02-08-2021-1033
01.04.2020, 10:54
https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&url=https://de.m.wikipedia.org/wiki/Staatsanwaltschaft_(Deutschland)&ved=2ahUKEwjjgp6t-cboAhVPTcAKHYblBGAQFjAAegQIAhAB&usg=AOvVaw2GuQN8l19NCAD0dCI8DhuS

Die StA ist Teil der Exekutive und untersteht dem Justizministerium.
Ich erinnere da an den Fall eines bayerischen Notarztes, der wegen einer Einsatzfahrt ein Fahrverbot kriegen sollte... es schlug hohe politische Wellen... das Verfahren wurde nach initialem Strafbefehl an eine andere StA abgegeben und sang- und klanglos eingestellt.

Wichtiger und solidarischer wäre es die Ressourcen aktuell für die harte juristische Durchsetzung der Ausgangsbeschränkungen zu nutzen. Aber das ist an dieser Stelle meine persönliche politische Meinung.

Das wäre aber das richtige politische Signal.
Nicht erst keine PSA haben... keine Tests anbieten... und dann die Leistungserbringer unter Verdacht stellen.
Das geht politisch auch ganz anders.
Die Justiz dient den Bürgern und ist kein Selbstzweck.