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John Silver
03.04.2020, 09:23
Es spielt keine Rolle, wie lange man den Lockdown aufrecht erhalten will. Selbst um den bereits entstandenen Schaden akut zu überbrücken, werden alle Regierungen, die es können, Fantastilliarden „drucken“ und für umme verteilen müssen. Eine Pleitewelle bei Unternehmen aller Art und Größe mit anschließender Pleitewelle privater Haushalte würde die Wirtschaft auch nicht überleben (erst gehen die Banken pleite, wie 2008, dann die Versicherungen; wer überlebt, geht am Konsumeinbruch kaputt). Die weltweiten Schulden aller bei allen sind eh schon vor der Krise kaum zurückzahlbar gewesen (Banken, Staaten, private Haushalte); jetzt also erst recht nicht. Man kann ruhig die Fantastilliarden mit beiden Händen an die Leute verteilen (was bspw. Trump schon macht), und wenn‘s vorbei sein wird, wird man die Schulden aller bei allen auf Null setzen müssen. Ein Schaden wird dadurch nur Banken, Investmentheuschrecken und Milliardären der Forbes-Liste entstehen; Banken kann man wieder per Gesetz retten, der Rest ist egal. Auch wenn die allermeisten Politiker aktuell dem Kapital und nicht dem Volk dienen, werden sie es kaum riskieren, zum Wohle einiger weniger Superreicher den ganzen Rest ins elendige Mittelalter zu stürzen.

John Silver
03.04.2020, 09:27
Momentan kann keiner die wirtschaftlichen Konsequenzen für unseren Binnenmarkt absehen, von Europa und der Welt mal ganz abgesehen. Auch die Wirtschaftswissenschaftler sind sich nicht einig. Das Ifo Institut spricht beispielweise von potentiellem Abbau von mehr als 1 Mio Arbeitsplätzen, mehrere Mio in Kurzarbeit. Ich finde, wenn nur die Hälfte davon stimmt ist das schon eine Katastrophe. Es geht also nicht nur um ein paar Euros Einkommensteuer die verlustig gehen, sondern das ganze kann in einer veritablen Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes enden. Im Gegensatz dazu wissen wir ziemlich genau was uns blüht, wenn die Krise ungebremst auf uns herein bricht. Die Zahlen aus Frankreich und Italien sind beeindruckend, aber, dass diese beiden Gesundheitssysteme absolut keine Reserve für eine Notfallsituation haben, war bereits im Vorfeld klar. Menschenleben gegen wirtschaftliche Konsequenzen aufzuwiegen ist Aufgabe der Politik. Politiker werden gewählt um genau diese unangenehmen Entscheidungen zu treffen, die wir als Moralkeulen schwingende Bürger nicht treffen wollen. Aktuell wird die Politik dieser Aufgabe nicht gerecht.

So ein Quark. Unsere Politiker und „Wirtschaftskapitäne“ nehmen jeden Tag Tod und Verelendung in Kauf (siehe bspw. Spekulationen auf Grundnahrungsmittelpreise); es stört den deutschen „moralkeulenschwingenden“ Michel halt nur, wenn‘s mal nicht irgendwelche Afrikaner oder Araber trifft, sondern den Michel selbst.

Mr. Pink online
03.04.2020, 09:33
Ja und genau da spricht der Politiker jetzt dem deutschen Michel nach dem Maul und das ist inkonsequent und heuchlerisch.

FirebirdUSA
03.04.2020, 09:36
Nein, ich will nicht sagen das der Lockdown nicht schlimm ist. Er ist wirtschaftlich und psychisch eine Katastrophe. Aber er funktioniert, die Zahlen auf ITS bei uns stabilisieren sich etwas.
Man muss aus meiner Sicht schnell Lösungen finden, die einen weiteren Schaden der Wirtschaft abmildern (z.B. alle dürfen wieder öffnen aber Begrenzung der zugelassenen Kunden je nach Fläche, Frisör nur mit Handschuhen und MNS, ...).
Wenn ich die Anwendung der erlassenen Gesetze in der Presse verfolge habe ich das Gefühl das manches Ordnungsamt die Idee dahinter nicht verstanden hat. Z.B. Abholung von Blumen mit "Vertrauenskasse" durch Polizei schließen lassen.
Ich wollte nur andeuten, dass der Infrastrukturschaden deutlich geringer ist als nach einem Krieg und eine Erholung über (vermutlich mehrere Jahre) sehr wahrscheinlich ist. Wir hatte solche Phasen ja schon. Kommt natürlich auch darauf an wie es dem Rest der Welt geht.

Mr. Pink online
03.04.2020, 09:59
Es geht aber auch um Verhältnismäßigkeit: ein Krieg mit Bombardement, der sämtliche Wirtschafts- und Infrastruktur lahmlegt, hundertausende Menschenleben (v. a. der jüngeren Bevölkerung) kostet, kann man doch nicht mit einem politisch auferlegten Stillstand vergleichen, der wegen eines Virus, dass vermutlich eine LEtalität <1% und bei Mortalität ein Durchschnittsalter von ca 80 Jahre hat.

WackenDoc
03.04.2020, 10:08
Die Situation ist halt völlig neu für unsere Gesellschaft und ehrlich gesagt hatten wir die letzten Jahrzehnte so ein gutes Leben, dass sowas wie Erfindergeist, praktikable Lösungen etc. erstmal wieder aufflammen müssen.

Man kann nicht über die Öffnung von Geschäften diskutieren, wenn nicht einmal meine Reinigungskräfte in Altenheimen nicht genug MNS-Masken haben.
Das muss sich schütteln, Regelungen auf Sinnhaftigkeit überprüft werden. Geistige Flexibilität (die die letzten Jahre massiv gelitten hat) ist gefordert. Kommunikation- warum welche Maßnahme. Warum dürfen in Niedersachsen z.B. Baumärkte öffnen- vermutlich weil die Leute, die eh zu Hause hocken jetzt damit beschäftigt werden können ihre Buden zu renovieren, Gärten müssen vorbereitet und eingesäht werden etc. Also Eigenversorgung und Beschäftigung der Leute. Auch sowas wie Zeug zum Barrierenbau für KLeinstbetriebe oder auch Vereine organisieren (es gibt nicht nur Plexiglas, sondern manche Sachen kann man schlichtweg mit Sperrholzplatten absperren- kam mein Chef heute drauf).
Die Lösungen werden kommen, aber nicht von jetzt auf gestern.

Es ist nun mal eine Krise die wir seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr hatten.

Und wir müssen mal eins lernen: Geduld. Nicht jeden Tag unruhig werden was die Maßnahmen angeht. Was meint ihr wohl was Politiker, Wissenschaftler etc. jetzt den ganzen Tag machen???? Eben genau abwägen wie man den ganzen Sch*** irgendwie übersteht als Gesellschaft.

Autolyse
03.04.2020, 15:40
Nein, ich will nicht sagen das der Lockdown nicht schlimm ist. Er ist wirtschaftlich und psychisch eine Katastrophe. Aber er funktioniert, die Zahlen auf ITS bei uns stabilisieren sich etwas.
Man muss aus meiner Sicht schnell Lösungen finden, die einen weiteren Schaden der Wirtschaft abmildern (z.B. alle dürfen wieder öffnen aber Begrenzung der zugelassenen Kunden je nach Fläche, Frisör nur mit Handschuhen und MNS, ...).
Wenn ich die Anwendung der erlassenen Gesetze in der Presse verfolge habe ich das Gefühl das manches Ordnungsamt die Idee dahinter nicht verstanden hat. Z.B. Abholung von Blumen mit "Vertrauenskasse" durch Polizei schließen lassen.
Ich wollte nur andeuten, dass der Infrastrukturschaden deutlich geringer ist als nach einem Krieg und eine Erholung über (vermutlich mehrere Jahre) sehr wahrscheinlich ist. Wir hatte solche Phasen ja schon. Kommt natürlich auch darauf an wie es dem Rest der Welt geht.
Man hätte es viel billiger haben können, aber bereits im Februar Karneval absagen oder Maßnahmen ergreifen. Das hätte ja die Wirtschaft geschädigt...

Salzi19
03.04.2020, 15:48
https://www.welt.de/politik/ausland/article206992269/Coronavirus-Pandemie-USA-sollen-von-Berlin-bestellte-Schutzmasken-aus-China-abgefangen-haben.html
"Mit Geldbündeln auf’s Rollfeld und Millionen Masken abgreifen: So sollen US-Händler anderen Ländern schon wertvolles Schutzzubehör weggeschnappt haben. Nun wurden offenbar auch 200.000 Masken, die das Land Berlin bestellt hatte, von den USA konfisziert."
Da fällt mir echt nichts mehr ein...

Kackbratze
03.04.2020, 16:04
Die Frage ist, ob konfisziert oder bloss an den Meistbietenden verkauft?
Und warum sind wir nicht so kreditwürdig bzw. so skrupellos? Oder haben wir nicht auch Lieferungen ins Ausland gestoppt? War da nicht mal was mit der Schweiz?

Spark
03.04.2020, 16:05
und wenn‘s vorbei sein wird, wird man die Schulden aller bei allen auf Null setzen müssen. Ein Schaden wird dadurch nur Banken, Investmentheuschrecken und Milliardären der Forbes-Liste entstehen.....Auch wenn die allermeisten Politiker aktuell dem Kapital und nicht dem Volk dienen, werden sie es kaum riskieren, zum Wohle einiger weniger Superreicher den ganzen Rest ins elendige Mittelalter zu stürzen.

Das glaube ich erst wenn ich es sehe. Aktuell geht es darum wer die Zeche zahlt - natürlich der Staat, also Steuerzahler. Durch den Untergang vieler kleiner Unternehmen wird sich ein ggf erholender Markt immer weiter auf wenige Giganten konzentrieren (Amazon schreibt gerade 100.000 Jobs aus!). Sobald zB eine Lufthansa wieder Auftrieb hat oder Sozialwohnungen durch Konjunkturprogramme saniert worden sind, kann wieder privatisiert werden, oder muss, denn der Staat kann’s ja nicht und ist so pleite dass er sparen muss. Vor dem ganzen Getümmel versucht dann noch die übliche Luftnummer-Kaste mit gut dotierten Bullshitjobs, den Verteilungskampf auf den hinteren Rängen für sich und ihren Nachwuchs zu entscheiden - eine Luisa Neubauer wird weiter ein standesgemäßes kosmopolitisches Leben führen und der ganze Rest darf dafür SEHR WOHL den materiellen wie biographischen Gürtel gewaltig enger schnallen. Es wird um die Futtertröge gehen, und darum wer sich hinten anstellen muss - was die Alten betrifft wird der Ton ja schon entsprechend, aber auch der Applaus für Pfleger und Müllmänner wird symbolisch bleiben. Die Hierarchie wird bleiben und noch deutlicher spürbar werden.

Bonnerin
03.04.2020, 16:21
Man hätte es viel billiger haben können, aber bereits im Februar Karneval absagen oder Maßnahmen ergreifen. Das hätte ja die Wirtschaft geschädigt...

Korrigiere mich bitte, wenn es da andere Zahlen gibt, die ich nicht gesehen habe. (Ich komme aus NRW, der Karneval ist mir aber egal, ich war in Bayern Ski fahren)

Mit welchem Grund hätte man zu dem Zeitpunkt absagen sollen? Heinsberg ist sicher ein interessanter Fall gewesen, aber auch da muss man sich fragen, ob überhaupt irgendwer getestet worden wäre, wenn nicht der fragliche Patient Null (oder eins, oder zehn, oder fünfzig, man weiß es ja nicht) wegen Vorerkrankungen auf der ICU am UKD gelandet wäre. Viele Fälle in Heinsberg hatten ja nur leichte Symptome, die hätte man sonst doch nie erfasst.
Und jetzt ist Heinsberg ja nun nicht die größte Karnevalsregion in Deutschland.
Klar, Aachen und Düsseldorf haben ein paar mehr Fälle als der Rest hier, was aber der Nähe zu Heinsberg geschuldet ist. Einen unfassbaren Peak, wie man ihn aber eventuell hätte erwarten können, sehe ich weder in Aachen, noch in Düsseldorf, noch in Köln, Bonn oder Mainz. Im Gegenteil, ich finde es schon erstaunlich, dass wir in Bonn nur knapp 300 Fälle haben im Moment, für ne 300.000 Einwohnerstadt hätte ich bedeutend mehr erwartet. Keine Ahnung, vielleicht stellt sich am Ende raus, dass wir durch Karneval schon tatsächlich viele junge, gesunde Menschen mit asymptomatischen Verläufen hatten.

Bis zu den flächendeckenden AK-Tests werden wir da aber vermutlich weiter im Dunkeln tappen.

FirebirdUSA
03.04.2020, 16:22
Man hätte es viel billiger haben können, aber bereits im Februar Karneval absagen oder Maßnahmen ergreifen. Das hätte ja die Wirtschaft geschädigt...

Oder auf der anderen Seite der Alpen auch die Skigebiete schließen...

arwen_
03.04.2020, 16:34
MaiLab (https://www.youtube.com/watch?v=3z0gnXgK8Do) ist wieder da.

An alle: was mich beschäftigt seitdem viele Bekannte pseudo-wissenschaftlichen Videos (Bhakdis "Brief an die Bundeskanzlerin", Schwindelambulanz Sinsheim, Wodarg etc) und Artikel mit mir teilen und ich das ständig diskutieren muss, will ich fragen, was ihr dazu denkt:
Meine Befürchtung ist nämlich dass am Ende der Krise perfiderweise die Kritiker (gemessen an der Anzahl der Netto-Toten im Vergleich zu Vorjahren) auch noch Recht bekommen. Allein durch die Einschränkung der elektiven Medizin-Eingriffe wird es zu weniger Krankheitslast und auch Todesfällen kommen (wir wissen alle, dass iatrogen sehr viele Probleme entstehen...). Auch dass Risikogruppen nicht mehr so "riskant"unterwegs sind (auch ein normales Erkältungsvirus kann für sie ja problematisch sein), man evtl mehr Rücksicht aufeinander nimmt, sich Leute einfach endlich mal öfter die Hände waschen und zu Hause bleiben wenn sie krank sind, wird doch die Statstik total verzerren und die Kritiker jetziger Maßnahmen werden dann erstrecht noch bestätigt: "war doch nicht so schlimm", "war alles übertrieben", etc
Was denkt ihr dazu?

Was vielleicht auch nur mein Problem ist:
Teilweise wird mir wenn ich Bekannten die wissenschaftlichen Fakten darstelle, wie sind sind, Aggressivität unterstellt - geht es euch auch so, oder bin ich einfach unfähig, genug Emoticons in meine whatsApp-Nachrichten zu integrieren (natürlich finden diese Diskussionen über whatsApp statt -evtl ist auch das der Fehler...). Wie geht es euch da?
Danke und viele Grüße!

Mr. Pink online
03.04.2020, 16:37
Aktuell schlagen tatsächlich deutlich weniger Menschen in der Notaufnahme auf. Die Frage ist ob der Hausarrest tatsächlich gegen die STEMIs und Septitiden dieser Welt hilft oder ob die nicht einfach irgendwo tot in einer Wohnung liegen und noch nicht gefunden worden.

Salzi19
03.04.2020, 16:39
Müssten dafür nicht die Unfälle im häuslichen Bereich bzw. durch die Gartenarbeit hochgehen? :-blush

Kandra
03.04.2020, 16:44
Unsere Theorie ist, dass die Kinder durch die Isolation tatsächlich weniger krank werden und zusätzlich die Eltern vllt auch Angst haben, wegen Banalitäten in die Notaufnahme zu kommen und sich dort evtl anzustecken. Schwangere gibts aktuell auch kaum und Frühchen irgendwie auch nicht. Aber letztes Jahr um die Zeit war wohl bei uns auch Frühchen-Flaute (darf auch gerne nächste Woche in meinen Nächten noch so bleiben :-wow ;-) )

Autolyse
03.04.2020, 16:47
Korrigiere mich bitte, wenn es da andere Zahlen gibt, die ich nicht gesehen habe. (Ich komme aus NRW, der Karneval ist mir aber egal, ich war in Bayern Ski fahren)[...]
Wie viele Zahlen hat Taiwan und welche Maßnahmen hat Taiwan ergriffen statt Symbolpolitik zu machen? ;-)

/Tante Edith meint, dass wir vor allem merken, dass die ganzen Fieber/Bauchschmerzen seit zwei Stunden zu Hause bleiben. Außerdem hilft der saisonale Effekt mittlerweile mit. RSV und Influenza sind ja deutlich zurückgegangen. Die Pyelonephritiden sind ja konstant vom Aufkommen her.

Remember
03.04.2020, 16:50
Es ist immer einfach im Nachhinein zu sagen, dass man es besser wissen musste. Wir hatten vor Karneval in Europa quasi keine Fälle.

Autolyse
03.04.2020, 16:52
Damit war natürlich auch überhaupt nicht zu rechnen, dass sich das ausbreitet...

Bonnerin
03.04.2020, 16:53
Wie viele Zahlen hat Taiwan und welche Maßnahmen hat Taiwan ergriffen statt Symbolpolitik zu machen? ;-)

Du meinst konsequente Überwachung aller Bürger? Dann wär man aber an dem Punkt, wo man in den Medien mal aufhören darf, Ungarn, Polen und China zu kritisieren, denn dann wären wir auch hier wieder im Überwachungsstaat angekommen. Wobei ich zugeben muss, dass ich persönlich (und mein Umfeld) gerade viel mehr Angst vor den Bürgern in diesem Land und um die Demokratie hat als um Corona. Ja, jetzt werden hier Leute anmerken, wie naiv das ist, etc. Aber so, wie man den Söder feiert, der sich um die Gewaltenteilung gar nicht kümmert oder Laschet, der dann nach ner Klage zu dem Thema das „Notstandsgesetz“ aus der Schublade zieht...anscheinend gabs nicht genug Geschichtsunterricht in vielen Schulen. So, wie die Öffentlichkeit nach noch härteren Maßnahmen ruft.

Schön, wenn man das mit elektronischen Fußfesseln a la Hongkong besser in den Griff bekommen hätte, aber dann sind wir an dem Punkt, wo auch die 2. Demokratie in Deutschland nicht mal 100 Jahre gehalten hat und das will ich eigentlich noch weniger miterleben müssen als diese Pandemie momentan.